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Wochenbericht des DIW Berlin 30/02

Mit welchem Maßstab sind die jüngsten Lohnabschlüsse
zu beurteilen?

Bearbeiter Camille Logeay
In der Metallindustrie ist es Mitte Mai und zuletzt auch in der Bauwirtschaft nach einem kurzen Streik zu einem Tarifabschluss gekommen, der Anlass zu Diskussionen gab. In der lohnpolitischen Diskussion wird in der Regel ein Referenzwert als Maßstab verwendet, der sich aus der Inflations- und der Produktivitätsentwicklung zusammensetzt. [1] Dabei wird zusätzlich noch die Veränderung der Lohnnebenkosten berücksichtigt.

Im vorliegenden Bericht sind verschiedene Methoden zur Ermittlung dieser Größe untersucht worden. Bei einem Vergleich zeigt sich, dass eine Berechnung mittels der trendmäßigen Entwicklung der durchschnittlichen Arbeitsproduktivität plus einem Referenzwert der Inflation das beste Ergebnis liefert. Es gibt am ehesten den Richtwert wieder, der für Lohnerhöhungen zur Verfügung steht und die Stabilität hinsichtlich der Preise, des Wachstums und der Beschäftigung gewährleistet. Beurteilt man die jüngsten Tarifabschlüsse nach diesem Maßstab, so lässt sich festhalten, dass sich die Lohnentwicklung auf einem stabilitätsgerechten Pfad befindet.

Der stabilitätsorientierte Pfad der Lohnentwicklung einschließlich der Lohnnebenkosten wird hier als Summe aus Inflationsrate und Veränderungsrate der Arbeitsproduktivität definiert. Bei der Preissteigerung empfiehlt es sich jedoch, nicht die tatsächlichen Veränderungsraten zugrunde zu legen, sondern eine Rate, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) als Ausdruck von Preisstabilität gewertet wird. Bei der Produktivität sollte ein Durchschnittswert über einen längeren Zeitraum verwendet werden.

Die EZB versteht unter Preisstabilität eine Inflationsrate im positiven Bereich von höchstens 2 %. [2] Es ist daher unerlässlich, statt der tatsächlichen Inflation ein Inflationsziel in den Berechnungen zu verwenden, das mit der stabilitätspolitischen Orientierung der EZB vereinbar ist. Anderenfalls bestünde die Gefahr, dass die Zentralbank restriktiv auf - aus ihrer Sicht - inflationsauslösende Lohnerhöhungen reagiert, was wiederum Wachstum und Beschäftigung beeinträchtigen würde. Für die hier durchgeführten Berechnungen wird ein Inflationsziel von 1,5 % gewählt, das sich aus dem Referenzwert der EZB für das Geldmengenwachstum ergibt. [3] Während ein Wert in dieser Größenordnung weit- gehend akzeptiert ist, ist umstritten, welches Maß für die Produktivitätsgröße herangezogen werden soll.

Die richtige Berechnung der Produktivität - der zweite Term der Richtwertsformel - ist in verschiedener Hinsicht problematisch. Im Folgenden werden vier Punkte diskutiert, die zu einer angemessenen Berechnung führen sollen: die Frage der Durchschnittsproduktivität versus Grenzproduktivität, die Behandlung der konjunkturellen Einflüsse, die Berücksichtigung der Arbeitslosigkeit und die Beurteilung auf der makroökonomischen Ebene statt auf der sektoralen.

Anhand dieses Richtwerts soll die jüngste Lohnentwicklung beurteilt werden. Außerdem werden zu der Frage der angemessenen Lohnentwicklung zwei weitere Probleme diskutiert: Effektivverdienste versus Tarifverdienste und Bruttolohnkosten versus Gesamtlohnkosten.

Grenz- oder Durchschnitts- produktivität? Nach der neoklassischen Theorie entspricht im Gleichgewicht der Reallohn der Grenzproduktivität des Arbeitseinsatzes, also der Produktivität der letzten eingesetzten Arbeitseinheit. Auf diese Standardherleitung gründet sich das Konzept des Richtwerts. Ein gravierendes Problem besteht allerdings darin, dass die Grenzproduktivität nicht beobachtbar ist. Deshalb behilft man sich mit der Durchschnittsproduktivität. Nur unter extrem restriktiven Annahmen über die Form der Produktionsfunktion sind Grenz- und Durchschnittsproduktivität identisch [4] (Kasten).

Der Sachverständigenrat hat in seinem Jahresgutachten 1998/99 eine Berechnung der Grenzproduktivität vorgelegt. Danach ergibt sich, dass der durchschnittliche Zuwachs der Grenzproduktivität in den 90er Jahren höher war als der der Durchschnittsproduktivität. Die vom Sachverständigenrat verwendete Methode ist jedoch fragwürdig. Sie gründet sich zum einen auf eine sehr spezielle Produktionsfunktion, die in ihrer Schlichtheit kaum die komplexe Realität der Produktionsprozesse widerspiegelt. [5] Zum anderen ist das Ergebnis durch die deutsche Vereinigung verzerrt. Im Transformationsprozess Ostdeutschlands stieg, bedingt durch die rasche Lohnangleichung, die Lohnquote für Gesamtdeutschland Anfang der 90er Jahre. Nach dem Konzept des Sachverständigenrats hat dies eine Erweiterung des Richtwerts zur Folge. Tatsächlich handelt es sich aber um eine lohnpolitische Fehlentwicklung, die die Angebotsbedingungen in Ostdeutschland seinerzeit verschlechterte und deshalb hätte korrigiert werden müssen. [6]

Insgesamt scheint der Ansatz, anstelle der Durchschnittsproduktivität eine Grenzproduktivität zu berechnen, aus praktischer Sicht nicht vielversprechend. Die Berechnung der Grenzproduktivität müsste auf der Basis expliziter produktionstheoretischer Überlegungen erfolgen. Über die empirische Relevanz der verschiedenen einschlägigen Produktionsfunktionen bestehen aber große Meinungsunterschiede, so dass auch bei allgemein gültigen Aussagen diese Modelle für die Ermittlung von Verteilungsspielräumen infrage gestellt wären. Insofern ist die Durchschnittsproduktivität - obwohl nicht ideal - die in der Praxis besser geeignete Variable zur Produktivitätsmessung.

