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| Wochenbericht des DIW Berlin 36/02
Modernisierung der Industrie stärkt Wirtschaftsstandort Berlin | |||
| Bearbeiter | Ingo
Pfeiffer Peter Ring | ||
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| Für die wirtschaftliche Zukunft Berlins spielt nach weit verbreiteter Überzeugung die Industrie keine Rolle mehr. Dafür dürfte der gesamtwirtschaftliche Strukturwandel ebenso sprechen wie der Wegfall von Produktionsarbeitsplätzen in Ballungszentren. Der Abbau der Industrie in Berlin erscheint vor diesem Hintergrund als nachholender Strukturwandel eines Ballungszentrums. In einer Untersuchung vom DIW Berlin und von der REGIOCONSULT wird gezeigt, dass dieses Bild differenziert werden muss. [1] Im Zuge des Strukturwandels ist die Berliner Industrie im Laufe des vergangenen Jahrzehnts zwar kräftig geschrumpft. Die verbliebenen und die inzwischen gegründeten Unternehmen konnten aber durch neue Produktlinien und intensivere Forschung und Entwicklung ihre Wettbewerbsfähigkeit deutlich steigern. Dabei entwickelte sich auch eine engere Zusammenarbeit zwischen Industrie und Dienstleistungssektor. Die weitere Stärkung dieses Leistungsaustauschs ist durchaus möglich - ein beachtliches Entwicklungspotential für die Berliner Wirtschaft. | |||
| Problemhorizont | In jüngster Zeit mehren sich
die Stimmen, die auf die fundamentale Funktion der Industrie innerhalb der
deutschen Wirtschaft hinweisen. Auch die großen Städte werden
als Standorte wieder interessant. Mit ihrer hoch entwickelten Infrastruktur,
dem breit gefächerten Arbeitskräfteangebot und schnell erreichbaren
Kooperationspartnern aus Wissenschaft und Forschung bieten sie für
die moderne Industrie vielfach bessere Bedingungen als weniger dicht besiedelte
Gebiete.
Dies dürfte vor allem die Konsequenz eines Wandels in der Produktionsstruktur sein: Der Anteil der direkten Fertigung im Wertschöpfungsprozess nimmt ab, der Anteil der mit industriellen Produkten verknüpften, meist wissensintensiven Dienstleistungen steigt dagegen. Da diese Leistungen vielfach in spezialisierten Betrieben erbracht werden, nimmt auch die Vernetzung von Industrie- und Dienstleistungsbetrieben zu. Eine allein am produzierenden Sektor orientierte Berichterstattung ist daher auch immer weniger in der Lage, ein aussagekräftiges Bild von der Entwicklung des gesamten Komplexes zu vermitteln. Vor diesem Hintergrund haben DIW Berlin und Regioconsult im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen und der Industrie- und Handelskammer zu Berlin untersucht, inwieweit sich das verarbeitende Gewerbe Berlins nach dem Beschäftigungseinbruch und der Umstrukturierung im vergangenen Jahrzehnt den für andere deutsche Ballungszentren typischen Entwicklungsmustern - Verlagerung der Tätigkeitsstruktur hin zu wissensintensiven Tätigkeitsfeldern innerhalb der Industrie und wachsender Leistungsaustausch mit dem Dienstleistungsbereich - angepasst hat. Untersucht wurde insbesondere, • welche Position die Industrie und die mit ihr verbundenen Dienstleistungsbranchen in der Wirtschaft der Stadt einnehmen, • welche Veränderungen sich in der Tätigkeitsstruktur in Industriebetrieben bisher vollzogen haben und welche geplant sind, • welche Dienstleistungen von den ansässigen Betrieben des verarbeitenden Gewerbes benötigt und wo diese Dienstleistungen erstellt werden, • in welchem Maße die Berliner Dienstleistungsbetriebe die Nachfrage der örtlichen Industrie bedienen und • wo Industrie- und Dienstleistungsunternehmen Nachfragepotentiale sehen. | ||
| Datenbasis | Die Stellung von Industrie und Dienstleistungssektor
im Wirtschaftsgefüge Berlins wird anhand der regionalen volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung und anderer amtlicher Statistiken dargestellt. Einblicke
in die Tätigkeitsstruktur der Unternehmen sowie Erkenntnisse über
die Austauschbeziehungen zwischen beiden Produzentengruppen wurden mit einer
Befragung gewonnen; sie richtete sich an alle Industrieunternehmen Berlins
und an Unternehmen in einzelnen Dienstleistungszweigen. Ausgewählt
wurden Branchen, deren Leistungen überwiegend von anderen Unternehmen,
insbesondere solchen des verarbeitenden Gewerbes, nachgefragt werden (produktionsnahe
Dienstleistungen). Zur Ergänzung und Vertiefung der schriftlichen Befragung
wurden persönliche Interviews mit Unternehmensvertretern durchgeführt.
