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| Wochenbericht des DIW Berlin 37/01 Russische Direktinvestitionen in der Ukraine | |||
| Bearbeiter | Petra Opitz | ||
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| Für ausländische Investoren bestehen nach wie vor nur geringe Anreize zu Direktinvestitionen in der Ukraine. Das trifft prinzipiell auch für Investoren aus Russland zu. In ausgewählten Bereichen nutzen russische Investoren ihren "Informationsvorsprung" gegenüber westlichen Unternehmen. Sie besitzen Erfahrungen mit intransparenten und instabilen Investitionsbedingungen in ihrem eigenen Land sowie mit Netzwerkbeziehungen aus den Zeiten der Sowjetunion. Der Anteil Russlands an den gesamten ausländischen Direktinvestitionen in der Ukraine ist vergleichsweise gering. Russische Investoren haben jedoch in einzelnen Sektoren eine dominierende Position erlangt. Ihr besonderes Interesse galt bisher der Brennstoffindustrie, die stark auf Importe aus Russland angewiesen ist. Ukrainische Medien warnen bisweilen vor einer angeblich drohenden Kontrolle der ukrainischen Wirtschaft durch Russland. Der vorliegende Bericht macht jedoch deutlich, dass sich diese Befürchtungen kaum belegen lassen. | |||
| Der Stellenwert Russlands bei den ausländischen Direktinvestitionen |
Obwohl die ausländischen Direktinvestitionen in der Ukraine im Jahre 2000 knapp viermal so hoch waren wie 1994 (151 Mill. US-$), wies die Ukraine dabei mit 67 US-$ pro Kopf noch einen der niedrigsten Werte unter den Transformationsländern auf (Tabelle 1). Im Zusammenhang mit der Finanzkrise Ende 1998, bei der die Hryvnia innerhalb eines Monats 34,4 % ihres Wertes gegenüber dem US-Dollar verloren hatte, [1] waren die ausländischen Direktinvestitionen kurzfristig eingebrochen. Sie fielen von 747 Mill. US-$ im Jahre 1998 auf 489 Mill. US-$ im Jahre 1999. Bereits im darauf folgenden Jahr stiegen sie jedoch wieder. Weltweite Erfahrungen bestätigen, dass Direktinvestitionen von Finanzkrisen weniger beeinflusst werden als andere Kapitalzuflüsse. [2] Hohe Risiken für Investoren, ausufernde Korruption und ein ausgeprägtes Rent-Seeking in staatlichen Institutionen erschweren maßgeblich die Tätigkeit ausländischer Investoren. Die institutionellen Rahmenbedingungen sind unzureichend, und die Entscheidungen hängen in hohem Grade von einflussreichen Einzelpersonen ab. Instabilität und Intransparenz von Regeln führen zu erheblichen Informationsasymmetrien. In dieser Hinsicht ähneln die Verhältnisse in der Ukraine denen in Russland und sind daher für russische Investoren vertrauter als für Investoren aus westlichen Ländern. Investoren aus post-sowjetischen Staaten haben aufgrund der eigenen Erfahrungen einen gewissen "Informationsvorsprung". Dies gilt auch für die Kenntnis der bestehenden Industriestrukturen und Unternehmen, die gemeinsame Sprache sowie das vorhandene Netzwerk persönlicher Bekanntschaften und Beziehungen. Alles dies vermindert die Risiken für Investoren aus Russland. Schließlich ist zu beobachten, dass sich russische Unternehmen und Banken nach einer gewissen Konsolidierung ihres Vermögens [3] zunehmend für Investitionen und Akquisitionen in der Ukraine interessieren. In der Tat hat sich seit 1994 nach ukrainischen Angaben der Anteil russischer Unternehmen an den ausländischen Direktinvestitionen in der Ukraine mehr als verdoppelt (Tabelle 2); nach wie