Welcher Zeithorizont? Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Durchschnittsproduktivität konjunkturzyklischen Schwankungen unterliegt. Denn die Beschäftigungsentwicklung reagiert später und schwächer auf konjunkturelle Einflüsse als der Output. [7] So zögern bei einem konjunkturellen Einbruch die Unternehmen zunächst Entlassungen hinaus und stellen auf Kurzarbeit um, nicht zuletzt um qualifizierte Arbeitskräfte zu halten. Damit geht die Produktivität zu Beginn eines Abschwungs konjunkturell bedingt in der Regel merklich zurück. Wenn die Schwäche länger anhält, bauen die Unternehmen auch die Beschäftigung spürbar ab, mit der Folge, dass sich die Produktivitätszuwächse je Erwerbstätigen wieder "normalisieren". Umgekehrt zögern die Unternehmen im Aufschwung zunächst mit Einstellungen, so dass die Produktivität in dieser Phase des Zyklus besonders stark steigt. Erst wenn die Unternehmen von der Nachhaltigkeit der Aufwärtsentwicklung überzeugt sind, stellen sie wieder vermehrt Arbeitskräfte ein, und die Produktivitätsentwicklung kehrt auf ihren längerfristigen Pfad zurück.

Infolge der Konjunkturabhängigkeit der Produktivität würde die Orientierung an der kurzfristigen Produktivitätsentwicklung zu einer prozyklischen Verstärkung der konjunkturellen Bewegungen führen. Dies kann vermieden werden, wenn als Referenzwert ein längerfristiges Produktivitätswachstum gewählt wird, am besten über einen kompletten Konjunkturzyklus hinweg. Für die Zeit seit der Vereinigung bieten sich die Zeiträume 1991 bis 2000 und 1993 bis 2001 an (von Höhepunkt zu Höhepunkt oder von Tiefpunkt zu Tiefpunkt des Konjunkturzyklus). Wegen der vereinigungsbedingten Besonderheiten ist der spätere Zeitraum zu bevorzugen.

Welche Einheit? Der konjunkturelle Einfluss schlägt sich beim Arbeitsvolumen in Stunden stärker nieder als bei der Erwerbstätigenzahl. Bei der Messung der Beschäftigung in Stunden verläuft die Produktivitätsentwicklung deutlich glatter als bei der Messung auf Basis erwerbstätiger Personen (Abbildung). Unterschiede resultieren daraus, dass bei der Messung in Personen der Arbeitszeiteffekt (Kurzarbeit und Überstunden) nicht berücksichtigt wird. Rechnerisch gesehen sinkt die Durchschnittsproduktivität je Stunde (bzw. wächst weniger stark), wenn sich bei gleich bleibendem Output und gleicher Zahl der Erwerbstätigen die durchschnittliche Arbeitszeit verringert. Daher sollte stets auch die Stundenproduktivität zur Produktivitätsmessung herangezogen werden (Spalte 4 in Tabelle 1).
Wie sollte die Zahl der Arbeitslosen berücksichtigt werden? In Modellen der neoklassischen Theorie herrscht in der Regel Vollbeschäftigung. Wenn es Arbeitslosigkeit gibt, ist sie "freiwillig", in dem Sinne, dass die Arbeitnehmer nicht akzeptieren (bzw. nicht akzeptieren können), für den - niedrigeren - gleichgewichtigen Lohn zu arbeiten. In diesen Modellen besteht die Lösung in der Senkung des (Real-)Lohns, und zwar so lange, bis die Grenzproduktivität aller Arbeitsuchenden erreicht wird. Mit anderen Worten, die Lohnhöhe und die bis jetzt so berechnete Produktivität gelten nur für die schon Beschäftigten und sind deshalb nach oben verzerrt. [8] Diese Sichtweise ist aber umstritten. Es gibt andere Erklärungen, wonach die Hauptursache der Arbeitslosigkeit nicht in der Lohnhöhe liegt. Für solche Sichtweisen ist dann eine Korrektur des Richtwerts nach unten ohne Wirkung. Folgt man der Logik der neoklassischen Modelle, so stellt sich die Frage, wie die Arbeitslosigkeit in dem Richtwert berücksichtigt werden soll.

Der Sachverständigenrat verfolgt in dieser Hinsicht den Ansatz, die Durchschnittsproduktivität um die Beschäftigungsschwankungen zu bereinigen, und zwar proportional zur Lohnquote (Kasten). Da die Lohnquote Anfang der 90er Jahre sehr stark gestiegen war, kommt man dann sogar zu einer kaum merkbaren Korrektur der Produktivität. Dieses auf den ersten Blick überraschende Resultat ergibt sich - wie oben erwähnt - aus der Rolle der Lohnquote für die Produktivitätsberechnung. Insgesamt ist die Methode nicht überzeugend.

Um die Zahl der Arbeitslosen zu berücksichtigen, sollte man - so wird daher gefordert - deren hypothetische Produktivität einbeziehen (hypothetisch, weil sie tatsächlich nicht zum Tragen kommt, solange die Arbeitslosen nicht am Produktionsprozess teilnehmen). Man sollte jedoch auch den hypothetischen Produktionsbeitrag, den sie leisten würden, mit einbeziehen. Der Berechnungsaufwand, der sich hinter einem solchen Vorgehen verbirgt, lässt den Schluss zu, dass die Definition des Richtwerts, wie sie bisher hergeleitet worden ist, jedoch die beste ist.

Bei dem Richtwert, wie er oben definiert wird, ist unterstellt, dass die Arbeitslosen genauso produktiv sind wie die Beschäftigten. Dies ist eine gewagte Annahme, da die Struktur der Arbeitslosen anders ist als die der Beschäftigten. [9] Mit dieser Annahme ist das Niveau der Durchschnittsproduktivität sicherlich zu hoch angesetzt. Für deren Entwicklung spielt es aber nur eine unterordnete Rolle. Da der Richtwert sich auf die Veränderungsraten der Produktivität und Preise bezieht, ist die Vorgehensweise durchaus akzeptabel.