Den Analysen liegen die Angaben von 274 Industriebetrieben, die knapp 60 % aller Industriebeschäftigten repräsentieren, und fast 1 100 Dienstleistungsunternehmen mit etwa 35 % der einschlägigen Arbeitsplätze zugrunde. Da das Antwortverhalten schwer kontrolliert werden kann, sind Verzerrungen der Ergebnisse nicht auszuschließen. Nach den Erfahrungen von DIW Berlin und Regioconsult, die sie mit zahlreichen ähnlichen Befragungen gewonnen haben, sind die Ergebnisse jedoch schon im Hinblick auf die große Fallzahl belastbar. | ||
| Ergebnisse |
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| Zur wirtschaftlichen Bedeutung von Industrie und Dienstleistungen | Im verarbeitenden Gewerbe Berlins
zeichnet sich offenbar eine Tendenzwende ab: Der Beschäftigungsrückgang
scheint zum Stillstand zu kommen, und die Wertschöpfung steigt wieder.
Die Zahl der Beschäftigten betrug im Jahre 2001 rund 164 000 Personen,
etwa die Hälfte von 1991. Die reale Bruttowertschöpfung (in Preisen
von 1995) des Wirtschaftsbereichs lag 2001 bei 8,1 Mrd. Euro. Das sind rund
30 % weniger als 1991. Besonders stark waren die Einbußen in der ersten
Hälfte des Jahrzehnts (Abbildung 1).
Im Zuge dieser Entwicklung hat sich zuletzt auch die Position des verarbeitenden Gewerbes innerhalb der städtischen Wirtschaft gefestigt: Nachdem sein Anteil an den wichtigsten gesamtwirtschaftlichen Größen bis in die zweite Hälfte der 90er Jahre - zunächst gravierend, dann weniger stark - zurückgegangen war, ist er seit 1999 weitgehend stabil geblieben. Gegenwärtig stellt das verarbeitende Gewerbe 11 % aller Arbeitsplätze und steuert knapp 12 % zum realen Bruttoinlandsprodukt der Stadt bei. Die Entwicklung der produktionsnahen Dienstleistungsbranchen verlief umgekehrt. Das Aggregat "Unternehmensdienste" in der Gesamtrechnung, das neben den produktionsnahen Dienstleistungen auch Vermietung und Verpachtung umfasst, weist für das Jahr 2001 rund 271 000 Beschäftigte aus; dies ist gegenüber 1991 eine Zunahme um rund zwei Drittel. Die Bruttowertschöpfung ist in diesem Zeitraum um 27 % auf 20,2 Mrd. Euro gestiegen. [2] Damit tragen diese Branchen inzwischen deutlich mehr zur Beschäftigung und zur Wertschöpfung der Berliner Wirtschaft bei als die Industrie. Ein differenziertes Bild des Beschäftigtengefüges in den verschiedenen Dienstleistungsbranchen bietet die Statistik der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, in der allerdings Beamte und Selbständige nicht enthalten sind (Abbildung 2). Danach stellen unter den produktionsnahen Diensten insbesondere die Beratungsdienste, Reinigungsfirmen und Ingenieurbüros den Hauptanteil der Arbeitsplätze. | ||
| Industrie verbessert Wettbewerbsposition | Im Verlauf des Strukturwandels hat
es deutliche Veränderungen in der Branchen- und Produktionsstruktur
des Berliner verarbeitenden Gewerbes gegeben. Die Berliner Industrie weist
