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| Wochenbericht des DIW Berlin 30/01
Zur Rolle der privaten und öffentlichen Forschungseinrichtungen in europäischen Innovationssystemen | |||
| Bearbeiter |
Brigitte Preißl Ulrich Wurzel | ||
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| Das DIW Berlin hat im Auftrag der Europäischen Kommission nationale Forschungs- und Innovationssysteme in Europa untersucht. Die Studie wurde zusammen mit Forscherteams aus sechs europäischen Ländern durchgeführt. [1] Die Analyse ergab, dass die staatliche Grundfinanzierung für die öffentlichen Forschungseinrichtungen in allen beteiligten Ländern abnimmt. Dies geht einher mit einer deutlichen Zunahme der Auftragsforschung. In Projekten für industrielle und öffentliche Auftraggeber deutet sich dadurch eine verstärkte Konkurrenz zwischen öffentlichen/halböffentlichen Forschungsinstituten und privaten Dienstleistungsfirmen an. Je nach den länderspezifischen Eigenheiten der Innovationssysteme ist die Ausrichtung des Outputs der Forschungsinstitute auf akademische Publikationen, Beiträge zu industriellen Innovationsprozessen, Lehre und Ausbildung sowie staatliche Forschungsaufträge und Politikberatung sehr unterschiedlich. Auch gibt es länderspezifische Muster für die jeweiligen Funktionen von Dienstleistungsfirmen und Forschungsinstituten in industriellen Innovationsprozessen. Infolge der Straffung des Systems öffentlicher Forschungseinrichtungen einerseits und veränderter Bedürfnisse innovierender Unternehmen andererseits entsteht eine neue Arbeitsteilung zwischen den an Innovationsprozessen Beteiligten. | |||
| Nationale Innovationssysteme und Forschungsförderung | Effizienz und Intensität der
Innovationstätigkeit in einer Volkswirtschaft hängen nicht nur
von unternehmerischen Entscheidungen ab, sondern auch von institutionellen
Rahmenbedingungen, der öffentlichen Forschungslandschaft, den Transferinstituten
sowie dem Zugang zu Kapital und zu qualifizierten Arbeitskräften. Volkswirtschaften
weisen historisch gewachsene und politisch geprägte Besonderheiten
in ihren "Nationalen Innovationssystemen" [2]
auf, deren Wirkungsweise Gegenstand wirtschafts- und forschungspolitischer
Analysen ist. Dabei geht es nicht zuletzt um die Legitimation der öffentlichen
Forschungsförderung im Hinblick auf die Verwertbarkeit von Ergebnissen
aus der Grundlagenforschung in industriellen Innovationsprozessen. [3]
Angesichts angespannter Haushaltslagen kommt einer Steigerung der Effektivität
und Effizienz der Forschungsförderung große Bedeutung zu. Folge
ist eine stärkere Förderung der anwendungsbezogenen Forschung
zulasten der Grundlagenforschung. [4]
Weitere Instrumente zur Effizienzsteigerung werden in der Förderung
der Konkurrenz zwischen privaten und öffentlichen Anbietern von Forschungsdienstleistungen
sowie in der Privatisierung von Forschungsaktivitäten gesehen. Dadurch
sollen marktwirtschaftliche Anreize in den Innovationssystemen verstärkt
werden.
Die Ergebnisse stützen sich auf schriftliche Befragungen von öffentlichen bzw. öffentlich geförderten Forschungs- und Technologieinstituten (ÖFI) und privaten wissensintensiven Dienstleistungsunternehmen (WDL) in Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, Portugal und Großbritannien. [5] Die Befragungen hatten Pilotcharakter. Wegen der geringen Zahl der antwortenden WDL können die Ergebnisse für diese Gruppe nicht als repräsentativ angesehen werden, während sie im Fall der ÖFI durchaus generalisiert werden können. | ||
| Ein breites Spektrum von Organisationsformen | Die untersuchten Forschungseinrichtungen
weisen in allen Ländern eine große Bandbreite von Organisationsformen
auf. Es handelt sich dabei um private Unternehmen, halböffentliche
oder öffentliche Einheiten. Sie können sowohl profitorientiert
als auch nicht profitorientiert sein und besitzen unterschiedliche juristische
Organisationsformen (z. B. Stiftungen, GmbHs, Vereine). So sind etwa in
Deutschland von den öffentlichen Organisationen einige als Stiftungen,
die übrigen als eingetragene Vereine organisiert. [6]
In den Niederlanden, in denen nur ÖFI befragt wurden, sind 53 % öffentliche,
12 % halböffentliche und 7 % private Einrichtungen mit Stiftungscharakter.
