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| Wochenbericht des DIW Berlin 34/03 E-Business im Dienstleistungssektor: Anwendungsmuster in europäischen Ländern | |||
| Bearbeiter | Brigitte Preissl | ||
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| In allen Wirtschaftszweigen haben Unternehmen in Europa begonnen, internetgestützte Transaktionen in ihre Geschäftsabläufe zu integrieren. Die Anwendungsmuster unterscheiden sich von Branche zu Branche. Im Dienstleistungssektor hat die Einführung von Informations- und Kommunikationstechniken bereits seit einiger Zeit für neue Formen der Leistungserstellung und neue Serviceangebote gesorgt. Das DIW Berlin hat die Nutzung von E-Business in vier Dienstleistungsgruppen (Einzelhandel, unternehmensbezogene Dienstleistungen, Grundstücks- und Wohnungswesen sowie Datenverarbeitungs- und Kommunikationsdienste) in vier europäischen Ländern - Deutschland, Frankreich, Italien und dem Vereinigten Königreich, hier als EU-4 bezeichnet - untersucht [1] und deutliche Unterschiede sowohl zwischen den Branchen als auch zwischen den Ländern festgestellt. | |||
| Dienstleistungsbereiche und E-Business-Potentiale | Viele Dienstleistungen weisen eine hohe Informationsintensität auf. Daher sind alle Techniken, die die Verarbeitung und Verbreitung von Informationen unterstützen, besonders geeignet, die Innovationsintensität im Dienstleistungssektor zu erhöhen; dies gilt vor allem für den elektronischen Geschäftsverkehr. [2] Der Dienstleistungssektor ist jedoch heterogen; insofern verfügen nicht alle Dienstleistungen über die gleichen Potentiale für die Nutzung von E-Business. Prozesse der Dienstleistungserstellung können in digitale Elemente zerlegt werden. [3] Sie lassen sich dokumentieren und standardisieren sowie elektronisch übertragen. Diese Möglichkeiten spielen eine entscheidende Rolle hinsichtlich der Ausschöpfung von Produktivitäts- und Marktpotentialen bei der Anwendung von E-Business. Zudem sind bei der Analyse sektorspezifische Besonderheiten in der Struktur und der Entwicklungsdynamik der einzelnen Dienstleistungen zu beachten. Die wichtigsten Charakteristika der vier hier untersuchten Dienstleistungsgruppen werden im Folgenden vorgestellt. | ||
| Unternehmens- dienstleistungen |
Unternehmensdienstleistungen waren in den Ländern der EU in den letzten Jahren einer der wachstumsstärksten Dienstleistungszweige. In der Kategorie der Unternehmensdienstleistungen werden sehr heterogene Aktivitäten zusammengefasst, die von wissensintensiven Consultingtätigkeiten bis zu Sicherheits- und Reinigungsdiensten mit geringem Informationsinput reichen. Je nach Gewicht der einzelnen Untergruppen in einem Land kann sich daher auch das Potential für die Anwendung von E-Business unterscheiden. Im Zuge der Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums und einer sich verschlechternden Ertragslage in vielen Unternehmen hat sich auch die Nachfrage nach Unternehmensdienstleistungen abgeschwächt. [4] Um im Wettbewerb zu bestehen, haben sich Dienstleistungsfirmen verstärkt bemüht, ihre Kosten zu senken. Sowohl im operativen Bereich als auch beim Marketing bieten sich insbesondere bei den wissensintensiven Dienstleistungen durch den Einsatz von E-Business Rationalisierungspotentiale: • Für Dienstleistungen mit hohem Informationsinput bietet das Internet zunehmend neue Möglichkeiten, die Leistungseffizienz zu erhöhen. • In wissensintensiven Dienstleistungen werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit hohem Qualifikationsniveau und hohem Spezialisierungsgrad benötigt, deren Rekrutierung hohe Suchkosten verursacht; diese können durch Nutzung von Datenbanken reduziert werden. • Abläufe im Unternehmen und an der Schnittstelle zum Kunden können automatisiert und standardisiert werden, um Größenvorteile durch mehrmaligen Einsatz bereits entwickelter Dienstleistungsmodule zu erzielen. • Andererseits kann für individuelle Lösungen und maßgeschneiderte Servicepakete E-Business auch dazu benutzt werden, standardisierte Module zu individuellen Lösungen zu verknüpfen. • Informationsverarbeitung in vernetzten Systemen verändert die täglichen Abläufe; es entstehen neuartige Angebote und neue Formen der Lieferung der Dienstleistung an den Kunden. | ||