vor kommt aber der überwiegende Teil aus anderen Ländern. Mit kumulierten Direktinvestitionen von insgesamt 314 Mill. US-$ nahm Russland zum Jahresende 2000 hinter den USA, Zypern und den Niederlanden den vierten Rang unter den ausländischen Investoren ein (Abbildung 1). Berücksichtigt man, dass die Direktinvestitionen aus Zypern im Wesentlichen Investitionen russischer und ukrainischer Off-shore-Unternehmen sind, so spielen die russischen Unternehmen bei Direktinvestitionen eine größere Rolle als es in diesen Zahlen zum Ausdruck kommt (Tabelle 2). Welche Bedeutung die Ukraine als Investitionsstandort aus der Sicht russischer Unternehmen hat, ist schwer zu ermitteln, da die vorliegenden Daten über die regionale Struktur russischer Auslandsinvestitionen nicht mit den ukrainischen Angaben vergleichbar sind. Der GUS-Raum war insgesamt zwischenzeitlich für russische Investoren von großer Bedeutung - sein Anteil an den jährlichen russischen Direktinvestitionen im Ausland betrug 1998 knapp 20 % und 1999 [4] gut 24 %; im Jahre 2000 war sein Anteil jedoch mit 8 % deutlich geringer (Abbildung 2). Regional disaggregiert stehen lediglich Daten über die russischen Direktinvestitionen in die so genannten produktiven Bereiche [5] der GUS-Volkswirtschaften zur Verfügung. Die meisten dieser Investitionen flossen nach Belarus und Moldavien, die Ukraine folgt hier erst an dritter Stelle. [6] | ||
| Dominanz in wenigen Bereichen - die Struktur der russischen Investitionen in der Ukraine |
Wie aus der Abbildung 3 deutlich wird, hat in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre ein deutlicher Wandel in der sektoralen Struktur der russischen Direktinvestitionen in der Ukraine stattgefunden. Entfielen 1996 nach ukrainischen Angaben noch über 54 % (57,8 Mill. US-$) aller kumulierten russischen Direktinvestitionen auf den Gesundheitssektor [7] und über 12 % auf den Bereich Transport und Kommunikation, so überwiegen seit 1999 die Investitionen in die Industrie. Im Jahre 2000 absorbierte die Industrie bereits über 52 % (164,5 Mill. US-$) aller kumulierten russischen Direktinvestitionen in der Ukraine, während sich die Direktinvestitionen beispielsweise in den Gesundheitssektor nur geringfügig erhöhten. [8] Die Industrie erlangte für russische Investoren nun den gleichen Stellenwert wie für die ausländischen Investoren insgesamt. [9] Eine mögliche Erklärung für den "verspäteten" Zuwachs an russischen Direktinvestitionen in die ukrainische Industrie kann in der zögerlichen Freigabe von Großunternehmen in so genannten strategischen Bereichen der Industrie zur Privatisierung an ausländische Investoren liegen, für die ein vorrangiges Interesse russischer Investoren besteht. Möglicherweise spielt aber auch eine Rolle, dass sich russische Großunternehmen noch nicht in ausreichendem Maße konsolidiert hatten, um in stärkerem Umfange Auslandsinvestitionen zu tätigen. Das Interesse russischer Unternehmen an Schlüsselbereichen lässt sich auch an der Struktur der Direktinvestitionen in die ukrainische Industrie ablesen (Abbildung 4). Diese Struktur unterlag einem signifikanten Wandel. Seit 1998 richten sich die Direktinvestitionen im Wesentlichen auf den Brennstoffsektor. Während in den Vorjahren der Anteil dieses Sektors unter 1 % lag, stieg er 1998 auf rund 72 %. Ende 2000 absorbierte der Brennstoffsektor bereits rund 94 % der kumulierten russischen