In Schweden sind alle 19 ÖFI halböffentliche Organisationen. Die
Befragungsteilnehmer in Großbritannien wurden in sechs Kategorien
eingeteilt: staatliche Forschungslaboratorien (20 % der Stichprobe), Hochschulinstitute
(13 %), öffentliche (staatliche) Unternehmen (3 %), not-for-profit
companies (29 %) und private Unternehmen (42 %). Die ersten drei dieser
Kategorien werden hier als öffentlich (ÖFI), die anderen beiden
als privat (WDL) klassifiziert. Die ÖFI in Portugal sind zu 41 % Universitätszentren,
zu 35 % staatliche Laboratorien, zu 8 % private not-for-profit-Organisationen
und zu 14 % Ministerialabteilungen oder Regierungsorganisationen. [7]
Die fachliche Ausrichtung der hier untersuchten ÖFI hat ebenfalls eine große Bandbreite. So können in Norwegen zwei große Gruppen von ÖFI unterschieden werden: technisch-industrielle Einheiten (30 Fälle) und Lebensmittelforschungsinstitute (22 Fälle). In Portugal gehören die ÖFI ausschließlich dem Biotechnologiesektor an. In den anderen Ländern ist ein breiteres Spektrum von Forschungsrichtungen vertreten. Die WDL umfassen mit unterschiedlichem Gewicht Anbieter von Software, FuE-Dienstleistungen, technologischen Analysen und Tests, Ingenieurdienstleistungen und Beratung. In der deutschen Befragung war beispielsweise eine größere Gruppe von EDV-Dienstleistern und Softwareanbietern vertreten; in Schweden sind die WDL vor allem Anbieter von FuE-Leistungen. | ||
| Größenstruktur sehr unterschiedlich | Tabelle 1 gibt einen Überblick über die Größenverteilung der ÖFI und WDL nach Umsatz/Budget und Beschäftigten. Während in der portugiesischen und schwedischen Stichprobe kleine und mittelgroße Einheiten überwiegen, besteht in Deutschland und Großbritannien bei den ÖFI ein Übergewicht der größeren Organisationen; bei den privaten Dienstleistern überwiegen eindeutig kleinere Firmen. Auch Norwegen hat einen hohen Anteil kleiner Institute, insbesondere bei den staatlichen Einrichtungen. Akademische und Universitätsinstitute scheinen generell deutlich kleiner zu sein als andere ÖFI. WDL sind in der Regel eher kleine Unternehmen, während unter den ÖFI häufiger auch große Organisationen zu finden sind (Tabelle 1). [8] | ||
| Organisatorische
Anbindung: Große Vielfalt der institutionellen Arrangements |
Die organisatorische Zugehörigkeit von ÖFI und WDL zu größeren Organisationen kann einen positiven Einfluss auf die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen haben, gleichzeitig jedoch auch die Selbständigkeit und Selbstbestimmung bei FuE-Aktivitäten, Finanzierung und unternehmerischen Initiativen einschränken. Deutschland und die Niederlande unterscheiden sich hier klar von den übrigen beteiligten Ländern. In den Niederlanden sind 67 % der ÖFI an einer Universität angesiedelt, 14 % gehören zu den größeren Forschungsgesellschaften (z. B. TNO oder TTI), 5 % sind an ein Ministerium angebunden und weitere 5 % an andere Organisationen - nur 9 % sind unabhängig. Auch 74 % aller deutschen ÖFI und WDL sind auf die eine oder andere Art mit anderen Organisationen verbunden: 41 % der Institutionen gehören zu einer Forschungsgesellschaft, 28 % zu einer Universität, 20 % zu einem Ministerium, 4 % zu Unternehmen und 6 % zu anderen Institutionen. [9] Die meisten ÖFI in Schweden und in Großbritannien sind unabhängig; für Portugal und Norwegen ergaben sich keine spezifischen Muster der Anbindung an andere Organisationen. | ||
| Unterschiede in den Finanzierungsstrukturen | Die Budgets der Forschungseinrichtungen
beruhen in der Regel auf vier Finanzierungsquellen:
