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Wochenbericht des DIW Berlin 33/01

Zur Bedeutung Deutschlands im Tourismus

Bearbeiter Renate Filip-Koehn
Im Jahre 2000 nahm Deutschland im internationalen Reiseverkehr nach bisherigen Angaben der Deutschen Bundesbank rund 37,4 Mrd. DM ein. [1] Mit einem Plus gegenüber 1999 von nominal annähernd 11 % hat sich der Anstieg der touristischen Nachfrage aus dem Ausland seit 1995 kontinuierlich fortgesetzt; dies bestätigt die Attraktivität Deutschlands für Urlaubs- und Geschäftsreisen. Der Zuwachs ist aber nicht nur nominal. Auch bei der Zahl der Übernachtungen weist das Statistische Bundesamt für den Besucherstrom aus dem Ausland ein ähnlich hohes Plus aus. Diese positiven Trends können allerdings nicht überdecken, dass die Einnahmen aus dem internationalen Reiseverkehr mit ihrem dadurch induzierten Anteil am Inlandsprodukt noch immer eine vergleichsweise geringe Rolle spielen. Immerhin haben sie zuletzt zu einer Stabilisierung der gesamtwirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus beigetragen. Obwohl die Ausgaben der Deutschen im Ausland mit 8,4 % im Jahre 2000 gegenüber 1999 schwächer zunahmen als die Einnahmen, konnte der Negativsaldo Deutschlands im internationalen Reiseverkehr, der mit 61,8 Mrd. DM im Jahre 2000 fast dem Zweifachen einer Jahreseinnahme aus dem Ausland entsprach, nicht abgebaut werden. Er bildet einen wichtigen Gegenposten zum Überschuss im Warenhandel. Neben der Entwicklung von Einnahmen und Ausgaben im internationalen Reiseverkehr werden im Folgenden die Position Deutschlands im Tourismus sowie dessen gesamtwirtschaftliche Dimension beschrieben.

Entwicklung von Einnahmen und Ausgaben im internationalen Reiseverkehr Deutschlands

Die Dienstleistungsbilanz der Deutschen Bundesbank gibt regelmäßig Auskunft über die Einnahmen und Ausgaben im internationalen Reiseverkehr Deutschlands. Der Internationale Währungsfonds (IWF) stellt entsprechende Angaben für alle Länder zur Verfügung. In beiden Quellen werden auch die Transportleistungen im grenzüberschreitenden Personenverkehr gesondert ausgewiesen, die in einer tourismuswirtschaftlichen Gesamtbilanz als Einnahmen dem Export von touristischen Leistungen ("Incoming"-Tourismus) und als Ausgaben dem Import ("Outgoing"-Tourismus) zuzurechnen sind. Bei Analysen zur internationalen touristischen Verflechtung werden im Allgemeinen aber nur die Angaben zum Reiseverkehr als "international receipts" und "international expenditures" zugrunde gelegt.

Bei einem Vergleich der Einnahmen und Ausgaben im internationalen Reiseverkehr ist zu beachten, dass Einnahmen aus dem Ausland und Ausgaben im Ausland jeweils eine Mischung aus den verschiedenen Landeswährungen sind, die über Umrechnungskurse miteinander vergleichbar gemacht werden müssen. Üblicherweise wird dafür der US-Dollar herangezogen. Mit der Umrechnung in US-Dollar kommen Wechselkursentwicklungen zum Tragen, die sich sowohl im Niveau als auch in der Entwicklung niederschlagen. Je nach Währungsbasis können sich unterschiedliche Verläufe für die Einnahmen und Ausgaben ergeben. Trotz aller Vorbehalte müssen diese Daten für Analysen verwendet werden, da sie den einzigen wertmäßigen Einblick in die touristische Verflechtung zwischen Ländern ermöglichen.

Die Entwicklung von Einnahmen und Ausgaben im internationalen Reiseverkehr in den Jahren 1991 bis 2000 ist für Deutschland zum einen anhand von Angaben der Deutschen Bundesbank in D-Mark bzw. von 1999 an in Euro und zum anderen anhand von Angaben des IWF (Internationalen Währungsfonds) in US-Dollar dargestellt worden (Abbildung). Im Vergleich zur Entwicklung des nominalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) zeigen sich für Deutschland - relativ und absolut - abweichende Verläufe.