Gesamt- wirtschaftliche und sektorale Produktivität Die Beantwortung der Frage, ob sich jede Branche eher an der jeweiligen sektoralen Produktivität oder am gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt orientieren soll, hängt von den volkswirtschaftlichen Strukturen ab. Es gibt zwei Extreme: Entweder bekommen die Arbeitnehmer aller Branchen dieselben Gehaltserhöhungen, die sich an der gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsentwicklung orientieren. Im Optimum spiegeln dann die Preisunterschiede die Produktivitätsdifferenzen zwischen den Branchen wider. Damit verbunden ist ein relativ hohes Tempo des Strukturwandels, bei dem sich die Absatzchancen der in der Produktivitätsentwicklung zurückfallenden Branchen verringern. Oder es werden alle Arbeitnehmer nach ihrer individuellen Produktivität entlohnt, was jedoch in der Praxis nicht realisierbar ist.

Konkret heißt dies, dass anstelle einer individuellen Bezahlung die sektoralen Richtwerte für die Lohnentwicklung ermittelt werden. Branchen, die überdurchschnittlich produktiv sind, können überdurchschnittliche Löhne - das gilt auch für Lohnerhöhungen - zahlen. Umgekehrt fällt in Branchen, die eine unterdurchschnittliche Produktivität aufweisen - etwa im Dienstleistungsbereich -, auch die Entlohnung unterdurchschnittlich aus. Im Optimum sind in diesem Fall - wenn überhaupt - deutlich geringere Preis- bzw. Preissteigerungsdifferenzen zwischen den Branchen festzustellen. Das Tempo des Strukturwandels dürfte im zweiten Fall deutlich geringer sein als im ersten. Die zurückfallenden Branchen können dann durch niedrigere Lohnsteigerungen länger existieren. In der Summe aller Sektoren müssen aber die Lohnerhöhungen auf einem stabilitätsgerechten Pfad liegen. Eine sektorale Betrachtung kann nur vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Ergebnisse geführt werden. Schließt beispielsweise ein Sektor einen Tarif ab, der über dem Richtwert für die Gesamtwirtschaft, aber unterhalb des eigenen (sektoralen) Richtwerts liegt, könnten andere Sektoren einen Tarif aushandeln, der sich an dem Richtwert der Branche und dem der Gesamtwirtschaft bewegt, ohne dass es zu einer gesamtwirtschaftlichen Instabilität kommen muss.

In Tabelle 2 sind die Komponenten eines stabilitätsgerechten Lohnpfades und die Lohnerhöhungen für sechs Wirtschaftsbereiche ausgewiesen. Dabei ist der Inflationszielwert weiterhin mit 1,5 % fixiert. Erwartungsgemäß weisen Sektoren, die dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt sind (z. B. das produzierende Gewerbe), ein höheres Produktivitätswachstum - und damit einen höheren Richtwert - aus als Sektoren, für die dieser Wettbewerb keine Relevanz hat (z. B. einige Dienstleistungsbereiche).

Der öffentliche Dienst - ein Sonderfall Der öffentliche Dienst muss gesondert beurteilt werden. Eine adäquate Produktivitätsmessung setzt voraus, dass Output und Input unabhängig voneinander gemessen werden. Für den öffentlichen Dienst gibt es hier methodische Probleme. Bei den von ihm produzierten Gütern handelt es sich hauptsächlich um öffentliche Güter wie Sicherheits- oder Unterrichtsleistungen, die ohne spezielles Entgelt zur Verfügung gestellt werden. Da es hierfür keine Marktpreise gibt, muss der Wert indirekt - über die Kostenseite - ermittelt werden. In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wird deshalb der Produktionswert des öffentlichen Dienstes hauptsächlich über seine Lohnkosten berechnet. Rein rechnerisch sind also die Angestellten oder Beamten im öffentlichen Dienst umso produktiver, je höher sie entlohnt werden. [10] Die so gemessene Produktivität hat allerdings wenig Aussagekraft. Da aber eine Messung der tatsächlichen Produktivität nicht möglich ist, kann sich die tarifliche Diskussion in diesem Bereich nur am gesamtwirtschaftlichen Ergebnis orientieren. Damit wird unterstellt, dass der öffentliche Sektor letztlich ebenso produktiv ist wie der Durchschnitt der Wirtschaft.

In Tabelle 3 wird die Situation für den öffentlichen Dienst dargestellt. Der öffentliche Sektor wird approximativ durch einen Teilbereich des Dienstleistungssektors repräsentiert: die öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung. Im ersten Block ist der Richtwert dieses Unterbereichs ausgewiesen, im zweiten der der Gesamtwirtschaft und im letzten schließlich der der Gesamtwirtschaft ohne den öffentlichen Dienst. Der Richtwert des letztgenannten Bereichs ist die Orientierungsgröße für den öffentlichen Dienst.

Bruttolohn oder gesamte Arbeitskosten? Da die Gewerkschaften nur über die Erhöhung der nominalen Bruttolöhne verhandeln, sollte man die Tarifabschlüsse auch auf dieser Basis beurteilen. Allerdings müsste bei den Tarifabschlüssen die Erhöhung der Lohnnebenkosten berücksichtigt werden. Man sollte also die tarifliche Lohnerhöhung plus die Veränderung der Lohnnebenkosten dem hier ermittelten Richtwert gegenüberstellen. Wie bei der Berechnung auf Stundenbasis ist es wichtig, den Anstieg der Gesamtkosten der Arbeit mit dem Richtwert zu vergleichen. Die Gesamtkosten bilden die Arbeitnehmerentgelte, die auch die Arbeitgeberanteile an der Sozialversicherung enthalten; sie werden durch das Arbeitsvolumen dividiert, um den Lohnsatz zu ermitteln. In den Tabellen sind die Ergebnisse dieser Berechnungen so weit wie möglich ausgewiesen.
Tarif- und Effektivverdienst Die Ergebnisse der Tarifverhandlungen schlagen sich im Allgemeinen nicht in voller Höhe in den Löhnerhöhungen nieder. So ist die Lohndrift insgesamt - also die Differenz zwischen den Effektivlohnerhöhungen, die die tatsächliche Lohnkostenbelastung für die Unternehmen widerspiegelt, und den Tariflohnerhöhungen - in den 90er Jahren negativ gewesen (vgl. Spalten 9 und 10 bzw. 12 und 13 in Tabelle 1).

