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| Wochenbericht des DIW Berlin 39/00 Energieverbrauch im Freizeitbereich steigt | |||
| Bearbeiter | Jutta Kloas Heilwig Rieke | ||
| Wachsende Zeit- und Einkommensbudgets, die für Freizeitzwecke zur Verfügung stehen, finden ihren Niederschlag in entsprechend steigenden Freizeitaktivitäten, verbunden mit immer größer werdendem Mobilitäts-, Raum- und Ressourcenbedarf. Das DIW hat im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie ein Gutachten zur energiewirtschaftlichen Bedeutung des Freizeitbereiches [1] erstellt, dessen Ergebnisse hier zusammengefasst werden. Für ein Referenzjahr (1996) wurde eine detaillierte Analyse durchgeführt. Die Perspektiven des Energieverbrauches für die Freizeit wurden für das Jahr 2010 geschätzt. | |||
| Methodische Vorbemerkungen | Die hier verwendete Definition von Freizeit(aktivitäten) orientiert sich an den für die Zeitbudgeterhebung des Statistischen Bundesamtes verwendeten Kriterien. [2] Danach handelt es sich bei Freizeit in jedem Falle um arbeits-/ausbildungsfreie Zeit; aber nicht alle Aktivitäten, die in dieser Zeit stattfinden, sind Freizeitaktivitäten. Zum Freizeitbereich werden nur solche Handlungen gerechnet, die weitgehend selbstbestimmt und zugleich frei von sozialen Anforderungen (z. B. Kinderbetreuung, Ehrenamt) sowie physiologischen Anforderungen (z. B. Ernährung, Schlafen) sind. Unter Freizeit wird somit die Zeit für Erholung, Entspannung und Zerstreuung verstanden. Der den Freizeitaktivitäten zuzurechnende Energieverbrauch lässt sich prinzipiell unterscheiden in unmittelbaren Energieverbrauch, der während der Aktivität durch die Nutzung von Geräten, Installationen, Verkehrsmitteln u. Ä. entsteht (z. B. für das Fernsehgerät, die Schwimmbadheizung oder den Pkw), und mittelbaren Energieverbrauch, der für Produktion, Vertrieb sowie Wartung/Reparatur/Instandsetzung von Freizeitgütern (z. B. Tennisschläger), -dienstleistungen (z. B. Reisebüro) und -einrichtungen (z. B. Theater) benötigt wird (Abbildung 1). Im vorliegenden Projekt wurde beim mittelbaren Energieverbrauch nur derjenige Teil berücksichtigt, der direkt zur Herstellung von Endprodukten dient; der Energieverbrauch für die Vorleistungen wurde also nicht einbezogen. Ebenso konnte, mangels differenzierter Daten für die Baubranche, derjenige Energieverbrauch nicht erfasst werden, der bei der Erstellung von für Freizeitzwecke genutzten Gebäuden/Anlagen und bei der Verkehrsinfrastruktur anfällt; aus beiden Sachverhalten ergibt sich eine Untererfassung des Energieverbrauchs (Tabelle 1). Die Bestimmung des Freizeitenergieverbrauches stützt sich auf die Angaben der Energiebilanz [3] zum Endenergieverbrauch nach Sektoren ("Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden, Verarbeitendes Gewerbe insgesamt" [4], "Verkehr insgesamt", "Haushalte" und "Gewerbe, Handel, Dienstleistungen"). Aus deren Abgrenzungen folgen neben der angesprochenen Vorleistungsproblematik insbesondere zwei weitere methodisch-inhaltliche Aspekte; der Nettoeffekt für die Höhe des Energieverbrauchs ist nicht eindeutig: -Die deutschen Energiebilanzen basieren auf dem Inlandsprinzip, d. h. sie enthalten den Energieverbrauch für die Herstellung von exportierten Gütern, aber nicht den für die Herstellung von importierten Gütern. -Ein Teil der für Freizeitzwecke genutzten Güter ist langlebiger Natur, d. h. der Güterbestand setzt sich aus verschiedenen Produktionsjahrgängen zusammen. Der in der Energiebilanz ausgewiesene Verbrauch der Industrie bezieht sich jedoch nur auf die Produktion von Gütern in einem Jahr, die, selbst wenn sie vollständig im Produktionsjahr abgesetzt werden, nur einen Teil des Gesamtbestandes darstellen. Den perspektivischen Aussagen für das Jahr 2010 liegt eine grobe Schätzung auf Basis ausgewählter Eckwerte der aktuellen Energieprognose von Prognos/EWI zugrunde. [5] Die in diesem Bericht ausgewiesenen Ergebnisse beziehen sich stets auf den Endenergieverbrauch; die je nach Energieträger unterschiedlichen Verluste bei der Umwandlung von Primär- in Endenergie werden also nicht erfasst. Einbezogen werden alle Energieträger; die Angaben erfolgen in Petajoule (PJ). [6] | ||