- Institutionelle staatliche (oder gemeinnützige) Grundfinanzierung, In einigen europäischen Ländern wird die institutionelle staatliche Grundfinanzierung der ÖFI zugunsten einer Finanzierung auf Projekt- oder Programmbasis zurückgefahren. Die Regierungen versuchen auf diesem Wege auch, eine bessere Kontrolle der FuE-Aktivitäten und der dafür aufgewandten Ressourcen zu erlangen sowie den Wettbewerb zwischen den ÖFI zu erhöhen und die Flexibilität bei der Mittelverwendung zu steigern. Infolgedessen nehmen die den ÖFI für langfristige Projekte von grundlegender wissenschaftlicher Bedeutung zur Verfügung stehenden Ressourcen ab. Auch die privaten WDL beziehen ihre Finanzierung meist aus mehreren Quellen, unter anderem aus Aufträgen für staatliche oder öffentliche Institutionen. In einigen wenigen Fällen (in Deutschland und Großbritannien) erhalten ausgewählte WDL sogar eine institutionelle Grundfinanzierung aus öffentlichen Geldern (Tabelle 2). Beim Umfang der staatlichen institutionellen Finanzierung bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Dabei befinden sich Deutschland und Großbritannien am oberen Ende, die Niederlande besetzen einen mittleren Platz, und Schweden findet sich am unteren Ende der Skala. Der hohe Anteil von etwa 70 % der Budgets deutscher ÖFI aus Mitteln der staatlichen institutionellen Grundfinanzierung erklärt sich zum großen Teil aus der hohen Zahl von öffentlichen bzw. öffentlich geförderten Organisationen in der deutschen Stichprobe (etwa 35 % der ÖFI gehören zu dieser Kategorie). Im Gegensatz dazu umfasst die schwedische Stichprobe keine staatlichen oder staatlich kontrollierten Organisationen oder Universitätsinstitute. Britische Organisationen beziehen geringere Finanzierungsbeiträge aus Aufträgen staatlicher Institutionen als die deutschen Institute. In den Niederlanden ist der öffentliche Finanzierungsanteil beachtlich, wobei ein relativ hoher Teil auf die Auftragsforschung entfällt. Während in Schweden der öffentliche Anteil an den Budgets der Institute außerordentlich gering bleibt, speisen portugiesische ÖFI fast ihre gesamten Budgets aus öffentlichen Quellen. Die institutionelle staatliche Grundfinanzierung verringerte sich in allen Ländern von 1995 bis 1999 (mit Ausnahme Großbritanniens, wo sich für die öffentlichen Institute eine leichte Erhöhung des relativen Anteils ergab). In Portugal wurde diese Entwicklung durch ein größeres Gewicht von Aufträgen staatlicher Institutionen kompensiert, während in den Niederlanden und in Deutschland die Abnahme der öffentlichen Finanzierung durch höhere Anteile von Aufträgen seitens der Industrie abgefangen wurde. Die meisten ÖFI erwarten, dass der Anteil der staatlichen Grundfinanzierung in Zukunft weiter abnimmt, wobei mit den stärksten Einschnitten in Deutschland und den Niederlanden gerechnet wird. Entsprechend werden Aufträge für die Industrie bis zum Jahre 2002 ein höheres Gewicht bei der Finanzierung haben. ÖFI und WDL werden also in Zukunft intensiver sowohl um staatliche Forschungsaufträge als auch um Industrieverträge konkurrieren. Die Angaben über die Finanzierungsanteile zeigen, dass die traditionelle Unterscheidung zwischen ÖFI und WDL, bei der Erstere hauptsächlich für den öffentlichen und Letztere überwiegend für den Privatsektor arbeiten, im Prinzip noch immer Gültigkeit hat. Die Veränderungen waren in den vergangenen fünf Jahren eher gradueller als radikaler Natur. | ||
| Funktionale Differenzierung beim Output | ÖFI und WDL unterscheiden sich
unabhängig von institutionellen Merkmalen vor allem nach ihren Funktionen
im Innovationssystem. Diese können an der Struktur ihres Outputs gemessen
werden. Die Befragungsteilnehmer wurden deshalb gebeten, den Arbeitsaufwand
der Einrichtung für fünf grundlegende Output-Arten zu nennen.
Gleichzeitig sollten sie Veränderungen in der Output-Struktur von 1995
bis 1999 angeben und die Zusammensetzung der Arbeitsergebnisse für
das Jahr 2002 schätzen [10]
(Tabelle 3).