Einerseits gibt es für Unternehmen die Möglichkeit, hohe tarifliche Abschlüsse durch den Abbau übertariflicher Bestandteile der Löhne - wenn sie existieren - zu kompensieren. Andererseits ist der Anteil der Beschäftigten, die tarifgebunden sind, in Ostdeutschland besonders niedrig (55 % gegenüber 70 % in Westdeutschland [11]). Für eine Ex-post-Beurteilung sollten deshalb die tatsächlichen gesamten Lohnkosten herangezogen werden.

Die Entwicklung der Tarifabschlüsse seit der Vereinigung Die hier dargelegten Berechnungen (Tabelle 4) zeigen, dass der Richtwert Anfang der 90er Jahre im Gefolge der Vereinigung stark überzogen worden war. In der folgenden Phase wurde diese Entwicklung im Zuge der Rezession korrigiert. Die Lohnerhöhungen (auf Stundenbasis und an Arbeitnehmerentgelten gemessen) sind deutlich unter dem Richtwert geblieben. Seit 1997 besteht eine gewisse Tendenz, sich dem Richtwert mehr und mehr anzunähern. Über den gesamten Zeitraum hinweg betrachtet bleibt der Lohnanstieg allerdings unterhalb des stabilitätsorientierten Richtwerts für die Lohnentwicklung. [12]

Obwohl sich die tariflichen Ergebnisse dem Richtwert nähern, sind die tatsächlichen Bruttolöhne und -gehälter sowie die Arbeitskosten durch politische Weichenstellungen (Lohndrift oder Erhöhung des Sozialversicherungssatzes) in den vergangenen Jahren dennoch dahinter zurückgeblieben. Trotzdem sollte der Richtwert, wie er hier definiert worden ist, durchaus als Orientierungsgröße für die Gewerkschaften und die Arbeitgeber genutzt werden.

Zu den aktuellen Tarifabschlüssen Für eine Ex-ante-Beurteilung werden die Tariferhöhungen unter Berücksichtigung von Veränderungen der Lohnnebenkosten mit dem stabilitätsorientierten Richtwert verglichen. Seit Anfang dieses Jahres hat es in drei wichtigen Tarifbereichen Lohnabschlüsse gegeben: zuerst in der Chemieindustrie, dann in der Metallindustrie und schließlich in der Baubranche. Auf Jahresbasis gerechnet bedeutet dies für das Jahr 2002 in der Chemieindustrie eine Lohnsteigerung von 2,8 %, in der Metallindustrie von 3,4 % und in der Baubranche von 2,1 %. Für den anderen großen Bereich - den öffentlichen Dienst - beginnt die Lohnrunde erst im Oktober 2002; hier zeichnet sich für die Jahreszuwachsrate 2002 ein Wert von 1,8 % ab. [13] Für die restlichen Branchen, deren Gewicht etwa ein Drittel ausmacht, werden zwei Szenarien unterstellt: eines mit eher zurückhaltenden Abschlüssen (im Durchschnitt 2,1 %) und eines mit höheren Lohnanhebungen (im Durchschnitt 2,8 %). Gesamtwirtschaftlich ergibt sich daraus ein Anstieg der Tariflöhne für 2002 von 2,5 % bis 2,7 % (Tabelle 5). Für dieses Jahr ist wegen der Anhebung der Krankenkassenbeiträge eine Erhöhung der Lohnkosten um zusätzlich 0,5 % zu erwarten. Die gesamten Lohnkosten werden also 2002 um 3,0 bis 3,2 % steigen. Da die Arbeitszeit annähernd konstant bleiben dürfte, kann diese Spanne direkt mit dem hier ermittelten Richtwert (3,8 %) verglichen werden.
Fazit Bei der Beurteilung der Tarifabschlüsse - und unter Berücksichtigung der Lohnnebenkosten - spielt aus gesamtwirtschaftlicher Sicht eine entscheidende Rolle, ob sie auf einem stabilitätsgerechten Pfad liegen, der durch die Summe aus Inflationszielwert und Durchschnittsproduktivität definiert wird. Der Inflationszielwert wird - vorsichtig - mit 1,5 % veranschlagt. Die Produktivität wird am besten in Stunden berechnet und über einen längeren Zeitraum betrachtet, um konjunkturelle Schwankungen auszuschalten. Eine sektorale Differenzierung ist durchaus möglich - der öffentliche Dienst sollte aber gesondert berücksichtigt werden, solange die gesamtwirtschaftliche Stabilität gesichert ist. Letztendlich sollten, um die tatsächlichen Kosten einzubeziehen, die gesamten Lohnkosten in Stunden einschließlich der Lohnnebenkosten diesem Richtwert gegenübergestellt werden. Bei dieser Vorgehensweise liegt der Richtwert für Deutschland zurzeit bei knapp 4 %. Führt man anhand der jüngsten Tarifabschlüsse eine Schätzung für das ganze Jahr 2002 durch, so befinden sich die Abschlüsse insgesamt auf einem stabilitätsgerechten Pfad und sind insofern als angemessen zu bezeichnen.
Kasten

Produktionsfunktion, Gewinnmaximierung und Produktivität


Der Output Y wird mit zwei Inputfaktoren Arbeit (L) und Kapital (K) nach einem Produktionsschema produziert, das mit einer Produktionsfunktion (Aδf (...)) abgebildet werden kann, wobei A den technischen Fortschritt darstellt. Die Produktionsaktivität ist mit Yt = At f (Lt, Kt ) vollkommen definiert. [1] Der Unternehmer maximiert seinen Gewinn Gt = (pY - wL - rK)t nach den Inputfaktoren, um die optimale Produktionsmenge zu bestimmen. Die Optimalitätsbedingung erster Ordnung für die Arbeit lautet:

δG/δL = p δY/δL - w
=>  w/p = A δf/δL,

also Reallohn = Grenzproduktivität der Arbeit.