Direktinvestitionen in die ukrainische Industrie bzw. 52 % aller russischen Direktinvestitionen in die ukrainische Wirtschaft. Andere Industriesektoren sind demgegenüber eher unbedeutend. Bis Ende 1997 waren in den Bereich Maschinenbau und Metallverarbeitung Direktinvestitionen in Höhe von etwa 5 Mill. US-$ [10] geflossen. Danach fanden keine weiteren Direktinvestitionen russischer Unternehmen in diesen Sektor statt, so dass auf ihn im Jahre 2000 nur 2,2 % der kumulierten russischen Direktinvestitionen in die ukrainische Industrie entfielen. Die Nahrungsgüterindustrie, insgesamt an dritter Stelle, absorbierte im Jahre 2000 nur 1,5 % der kumulierten russischen Direktinvestitionen in die ukrainische Industrie. Der Brennstoffsektor ist sowohl für die ukrainische Wirtschaft als auch für das Verhältnis zwischen der Ukraine und Russland von strategischer Bedeutung. Die ukrainische Wirtschaft ist einerseits durch einen hohen Anteil energieintensiver Zweige charakterisiert, deren Brennstoff-Inputs weitgehend importiert werden müssen. In den 90er Jahren importierte die Ukraine über 50 % ihres gesamten Primärenergiebedarfs. Der weitaus größte Teil der Importe kam aus Russland. [11] Andererseits besitzt die Ukraine derzeit noch eine Monopolstellung für den Transport von russischem Erdgas und Erdöl nach West- und Südwesteuropa, weil alle existierenden Pipelines durch ihr Gebiet führen. Innerhalb des Brennstoffsektors war bisher die Erdöl verarbeitende Industrie das Hauptziel russischer Investoren. Zwei von insgesamt sechs Unternehmen, für deren Erwerb seit 1999 russische Investoren (LukOil und TNK [12] ) in Tenderverfahren den Zuschlag erhielten, sind Erdölraffinerien. Damit befinden sich 39 % der ukrainischen Raffinerie-Kapazitäten im Eigentum russischer Unternehmen. [13] Allerdings wurden sie im Jahre 2000 nur zu 19 % ausgelastet, da der Mineralölverbrauch in der Ukraine seit 1992 drastisch geschrumpft ist. Darüber hinaus wurden im Erdöl und Erdgas verarbeitenden Sektor eine Reihe russisch-ukrainischer Joint Ventures gegründet, die Mehrheitsanteile an ukrainischen Unternehmen erwarben. Andere Akquisitionen betrafen insbesondere die Metallurgie (Metallurgiewerk Donetsk, Aluminiumproduktion in Mykolajev und Zaporiñia) und die Chemie-Industrie (Rivneazot). [14] | ||
| Höhere Wertschöpfung und Marktanteile - Motivation für russische Investoren |
Bei ihrem Engagement in der Ukraine knüpfen russische Unternehmen häufig an die historischen, zu Sowjetzeiten aufgebauten vertikalen Produktionsbeziehungen zwischen Unternehmen beider Staaten an. Die genannten Akquisitionen sind Beispiele für Investitionen in einzelne Fertigungsstufen, die für die russischen Unternehmen einen Teil der vertikalen Struktur darstellen. Angesichts hoher Unsicherheiten scheinen die russischen Unternehmen in der Ukraine, wie auch in Russland, in Bereichen mit einer großen Komplexität von Vertragsbeziehungen und hohen spezifischen Investitionen nicht auf rein vertragliche Lieferbeziehungen zu vertrauen. Statt dessen ziehen sie den Erwerb von Unternehmensbeteiligungen vor. So vertieften beispielsweise die russischen Erdölkonzerne TNK und LukOil, die beide nicht über ausreichende eigene Erdöl-Verarbeitungskapazitäten verfügten, mit dem Erwerb ukrainischer Raffinerien ihre "Downstream"-Integration. [15] Die Unternehmen Awtowas und Sibirskij Aluminium hingegen erweiterten