Bei den ÖFI sind Beiträge zur Diskussion in der "Scientific Community" der wichtigste Output in allen beteiligten Ländern. Selbst in Schweden, einem Land mit relativ geringer öffentlicher Finanzierung, werden auf derartige Aktivitäten große Teile der Arbeitsinputs verwendet. Während deutsche, niederländische und portugiesische ÖFI 20 bis 25 % ihres Outputs für Bildung und Ausbildung im öffentlichen Interesse aufwenden, spielen diese Tätigkeiten in Schweden keine große Rolle. Studien für die gewerbliche Wirtschaft absorbieren in Deutschland, den Niederlanden und Portugal etwas weniger als ein Fünftel des Arbeitsinputs, in Schweden etwa zwei Fünftel. Mit Blick auf Projekte für öffentliche Körperschaften unterscheiden sich Schweden und Portugal deutlich von den anderen Ländern: Hier fallen nur rund 4 % des Arbeitsvolumens in diese Kategorie, während in Deutschland und den Niederlanden etwa ein Fünftel der Arbeitsinputs für diese Form der Politikberatung aufgewendet wird. Gemessen am Gewicht der staatlichen institutionellen Grundfinanzierung entfallen in Deutschland im Vergleich etwa mit den Niederlanden und Schweden relativ geringe Teile der Forschungsaktivitäten auf wissenschaftliche Publikationen. Hier nehmen Bildung und Ausbildung im öffentlichen Interesse sowie die Politikberatung für öffentliche Körperschaften einen höheren Anteil ein als in anderen Ländern. Bei den privaten Dienstleistungsfirmen in Deutschland und Schweden dominieren beim Output, wie erwartet, Studien für die gewerbliche Wirtschaft. Fast alle Befragten aus den ÖFI rechnen mit einer weiteren Abnahme des Anteils der wissenschaftlichen Grundlagenforschung zugunsten der innovationsrelevanten Dienstleistungen für die gewerbliche Wirtschaft. Im Gegensatz dazu erwarten beispielsweise schwedische WDL eine Zunahme des wissenschaftlichen Outputs. In Großbritannien sind die Veränderungen der Output-Struktur am deutlichsten: Eine starke Erhöhung des Anteils von Studien für die gewerbliche Wirtschaft in den Jahren 1995 bis 1999 wird von einem ebenso eindrucksvollen Rückgang der Politikberatung begleitet. [11] In der Umfrage wurden hierzu detailliertere Angaben erbeten. Dabei sind die Beiträge zur Diskussion in der "Scientific Community" in drei Untergruppen eingeteilt worden: - Zeitschriften/Buchveröffentlichungen,
Die ÖFI in Schweden halten Konferenzbeiträge und Forschungsberichte für die Öffentlichkeit für weitaus wichtiger als Zeitschriften- und Buchveröffentlichungen (Tabelle 4). Dies unterstreicht, dass schwedische ÖFI stärker auf die angewandte als die theoretische Forschung orientiert sind. Im Gegensatz dazu werden in Deutschland Publikationen als die mit Abstand wichtigste Output-Form angesehen, jedoch werden auch Konferenzbeiträge als sehr wichtig eingestuft. Ein ähnliches Bild ergibt sich für die Niederlande. Studien für die gewerbliche Wirtschaft wurden unterschieden in: - Technologieberatung/Technologietransfer (z. B. Information, Selektion
und Einführung neuer Technologien, Entwicklung von Standards),
Die Umfrage zeigte, dass die Technologieberatung sowie Konstruktion und Erprobung in allen drei Ländern als wichtigste Aktivitäten angesehen werden. Der Prozessoptimierung wird in Deutschland und in den Niederlanden nur eine geringe bis mittlere Bedeutung zugemessen; lediglich in Schweden wird sie als wichtiger Bestandteil des Outputs angesehen. Prozessoptimierung, betriebswirtschaftliche Beratung und Zertifizierung sind für die ÖFI in allen hier betrachteten Ländern weitaus weniger wichtig als Technologieberatung/Technologietransfer sowie Konstruktion und Erprobung. In der Kategorie Projekte für öffentliche Körperschaften sind in Deutschland und in den Niederlanden Studien und die Formulierung von politischen Programmen etwas bedeutender als die anderen beiden Untergruppen (Unterstützung/Durchführung von Programmen und deren Evaluierung). In Schweden ist für die ÖFI die Programm-Implementierung wichtiger als die anderen beiden Untergruppen (Programmdesign und -evaluierung). | ||