Beiden Reihen ist nur gemeinsam, dass der Indexstand der Ausgaben jeweils über dem der Einnahmen und auch über dem Entwicklungspfad des nominalen Bruttoinlandsprodukt liegt. Die Reiseausgaben der Deutschen im Ausland nehmen folglich kräftiger zu als das nominale Bruttoinlandsprodukt. Bei den Reihen auf der Basis von DM-Werten verringert sich zum Ende der neunziger Jahre der Abstand in den Indexständen für die Einnahmen und Ausgaben, d.h. die Einnahmen aus dem Ausland entwickeln sich etwas rascher als die Ausgaben im Ausland. Im Jahre 2000 lag - auf DM-Basis - der Index der Einnahmen mit gut 147 (1991 = 100) sogar oberhalb des Indexstandes für das BIP (136)

Touristischer Export (Einnahmen aus dem Ausland) im Vergleich wichtiger Reiseländer

Bei einem Querschnittsvergleich können Einflüsse aufgrund von Wechselkursveränderungen ebenfalls nicht ausgeschaltet werden: Mit einem US-Dollar, touristisch in den USA ausgegeben, können im Durchschnitt weniger Güter gekauft werden als mit einem US-Dollar, der beispielsweise nach Griechenland fließt. Diese Situation ist nicht nur für die Analyse des Wirtschaftsfaktors Tourismus unbefriedigend, sondern generell. Auch ein Vergleich auf der Basis von Kaufkraftparitäten (Purchasing Power Parities) ist kaum günstiger. Eine aufwendige, am Einkommen orientierte Warenkorbbasierung gibt es bisher nicht. Weniger bedenklich ist es, Daten auf jeweils gleicher Währungsbasis zu verknüpfen und zu vergleichen - beispielsweise die Relation zwischen den Einnahmen und dem Bruttoinlandsprodukt, jeweils in US-Dollar.

In Deutschland macht der Anteil des "Incoming"-Tourismus etwa 10 % der gesamten Reiseausgaben im Inland aus. [2] Im Vergleich zu anderen wichtigen Reiseländern kommt diesem Bereich aber nur eine geringe gesamtwirtschaftliche Bedeutung zu. Als Indikator dafür wird hier die Relation zwischen den Einnahmen und dem jeweiligen Bruttoinlandsprodukt herangezogen. Referenzjahr ist 1999, das am aktuellen Rand international verfügbarer statistischer Informationen liegt (Tabelle 1).

Unter den zehn Reiseländern, die die absolut höchsten Einnahmen aus Reiseausgaben von Ausländern erzielen, ist der touristische Export für Deutschland - in Relation zum BIP - mit 0,8 % von annähernd so nachrangiger Bedeutung wie für die USA. Diese nehmen in absoluten Werten (74,4 Mrd. US-Dollar) allerdings den ersten Rang ein, gefolgt von Spanien, das nicht nur absolut (32,9 Mrd. US-Dollar), sondern auch relativ (mit 5,5 % des nominalen BIP) den zweiten Rang - hier hinter Griechenland - in der Bedeutung des Außenwirtschaftsfaktors Tourismus aufweist. Damit ist Spanien stärker vom Tourismus abhängig als beispielsweise Frankreich oder Italien.

Absolut gesehen sind die Einnahmen auch für Deutschland mit knapp 17 Mrd. US-Dollar freilich beträchtlich: Es liegt im Ländervergleich der Einnahmen auf Platz 6 noch vor Österreich und Griechenland, zwei Ländern, die als vergleichsweise stark abhängig vom Tourismus gelten (Griechenland: 7,1 %, Österreich 5,3 %).

Auch für Russland, Australien, die Schweiz, Mexiko und Hongkong erreichen die Einnahmen mit 7,2 bis 7,8 Mrd. US-Dollar eine beachtliche Größenordnung.