mit den erworbenen ukrainischen Unternehmen (Aluminiumwerke in Zaporiñia und Mykolajev) ihre "Upstream"-Kapazitäten. Auf diese Weise werden vertikale Integrationsstrukturen aufgebaut, bestehend aus Unternehmen, die unter anderen Voraussetzungen und in einer anderen Form bereits zu sowjetischen Zeiten errichtet worden waren. In der UdSSR waren die Erdöl-Verarbeitungskapazitäten - weit entfernt von den Erdöl-Fördergebieten - in der Nähe von industriellen Ballungsgebieten aufgebaut worden. Der Erwerb unterausgelasteter Raffineriekapazitäten scheint für russische Erdölunternehmen angesichts eigener Kapazitätsengpässe kostengünstiger zu sein als ein Kapazitätsneubau. Darüber hinaus sind die Transportwege von ukrainischen Standorten zu anderen ost- und südosteuropäischen Märkten kürzer (strategische Lage für die Gewinnung und Sicherung von Marktanteilen). Lohnkostenvorteile scheinen hingegen für russische Unternehmen kein gewichtiger Anreiz für Direktinvestitionen in der Ukraine zu sein, da einerseits mit der Privatisierung meist Auflagen verbunden waren, die bisherige Beschäftigtenzahl nicht zu verringern, und andererseits die Löhne in anderen GUS-Staaten wesentlich niedriger sind. Gleichzeitig scheint es symptomatisch, dass in erster Linie solche privaten russischen Großunternehmen Investitionsinteresse zeigen, die sich als künftige "global player" verstehen und nach Ausweitung ihrer Marktanteile außerhalb Russlands streben. Das Engagement russischer Investoren in der Ukraine ist vorrangig auf Bereiche orientiert, die gegenwärtige oder künftige Exportmöglichkeiten offerieren. | ||
| Wirtschaftliche Folgen der russischen Investitionen für die Ukraine |
Ausländische Investitionen spielen in den Transformationsökonomien nicht nur aus der Sicht der Überwindung von Kapitalmangel eine Rolle, sondern sie sind von besonderer Bedeutung für den Erwerb von technologischem und unternehmerischem Know-how. [16] Die auf den Weltmarkt orientierten russischen Großunternehmen (LukOil, Sibirskij Aluminium, Alpha Capital) haben inzwischen in der Tat unternehmerisches Know-how erworben. Allerdings lassen sich bei den großen Beteiligungen nur in Teilbereichen Effekte technologischer Modernisierung feststellen; die von ukrainischer Seite erhoffte Gesamtmodernisierung ließen die rationalen betriebswirtschaftlichen Kriterien der russischen Eigentümer offenbar nicht zu. Darüber hinaus können wettbewerbspolitische Auswirkungen für die Ukraine wichtig sein. In den Bereichen, wo russische Unternehmen einen hohen Anteil an den in der Ukraine vorhandenen Verarbeitungskapazitäten erworben haben, zeigt sich jedoch, dass entweder die russischen Unternehmen untereinander in starkem Wettbewerb stehen (z. B. in der Erdölverarbeitung) [17] oder die Aktivitäten mehrheitlich auf die internationalen Märkte (Metallurgie) zielen. Die Gefahr eines monopolistischen Verhaltens ist daher dort für die Ukraine gering. Allerdings wird die Tätigkeit der russischen Erdölunternehmen teilweise erheblich durch die Politik der russischen Regierung beeinflusst (starke Schwankungen bei der Erhebung von Abgaben auf Erdöl- und Erdgasexporte, Festlegung von Quoten für den Zugang der Unternehmen zu den Exportpipelines). Insofern besteht ein starkes Interesse der ukrainischen Regierung an der Diversifikation des Rohölbezugs. Diese Überlegung spielt für potentielle westliche Investoren keine Rolle. Für sie ist die Verbesserung der eingangs charakterisierten Investitionsbedingungen in der Ukraine ausschlaggebend. Für den effizientesten Bezug der entsprechenden Inputs sorgen die Investoren jeweils selbst. | ||