Mit einem einfachen Beispiel, das dem Gutachten des Sachverständigenrats entnommen ist, [2] soll gezeigt werden, dass Grenzproduktivität und Durchschnittsproduktivität sich unterscheiden können.

Wenn f eine allgemeine Cobb-Douglas-Funktion ist, dann ist der Output gleich:

Y = Ltαt Ktβt eλt.

Der technische Fortschritt ist durch einen Zeittrend abgebildet. α und β sind die Produktionselastizitäten der jeweiligen Faktoren Arbeit (L) und Kapital (K).

Die Durchschnittsproduktivität der Arbeit ist

Y/L = DPt = Ltαt-1 Ktβt eλt

und die Grenzproduktivität

δY/δL = GPt = αtLtαt-1 Ktβt eλt = αt DPt.

Die Veränderungsraten (Ableitung nach der Zeit t) sind dann:

δln (GPt)/δt = δln (DPt)/δt + δln(αt)/δt.

Wenn die Elastizität der Arbeit sich mit der Zeit wenig oder gar nicht verändert, sind die Entwicklungen der Grenzproduktivität und der Durchschnittproduktivität der Arbeit tatsächlich gleich - unter der Annahme, dass die Produktion dieser Cobb-Douglas-Funktion entspricht.

Häufig wird der α-Parameter mit der Lohnquote [3] approximiert. Damit verschiebt man aber die Diskussion der Approximation der Grenzproduktivität durch die Durchschnittsproduktivität zu einer Approximation der Elastizität der Arbeit durch die Lohnquote. Ob die letztere Approximation genauer ist als die erste, ist zweifelhaft, zumal gerade in Lohnerhöhungsdiskussionen oft von Lohnzurückhaltung die Rede ist. Wenn man αt mit der Lohnquote misst, führt eine Lohnzurückhaltung automatisch zu einer niedrigeren Lohnquote, also zu einer niedrigeren Arbeitsproduktivität, die wiederum den Richtwert verringert. Dies führt zu einer Forderung nach noch mehr Lohnzurückhaltung also zu einem infiniten Regress. Deswegen scheint die Verschiebung des Messproblems auf die Lohnquote keine sinnvolle Lösung.

In der Tabelle 6 wird der Methode des Sachverständigenrats gefolgt. Die Produktionsfunktion, die zugrunde gelegt wird, ist die oben zitierte Cobb-Douglas-Produktionsfunktion.

Die erste Spalte weist die Veränderung der unbereinigten Durchschnittsproduktivität auf

Die zweite Spalte stellt die Veränderung des Arbeitsvolumens

dar.

Die dritte und vierte Spalte zeigen die Lohnquote und ihre Veränderung

In der fünften Spalte ist die von Beschäftigungsschwankungen bereinigte Durchschnittsproduktivität [4]

zu sehen.

Die letzte Spalte ist die so bereinigte Grenzproduktivität

(fünfte Spalte +



[1] Diese Formulierung unterstellt einen Hicks-neutralen Produktivitätsfortschritt (beeinflusst beide Faktoren gleichzeitig). Wenn er nur die Arbeit beeinflusste, würde die Produktionsfunktion gleich f (At,Lt,Kt) sein (Harrod-neutral). Die eine oder andere Form ändert aber die abgeleiteten Ergebnisse nicht.

[2] Jahresgutachten 1998/99, Annex E, S. 22*-24*.

[3] Streng genommen ist die Lohnquote der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am Volkseinkommen. Andere Berechnungen - mit dem Bruttoinlandsprodukt oder der Bruttowertschöpfung - sind aber auch möglich.

[4] Die Veränderung der Durchschnittsproduktivität lässt sich in der Summe verschiedener Termen zerlegen. Darunter ist die Beschäftigungsveränderung, gewichtet mit (1 - αt ). Dieser Term wird abgezogen, um die bereinigte Durchschnittsproduktivität zu berechnen.



[1] Vgl.: Vor weitreichenden Entscheidungen. Jahresgutachten des Sachverständigenrats (SVR), 1998/99.

[2] Vgl. u. a. Jahresbericht 2002 der EZB. Frankfurt a. M, April 2002, S. 231.

[3] Vgl. Silke Tober: Europäische Geldpolitik: Expansionskurs beibehalten. In: Wochenbericht des DIW Berlin, Nr. 12/2002, S. 209.

[4] Zur Cobb-Douglas-Funktion für Deutschland vgl. Christian Dreger und Christian Schumacher: Zur empirischen Evidenz der Cobb-Douglas-Technologie in gesamtdeutschen Zeitreihen. IWH-Diskussionspapier Nr. 113/2000. Das Engle-Granger-Verfahren (Stationaritätstests für die Residuen der vermuteten Kointegrationsbeziehung) deutet auf keine Cobb-Douglas-Produktionsfunktion hin, während das Stock-Verfahren (Fehlerkorrekturmodell) diese Hypothese akzeptiert bzw. nicht ablehnt.

[5] Vgl.: Vor weitreichenden Entscheidungen. Jahresgutachten des Sachverständigenrats 1998/99, Annex E, S. 22*-24*.

[6] Vgl. zu einer detaillierten Analyse des ostdeutschen Lohnniveaus: Löhne in Ostdeutschland - Anpassung an das westdeutsche Niveau erst auf lange Sicht möglich. Bearb.: Karl Brenke. In: Wochenbericht des DIW Berlin, Nr. 24/2001.

[7] Vgl. P. Schreyer und D. Pilat: Measuring Productivity. In: OECD Economic Studies, Nr. 33/2001 (II).

[8] Vgl. Financial Times Deutschland vom 25.03.2002.

[9] Vgl. ANBA, Nr. 5, 31. Mai 2001.

[10] Ein solcher Gedanke ist a priori nicht auszuschließen. In Theorien wie denen des Effizienzlohns wird die Produktivität der Arbeitnehmer vom Lohn positiv - über Motivationsanreize - beeinflusst.

[11] Berechnung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI). Vgl. auch: Löhne in Ostdeutschland - Anpassung an das westdeutsche Niveau erst auf lange Sicht möglich. Bearb.: Karl Brenke. In: Wochenbericht des DIW Berlin, Nr. 24/2001.