| Informations- und Kommunikationsdienste |
Der Sektor besteht zum einen aus Telekommunikationsdiensten, zum anderen aus Datenverarbeitungsdiensten einschließlich Softwareerstellung und -beratung. Die beiden Teilsektoren bieten zwar komplementäre Leistungen an, unterscheiden sich aber wesentlich in Bezug auf die Art der Leistungserstellung und die Marktkonstellationen. [5] Telekommunikationsdienste sind auf kapitalintensive Infrastrukturen angewiesen; Informationsdienstleistungen hingegen zeichnen sich durch eine hohe Arbeitsintensität aus. Trotz umfangreicher Liberalisierungsmaßnahmen in den europäischen Telekommunikationsmärkten sind diese weiterhin von einigen sehr großen Firmen dominiert, während typische Anbieter von computerbezogenen Diensten kleine Unternehmen sind. Telekommunikationsdienste richten sich auf einen Massenmarkt, der private Haushalte und Unternehmen gleichermaßen bedient, während Informationsdienste meistens projektbezogen sind und individuell an Unternehmen geliefert werden. Erhebliche Unterschiede bestehen auch innerhalb der Informationsdienste: Ein Hersteller von Standardsoftware bewegt sich auf einem Markt, der einem Massenmarkt ähnlich ist; ein Anbieter von individuell erstellter Software dagegen arbeitet für einzelne Kunden und fertigt so "Einzelstücke". Die Handhabung der dahinter liegenden Prozesse der Dienstleistungserstellung kann in beiden Fällen durch E-Business erleichtert werden, die Gestaltung der Geschäftsmodelle wird sich jedoch wesentlich unterscheiden. In Massenmärkten werden die Marketingstrategien besonders betroffen sein; in individuellen Märkten profitieren die Informationsbeschaffung auf der Inputseite und die Koordination des Projektablaufs unter den beteiligten Partnern im operativen Bereich. Trotz der intensiven Nutzung von Informationstechnik in den IKT-Diensten werden bislang nur einige Leistungen elektronisch angeboten, etwa Aktualisierungen und Verkauf von Standardsoftware, ausgewählte Netzdienste der Internet-Service-Provider oder die Wartung und Reparatur von Hardware. Typische Telekommunikationsleistungen werden per Netz geliefert; der eigentliche Verkaufsakt und die Vertragsabschlüsse finden aber mit geringen Ausnahmen noch immer offline statt. | ||
| Einzelhandel |
Schon seit längerer Zeit werden im Einzelhandel informationstechnische Systeme vor allem in der Logistik und im Zahlungsverkehr eingesetzt. Das Internet bietet nun weitere Möglichkeiten zur Verbesserung von Material- und Informationsflüssen sowie zur Einführung neuer Serviceangebote. Bei einer großen Anzahl kleiner und sehr kleiner Unternehmen gehört der Einzelhandel jedoch im Vergleich zu anderen Branchen zu den Nachzüglern beim Einsatz von Informationstechnik. Trotz zunächst beachtlicher Absatzerfolge einiger Online-Anbieter blieb die Verbreitung des elektronischen Handels weit hinter den Erwartungen zurück, und es zeigte sich insbesondere durch das Scheitern vieler Internetanbieter, dass selbst hohe Umsätze oft nicht zum Erreichen der Gewinnschwelle ausreichten. [6] Die Auswirkungen des elektronischen Geschäftsverkehrs auf Unternehmen und Märkte sind im Wesentlichen von der Verbreitungsgeschwindigkeit von Internetanwendungen abhängig, da hier das Phänomen der kritischen Masse und Netzwerkexternalitäten eine große Rolle spielen: Nur wenn eine ausreichend große Zahl von Teilnehmern an Online-Märkten existiert, werden Internetauftritte für Anbieter interessant. Wird die kritische Masse überschritten, kann mit einer stetigen Ausweitung der Geschäftstätigkeit gerechnet werden. Je mehr Käufer und Verkäufer also Internetanschlüsse nutzen, desto attraktiver wird der elektronische Handel für alle Teilnehmer. [7] Im Einzelhandel werden Informations- und Bestellfunktionen über das Internet ausgeübt, während die eigentliche Lieferung - mit Ausnahme des (noch) relativ schmalen Segments digitaler Güter - weiterhin physisch erfolgt. Hier liegt ein hohes Potential an E-Business-Anwendungen vor, das aber, wie die folgenden Daten zeigen werden, noch in einem sehr geringen Maße ausgeschöpft wird. | ||