aber nach wie vor ein vergleichsweise breites Tätigkeitsspektrum ohne
ausgeprägte Branchencluster auf. Bereits aus den Daten der amtlichen
Statistik ist erkennbar, dass der Anteil wissensintensiver Produktlinien
zugenommen hat. So ist in der chemischen Industrie der forschungsintensive
Pharmabereich kräftig gewachsen. Auch im Maschinenbau und in der Elektrotechnik
zeigt sich eine Tendenz zu komplexeren Produkten. Die Befragungsergebnisse
bestätigen diesen Eindruck. Viele der befragten Industriebetriebe haben
neue, wettbewerbsfähige Produktlinien aufgebaut, die Forschungs- und
Entwicklungsaktivitäten intensiviert, das Engineering, den Vertrieb
und die Qualitätskontrolle forciert. So hat ein führender Aufzughersteller
die Entwicklung und den Bau der Steuerungselemente für seine europäische
Produktion in Berlin konzentriert. Weitere Beispiele für den Ausbau
komplexer Produktionen finden sich im Kühlaggregatebau, bei Baumaschinen,
im Fahrzeugbau und bei der Energietechnik. Hinzu kommt, dass in forschungsintensiven
Industriezweigen mit einem hohem Anteil an Dienstleistungsarbeitsplätzen
- etwa in Pharmazie und Biotechnologie, in der Medizintechnik und in der
Nachrichtentechnik - eine größere Zahl neuer Unternehmen mit
vielfach hohem Wachstumstempo entstanden ist.
Diese Entwicklung hat zu einer spürbaren Aufwertung der Arbeitsplatzstruktur beigetragen. In peripheren Funktionen, teilweise auch in der Fertigung hat die Zahl der Arbeitsplätze abgenommen, in strategisch wichtigen Bereichen - in der Forschung, Produktentwicklung, Qualitätskontrolle und dem Vertrieb - ist sie dagegen gestiegen - eine Tendenz, die durch die Summe der Einzelfallbeispiele belegt wird (Abbildung 3). Insgesamt signalisieren die Veränderungen der Beschäftigtenstruktur in den Industriebetrieben • eine Konzentration der Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen, • eine Ausweitung der Beschäftigung in strategisch wichtigen Bereichen und • eine signifikante Verbesserung der Arbeitsplatzqualität. Den Planungen der Unternehmen zufolge wird sich diese Entwicklung in den nächsten Jahren fortsetzen. |
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| Outsourcing begünstigt Wachstum regionaler Dienstleistungsanbieter | Kennzeichen des Wandels in der Tätigkeitsstruktur
ist insbesondere die Auslagerung spezieller Unternehmensdienste. Entsprechend
der allgemeinen Tendenz übertragen auch die Berliner Industriebetriebe
verstärkt bislang selbst erbrachte Dienstleistungen an spezialisierte
Anbieter. Dies sind zum einen die einfachen Dienste wie Reinigung, Verpflegung
und Bewachung. Im Bereich der höherwertigen Dienste werden zunehmend
insbesondere Datenverarbeitungsleistungen sowie technische und wirtschaftliche
Beratung ausgelagert (Tabelle 1). Diese
Tendenzen sind zwar unterschiedlich. Sie sind bei Betrieben im Konzernverbund
eher schwächer, bei Einzelunternehmen eher stärker ausgeprägt.