| Wissensintensive Dienstleister in Schweden und Deutschland im Vergleich | WDL wurden detailliert nur für Deutschland und Schweden untersucht. Tabelle 5 enthält die Resultate für die disaggregierten Output-Kategorien. [12] Deutsche WDL setzen einen überraschend hohen Anteil ihrer Arbeitsinputs für Publikationen und Konferenzbeiträge ein. Offensichtlich spielt die Präsentation der Forschungsergebnisse eine wichtige Rolle für das Marketing dieser Unternehmen. Während deutsche WDL in gewissem Umfang zur Bildung und Ausbildung im öffentlichen Interesse beitragen - vorrangig durch die Durchführung von Praktika und weniger durch die Unterstützung von Postdoc-Qualifizierungsmaßnahmen -, werden diese Tätigkeiten in Schweden als weniger wichtig betrachtet. Schwedische WDL gaben eine deutliche Dominanz von Konstruktions- und Erprobungsaktivitäten für die Industrie an, während die anderen industriebezogenen Output-Kategorien weniger wichtig sind als in deutschen WDL. Die Bedeutung der betriebswirtschaftlichen Beratung wird in Deutschland signifikant höher eingeschätzt als in Schweden; Zertifizierungsaktivitäten spielen in beiden Ländern kaum eine Rolle (Tabelle 5). | ||
| Wettbewerb im Markt für Forschungsleistungen verschärft sich | Organisationen, die innovationsrelevante
Dienstleistungen anbieten, sehen sich zunehmendem Wettbewerb ausgesetzt.
Dabei haben die meisten ÖFI und WDL in allen Ländern starke Wettbewerber
innerhalb ihrer eigenen Gruppe, d. h. ÖFI stehen in Konkurrenz zu ÖFI,
und WDL arbeiten im selben Markt wie andere WDL (Tabelle
6). In Schweden empfinden die Befragten den Wettbewerb zwischen den
ÖFI und WDL stärker als in den Niederlanden und in Deutschland.
Niederländische ÖFI stehen meistens mit Universitäten im
Wettbewerb, auch deutsche und schwedische ÖFI betrachten Universitäten
als ihre Konkurrenten. Dies ist bei den WDL und den Forschungsabteilungen
von produzierenden Unternehmen weitaus seltener der Fall.
Die ÖFI in Deutschland und Schweden sehen die WDL in geringerem Maße als ihre Wettbewerber an als umgekehrt. Von den WDL wurden ÖFI, Universitäten und andere Unternehmen in beiden Ländern gleich häufig als Wettbewerber genannt. Die meisten Anbieter von innovationsrelevanten Dienstleistungen sehen ihre Spezialisierung als wichtigsten Wettbewerbsvorteil an. Die Qualität ihrer Arbeit und die Erfahrung aus früheren Projekten sind weitere wichtige Faktoren. Das jeweilige Forschungsgebiet und langjährige Erfahrung sind für die ÖFI etwas bedeutender als für die WDL. Die angewandten Methoden unterscheiden ÖFI in Deutschland und Schweden von ihren Wettbewerbern; niederländische ÖFI sehen dies weniger als Erfolgsfaktor an. Während andere Faktoren, wie Interdisziplinarität oder Größenvorteile (Economies of Scale), nur selten als zusätzliche Wettbewerbsvorteile genannt wurden, scheint für niederländische ÖFI insbesondere die Unabhängigkeit der Institute wichtig zu sein. Überraschenderweise sind Kostenvorteile als Wettbewerbsfaktor für WDL weitaus wichtiger als für die ÖFI (Tabelle 7). [13] | ||
| Servicefunktionen im Innovationsprozess | Um den Beitrag der ÖFI und WDL
zu Innovationsprozessen zu untersuchen, wurden modellhaft zehn idealtypische
Grundfunktionen unterschieden. Die Befragungsteilnehmer wurden gebeten,
die von ihnen angebotenen Funktionen zu nennen (Tabelle
8).