| Grundstücks- und Wohnungswesen | Mit der Vermietung, dem Verkauf und der Verwaltung von Grundstücken und Gebäuden waren im Jahre 2000 in der Europäischen Union etwa 1,7 Mill. Personen beschäftigt. Sie arbeiten meist in kleinen Unternehmen mit weniger als zehn Angestellten. In allen betrachteten Ländern weist die Branche einen langfristigen Wachstumstrend auf, es sind aber auch deutliche Reaktionen auf konjunkturelle Schwankungen zu erkennen. Die Informationstechnik hat sich in verschiedener Weise auf die Geschäftstätigkeit in der Branche ausgewirkt. Für Vermittlungstätigkeiten sind Informationsbeschaffung und Markttransparenz von höchster Bedeutung. Hier werden durch das Internet erhebliche Vorteile erzielt. Während die Nutzung von Computern für die Dokumentation von Angeboten und die Führung von Kundendateien seit langem zur Unterstützung der Dienstleistungserstellung üblich ist, fügt E-Business neue Elemente in die Geschäftsabwicklung ein. Die Standardinstrumente für das Bewerben von Immobilienangeboten waren in der Vergangenheit Zeitungsinserate und Aushänge in Immobiliengeschäften. Beide Formen hatten nur eine begrenzte Reichweite. Mit der Einführung des Internet konnte die Markttransparenz erheblich gesteigert werden. Es können größere Informationsmengen dargestellt werden, etwa durch die Aufnahme von Fotographien oder Grundrissen, und die Suche wird durch entsprechende Navigationssysteme erleichtert. Anders als lokale Zeitungen können im Internet Angebot und Nachfrage überregional vermittelt werden. Das Internet ermöglicht es jedoch auch nichtprofessionellen Anbietern, Angebote und Gesuche zu lancieren. Dadurch können die Dienstleistungen der Makler umgangen werden. | ||
| Kriterien für Dienstleistungs- kategorien | Zwischen den Charakteristika der einzelnen Dienstleistungsbranchen und den E-Business-Potentialen besteht ein direkter Zusammenhang. Diese Affinität kann anhand verschiedener Indikatoren beschrieben werden. Es sind nach Funktion und Bedeutung der Informationstechnik vier Kategorien gebildet worden (Übersicht). Die Zuordnung erfolgte nach inhaltlichen Kriterien (Informationsgehalt einer Dienstleistung) und nach technischen Kriterien (Nutzung von Informationstechnik). Bei der Auswertung der verwendeten Umfragedaten wurden diese Kategorien zugrunde gelegt. | ||
| Ausstattungsindikatoren bei E-Business variieren zwischen Branchen und Ländern |
Die Nutzung von E-Business in Europa wurde anhand von Indikatoren untersucht, die die Verbreitung von Geräten, Netzdiensten und Anwendungen, die tatsächliche Nutzung dieser Infrastruktur für elektronischen Geschäftsverkehr sowie verschiedene Auswirkungen abbilden. Die Daten stammen aus einer Unternehmensbefragung, die im Rahmen eines EU-finanzierten Projekts durchgeführt wurde (Kasten). Während die Computernutzung in allen betrachteten Ländern und Dienstleistungszweigen nahe an der Sättigungsgrenze liegt, weisen die Ausstattung mit Internetanschlüssen und die Präsenz auf Webseiten noch eine große Variationsbreite auf. Tabelle 1 zeigt für den kombinierten Ausstattungsindikator eine für alle Länder geltende sektorale Abstufung: Die Informations- und Kommunikationsdienste sind jeweils am besten versorgt, gefolgt von Unternehmensdienstleistungen und dem Grundstücks- und Wohnungswesen. Das Schlusslicht bildet in allen Fällen der Einzelhandel. In Italien sind die Ausstattungsunterschiede bei für E-Business notwendigen Geräten und