Alles in allem ist die Abhängigkeit der Länder von den Tourismuseinnahmen differenziert zu betrachten: Auf der einen Seite gibt es Länder, deren Wirtschaft trotz absolut hoher Einnahmen nur wenig vom Tourismus beeinflusst wird (USA, Deutschland). Auf der anderen Seite findet sich eine Reihe von Ländern, bei denen auch absolut geringere Einnahmen aus dem Auslandstourismus von hoher wirtschaftlicher Bedeutung für das Land sind, so dass sie schon bei relativ geringen Schwankungen in der Nachfrage des Auslandes empfindlich getroffen werden (Griechenland, Spanien und Österreich). [3]

Ein beträchtlicher Teil der Einnahmen der wichtigsten Tourismusländer stammt aus Deutschland. Bei Österreich ist es knapp die Hälfte, bei Spanien und Italien jeweils rund ein Viertel. Diese Länder sind in erheblichem Maße vom touristischen Nachfrageverhalten in Deutschland abhängig. Verlagerungen in der Nachfrage können die wirtschaftliche Entwicklung in diesen Ländern empfindlich treffen.

Am Beispiel ausgewählter Zielländer und dafür verfügbarer Informationen lässt sich zeigen, dass es in den vergangenen Jahren tatsächlich deutliche Verschiebungen gegeben hat. Als aussagekräftiger Indikator wurde dazu auf Angaben aus den Übernachtungsstatistiken für die Jahre 1993 und 1998 zurückgegriffen (Tabelle 2).

So hat der Anteil Österreichs an den Übernachtungen der Deutschen von 1993 bis 1998 merklich abgenommen; absolut sanken sie von 65,0 Mill. im Jahre 1993 auf 52,8 Mill. im Jahre 1998, obwohl es bei den gesamten Übernachtungen von Deutschen ein Plus von 41,4 Millionen gegeben hatte. Gewinner sind vor allem Frankreich, Italien und Spanien. Deutschland hat als Zielland für Einheimische etwas an Bedeutung verloren; die Übernachtungen sind mit 277 Millionen konstant geblieben; gemessen an der Gesamtzahl der Übernachtungen Deutscher waren sie leicht rückläufig, machten 1998 aber immer noch reichlich zwei Fünftel aus.

Touristischer Import (Ausgaben im Ausland) im Vergleich wichtiger Reiseländer

Die weltwirtschaftliche Bedeutung Deutschlands für den Tourismus zeigt sich, wenn analog zu den Einnahmen auch die Ausgaben der führenden zehn Länder betrachtet werden (Tabelle 3). Hier belegt Deutschland als ein bevölkerungsstarkes und vergleichsweise reiches Land mit einem Ausgabenvolumen von über 48 Mrd. US-Dollar nach den USA den 2. Rang in der Liste der 10 ausgabenstärksten Länder. Spanien und Griechenland, die bei den Einnahmen zu den wichtigsten Ländern zählen, sind hier nicht mehr vertreten. Japan, das mit recht geringen Einnahmen von 3,4 Mrd. US-Dollar einen erheblichen Negativsaldo im internationalen Reiseverkehr verzeichnet, nimmt bei den Ausgaben den 4. Platz ein, noch vor Frankreich und Italien. Die Niederlande, die ebenfalls deutlich mehr ausgeben als sie einnehmen, rücken auf den 9. Platz vor.

Gemessen am jeweiligen nominalen BIP ist Deutschland kein ausgeprägt "auslandsreisefreudiges" Land. Zusammen mit Großbritannien und den Niederlanden liegt es unter den 10 ausgabenstärksten Ländern im Mittelfeld. Deutlich übertroffen wird es hier nur von Österreich (4,3 %), während die USA und Japan weit unten rangieren.

Gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Tourismus
im internationalen Vergleich
Die Einnahmen und Ausgaben im internationalen Reiseverkehr sind zwar ein wichtiger Faktor im touristischen Geschehen und unverzichtbarer Indikator dafür. Es bedarf indes weiterer Informationen und Analysen, um die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für ein Land beurteilen zu können. Vergleichsweise hohe Einnahmen aus dem Ausland können aufgrund damit verbundener importierter Vorleistungen in ihrem Einfluss auf das BIP merklich geringer werden (Beispiel Schweiz), während relativ geringe Einnahmen aus dem internationalen Tourismus durch die Ausgaben heimischer Touristen beachtlich aufgestockt werden können (Beispiel Deutschland).

Im Allgemeinen setzen sich die touristischen Aktivitäten in einem Land zusammen aus:

- "Incoming"-Tourismus, also Ausgaben von Ausländern im Inland,

- Ausgaben von Inländern im Inland einschließlich der Aufwendungen für Auslandsreisen (z. B. Leistungen von Reisebüros), die mit inländischer Bruttowertschöpfung verbunden sind,

- sowie dem "Outgoing"-Tourismus, also Ausgaben von Inländern im Ausland.

Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Tourismus errechnet sich aus dem "Incoming"-Tourismus (einschließlich Transportleistungen) und den Ausgaben von Inländern im Inland abzüglich der damit (direkt und indirekt) verbundenen Importe. Ausgaben von Inländern im Ausland zählen nicht zum Inlandsprodukt. Allerdings kommt es im Zuge von Auslandsreisen zu einem gewissen Importbedarf in den Zielländern und damit zu Rückflüssen (u. a. Export von Druckereierzeugnissen und Verbrauchsgütern). Auch exportiert Deutschland eine Reihe von Gütern (beispielsweise Busse), die im Zielland für touristische Zwecke eingesetzt werden. Der World Travel & Tourism Council (WTTC) weist diese Art von Exporten ("other exports") als eigenständige Position aus. [4] Dem Nutzer bleibt es bei seinen Analysen überlassen, ob er diese Daten einbezieht oder ob er sich auf die Ausgaben von Touristen beschränken will.

Das DIW Berlin hat für Deutschland ein umfassendes und integriertes Satellitenkonto für den Tourismus (Tourism Satellite Account, TSA) aufgebaut. [5] In einem solchen entstehungs- und verwendungsseitig integrierten, input-output-gestützten Satellitenkonto, das mit der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung abgestimmt ist, werden alle mit der touristischen Nachfrage verbundenen Einkommen erfasst. Mit dem Konto besteht die Möglichkeit, die Abhängigkeit von der touristischen Nachfrage auch für einzelne Wirtschaftszweige zu analysieren. Über einen solchen Ansatz wird weltweit seit langem diskutiert, [6] da er für internationale Vergleiche besonders geeignet ist. Nach wie vor fehlt es jedoch für viele wichtige Länder an den statistischen und analytischen Grundlagen zur entsprechenden Erfassung und Strukturierung der touristischen Ausgaben. Für Deutschland errechnet sich für das Jahr 1995 ein Anteil des Tourismus am BIP von knapp 8 %. Dabei waren Investitionen im Inland und sonstige Exporte für die touristische Nutzung im Ausland nicht berücksichtigt.

In einer vergleichenden Untersuchung wurde versucht, die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für einige europäische Länder nach dem input-output-gestützten Ansatz zu ermitteln. [7] Referenzjahr war - mit Ausnahme der Balearen und Österreich - das Jahr 1998.

Nach dieser Analyse zeigen sich folgende Ergebnisse: Spitzenreiter war Spanien mit einem Anteil des Tourismus am nominalen BIB von gut 16 %; die Region der Balearen ragte hier mit einem Anteil von fast 40 % heraus. Den dritten und vierten Rang nahmen Italien und Österreich - annähernd gleichauf mit schätzungsweise 11 % - ein, gefolgt von der Schweiz mit etwa 8,5 % und von Deutschland mit einem Anteil wie für 1995 errechnet von knapp 8 %; daran schlossen sich Dänemark mit 7 % und Schweden mit etwa 6 % an.