| Ausblick |
Die unlängst zwischen der Ukraine und Russland abgeschlossenen Abkommen deuten darauf hin, dass das russische Interesse auch weiterhin vorrangig auf den Energiesektor zielt. Das betrifft unter anderem das Abkommen über künftige Erdgaslieferungen und ihre Bezahlung (wobei eine begrenzte Kreditierung durch Russland zugesagt wurde) sowie das Abkommen über die Wiederaufnahme des Parallelbetriebs des russischen und ukrainischen Stromnetzes. Zwar wurde 2000 auch ein Abkommen über die engere Kooperation in den Bereichen Rüstungs- und Raumfahrtindustrie unterzeichnet, dessen Wirkung auf die Struktur russischer Direktinvestitionen in der Ukraine ist jedoch bisher nicht erkennbar. Insgesamt konzentrieren sich jedenfalls die russischen Direktinvestitionen bislang nicht auf arbeitsintensive Wirtschaftsbereiche. Im Rahmen der Bestrebungen der russischen Seite nach einer Begleichung der aufgelaufenen Altschulden der Ukraine durch Vermögenswerte der ukrainischen Wirtschaft wurde wiederholt das Interesse an Vermögenswerten im Energiesektor, insbesondere an der Transit-Gaspipeline, geäußert. [18] Auch wenn die ukrainische Regierung diesem Wunsch bisher nicht stattgegeben hat, könnte eine Beteiligung russischer Unternehmen (potentielle Lieferanten), möglicherweise gemeinsam mit westlichen Interessenten (potentielle Abnehmer), bei einer Konzessionsvergabe oder Privatisierung der Transitinfrastruktur (z. B. Gastransitpipeline nach Westeuropa) durchaus im Interesse der Ukraine sein, da sie die Position der Ukraine als Transitland stabilisieren würde. Ukrainische Unternehmen, insbesondere so genannte Oligarchen, besitzen gegenwärtig noch immer ein Interesse an intransparenten und instabilen Investitionsbedingungen, um potentielle Konkurrenten aus dem westlichen Ausland von einer erfolgreichen Teilnahme an Privatisierungsverfahren fernzuhalten. Dies wurde u. a. auch bei der so genannten "kalten" Privatisierung der Unternehmen der Stromwirtschaft (intransparenter Verkauf von Betriebsvermögen an bestimmte Gläubiger) in diesem Jahr deutlich. Solange dies der Fall ist, gesellen sich zum Kreis von potentiellen ukrainischen Investoren in solchen Bereichen in erheblichem Maße auch finanzkräftige Unternehmen aus dem GUS-Raum, darunter insbesondere aus Russland, die sich von den vorherrschenden Bedingungen bei weitem nicht in dem Maße wie westliche Investoren abschrecken lassen. | ||
| Kasten: LukOils Beteiligungen in der Ukraine - ein Schritt auf dem Weg in internationale Märkte |
Das Engagement von LukOil in der Ukraine ist Bestandteil der langfristigen Strategie des Unternehmens [1] zur Internationalisierung und Erhöhung der Wertschöpfung. Es förderte 2000 nach eigenen Angaben in Russland 62,2 Mill. t Erdöl (etwa ein Fünftel der russischen Gesamtförderung), wovon nur etwa die Hälfte durch das Unternehmen selbst weiterverarbeitet wurde. 29,7 Mill. t Rohöl wurden exportiert (rund 16 % der russischen Rohölexporte), jedoch nur 4,1 Mill. t Mineralölprodukte. [2] Durch den Erwerb von Raffinerien befinden sich gegenwärtig bereits mehr als ein Drittel der Raffineriekapazitäten von Lukoil in Osteuropa (Rumänien, Bulgarien, Ukraine).