Die Intensität derartiger Outsourcing-Prozesse ist aber in der Berliner
Industrie mindestens genauso hoch wie an anderen wichtigen Wirtschaftsstandorten
Deutschlands. [3]
Von dieser Entwicklung profitieren offenbar zunehmend auch die Anbieter produktionsnaher Dienstleistungen in der Stadt. Rund ein Drittel der auch für die Industrie tätigen Dienstleistungsunternehmen hat - eigenen Angaben zufolge - in den vergangenen Jahren deshalb expandiert, weil die Industrie entsprechende Leistungen ausgelagert hat. Vor allem DV-Dienstleister, Ingenieurbüros sowie Forschungs- und Entwicklungsgesellschaften haben die Absatzpotentiale erkannt und ihr Leistungsspektrum stärker auf die Nachfrage der Industrie eingestellt (Tabelle 2). Daneben gab es aber auch Klagen über den schon eingetretenen oder drohenden Verlust von Kunden aus der Industrie, der aus der Schließung oder Abwanderung von Betrieben resultiert. Derzeit arbeitet jedes zweite Dienstleistungsunternehmen auch für die Industrie. Insgesamt erwirtschaften die hier betrachteten Branchen ein Drittel ihres Umsatzes mit Kunden aus der Industrie. Besonders hoch ist die Industrieorientierung bei Forschung und Entwicklung, Speditionen sowie bei Softwareentwicklung und -beratung. Eine Reihe von Unternehmen der FuE-Branche sowie des Transportgewerbes ist fast ausschließlich für Industrieunternehmen tätig. Auf diese Unternehmen entfallen immerhin gut 30 % des Branchenumsatzes (Abbildung 4). Wie sich aus den ergänzenden Interviews gezeigt hat, nehmen insbesondere mittelständische Dienstleistungsbetriebe die regionale Industrie in wachsendem Maße als Partner wahr. Dies gilt vor allem für kontaktintensive Leistungen wie Entwicklung und Engineering oder Wirtschaftswerbung, bei denen die räumliche Nähe zwischen den Geschäftspartnern eine relativ große Rolle spielt. Zum Kundenkreis der Berliner Dienstleistungsunternehmen gehören nicht nur in Berlin ansässige, sondern auch auswärtige Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen - ein Zeichen dafür, dass die Berliner Dienstleistungsunternehmen auch überregional konkurrenzfähig sind (Abbildung 5). Etwa 54 % ihres Umsatzes erzielen die Berliner Anbieter auf Märkten außerhalb Berlins, davon 12 % in Brandenburg, 36 % auf Märkten im übrigen Deutschland und 6 % im Ausland. Eine besonders starke überregionale Orientierung zeigt sich in den Bereichen FuE, Ingenieurbüros und Softwareentwicklung. | ||
| Wachstumspotentiale aus der Verbindung von Industrie und Dienstleistungen erwartet |
Für die weitere Entwicklung ist bedeutsam, welche Potentiale sich für eine künftige Intensivierung des regionalen Leistungsbezuges zwischen Industrie und Dienstleistungen abzeichnen. Nur wenn die Nachfrage auf ein leistungsfähiges Angebot trifft, ist zu erwarten, dass sich die abzeichnenden Tendenzen verstetigen. Hier besteht den Einschätzungen der Unternehmen zufolge offenbar Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Rund 40 % aller Dienstleistungsunternehmen halten eine Ausweitung ihres Geschäfts mit der Berliner Industrie für möglich. Besonders ausgeprägt ist diese Einschätzung im Bereich der Werbebranche, der Datenverarbeitungsdienste sowie bei Ingenieurbüros und privaten FuE-Anbietern. Um die Absatzpotentiale bei der Industrie besser ausschöpfen zu können, muss und will ein Teil der Unternehmen seine Leistung stärker dem Bedarf der potentiellen Kunden anpassen. Die Aussagen der Industriebetriebe zu den von ihnen benötigten Dienstleistungen und den Möglichkeiten, diese von Berliner Anbietern zu beziehen, stützen weitgehend die Einschätzung der Dienstleistungsunternehmen. Zum einen besteht auch aus der Sicht der Industrie durchaus noch Anpassungsbedarf bei der Breite und Güte des Dienstleistungsangebots. Zum anderen schätzen die Dienstleistungsunternehmen den künftigen Bedarf der Industrie weitgehend richtig ein. Dies gilt zwar nicht für den FuE-Bereich. Hier sind die Nachfrageperspektiven der Industrie bei Fremdleistungen deutlich geringer als die Erwartungen der Anbieter. Kongruent sind Potentiale und Erwartungen jedoch in den Sektoren Informationstechnologie und Ingenieurleistungen sowie Werbung. Beim Gebäudemanagement und bei der Logistik bestehen zudem Potentiale, die von den Anbietern offenbar noch nicht ausreichend erkannt worden sind. | ||
| Wirtschaftspolitische Folgerungen | Die Industrie in Berlin beginnt nach
einer längeren Phase der Umstrukturierung mit einem zum Teil drastischen
Beschäftigungsabbau Fuß zu fassen. Sicher sind nicht alle Schwächen
behoben, wie auch die aktuelle Entwicklung bei einzelnen Unternehmen zeigt.