Zur Entwicklung des nationalen und internationalen Tourismus in Deutschland 1995 bis 2000

Trotz der seit 1995 positiven Bilanz bei den Einnahmen Deutschlands aus dem internationalen Reiseverkehr lässt dies noch nicht den Schluss zu, dass sich auch die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in Deutschland insgesamt im Jahre 2000 gegenüber 1995 erhöht hätte. Eher deuten die verfügbaren Informationen darauf hin, dass sie etwas geringer gewesen sein dürfte als noch im Jahre 1995. Die deutlich rückläufige Entwicklung beim realen Umsatz und bei der Beschäftigung im Gastgewerbe [8] hat sich im Jahre 2000 zwar nicht fortgesetzt. Bei einem Rückgang des Umsatzes (zu konstanten Preisen) um gut 8 % und um rund 13 % bei der Zahl der Beschäftigten im Gastgewerbe ist ein Bedeutungsverlust des Tourismus insgesamt nicht von der Hand zu weisen. Allerdings dürfte er weitaus schwächer ausgefallen sein. Dafür sprechen folgende Überlegungen:

Touristische Ausgaben machen nur einen Teil des Umsatzes im Gastgewerbe aus, und dieses Gewerbe absorbiert nur einen vergleichsweise kleinen Teil der gesamten Ausgaben für touristische Aktivitäten, so dass durchaus Verlagerungen stattgefunden haben können. Ein Indiz dafür ist die Tatsache, dass die Übernachtungen insgesamt von 1995 bis 2000 mit knapp 9 % annähernd gleich stark gestiegen sind wie das reale BIP (13 %). Zu dieser Entwicklung hat die Zahl der Übernachtungen von Ausländern in besonderem Maße beigetragen: Im Jahre 2000 waren es rund 24 % mehr als 1995. Allein im Jahre 2000 wuchs die Zahl der Übernachtungen von Ausländern gegenüber 1999 um fast 11 % bei einer Veränderung der Übernachtungen insgesamt um knapp 6 %.

Die Beurteilung der Entwicklung der Beschäftigung, die von 1995 bis 2000 durch den Tourismus induziert wurde, ist aufgrund wiederholter, starker Revisionen der gesamten und sektoralen Erwerbstätigenzahlen durch das Statistische Bundesamt erschwert. Zu berücksichtigen ist auch, dass entsprechend dem deutschen Statistikkonzept in der Zahl der Erwerbstätigen auch Teilzeitkräfte als Vollzeitkräfte erfasst werden, was die Ergebnisse der Zurechnung sektoral Erwerbstätiger zur Endnachfrage beeinträchtigt. Zumindest geht aus den verfügbaren Informationen hervor, dass der Tourismus - trotz seiner Bedeutung für Deutschland - kein "Jobmotor" gewesen sein dürfte, wie es vielfach erhofft wurde.

Fazit In Deutschland sind die Einnahmen aus dem internationalen Reiseverkehr in den vergangenen Jahren zwar kräftig gestiegen. Allerdings spielen sie mit ihrem dadurch induzierten Anteil am BIP noch immer - ähnlich wie in den USA - eine vergleichsweise geringe Rolle. Immerhin haben sie zuletzt zu einer Stabilisierung der gesamtwirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus in Deutschland - schon 1995 hatte der Anteil knapp 8 % ausgemacht - beigetragen. Umgekehrt aber kommt Deutschland für viele Tourismusländer eine dominierende Rolle zu. Beispielsweise stammt in Österreich knapp die Hälfte der Einnahmen aus dem internationalen Tourismus von Gästen aus Deutschland; in Spanien und Italien waren es jeweils rund ein Viertel und in Griechenland noch immer ein Fünftel.

Für eine vergleichende internationale Analyse zur Bedeutung des Tourismus in den einzelnen Volkswirtschaften fehlen trotz aller Bemühungen noch immer die geeigneten Daten, sowohl in sachlicher als auch in zeitlicher Hinsicht. Insbesondere in Deutschland hat sich die Datenbasis nach 1995 eher noch verschlechtert. Wichtig wären deshalb auch repräsentative und umfassende Haushaltsbefragungen zum Reise- und Ausgabeverhalten. In Deutschland sind solche Befragungen einmalig in der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 1993 durchgeführt worden.