Die Ergebnisse der Befragungen zeigen im Ländervergleich ein unterschiedliches Bild sowohl im Hinblick auf die Breite des Angebots der Institutionen als auch in Bezug auf die Arbeitsteilung zwischen ÖFI und WDL. Die Innovationsfunktionen, die von deutschen, niederländischen und schwedischen ÖFI am häufigsten angeboten werden, sind Grundlagenforschung und Produkt- oder Prozessentwicklung. Tests, Prototypenbau, Machbarkeits- und Marktstudien sowie die Beschaffung und Sichtung von innovationsrelevanten Informationen nehmen mittlere Plätze ein. Die WDL wiederum haben hier bei Planung, Projekt- und Personalmanagement, beim Prototypenbau und bei der Markteinführung ein wichtige Rolle. In Großbritannien werden von einem großen Teil der ÖFI und WDL mit Ausnahme der Markteinführung alle Dienstleistungen gleichermaßen angeboten, jedoch konzentrieren sich hier die ÖFI auf Grundlagenforschung, Produktentwicklung, Tests und die Bereitstellung von Informationen, während die WDL hauptsächlich Machbarkeits- und Marktstudien, Produktentwicklung, Projektmanagement, Tests und Implementierung nannten. Insgesamt ergibt sich daraus, dass es im Bereich von Produktentwicklung und Tests zu den meisten Überschneidungen der Aktivitäten von ÖFI und WDL kommt. Die Unterschiede in den Anteilen von ÖFI und WDL, die bestimmte Dienstleistungen anbieten, sind in Großbritannien weitaus stärker ausgeprägt als in den anderen Ländern. Aber auch in Deutschland sind die ÖFI gegenüber den WDL stärker in den früheren Phasen des Innovationsprozesses engagiert (erste drei Servicefunktionen), während bei der Umsetzung (folgende vier Funktionen) beide Organisationstypen gleich stark involviert sind. WDL haben ein deutliches Übergewicht bei den marktnäheren Servicefunktionen (letzte drei Kategorien). | ||
| Fazit | Trotz unterschiedlicher institutioneller
Ausgestaltung der Forschungssysteme und Dienstleistungsmärkte in verschiedenen
Ländern lassen sich gemeinsame Trends in der Bereitstellung innovationsrelevanter
Dienstleistungen erkennen. Im Zuge der Ausdifferenzierung der Dienstleistungsökonomie
bildet sich neben dem traditionellen System, in dem öffentliche oder
öffentlich geförderte Forschungs- und Technologieinstitute innovationsrelevantes
Wissen hervorbringen und verbreiten, eine "zweite Wissensinfrastruktur"
in Form von privatwirtschaftlichen unternehmensbezogenen, wissensintensiven
Dienstleistungsfirmen heraus. Diese gewinnen zunehmend an Bedeutung für
die Umsetzung von Innovationen, indem sie verschiedene im Innovationsprozess
relevante Funktionen kombinieren. Die Arbeitsteilung von öffentlich
geförderten Forschungseinrichtungen einerseits, die stärker (auch
akademisch orientierte) Grundlagenforschung betreiben, und privaten Dienstleistungsfirmen
andererseits, die eher unmittelbar produktionsbezogene Beratungs- und Implementierungsleistungen
erbringen, bildet nach wie vor in allen untersuchten Ländern das Grundmuster
für die Erbringung von Innovationsinputs.
Innovationen erfordern das Zusammenwirken verschiedener Institute und Unternehmen. Eine Zusammenführung von unterschiedlichen Kompetenzen über Organisationsgrenzen hinweg erleichtert die Durchführung von Innovationen gerade in kleinen und mittleren Unternehmen. Dies kann durch Kooperation und Vernetzung der Akteure geschehen oder durch eine Erweiterung des Dienstleistungsspektrums öffentlicher und privater Organisationen. Dabei sollten die spezifischen Profile öffentlich geförderter Institute nicht verloren gehen, denn Forschungsinstitute sind für die Industrie nur dann als Kooperationspartner interessant, wenn sie auf der Basis einer soliden Grundlagenforschung Ergebnisse liefern können, die weder im Unternehmen selbst noch von Unternehmensberatern zur Verfügung gestellt werden. Dennoch zeigen die Erfahrungen in anderen Ländern, dass eine ausgeprägtere Dienstleistungsorientierung von Forschungsinstituten sinnvoll ist, um die eigenen Forschungsergebnisse besser in die industriellen Innovationsprozesse einzubringen.
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 1
Größenstruktur der befragten Forschungsinstitute (1)
-------------------------------------------------------------------------------
Größenstruktur (2) in %
Zahl der Antwortenden
Klein Mittel Groß
Deutschland ÖFI 21 44 35 104
WDL 79 21 0 28
Schweden ÖFI 42 47 11 19
WDL 73 17 10 32
Großbritannien ÖFI 22 11 66 20
WDL 48 30 22 13
Portugal ÖFI 57 29 14 37
Norwegen WDL 90 6 4 57
-------------------------------------------------------------------------------
(1) Öffentliche bzw. öffentlich geförderte Institute (ÖFI) und wissensintensive
Dienstleistungsunternehmen (WDL).