Anschlüssen am geringsten. Auch in den Branchen ist hier das Ausstattungsniveau vergleichsweise hoch. Dagegen ist die Spreizung zwischen IKT-Diensten einerseits und dem Einzelhandel andererseits im Vereinigten Königreich und in Frankreich besonders ausgeprägt. Deutschland liegt jeweils etwa im Durchschnitt der beteiligten Länder. Bei den hier betrachteten Branchen hinkt der Einzelhandel in allen Ländern gemessen am Ausstattungsniveau hinterher. In den drei anderen Branchen, bei denen eine relativ gute Ausstattung vorhanden ist, gibt es von Land zu Land Unterschiede. Im Ländervergleich hat Frankreich bei den IKT-Diensten und den Unternehmensdienstleistungen deutliche höhere Indikatorwerte aufzuweisen; Italien führt beim Einzelhandel und beim Grundstücks- und Wohnungswesen. Im Vereinigten Königreich fällt die schlechte Ausstattung bei den Unternehmensdienstleistern auf. Die Unterschiede zwischen den Ländern können Spiegelbild von unterschiedlichen Branchenstrukturen sein. Um den Einfluss dieses Merkmals zu bestimmen, wären tiefer gehende Analysen notwendig, doch sind die dafür erforderlichen Informationen nicht verfügbar. Im Einzelhandel und im Grundstückswesen sind die Aktivitäten noch einigermaßen homogen, doch spielen bei den Ausstattungsniveaus auch die Unternehmensgrößen, also die Marktstrukturen, eine nicht unerhebliche Rolle. Bei den IKT- und Unternehmensdienstleistungen kommt hinzu, dass sehr verschiedene Tätigkeiten unter eine Branche subsumiert werden. Ein großer Anteil wissensintensiver oder technischer Dienstleistungen an den Unternehmensdiensten dürfte sich positiv auf die Verbreitung von IKT auswirken, während hohe Anteile operativer Dienste eher verlangsamend wirken. Die hier errechneten Ausstattungsindikatoren geben Hinweise auf die Möglichkeiten der Unternehmen, am E-Business teilzunehmen, nicht aber darauf, mit welcher Intensität diese tatsächlich genutzt werden. | ||
| Netzwerke werden in Europa unterschiedlich intensiv für elektronischen Geschäftsverkehr genutzt |
Um zu Aussagen über die Nutzung von Informationstechnik zu gelangen, ist ein Indikator für Nutzungsintensität gebildet worden (vgl. auch Kasten). In Tabelle 2 sind die Werte für die beiden Teilindikatoren, "E-Commerce" für externe Transaktionen und "E-Business intern" für den internen elektronischen Geschäftsverkehr, dargestellt. Die im Vergleich zur Ausstattung deutlich niedrigeren Indikatorwerte für E-Business-Anwendungen sind ein Hinweis darauf, dass viele Firmen inzwischen zwar die Voraussetzungen dafür geschaffen haben, aber mit der Umsetzung internetbasierter Geschäftsmodelle noch zögern. Die Varianz zwischen den Branchen ist größer als bei E-Readiness. Hier kommen branchenspezifische Charakteristika zum Tragen, die E-Business nicht immer gleich attraktiv erscheinen lassen oder zu unterschiedlich günstigen Implementierungsbedingungen beitragen. Der IKT-Sektor übertrifft bei den Nutzungsindikatoren noch deutlicher die anderen Branchen; der Einzelhandel bleibt weniger hinter dem Durchschnitt zurück als bei anderen Indikatoren. Dabei spielt E-Commerce im Einzelhandel eine relativ starke Rolle, während die internen Netzanwendungen vergleichsweise gering verbreitet sind. Für den kombinierten Nutzungsindikator zeigen sich sehr deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern. Englische Firmen gehören danach zu den intensivsten Nutzern, gefolgt von deutschen und italienischen. Auffällig ist die insgesamt geringe Nutzungsintensität bei französischen Dienstleistern. Aus dem Ausstattungsniveau mit Infrastruktur lässt sich nicht unmittelbar auf die Nutzungsintensität schließen. Aus den Indikatoren für Ausstattung mit Informationstechnik und Internetpräsenz einerseits und E-Business-Nutzung andererseits lassen sich "Ausschöpfungsquoten" berechnen, die angeben, in welchem Verhältnis "Readiness"- und "Usage"-Indikatoren stehen. Tabelle 3 ist zu entnehmen, dass Dienstleistungsunternehmen