In der Ukraine hat LukOil teilweise gemeinsam mit ukrainischen Firmen oder ukrainisch-russischen Joint Ventures mehrere Unternehmen gegründet (u. a. LukOil-Ukraina, LukOil-Cherson, LukOil-Krim), über die LukOil Beteiligungen an Raffinerien, Erdöl-Lieferfirmen und Tankstellennetzen hält. Nach Erwerb der Erdölraffinerie in Odessa investierte Lukoil 1,2 Mill. US-$ in die Modernisierung und erzielte im Jahre 2000 mit rund 35 % den höchsten Auslastungsgrad unter allen ukrainischen Raffinerien. Dennoch ist das Unternehmen seinen im Privatisierungsvertrag festgeschriebenen Verpflichtungen, jährlich 2,4 Mill. t Erdöl in der Raffinerie zu verarbeiten, nicht nachgekommen. Die Gründe liegen in erster Linie in der nicht ausreichenden Nachfrage nach Mineralölprodukten geringer Verarbeitungsstufen. LukOil fordert deshalb eine Revision der entsprechenden Vereinbarung des Privatisierungsvertrags und bietet im Gegenzug an, in den nächsten drei Jahren weitere 4 bis 5 Mill. US-$ in die Modernisierung der Raffinerie zu investieren. LukOil investiert auch in sein ukrainisches Tankstellennetz. Einschließlich des Netzes von LukOil-Krim besitzt das Unternehmen bereits 73 Tankstellen in der Ukraine, in die es innerhalb des letzten Jahres 4,4 Mill. US-$ investierte. Die Zahl der unternehmenseigenen Tankstellen soll in den nächsten drei Jahren auf 150 erweitert werden, was einen Marktanteil von 20 % am ukrainischen Mineralölumsatz bedeuten würde. [3] [1] Im Verlaufe des Jahres 1999 wertete die Hryvnia um weitere 34 % ab. [2] Vgl. Robert E. Lipsey: Foreign Direct Investors in Three Financial Crises, in: NBER Working Paper 8084, January 2001. [3] Die Umverteilung von Ressourcen ist in vielen Bereichen des realen Sektors der russischen Wirtschaft bereits zu einem gewissen Abschluss gekommen. [4] Goskomstat, Rossijskij statisti...eskij eñegodnik, Ausgaben 1996-2000 und Social'no ekonomi...eskoje poloñenije Rossii, Januar 2001. [5] Ohne Investitionen in den Finanzsektor. Dies erklärt allerdings nicht vollständig die große Diskrepanz zwischen den ukrainischen und den russischen Angaben über die russischen Direktinvestitionen in der Ukraine. Offensichtlich unterscheiden sie sich auch in der Art und Weise der Kumulation. [6] 1999 und 2000 entfielen auf Belarus 88 % beziehungsweise 82 % der kumulierten russischen Direktinvestitionen in die produktiven Bereiche der GUS (Tabelle 3). Die vergleichsweise hohen Summen sind nicht die Folge von Beteiligungen, wie häufig vermutet wird, sondern erklären sich in erster Linie aus Investitionen von Gazprom in die über Belarus führende Transitgaspipeline. [7] Insbesondere wurde in Sanatorien auf der Krim, dem traditionellen Urlaubsgebiet russischer Bürger investiert. [8] Die kumulierten russischen Direktinvestitionen in den ukrainischen Gesundheitssektor beliefen sich 2000 auf 77,9 Mill. US-$. [9] Unter den gesamten kumulierten ausländischen Direktinvestitionen hatte die Industrie schon seit 1996 Priorität. In diesen Bereich flossen damals 50 % aller kumulierten ausländischen Direktinvestitionen, Ende 2000 waren es 53 %. [10] Das entsprach 43 % der russischen Direktinvestitionen in die ukrainische Industrie. [11] Erdgasimporte aus Turkmenistan wurden immer wieder zeitweilig gestoppt aufgrund der Zahlungsrückstände der Ukraine. Erdöl wurde teilweise auch aus Kasachstan importiert. [12] Tyumen Erdölunternehmen. [13] Unter zusätzlicher Berücksichtigung der Kapazität der Raffinerie Krementschuk, die von einem russisch-ukrainischen Joint Venture (UkrTatneft) betrieben wird, betreiben russische Unternehmen nahezu zwei Drittel der gesamten Erdöl verarbeitenden Kapazitäten der Ukraine. Eine weitere ukrainische Raffinerie (in Cherson) befindet sich