(2) Anhand eines kombinierten Größenindikators zusammengestellt
(Niederlande k. A.).
Quelle: DIW Berlin.
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 2
Finanzierungsquellen der befragten Forschungsinstitute (1)
in % der Budgets und Umsätze (Durchschnitt)
-------------------------------------------------------------------------------
Institutionelle Aufträge Projekte für Projekte für die
staatliche staatlicher nicht-gewerbl. private Wirtschaft
Grundfinanzierung Institutionen Institutionen
1995 1999 1995 1999 1995 1999 1995 1999
Deutschland
ÖFI 70 67 19 19 3 2 9 13
WDL 17 12 13 11 5 4 65 73
Niederlande
ÖFI 50 49 28 28 10 8 13 18
Schweden
ÖFI - 12 - 30 - 9 - 51
WDL - 0 - 9 - 2 - 81
Großbritannien
ÖFI 64 65 13 12 9 9 13 15
WDL 5 4 29 21 7 6 53 67
Portugal
ÖFI 44 42 49 52 1 2 6 3
-------------------------------------------------------------------------------
(1) Öffentliche bzw. öffentlich geförderte Institute (ÖFI) und wissensintensive
Dienstleistungsunternehmen (WDL).
Quelle: DIW Berlin.
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 3
Struktur der Arbeitsergebnisse in den befragten Forschungsinstituten (1)
-------------------------------------------------------------------------------
In % des Arbeitsaufwandes für ...
Beiträge Bildung/
zur Diskussion Ausbildung Studien Projekte
in der im für die für öffent- andere
"Scientific öffentlichen gewerbliche liche Kör- Aktivitäten
Community" Interesse Wirtschaft perschaften
1995 1999 1995 1999 1995 1999 1995 1999 1995 1999
Deutschland
ÖFI 46 43 21 20 15 17 18 20 - -
WDL 16 19 21 17 50 48 13 15 - -
Niederlande 44 41 25 21 12 20 20 19 - -
Schweden
ÖFI 46 42 8 8 41 44 4 4 - 3
(3,6) (4,4)
WDL - 5 - 5 - 74 4 - - 12
Großbritannien 12 13 2 5 47 56 36 27 - -
Portugal 58 54 27 23 9 18 4 4 2 1
-------------------------------------------------------------------------------
(1) Öffentliche bzw. öffentlich geförderte Institute (ÖFI) und wissensintensive
Dienstleistungsunternehmen (WDL).
Quelle: DIW Berlin.
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 4
Bedeutung der Arbeitsergebnisse für Forschungs- und Technologieinstitute (1)
in % der Antwortenden
-------------------------------------------------------------------------------
Deutschland Niederlande Schweden
Arbeitsergebnisse
Gering Mittel Hoch Gering Mittel Hoch Gering Mittel Hoch
Beiträge für die
"Scientific Community"
Veröffentlichungen 11 23 66 6 19 75 64 32 4
Forschungsberichte 26 49 25 33 39 28 26 26 48
Konferenzbeiträge 12 36 53 8 33 59 10 64 26
Bildung/Ausbildung im
öffentlichen Interesse
Praktika,
Diplomarbeiten 17 24 59 31 19 50 48 32 20
Promotionen,
Habilitationen 25 17 58 28 19 54 31 42 26
(2) (2)
Studien für die ge-
werbliche Wirtschaft
Technologieberatung/
Technologietransfer 45 23 32 44 25 31 5 32 63
Konstruktion/Erprobung 52 20 28 44 28 28 11 26 63
Prozessoptimierung 65 16 18 73 25 2 32 16 53
Betriebswirtschaf-
tliche Beratung (3) 79 12 10 75 22 3 84 5 11
Zertifizierung 90 5 5 92 3 5 78 11 11
Projekte für öffent-
liche Körperschaften
Studien,
Programmdesign 55 21 24 44 31 25 68 32 0
Hilfe bei der Pro-
grammimplementierung 69 18 13 58 28 14 58 37 5
Programmevaluierung 65 23 11 56 28 16 89 11 0
-------------------------------------------------------------------------------
(1) Öffentliche bzw. öffentlich geförderte Institute.
(2) Geschätzt.
(3) In Schweden wurde diese Kategorie durch "Operational Services" ersetzt.
Quelle: DIW Berlin.