Die Befunde der Unternehmensbefragung belegen jedoch, dass Produktion und
Tätigkeitsstruktur in großem Umfang modernisiert wurden. Dieses
Ergebnis sowie die Entwicklung von Produktion und Auslandsabsatz lassen
den Schluss zu, dass die Industrie in Berlin an Wettbewerbsfähigkeit
gewonnen hat. Zudem wurde auch die regionale Verflechtung intensiviert.
Insbesondere mit den örtlichen Dienstleistungsunternehmen ist eine
engere Zusammenarbeit in Gang gekommen. Bei allen Einschränkungen im
Detail halten beide Seiten eine Intensivierung des Austauschs für möglich.
Lassen sich diese Erwartungen realisieren, könnte aus dieser Zusammenarbeit
ein beachtliches wirtschaftliches Potential für den Standort erwachsen.
Vom Niveau und von der Austauschintensität dieser Kooperationen in
anderen deutschen Großstädten ist Berlin allerdings noch weit
entfernt. [4]
Die Ergebnisse der Untersuchung spiegeln auch den tief greifenden Strukturwandel, der mit der Beschleunigung und Intensivierung der internationalen Wirtschaftsverflechtung verbunden ist. Die Unternehmen ordnen ihre Tätigkeitsfelder und Produktionsstandorte neu. Systemische Kompetenz und flexibles Eingehen auf Kundenwünsche entscheiden zudem immer stärker über den Unternehmenserfolg. Diese Bedingungen erfordern eine neue Arbeitsteilung, bei der die Industrie und die produktionsnahen Dienstleistungen zu Netzwerken zusammenwachsen. Vor diesem Hintergrund ist eine moderne Industrie auch für die Wirtschaftsentwicklung Berlins unverzichtbar. Auf Hauptstadtfunktionen, Tourismus und Medien allein sollte und kann eine Stadt von der Größe Berlins ihre wirtschaftliche Zukunft nicht gründen. Die Wirtschaftspolitik für Berlin setzt zu Recht auf die "Stärkung der Stärken" und fördert schwerpunktmäßig ausgewählte wachstumsintensive und zugleich standortgerechte Aktionsfelder, bei denen Chancen zur Clusterbildung bestehen. Derartige Potentiale gibt es freilich in allen Zweigen des Berliner verarbeitenden Gewerbes; auch im Bereich der "alten" Industrien kommt der regionale Leistungsaustausch verstärkt in Gang. Vor diesem Hintergrund ist es unabdingbar, die wettbewerbsfähigen Industriebetriebe aller Branchen in der Region zu halten und die Verzahnung mit der Dienstleistungswirtschaft zu unterstützen.
Nach Einschätzung vieler Unternehmen werden die Entwicklungsmöglichkeiten der ansässigen Betriebe unterschätzt und ihre strategische Bedeutung für die Entwicklung der regionalen Wirtschaft nicht erkannt. Vielfach besteht bei den Unternehmen sogar der Eindruck, dass die Industrie auch von der Politik nur als "notwendiges Übel" auf dem Weg zur Dienstleistungsmetropole angesehen wird. Beklagt wird dabei weniger fehlende Unterstützung bei der Lösung konkreter Probleme. Das Engagement der Verwaltung wird im Einzelfall sogar gelobt. Kritisiert wird insbesondere, dass auch führende Politiker die Ansicht vertreten, dass Berlin kein Industriestandort mehr ist. Um dem zunehmenden Imageverlust des Standorts entgegenzuwirken, sollten die Leistungskraft und die wirtschaftliche Bedeutung der Industrie für die Stadt besser vermittelt werden als bisher.