im Vereinigten Königreich bei einer relativ geringen Ausstattung mit Netz- und Computertechnik hohe Werte beim elektronischen Geschäftsverkehr erreichen, also die vorhandene Technik intensiv zur Umsetzung elektronischer Geschäftsmodelle nutzen. Umgekehrt haben Firmen in Italien zwar gute Ausstattungen, bleiben aber bei der Nutzung der vorhandenen Einrichtungen für den elektronischen Geschäftsverkehr deutlich hinter Deutschland und dem Vereinigten Königreich zurück. Deutschland nimmt in Bezug auf die Ausschöpfung eine mittlere Position ein, während Frankreich sowohl bei der vorhandenen Technik und den Netzanwendungen als auch bei deren Nutzung weit unter dem Durchschnitt der betrachteten Länder liegt und damit auch relativ niedrige Ausschöpfungsquoten hat. Ein Vergleich zwischen den Branchen zeigt, dass wiederum bei den IKT-Diensten die höchste Ausschöpfungsquote erreicht wird. Im Einzelhandel verfügt zwar eine beachtliche Zahl von Unternehmen über Computer, Netzanschlüsse und Internetpräsenz, aber nur in Deutschland nutzen sie diese in nennenswertem Umfang, um E-Business zu betreiben. | ||
| Erfahrungen mit E-Business überwiegend positiv |
Dienstleistungsfirmen wurden gefragt, wie sich Online-Beschaffung auf Logistik- und Lagerkosten, Beschaffungskosten, Lieferantenbeziehungen sowie auf die Effizienz interner Abläufe auswirkt. In dem Indikatorwert sind "sehr positive" und "gemäßigt positive" Erfahrungen zusammengefasst (Tabelle 4). Die Fallzahlen sind hier niedriger als bei den anderen Indikatoren, da nur Anwender von Online-Beschaffung berücksichtigt wurden. So beziehen sich etwa beim Grundstücks- und Wohnungswesen in Italien die Ergebnisse auf nur 19 untersuchte Fälle. Die Werte geben daher eher einen ersten Eindruck und können nicht als statistisch gesicherte Ergebnisse gewertet werden. Die Indikatorwerte sind erstaunlich hoch; die meisten Anwender von E-Business machten also in Bezug auf die erfragten Wirkungen positive Erfahrungen. Es bestehen jedoch auch hier Unterschiede zwischen Ländern und Dienstleistungszweigen. Insbesondere in Italien berichten Firmen überwiegend von guten bis sehr guten Erfahrungen mit elektronischem Geschäftsverkehr. Auch im Vereinigten Königreich überwiegen die positiven Stimmen. Demgegenüber sind Firmen in Deutschland und Frankreich in allen Dienstleistungsbranchen zurückhaltender in ihrer Einschätzung. Firmen, die gute Erfahrungen gemacht haben, werden vermutlich weiterhin E-Business nutzen. Zudem entstehen dadurch Demonstrationseffekte, die noch zögerliche Unternehmen überzeugen können, auch E-Business zu betreiben. Allerdings ist mit kostensparenden Effekten des elektronischen Geschäftsverkehrs erst einige Jahre nach der Einführung zu rechnen, da zunächst hohe Implementierungs- und Lernkosten zu veranschlagen sind. Hinzu kommt, dass Transaktionskosten von Unternehmen nur dann in nennenswertem Umfang sinken können, wenn große Anteile an allen Transaktionen elektronisch durchgeführt werden. Bei einer parallelen Anwendung traditioneller und elektronischer Abläufe entstehen zunächst zusätzliche Kosten, die erst im Laufe der Realisierung größerer Online-Anteile wieder geringer werden. | ||
| Fazit |
In den europäischen Dienstleistungsfirmen wird die Kompetenz für die Umsetzung elektronischer Geschäftsmodelle allmählich aufgebaut. Die Voraussetzungen in Form von Geräteausstattung, Kommunikationsdiensten und Internetnutzung sind überwiegend vorhanden; demgegenüber sind E-Business-Anwendungen noch eher gering verbreitet. Dabei bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Branchen. Bei den hier untersuchten Dienstleistungen lassen sie sich eindeutig auf die Informationsintensität in den Input- und Outputstrukturen der jeweiligen Dienstleistungen zurückführen. Wie zu erwarten, sind die Indikatoren für elektronischen Geschäftsverkehr in den wissensintensiven Dienstleistungen (hier die unternehmensbezogenen) und