Es ist dringend erforderlich, dass die nationalen statistischen Ämter wenigstens die Reiseausgaben nach Reisetyp und Ausgabeart jährlich ausweisen. Für die Datenerhebung wie für Analysen, die auch den internationalen Vergleich einschließen, bedarf es eines einheitlichen Ansatzes, wie er mit dem vom DIW Berlin für Deutschland entwickelten integrierten Satellitenkonto (Tourism Satellite Account, TSA) vorliegt. Erst ein solches input-output-gestütztes Konto, das mit der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung abgestimmt ist, erlaubt die Erfassung aller mit der touristischen Nachfrage verbundenen Einkommen.

[1] Ohne Transportleistungen im grenzüberschreitenden Personenverkehr, die in Höhe von 13,5 Mrd. DM als Exporterlös und in Höhe von 10,4 Mrd. DM als Import in einer touristischen Gesamtbilanz für das Jahr 2000 berücksichtigt werden müssten. Vgl. Deutsche Bundesbank: Zahlungsbilanzstatistik April 2001. Statistisches Beiheft zum Monatsbericht 3. Einnahmen und Ausgaben im "Internationalen Reiseverkehr". Die Angaben in der Zahlungsbilanzstatistik sind bis 1998 in D-Mark, danach in Euro ausgewiesen. Zur besseren Vergleichbarkeit werden in diesem Bericht alle Zahlen in D-Mark ausgewiesen.

[2] Vgl. u. a.: Zur gesamtwirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus in Deutschland. Bearb.: Renate Filip-Köhn, Rainer Hopf, Jutta Kloas. In: Wochenbericht des DIW, Nr. 9/99.

[3] Ein weiteres Beispiel ist Ungarn: Nach Angaben der WTO nahm es im Jahre 1999 von ausländischen Besuchern 3,4 Mrd. US-Dollar ein. Nach Angaben der OECD betrug das Bruttoinlandsprodukt im Jahre 1999 in jeweiligen Preisen 48,2 Mrd. US-Dollar. Die Relation der Einnahmen zum BIP liegt bei 7,1 %. Die Situation ist ähnlich in Tschechien, und es drängt sich bei der Betrachtung und Einordnung dieser Länder der Eindruck auf, dass die recht hohen Raten u. a. Ausdruck eines noch immer in Bezug auf den Besucher inhomogenen Preisniveaus sind.

[4] Vgl. u. a. World Travel & Tourism Council: Tourism Satellite Accounting Research 2000.

[5] Renate Filip-Köhn, Rainer Hopf, Jutta Kloas: Wirtschaftsfaktor Tourismus. Gutachten im Auftrage des Bundesministers für Wirtschaft und Technologie, Februar 1999.

[6] Zuletzt vom 7. bis 10. Mai 2001 in Vancouver: Tourism Satellite Accounts Conference.

[7] Die folgenden Angaben basieren auf dem vorläufigen Endbericht unter Federführung des DIW Berlin in Zusammenarbeit mit Tommy D. Andersson (Schweden), Carlos Collado (Spanien), Kim Gottsaed-Petersen (Dänemark), Britta Oertel und Siegfried Behrendt (IZT, Berlin), Martin Peter (Schweiz), Francisco Sastre und Inmaculada Benito (Mallorca): Benchmarking for Tourism in Europe. Forschungsauftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Berlin, Februar 2001. Große und wichtige Länder, wie Frankreich und Großbritannien, konnten aus Kosten- und Zeitgründen nicht in die Analyse einbezogen werden. Die Auswahl der europäischen Länder erfolgte unter pragmatischen Gesichtspunkten. Einerseits mussten die budgetären Beschränkungen beachtet werden. Andererseits wurden bereits bestehende Kontakte zu Partnerinstitutionen genutzt. Für Deutschland konnte in der hier vorgestellten Untersuchung eine Aktualisierung des Satellitenkontos über das Jahr 1995 hinaus aus Kostengründen nicht vorgenommen werden.