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 1
Von der Industrie ausgehende Impulse auf produktionsnahe Dienstleistungen (1)
in Berlin
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Dienstleistung Intensität der Impulse (2)
1996 - 2001 künftig
Software-Entwicklung +++ +++
Datenverarbeitungsdienste +++ +++
Facility-Management ++ +++
Unternehmensberatung ++ ++
Logistik + ++
Engineering + ++
Werbung/PR + ++
Forschung und Entwicklung + +
Call-Center + +
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(1) Nach Angaben von 274 Berliner Betrieben.
(2) +++ stark, ++ durchschnittlich, + schwach.
Quelle: DIW Berlin/Regioconsult, Befragung 2001.
DIW Berlin 2002
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 2
Bedeutung der Industrie als Kunde für Berliner Dienstleistungsunternehmen
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Unternehmen Unternehmen Unternehmen
Unternehmen hat Industrie- ist durch hat von
Wirtschaftszweig insgesamt kunden Auslagerung Auslagerung
entstanden profitiert
Anzahl Anteil an allen Unternehmen in % (1)
Spedition, Lager 54 68,5 5,6 11,1
Softwareentwicklung
und -beratung 146 56,2 8,9 9,6
Datenverarbeitungsdienste 38 44,7 5,3 5,3
Andere Datenverarbeitungs-
tätigkeiten 54 48,1 1,9 22,2
Forschung, Entwicklung 47 70,2 12,8 12,8
Ingenieurbüros 89 68,5 3,4 18,0
Technisch-wirtschaftliche
Beratung 35 28,6 0,0 8,6
Technische Untersuchung usw. 37 73,0 8,1 16,2
Marktforschung,Werbung 50 58,0 8,0 14,0
Call-Center 7 42,9 14,3 28,6
Wirtschaftsprüfer usw. 88 42,0 1,1 10,2
Unternehmensberatung 210 47,1 3,8 14,3
Vermittlung von
Arbeitskräften usw. 57 68,4 1,8 12,3
Gebäudemanagement 31 38,7 3,2 9,7
Sonstige Dienstleistungen
für Unternehmen 21 57,1 4,8 9,5
Branchen ohne Zuordnung 115 48,7 8,7 7,0
Insgesamt 1 079 53,8 5,4 12,3
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Unternehmen Mehr Umsatz Für mehr Umsatz
hat Leistung mit Industrie mit Industrie
Wirtschaftszweig auf Industrie ist möglich Profiländerung
ausgerichtet nötig
Anteil an allen Unternehmen in % (1)
Spedition, Lager 25,9 27,8 9,3
Softwareentwicklung
und -beratung 19,2 42,5 11,0
Datenverarbeitungsdienste 7,9 42,1 13,2
Andere Datenverarbeitungs-
tätigkeiten 11,1 51,9 20,4
Forschung, Entwicklung 34,0 46,8 19,1
Ingenieurbüros 19,1 44,9 12,4
Technisch-wirtschaftliche
Beratung 5,7 25,7 0,0
Technische Untersuchung usw. 18,9 37,8 16,2
Marktforschung,Werbung 22,0 60,0 12,0
Call-Center 14,3 42,9 0,0
Wirtschaftsprüfer usw. 2,3 26,1 10,2
Unternehmensberatung 11,4 46,2 9,0
Vermittlung von
Arbeitskräften usw. 24,6 33,3 14,0
Gebäudemanagement 12,9 35,5 0,0
Sonstige Dienstleistungen
für Unternehmen 9,5 28,6 14,3
Branchen ohne Zuordnung 16,5 29,6 13,9
Insgesamt 15,8 39,7 11,5
-------------------------------------------------------------------------------
(1) Mehrfachnennungen möglich.
Quelle: DIW Berlin/Regioconsult, Befragung 2001.
DIW Berlin 2002
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