in den technikintensiven (hier die Informations- und Kommunikationsdienste) höher als in den eher personenbezogenen (Einzelhandel sowie Grundstücks- und Wohnungswesen). Bei Letzteren spielt wiederum eine Rolle, welche Bedeutung die Informationstechnik für die Kernkompetenz der Unternehmen besitzt. Besonders weite Verbreitung hat der elektronische Geschäftsverkehr im Vereinigten Königreich gefunden, aber auch deutsche Dienstleistungsfirmen weisen ein hohes Niveau bei Ausstattung und Nutzung auf. Die Entwicklung von innovativen, auf vernetzten Techniken beruhenden Geschäftsmodellen ist damit im deutschen Dienstleistungssektor im europäischen Vergleich relativ weit fortgeschritten. Auffällig sind die starke Diskrepanz zwischen Ausstattungs- und Nutzungsindikatoren in Italien sowie das insgesamt niedrige Niveau der Verbreitung von Netzdiensten und E-Business in Frankreich in allen Dienstleistungszweigen. Die Unterschiede zwischen den betrachteten Ländern bei den gleichen Dienstleistungszweigen können einmal mit der Entwicklungsdynamik des jeweiligen nationalen Dienstleistungsmarkts erklärt werden: Grundsätzlich ist ein positiver Wachstumstrend der Ausbreitung förderlicher als eine stagnierende Marktentwicklung. Zum anderen bieten jedoch kulturelle Faktoren - z. B. die Einstellung zu elektronischem Handel, Risikobereitschaft in einem noch weitgehend prekären Geschäftsfeld sowie die generelle Verbreitung von Internetanwendungen - Ansatzpunkte für die Interpretation der länderspezifischen Diffusionsmuster. Dabei sind die Zusammenhänge komplex. Zur Erreichung einer kritischen Masse reicht es nicht aus, eine gute Ausstattung mit Infrastruktur und Basistechniken zu besitzen. Die Umsetzung in elektronische Geschäftsmodelle verlangt vielmehr umfangreiche Kompetenzen im Bereich Organisation und Marketing sowie Visionen für innovative Anwendungen. | ||
| Übersicht Informationstechnik im Dienstleistungssektor |
Kategorie 1 Dienstleistungen mit geringer IT-Affinität -Friseure, Klavier- oder Tanzlehrer
Kategorie 2
Kategorie 3
Kategorie 4 | ||
| Kasten Datenbasis und Indikatorbildung |
Das DIW Berlin hat Daten aus einer Unternehmensbefragung [1] benutzt, um kombinierte Indikatoren zu den "Voraussetzungen" für elektronischen Geschäftsverkehr, seine tatsächliche Nutzung und seine Auswirkungen [2] für die vier Dienstleistungsbranchen Einzelhandel, Unternehmensdienstleistungen, Wohnungsvermittlung sowie Informations- und Telekommunikationsdienste (IKT-Dienste) zu errechnen. [3] Die Analyse wurde jeweils für Deutschland, Italien, Frankreich und das Vereinigte Königreich durchgeführt. Die Variablen aus der Unternehmensbefragung wurden durch Normierung und Aggregation zu vier kombinierten Indikatoren zusammengefasst: einem Ausstattungsindikator (E-Readiness), zwei Nutzungsindikatoren (E-Commerce und E-Business intern) sowie einem Wirkungsindikator (E-Business impact). Aus Gründen der Datenverfügbarkeit und der Validität der Ergebnisse wurden für den Wirkungsindikator nur auf Online-Einkäufe bezogene Variablen berücksichtigt. Die Tabelle 5 zeigt die verwendeten Variablen und Gewichtungsfaktoren. Die kombinierten Indikatoren setzen sich aus der Summe der gewichteten Teilindikatoren zusammen. Sie werden nach folgender Formel berechnet: I1-q= Teilindikatoren 1 bis q Die Variablen werden als prozentuale Anteile der Firmen mit dem jeweiligen Merkmal ausgedrückt. Wesentliches Kriterium für die Wahl der Gewichtungsfaktoren ist die Bedeutung einer Variablen für die Ausschöpfung der Potentiale elektronischer Netzwerke. Hier gehen Erfahrungswerte ein, die das Ergebnis erheblich beeinflussen. Wegen der Unterschiedlichkeit der Variablen im Hinblick auf deren mögliche Auswirkungen auf Geschäftsprozesse und Marktgeschehen ist dies jedoch einer ungewichteten Berechnung vorzuziehen. Die Indikatoren werden jeweils für die einzelnen Dienstleistungssektoren
und die vier betrachteten Länder ermittelt.