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 5
Bedeutung der Arbeitsergebnisse für private wissensintensive
Dienstleistungsunternehmen in % der Antwortenden
-------------------------------------------------------------------------------
Deutschland Schweden
Arbeitsergebnisse
Gering Mittel Hoch Gering Mittel Hoch
Beiträge für die "Scientific Community"
Veröffentlichungen 43 18 39 97 0 3
Forschungsberichte 64 21 14 88 12 0
Konferenzbeiträge 32 32 36 94 6 0
Bildung/Ausbildung
im öffentlichen Interesse
Praktika, Diplomarbeiten 32 46 21 77 23 0
Promotionen, Habilitationen 75 14 11 94 6 0
Studien für die gewerbliche Wirtschaft
Technologieberatung/
Technologietransfer 29 29 43 49 32 19
Konstruktion/Erprobung 29 36 36 29 13 58
Prozessoptimierung 43 25 32 45 42 13
Betriebswirtschaftliche Beratung 50 25 25 74 19 6
Zertifizierung 75 14 11 83 13 3
-------------------------------------------------------------------------------
Quelle: DIW Berlin.
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 6
Konkurrenz der befragten Forschungsinstitute (1) in % der jeweils Antwortenden
-------------------------------------------------------------------------------
Deutschland Schweden Niederlande Norwegen (2)
Konkurrenten
ÖFI WDL ÖFI WDL ÖFI ÖFI
Andere ÖFI 81 54 95 72 86 41
Universitäten (3) 75 50 89 72 88 34
Andere WDL 48 61 63 76 81 9
FuE-Abteilungen in Pro-
duktionsunternehmen 43 54 21 68 79
-------------------------------------------------------------------------------
(1) Öffentliche bzw. öffentlich geförderte Institute (ÖFI) und wissensintensive
Dienstleistungsunternehmen (WDL).
(2) In der norwegischen Umfrage wurde nach "mittlerer und starker Konkurrenz"
gefragt, es wurde nicht zwischen WDL und Produktionsunternehmen unterschieden.
(3) ÖFI enthalten in den hier genannten Ländern angeschlossene Institute,
aber keine Universitätslehrstühle.
Quelle: DIW Berlin.
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 7
Wichtige Wettbewerbsvorteile der befragten Forschungsinstitute (1)
in % der Antwortenden
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Deutschland Schweden Niederlande
ÖFI WDL ÖFI WDL ÖFI
Forschungsrichtung/Spezialisierung
des Instituts 98 44 100 90 95
Arbeitsweise 50 26 63 42 29
Qualität der Arbeit 80 82 79 58 83
Frühere Erfahrungen 52 46 95 90 88
Kostenvorteile 33 44 16 23 20
Anforderungen an Vertraulichkeit 11 11 - - 20
-------------------------------------------------------------------------------
(1) Öffentliche bzw. öffentlich geförderte Institute (ÖFI) und wissensintensive
Dienstleistungsunternehmen (WDL).
Quelle: DIW Berlin.
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 8
Anteil aller Antwortenden, die diese Dienstleistungsfunktion anbieten (in %)
-------------------------------------------------------------------------------
Forschungsinstitute (1)
Funktion Land
WDL ÖFI Alle
D 32 60 54
Grundlagenforschung NL - 100 100
S 64 95 77
GB 56 100 68
D 63 65 64
Beschaffung und Sichtung der NL - 88 88
notwendigen Informationen S 11 26 55
GB 76 78 76
D 58 57 57
Machbarkeitsstudien und NL - 64 64
Marktstudien S 55 63 59
GB 84 56 76
D 45 67 62
Produkt- und Verfahrens- NL - 72 72
entwicklung S 93 95 94
GB 76 67 74
D 58 35 40
Planung, Projektmanagement, NL - 32 8
Personalmanagement S - - -
GB 84 56 76
D 58 51 52
Prototypenbau NL - 44 44
S 50 58 53
GB 68 56 65
D 40 60 55
Tests NL - 52 52
S 46 74 57
GB 80 89 82
D 50 46 47
Realisierung und Implementa- NL - - 16
tion der Innovation S 80 - -
GB 16 67 76
D 37 36 36
Dokumentation und Zertifizie- NL - 28 -
rung S 21 11 17
GB 68 56 65
D 45 18 24
Markteinführung NL - 4 -
S 36 21 30
GB 52 44 50
-------------------------------------------------------------------------------
(1) Öffentliche bzw . öffentlich geförderte Institute (ÖFI) und
wissensintensive Dienstleistungsunt ernehmen (WDL).
Quelle: DIW Berlin.
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