im Besitz des kasachischen Ölunternehmens Kasachoil. Die gegenwärtige Raffineriekapazität der Ukraine beträgt 51 Mill. t pro Jahr. [14] Der Erwerb der drei letztgenannten Unternehmen erfolgte erst 2001. [15] Eine Rolle für den Erwerb der Raffinerien hat sicher auch die Tatsache gespielt, dass bei zunächst reinen Tolling-Verträgen ukrainische Raffinerien ihren Lieferverpflichtungen nur mit erheblichen zeitlichen Verzögerungen nachgekommen sind. [16] Vgl. dazu u. a. Lee Branstetter: Is Foreign Direct Investment a Channel of Knowledge Spillovers? Evidence from Japan's FDI in the United States. In: NBER Working Paper 8015, November 2000. [17] Die russischen Erdölkonzerne, die sich außer Rosneft alle mehrheitlich in Privateigentum befinden, liefern sich auch auf dem russischen Binnenmarkt einen teilweise erbitterten Wettbewerb um Marktanteile im "Downstream"-Geschäft. [18] Russland ist nach den internationalen Finanzorganisationen der größte Kreditgeber für die Ukraine. Nach offiziellen ukrainischen Angaben beliefen sich die aufgelaufenen Schulden gegenüber Russland per 1. 1. 2001 auf 2,15 Mrd. US-$ und machten damit 20,8 % der gesamten öffentlichen Auslandschuld der Ukraine aus. Die öffentliche Verschuldung gegenüber Russland setzte sich aus 1,97 Mrd. US-$ gegenüber der russischen Regierung und 0,18 Mrd. US-$ Gazprom Anleihen zusammen (nach Angaben des Finanzministeriums der Ukraine).
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 1 Ausländische Direktinvestitionen in Transformationsländer im Jahre 2000 in US-$ je Einwohner ------------------------------------------------------------------------------- Länder mit dem Länder mit dem höchsten Niveau geringsten Niveau Tschechien 1 885 Usbekistan 28 Ungarn 1 599 Tadschikistan 31 Estland 1 389 Ukraine 67 ------------------------------------------------------------------------------- Quelle: EBRD Transition Report Update, April 2001. =============================================================================== |
-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 2
Ausländische Direktinvestitionen in die
ukrainische Wirtschaft (kumuliert)
in Mill. US-$
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darunter aus Russland
Insgesamt
Mill. US-$ %
1994 483,5 19,1 4,0
1995 896,9 50,0 5,6
1996 1 438,2 106,2 7,4
1997 2 063,6 152,6 7,4
1998 2 810,7 187,2 6,7
1999 3 281,8 287,7 8,8
2000 3 865,5 314,3 8,1
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Quellen: Ministerium für Statistik der Ukraine; S. I. Piroñkov et al.:
"Ukraina-Rossija: Problemi ekonomi...eskogo vzaimodeistvija", Kiew, 2000,
http://www.niurr.gov.ua
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 3
Russische Direktinvestitionen (kumuliert) in der GUS (1)
in Mill. US-$
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1995 1996 1997 1998 1999 2000
GUS 0,73 0,64 7,62 175,42 555,63 686,15
davon:
Aserbaidschan 0,00 0,00 0,04 0,44 0,17 0,01
Armenien 0,00 0,00 0,00 0,00 0,02 0,00
Weißrussland 0,02 0,01 0,28 107,56 490,23 563,93
Georgien - 0,00 0,00 0,02 0,41 0,38
Kasachstan 0,06 0,33 0,40 3,25 2,18 3,24
Kirgisien 0,01 0,01 0,01 0,09 0,00 0,00
Moldawien - - - 52,08 52,00 79,85
Tadschikistan 0,02 0,09 0,09 0,05 0,02 0,02
Turkmenien - 0,00 0,00 0,00 0,00 0,12
Usbekistan 0,39 0,03 0,63 0,64 0,36 0,27
Ukraine 0,22 0,17 6,17 11,82 10,24 38,33
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(1) Ohne Investitionen in den Finanzsektor.
(2) Die Zahlen für die GUS wurden mit Wechselkursen aus dem EBRD Transition
Report 2000 in US-$ umgerechnet.
Quellen: Goskomstat, Rossijskij statisti...eskij eñegodnik 1996-2000;
Sozial'no-ekonomi...eskoje poloñenije Rossii, Januar 2001.
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