| Freizeit- energieverbrauch Haushalte | Der Endenergieverbrauch privater Haushalte betrug 1996 laut Energiebilanz 2 890 PJ. Davon entfielen 79 % auf Raumwärme und weitere 14 % auf Warmwasserbereitung und sonstige Prozesswärme (z. B. Kochen, Trocknen). Knapp 6 % wurden für Kraft, d. h. den Betrieb elektrischer Geräte, verwendet; Beleuchtung hatte mit gut 1 % den geringsten Anteil. [7] Mit Ausnahme von Kraft werden alle übrigen Energieverwendungsarten der Grundversorgung zugerechnet, d.h. es werden keine Anteile für den Freizeitbereich bestimmt. Laut Haushaltskundenbefragung 1996 der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke kann knapp ein Drittel (52,8 PJ) der auf den Bereich Kraft entfallenden Endenergie Geräten des Informations- und Kommunikationsbereiches zugerechnet werden. [8] Bezogen auf die von Haushalten insgesamt verbrauchte Energiemenge ist das ein Anteil von knapp 2 %, der - unter Vernachlässigung von Abschlägen für geschäftliche/berufliche Nutzungen von PC, Telefon, Fax usw. und Zuschlägen für den Gebrauch weiterer freizeitrelevanter Geräte - als Größenordnung des unmittelbaren Energieverbrauchs für Freizeitaktivitäten im Haus angesehen werden kann. Für die Schätzung des künftigen Energiebedarfs wurden u. a. die zu erwartenden Veränderungen der Zahl der Haushalte, der Nutzungsgewohnheiten, der Ausstattungsquoten und der spezifischen Energieverbräuche der Geräte berücksichtigt. Während schon heute fast alle Haushalte über Fernseh- und Radio-HiFi-Geräte verfügen, wird die Ausstattung mit Videogeräten und Personalcomputern für das Jahr 1996 auf 61 % bzw. 26 % geschätzt. Für das Jahr 2010 werden hier um fast ein Drittel bzw. um über 100 % höhere Ausstattungsquoten erwartet. [9] Wachsende Bedeutung für den zukünftigen Stromverbrauch wird auch den Kleingeräten des Kommunikationsbereiches zugemessen (z. B. schnurloses Festnetztelefon, Mobiltelefon, Fax, Anrufbeantworter usw.). Die freizeitbezogenen Anwendungsmöglichkeiten der neuen Kommunikationsmittel werden weiter zunehmen (z. B. Video-on-demand), aber auch die Nutzung dieser Medien für andere Zwecke dürfte steigen. Unter Berücksichtigung aller Einflussfaktoren wird der freizeitbezogene Endenergieverbrauch der Haushalte im Jahre 2010 auf 78 PJ geschätzt; gegenüber 1996 bedeutet dies einen Zuwachs um 50 % und einen Anteil an der von Haushalten insgesamt verbrauchten Energie von 3 %. | ||
| Dienstleistungen | Im Endenergieverbrauchssektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen sind neben industriellen Kleinbetrieben sowie Handwerks- und Handelsbetrieben auch Dienstleistungsbetriebe enthalten; im Folgenden werden die freizeitrelevanten Dienstleistungen dargestellt. [10] Im Beherbergungsgewerbe sind alle Betriebe erfasst, die gewerblich Übernachtungsmöglichkeiten anbieten, z. B. Hotels, Ferienheime, Campingplätze. Nicht dem Freizeitbereich zuzurechnen sind Übernachtungen während Dienst- und Geschäftsreisen, Schülerreisen und Fortbildungsmaßnahmen. [11] Für 1996 wurde der Energieverbrauch auf 39 PJ für Freizeitzwecke im Beherbergungsgewerbe geschätzt, rund drei Viertel des Gesamtwertes in dieser Branche. Zum Gaststättengewerbe zählen alle Betriebe, die Speisen und Getränke anbieten, neben Restaurants z. B. auch Bars, Diskotheken, Kantinen und Caterer. Ähnlich wie beim Beherbergungsgewerbe sind auch hier Abschläge für Nicht-Freizeitzwecke zu machen. Die Schätzung ergab für 1996 einen freizeitbedingten Energieverbrauch von 51,5 PJ, etwa fünf Sechstel des Gesamtwertes. Für die Prognose wird von einer Zunahme der Freizeitaktivitäten ausgegangen, die für beide Bereiche des Gastgewerbes relevant sind. Dazu werden die Faktoren Einkommenssteigerung, Zunahme der Einpersonenhaushalte und aktiveres Freizeitverhalten der künftigen