[8] Vgl. dazu Statistisches Bundesamt: Binnenhandel, Gastgewerbe, Tourismus, FS 6, Reihe 7.1, Dezember und Jahr 2000.


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Tabelle 1

Die zehn einnahmenstärksten Länder im internationalen Reiseverkehr

 im Jahre 1999



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                    Einnahmen          darunter                 Einnahmen in

                                   aus Deutschland (1)        Relation zum BIP

Rang Land

                   in Mrd. US-$ in Mrd. US-$     in %         in %         Rang

                                             der Einnahmen



  1  USA               74,4          3,3          4,4          0,8          10

  2  Spanien           32,9          7,8         23,7          5,5           2

  3  Frankreich        31,7          3,3         10,4          2,2           5

  4  Italien           28,4          7,3         25,7          2,4           4

  5  Großbritannien    21,0          2,4         11,4          1,5           7

  6  Deutschland       16,8           x            x           0,8           9

  7  VR China          14,1          0,2          1,4          1,4 (2)       8

  8  Österreich        11,1          5,3         47,7          5,3           3

  9  Kanada            10,0          0,4          4,0          1,6           6

 10  Griechenland       8,8          1,6         18,2          7,1           1



     Insgesamt        249,2         32,1         13,8 (3)       .



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(1) Angaben der Deutschen Bundesbank, von Euro auf US-Dollar mit dem

 Durchschnittskurs umgerechnet.

(2) Geschätzt.

(3) Gemessen an der Summe der Einnahmen ohne Deutschland.



Quellen: World Tourism Organization; International Monetary Fund;

 Deutsche Bundesbank; OECD.

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Tabelle 2

Übernachtungen Deutscher (1) in ausgewählten Zielländern

   

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                     1993            1998   

Zielländer

                Mill.     %     Mill.     %



Deutschland     277,4    44,5   277,2    41,7

Frankreich       87,6    14,1   109,8    16,5

Österreich       65,0    10,4    52,8     8,0

Italien          33,9     5,4    46,7     7,0

Spanien          29,3     4,7    35,9     5,4

USA              19,0     3,0    20,0     3,0

Großbritannien   19,8     3,2    18,9     2,9

Schweiz          16,6     2,7    14,2     2,1

Dänemark          4,5     0,7     4,0     0,6

Schweden          1,8     0,3     2,0     0,3

Sonstige Länder  68,2    11,0    83,1    12,5



Insgesamt       623,1   100,0   664,5   100,0



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(1) Als "Deutsche" gelten alle Personen mit ständigem Wohnsitz in Deutschland.



Quelle: Zusammenstellung des DIW Berlin

 im Zusammenhang mit dem Projekt "Benchmarking für den Tourismus in Europa".



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Tabelle 3

Die zehn ausgabenstärksten Länder im internationalen Reiseverkehr im Jahre 1999



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                       Ausgaben         darunter                 Ausgaben in

                                     in Deutschland (1)        Relation zum BIP

Rang Land

                     in Mrd. US-$ in Mrd. US-$    in %         in %        Rang

                                               der Ausgaben



  1  USA                61,3          1,4          2,3          0,7         10

  2  Deutschland        48,4           x            x           2,3          4

  3  Großbritannien     36,6          1,6          4,4          2,5          3

  4  Japan              32,8          0,5          1,5          0,8          9

  5  Frankreich         18,6          1,5          8,1          1,3          7

  6  Italien            17,6          1,0          5,7          1,5          6

  7  Kanada             11,3          0,1          0,9          1,8          5

  8  VR China           10,9          0            0            1,1 (2)      8

  9  Niederlande        10,7          2,0         18,7          2,7          2

 10  Österreich          9,1          1,6         17,6          4,3          1



     Insgesamt         257,3          9,7          4,6 (3)       .



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(1) Angaben der Deutschen Bundesbank, von Euro auf US-Dollar mit dem

 Durchschnittskurs umgerechnet.

(2) Geschätzt.

(3) Gemessen an der Summe der Ausgaben ohne Deutschland.



Quellen: World Tourism Organization; Deutsche Bundesbank;

 International Monetary Fund;  OECD.   



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