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 1
Ausstattungsindikatoren (1)
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Unternehmens- IKT-Dienste Einzelhandel Grundstücks- und
dienstleistungen Wohnungswesen
Frankreich 80.29 90.59 45.98 65.41
Deutschland 74.04 89.53 52.98 74.79
Italien 79.38 83.28 67.88 78.90
Vereinigtes
Königreich 67.48 90.04 50.71 71.37
EU-4 74.72 88.52 57.20 71.78
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(1) Maximaler Indikatorwert = 100.
Quellen: E-Business Market Watch 2002;
Berechnungen des DIW Berlin.
DIW Berlin 2003
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 2
Nutzungsindikatoren (1)
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Unternehmens- IKT-Dienste Einzelhandel Grundstücks- und
dienstleistungen Wohnungswesen
E-Commerce
Frankreich 12.38 31.19 2.15 18.11
Deutschland 21.98 43.64 24.51 25.22
Italien 17.19 39.82 17.93 13.85
Vereinigtes
Königreich 26.79 45.60 25.77 27.80
EU-4 21.01 42.74 19.80 20.13
Interne
E-Business-Nutzung
Frankreich 17.80 31.07 5.31 14.36
Deutschland 19.91 33.04 10.49 13.58
Italien 22.89 20.84 6.90 15.60
Vereinigtes
Königreich 21.61 34.32 5.44 21.93
EU-4 21.02 30.85 7.31 15.63
Nutzungsindikator
Frankreich 15.09 31.13 3.73 16.24
Deutschland 20.95 38.34 17.50 19.40
Italien 20.04 30.33 12.42 14.73
Vereinigtes
Königreich 24.20 39.96 15.61 24.87
EU-4 21.02 36.80 13.56 17.88
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(1) Maximaler Indikatorwert = 100.
Quellen: E-Business Market Watch 2002;
Berechnungen des DIW Berlin.
DIW Berlin 2003
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 3
Ausschöpfungsquoten (1)
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Unternehmens- IKT-Dienste Einzelhandel Grundstücks- und
dienstleistungen Wohnungswesen
Frankreich 0.38 0.69 0.16 0.50
Deutschland 0.57 0.86 0.66 0.52
Italien 0.50 0.73 0.37 0.37
Vereinigtes
Königreich 0.72 0.89 0.62 0.70
EU-4 0.56 0.83 0.47 0.50
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(1) Maximaler Indikatorwert = 100.
Quellen: E-Business Market Watch 2002;
Berechnungen des DIW Berlin.
DIW Berlin 2003
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 4
Wirkungsindikatoren (1)
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Unternehmens- IKT-Dienste Einzelhandel Grundstücks- und
dienstleistungen Wohnungswesen
Frankreich 32.38 49.75 46.10 45.25
Deutschland 37.13 44.35 39.88 46.05
Italien 66.63 65.73 59.88 71.70
Vereinigtes
Königreich 63.58 59.38 65.33 67.28
EU-4 50.40 58.78 51.43 49.83
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(1) Maximaler Indikatorwert = 100.
Quellen: E-Business Market Watch 2002;
Berechnungen des DIW Berlin.
DIW Berlin 2003
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 5 Komponenten der Indikatoren ------------------------------------------------------------------------------- Variable Gewichtung Ausstattung Computer 0.10 Internetzugang 0.25 E-Mail-Anschluss 0.20 Firmenwebseite 0.30 Intranet 0.15 Interne E-Business-Nutzung Gemeinsamer Zugriff auf Dokumente 0.26 Elektronische Reiseabrechnung 0.11 Arbeitszeitkontrolle 0.23 Personalverwaltung 0.23 Elektronisches Lernen 0.17 E-Commerce Online-Verkauf 0.33 Verkaufsvolumen 0.22 Online-Einkauf 0.25 Einkaufsvolumen 0.20 Wirkungen Logistik- und Lagerkosten 0.25 Beschaffungskosten 0.25 Lieferantenbeziehungen 0.25 Effizienz interner Abläufe 0.25 ------------------------------------------------------------------------------- DIW Berlin 2003 =============================================================================== | |
| © 34/03 |

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