[12] Vgl.: Lohnzurückhaltung - ein Beitrag zu mehr Beschäftigung? Deutschland und Frankreich im Vergleich. Bearb.: Camille Logeay und Joachim Volz. In: Wochenbericht des DIW Berlin, Nr. 50/2001.

[13] Dabei wird für die drei letzten Monate des Jahres unterstellt, dass noch einmal eine Lohnsteigerung von 2,4 % vereinbart wird.

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Tabelle 1
Referenzwerte für Lohnerhöhungen in Deutschland
Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %

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            Inflation   Produktivität (1)     Neutrale        Lohnerhöhung
                                           Referenzwerte     pro Stunde (3)
                                                (2)
    Reale        gemes-  gemes-
   Brutto-       sen am  sen an                          gemes-  gemes-  gemes-
    wert- gemes- Preis- der Zahl  gemes-                 sen an  sen an  sen am
   schöp- sen am index   der ge-  sen an    auf    auf    den     der    Tarif-
    fung   BIP-   der    leiste- der Zahl  Stun-   Per-  Arbeit- Brutto-  lohn-
          Defla- Lebens- ten Er-   der      den-  sonen- nehmer-  lohn-  index
           tor    hal-   werbs-  Erwerbs-  basis  basis   ent-   u. -ge-  der
                 tungs- tätigen-  tätigen                gelten   halt-  Bundes
                 kosten  stunden                                  summe  -bank

       1    2      3        4        5       6      7       8       9      10

1992  2,3  5,1    5,1      2,8      3,9     3,8    3,1     9,2     9,1    11,9
1993 -1,0  3,7    4,4      1,7      0,4     3,8    3,1     5,8     6,0     7,5
1994  2,2  2,5    2,8      2,4      2,4     3,8    3,1     3,1     2,1     3,4
1995  2,1  2,0    1,7      3,2      1,9     3,8    3,1     5,3     4,8     4,8
1996  1,1  1,0    1,4      2,5      1,4     3,8    3,1     2,7     2,8     2,7
1997  1,9  0,7    1,9      2,4      2,1     3,8    3,1     1,4     0,8     1,5
1998  2,3  1,1    0,9      1,7      1,3     3,8    3,1     1,5     1,5     1,9
1999  2,0  0,5    0,6      1,5      0,7     3,8    3,1     2,0     2,2     2,9
2000  3,6 -0,4    1,9      3,0      2,0     3,8    3,1     2,3     2,7     2,0
2001  1,0  1,3    2,5      1,8      0,8     3,8    3,1     2,8     3,0     2,0

Durchschnitt
1993-2001
      2,0  1,1    1,7      2,3      1,6      x      x      2,6     2,5     2,6
1991-2000
      1,8  1,8    2,3      2,4      1,8      x      x      3,7     3,5     4,2

-------------------------------------------------------------------------------
                                   Differenzen
              Lohnerhöhung        der neutralen        Arbeitsmarkt-
          pro Arbeitnehmer (4)  Referenzwerte (5)       indikatoren

         gemes-  gemes-  gemes-
         sen an  sen an  sen am                            abhän-
          den     der    Tarif-    auf     auf    Arbeits- gig Be-  Erwerbs-
         Arbeit- Brutto-  lohn-   Stun-    Per-    volu-   schäf-    losen-
         nehmer-  lohn-  index     den-   sonen-  men (6)  tigte    quote (7)
          ent-   u. -ge-  der     basis   basis           (Inland)
         gelten   halt-  Bundes-
                  summe   bank

           11      12      13      14      15       16       17        18

1992      10,4    10,4    11,0     5,3     7,4     -0,7     -1,8       6,4
1993       4,1     4,4     6,4     1,9     1,0     -3,2     -1,6       7,6
1994       3,0     2,0     2,9    -0,7    -0,1     -0,6     -0,5       8,1
1995       3,6     3,2     4,6     1,4     0,6     -1,4      0,1       7,9
1996       1,3     1,5     2,4    -1,2    -1,8     -1,7     -0,3       8,6
1997       0,8     0,3     1,4    -2,4    -2,3     -1,1     -0,4       9,5
1998       1,0     1,0     1,8    -2,3    -2,1      0,6      1,0       8,9
1999       1,2     1,4     2,7    -1,8    -1,9      0,6      1,5       8,2
2000       1,2     1,6     2,0    -1,5    -1,9      0,7      1,7       7,5
2001       1,6     1,9     2,0    -1,0    -1,4     -0,9      0,2       7,4

Durchschnitt
1993-2001  1,7     1,6     2,5      x       x      -0,5      0,4        x
1991-2000  2,9     2,8     3,9      x       x      -0,8     -0,1        x

-------------------------------------------------------------------------------
(1) Reale Bruttowertschöpfung dividiert durch das geleistete Arbeitsvolumen
 der Erwerbstätigen (Spalte 4) bzw. durch die Anzahl der Erwerbstätigen
 (Spalte 5).
(2) Summe aus 1,5 % Inflation und Durchschnittsproduktivität (1993 bis 2001).
(3) Arbeitnehmerentgelte (Spalte 8) bzw. Bruttolohn- und -gehaltsumme
 (Spalte 9) pro geleistete Stunde der Arbeitnehmer.
(4) Arbeitnehmerentgelte (Spalte 11) bzw. Bruttolohn- und -gehaltsumme
 (Spalte 12) pro Arbeitnehmer.
(5) Spalte 14 = Spalte 8 minus Spalte 6; Spalte 15 = Spalte 11 minus Spalte 7.
(6) Geleistete Arbeitsstunden der beschäftigten Arbeitnehmer (Inland).
(7) Arbeitslose in % der Erwerbspersonen; standardisiert.

Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des DIW Berlin.

DIW Berlin 2002

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-------------------------------------------------------------------------------
Tabelle 2
Sektorale Referenzwerte für Lohnerhöhungen
Durchschnittliche jährliche Veränderungsraten für zwei Zeiträume in %

-------------------------------------------------------------------------------
                                      Produktivität
                                       (Bruttowert-
                        Reale Brutto-  schöpfung je    Referenzwerte
                        wertschöpfung Erwerbstätigen/       (1)
                                        je Stunde)

                       1993 -  1991 -  1993 -  1991 -  1993 -  1991 -
                         2001    2000    2001    2000    2001    2000

A. Berechnung auf
 Erwerbstätigenbasis

Land- und
 Forstwirtschaft         1,5     2,1     4,9     7,7     6,4     9,2

Produzierendes
 Gewerbe (ohne Bau)      1,1    -0,1     2,8     3,1     4,3     4,6

Bau                     -1,8    -0,1     0,2     0,1     1,7     1,6

Handel, Gastgewerbe,
 Verkehr                 2,6     2,3     1,9     1,8     3,4     3,3

Finanzierung, Vermietung
 und Unternehmens-
 dienstleister           4,0     4,0    -0,8    -0,9     0,7     0,6

Öffentliche und
 private Dienstleister   1,2     1,6     0,0     0,3     1,5     1,8

Insgesamt                2,0     1,8     1,6     1,8     3,1     3,3

B. Berechnung auf Stundenbasis

Land- und
 Forstwirtschaft         1,5     2,1     5,1     7,1     6,6     8,6

Produzierendes
 Gewerbe (ohne Bau)      1,1    -0,1     3,1     3,1     4,6     4,6

Bau                     -1,8    -0,1     0,5     0,2     2,0     1,7

Handel, Gastgewerbe,
 Verkehr                 2,6     2,3     2,8     2,6     4,3     4,1

Finanzierung,Vermietung
 und Unternehmens-
 dienstleister           4,0     4,0     0,1     0,1     1,6     1,6

Öffentliche und
 private Dienstleister   1,2     1,6     0,9     1,2     2,4     2,7

Insgesamt                2,0     1,8     2,3     2,4     3,8     3,9

-------------------------------------------------------------------------------
                         Erhöhung
                      der Bruttolöhne      Erhöhung       Erhöhung der
                       und -gehälter   der Arbeitnehmer- Arbeitnehmer-
                      je Arbeitnehmer/ entgelte je Kopf/ entgelte abzgl.
                         je Stunde         je Stunde      Referenzwert

                       1993 -  1991 -   1993 -   1991 -  1993 -  1991 -
                         2001    2000     2001     2000    2001    2000

A. Berechnung auf
 Erwerbstätigenbasis

Land- und
 Forstwirtschaft         2,2     4,2      2,3      4,5    -4,1    -4,7

Produzierendes
 Gewerbe (ohne Bau)      2,6     4,1      2,8      4,2    -1,5    -0,4

Bau                      1,2     2,3      1,3      2,4    -0,4     0,8

Handel, Gastgewerbe,
 Verkehr                 1,0     2,2      1,1      2,4    -2,4    -0,9

Finanzierung, Vermietung
 und Unternehmens-
 dienstleister           1,0     2,1      1,1      2,2     0,4     1,5

Öffentliche und
 private Dienstleister   1,4     2,6      1,6      2,8     0,2     1,0

Insgesamt                1,6     2,8      1,7      2,9    -1,4    -0,3

B. Berechnung auf Stundenbasis

Land- und
 Forstwirtschaft         2,7     3,2      2,9      3,5    -3,7    -5,1

Produzierendes
 Gewerbe (ohne Bau)      3,1     4,2      3,2      4,2    -1,4    -0,4

Bau                      1,9     2,8      2,0      2,9     0,0     1,2

Handel, Gastgewerbe,
 Verkehr                 2,2     3,4      2,3      3,5    -2,0    -0,5

Finanzierung, Vermietung
 und Unternehmens-
 dienstleister           2,0     3,0      2,0      3,1     0,4     1,6

Öffentliche und
 private Dienstleister   2,4     3,6      2,6      3,7     0,3     1,0

Insgesamt                2,5     3,5      2,6      3,7    -1,2    -0,2

-------------------------------------------------------------------------------
                         Abhängig
                       Beschäftigte

                       1993 -  1991 -
                         2001    2000

A. Berechnung auf
 Erwerbstätigenbasis

Land- und
 Forstwirtschaft        -1,5    -5,2

Produzierendes
 Gewerbe (ohne Bau)     -1,7    -3,2

Bau                     -2,8    -0,8

Handel, Gastgewerbe,
 Verkehr                 0,7     0,6

Finanzierung, Vermietung
 und Unternehmens-
 dienstleister           4,9     4,9

Öffentliche und
 private Dienstleister   1,0     1,1

Insgesamt                0,4    -0,1

B. Berechnung auf Stundenbasis

Land- und
 Forstwirtschaft        -2,0    -4,3

Produzierendes
 Gewerbe (ohne Bau)     -2,1    -3,3

Bau                     -3,4    -1,3

Handel, Gastgewerbe,
 Verkehr                -0,5    -0,6

Finanzierung, Vermietung
 und Unternehmens-
 dienstleister           4,0     3,9

Öffentliche und
 private Dienstleister   0,0     0,1

Insgesamt               -0,5    -0,8

-------------------------------------------------------------------------------
(1) Für den Inflationswert sind 1,5 % unterstellt.

Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des DIW Berlin.

DIW Berlin 2002

===============================================================================
-------------------------------------------------------------------------------
Tabelle 3
Referenzwerte für Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst
Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %

-------------------------------------------------------------------------------
       Reale                  Arbeitskosten  Bruttolohn           Arbeitskosten
    Bruttowert- Produktivität      pro          pro      Referenz-    abzgl.
     schöpfung                Arbeitnehmer  Arbeitnehmer   werte  Referenzwert

Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung

1995    0,4         1,7            4,7          4,6         2,8        2,0
1996    0,5         1,3            2,6          2,2         2,8       -0,2
1997   -0,7         1,3            2,1          1,2         2,8       -0,7
1998   -0,3         1,4            2,3          2,2         2,8       -0,5
1999   -0,7         0,6            2,6          2,6         2,8       -0,2
2000   -0,5         1,4            1,5          2,0         2,8       -1,3
2001   -0,2          .              .            .           .          .

1994 -
  2000  1,1         1,3            2,6          2,5          x          x

Alle Wirtschaftsbereiche

1995    2,1         1,9            3,6          3,2         3,1        0,6
1996    1,1         1,4            1,3          1,4         3,1       -1,8
1997    1,9         2,1            0,8          0,3         3,1       -2,2
1998    2,3         1,2            1,1          1,0         3,1       -2,0
1999    2,0         0,8            1,2          1,4         3,1       -1,9
2000    3,6         2,0            1,2          1,6         3,1       -1,9
2001    1,0         0,8            1,6          1,8         3,1       -1,4

1994 -
  2000  2,2         1,6            1,5          1,5          x          x

Alle Wirtschaftsbereiche, ohne öffentliche
Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung

1995    2,3         1,9            3,5           3,1        3,1        0,5
1996    1,2         1,4            1,1           1,4        3,1       -1,9
1997    2,1         2,1            0,7           0,2        3,1       -2,3
1998    2,5         1,2            1,0           0,9        3,1       -2,1
1999    2,2         0,7            1,1           1,3        3,1       -1,9
2000    3,9         1,9            1,2           1,6        3,1       -1,8
2001    1,1          .              .             .          .          .

1994 -
  2000  2,4         1,6            1,4           1,4         x          x

-------------------------------------------------------------------------------
Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des DIW Berlin.

DIW Berlin 2002

===============================================================================
-------------------------------------------------------------------------------
Tabelle 4
Referenzwerte für Lohnerhöhungen in Deutschland
Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %

-------------------------------------------------------------------------------
               Produktivität (1)     Stabilitätsgerechter    Lohnerhöhung
                                        Richtwert (2)

              gemessen an der Zahl                       emessen an den Arbeit-
            der geleisteten Erwerbs-  auf Stundenbasis      nehmerentgelten
                 tätigenstunden                              pro Stunde (3)

1992                  2,8                   3,8                   9,2
1993                  1,7                   3,8                   5,8
1994                  2,4                   3,8                   3,1
1995                  3,2                   3,8                   5,3
1996                  2,5                   3,8                   2,7
1997                  2,4                   3,8                   1,4
1998                  1,7                   3,8                   1,5
1999                  1,5                   3,8                   2,0
2000                  3,0                   3,8                   2,3
2001                  1,8                   3,8                   2,8

Durchschnitt
1993 - 2001           2,3                   3,8                   2,6

-------------------------------------------------------------------------------
(1) Reale Bruttowertschöpfung dividiert durch das geleistete Arbeitsvolumen
 der Erwerbstätigen.
(2) Summe aus 1,5 % Inflation und Durchschnittsproduktivität (1993 bis 2001).
(3) Arbeitnehmerentgelte pro geleistete Stunde der Arbeitnehmer.

Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des DIW Berlin.

DIW Berlin 2002

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-------------------------------------------------------------------------------
Tabelle 5
Tarifabschlüsse im Jahre 2002

-------------------------------------------------------------------------------
Wirtschaftsbereich         Gewicht im Tarifindex  Durchschnittliche Lohn-
                                                   erhöhungen 2002 in %

Metall                             0,33                    3,4

Chemie                             0,06                    2,8

Bau                                0,01                    2,1

Öffentlicher Dienst                0,30                    1,8

Andere Wirtschaftsbereiche         0,30                 2,1 - 2,8

Gesamtwirtschaft                   1,00                 2,5 - 2,7

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Wirtschaftsbereich          Tariferhöhungen 2002

Metall                      Zwei Nullmonate, eine Einmalzahlung von 180 Euro
                            für den Mai sowie anschließend 3,3 % für zwölf
                            Monate und 3,1 % von März 2003 bis Dezember 2003

Chemie                      3,3 % für zwölf Monate vom 1.4., 1.5. oder 1.6.2002
                            an (regional unterschiedlich)

Bau                         3,2 % vom September 2002 an und 2,4 % vom April
                            2003 an für zwölf Monate. In Westdeutschland
                            erhalten die Arbeit nehmer zusätzlich eine
                            Einmalzahlung von je 75 Euro für drei Monate
                            (Juni, Juli und August 2002)

Öffentlicher Dienst         Wird erst im Oktober 2002 verhandelt

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Quellen: WSI; Berechnungen des DIW Berlin.

DIW Berlin 2002

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Tabelle 6
Berechnung der Grenzproduktivität nach der Methode des SVR

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      Bereinigte Brutto-
       wertschöpfung je   Geleistete Erwerbs-
      geleistete Erwerbs-   tätigenstunden      Lohnquote (1)
        tätigenstunde      (Arbeitsvolumen)

                    Veränderung                      Veränderung
                   gegenüber dem              in %  gegenüber dem
                   Vorjahr in %                     Vorjahr in %

              1                   2             3         4

1992         2,9                -0,5          72,2       6,2
1993         1,4                -2,6          75,1       3,9
1994         2,0                -0,2          75,8       1,0
1995         3,6                -1,1          76,7       1,2
1996         2,3                -1,4          76,8       0,1
1997         2,4                -0,6          75,9      -1,2
1998         1,4                 0,7          75,9       0,0
1999         1,0                 0,5          76,6       0,9
2000         3,3                 0,7          75,8      -1,1
2001         1,8                -0,8          76,4       0,8

1991 -
  2000       2,3                -0,5          74,9       1,2
1993 -
  2001       2,2                -0,3          76,1       0,2

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        Durchschnitts-
        produktivität   Grenzproduktivität
      bereinigt mit dem        (3)
         Zuwachs der
        Beschäftigung
             (2)

              5                 6

1992         2,7               8,9
1993         0,8               4,7
1994         2,0               3,0
1995         3,4               4,6
1996         2,0               2,0
1997         2,3               1,1
1998         1,6               1,6
1999         1,1               2,1
2000         3,5               2,4
2001         1,6               2,4

1991 -
  2000       2,1               3,3
1993 -
  2001       2,2               2,4

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Die übliche Definition der Lohnquote (auf das Volkseinkommen bezogen)
führt zu einem anderen Verlauf als die hier ausgewiesene Berechnung.

(1) Arbeitnehmerentgelte/bereinigte Bruttowertschöpfung *
 Erwerbstätige/Arbeitnehmer (Inländer) * 100.
(2) Spalte 1 + (1 - Lohnquote) * Spalte 2.
(3) Spalte 4 + Spalte 5.

Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des DIW Berlin.

DIW Berlin 2002
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