Rentner-Generationen beitragen. Zugleich ist in Teilen der Energieverwendung (Raumwärme) von Effizienzverbesserungen auszugehen. Insgesamt wird eine Zunahme des Energieverbrauchs für Freizeitzwecke im Gastgewerbe - Beherbergung und Gaststätten - von 90,5 PJ im Jahre 1996 auf 96,5 PJ erwartet. Unter dem Oberbegriff Kultur und Unterhaltung wird die Nutzung der Dienstleistungen sehr verschiedenartiger Unternehmen (z. B. Theater, Opernhäuser, Kinos, Museen, Tierparks, nichtwissenschaftliche Bibliotheken, Volkshochschulen und Kirchen) zusammengefasst. Für 1996 wurde ein freizeitbedingter Energieverbrauch von 42,6 PJ ermittelt. Zu einem Wachstum der hier relevanten Freizeitaktivitäten können Einkommenserhöhungen, größere Mobilität und Zunahme der Freizeit führen. Dämpfend wirken die steigende Flexibilisierung der Arbeitszeiten, die die Freizeit stärker zerteilt und damit schlechter plan- und gestaltbar macht, und die künftig möglicherweise schwierigere Haushaltslage bei öffentlich finanzierten/geförderten Angeboten, aus der eine mengenmäßige Einschränkung und/oder höhere Preise resultieren können. Auch hier ist eine rationellere Energieverwendung zu erwarten. Insgesamt wird von einem geringfügigen Rückgang des Energieverbrauchs auf 41,2 PJ ausgegangen. Sportliche Aktivitäten und der Besuch von Sportveranstaltungen sind typische Freizeittätigkeiten. Lediglich Schulsport und sportliche Betätigungen im Rahmen von Rehabilitierungsmaßnahmen sind nicht dem Freizeitbereich zuzuordnen. Ähnlich wie bei Kultur und Unterhaltung werden die Dienstleistungsangebote im Bereich Sport und Bäder gewerblich und öffentlich finanziert/gefördert erbracht. Trotz des großen Umfangs sportlicher Aktivitäten ist der Energieverbrauch relativ gering, da ein beträchtlicher Anteil im Freien und, zumal in der wärmeren Jahreszeit, in Infrastruktureinrichtungen mit geringem Energiebedarf ausgeübt wird. Darin unterscheidet sich dieser Bereich deutlich von den Bädern, bei denen immer ein nennenswerter Energieverbrauch entsteht. Für 1996 wurde der Endenergieverbrauch für den Bereich Sport mit 6,0 PJ und für den Bereich Bäder mit 21,2 PJ veranschlagt. Auch hier sind die künftigen Entwicklungstendenzen von deutlich unterschiedlich wirkenden Einflussfaktoren geprägt. Einerseits wirkt die Veränderung der Bevölkerungsstruktur durch den drastisch steigenden Anteil älterer Menschen restriktiv auf das Ausmaß der sportlichen Aktivitäten im weiteren Sinne, auch wenn innerhalb dieser Gruppe das Gesundheitsbewusstsein und das Interesse an körperlicher Betätigung zunehmen. Auch die Privatisierung der gegenwärtig noch vielfach in öffentlicher Trägerschaft befindlichen Infrastruktureinrichtungen mit daraus resultierenden Preiserhöhungen kann, trotz steigender Einkommen, dämpfend wirken. Andererseits führt das Bemühen um eine attraktivere und komfortablere Ausstattung der Anlagen für sich genommen zu einer Erhöhung des Energieverbrauchs. Insgesamt wird für 2010 ein leichter Anstieg des Energieverbrauchs auf 27,9 PJ (+2,6 % gegenüber 1996) erwartet, bei einer (absoluten wie relativen) Zunahme des Bereichs Bäder. | ||
| Verkehr | Als freizeitrelevant wird ausschließlich der Personenverkehr einbezogen. Der Güterverkehr ist als "Vorleistungsbereich" zu charakterisieren, da er nicht direkt im Rahmen von Freizeitaktivitäten entsteht, sondern, neben anderen Transporten, der Beförderung von Freizeitgütern (und auch der der zugehörigen Vorleistungen) dient. Berücksichtigt werden der Eisenbahnpersonenverkehr (Verkehr in Nah- und Fernverkehrszügen einschließlich des S-Bahnverkehrs), der öffentliche Straßenpersonenverkehr (Linien- und Gelegenheitsverkehr mit Stadtschnellbahnen, Straßenbahnen, Obussen und Kraftomnibussen), der motorisierte Individualverkehr (Verkehr mit Personenkraftwagen sowie motorisierten Zweirädern) und der gewerbliche Luftpassagierverkehr. [12] Ergänzend zu den üblichen Angaben der Personenverkehrsstatistik wird eine grobe Schätzung für Fahrleistungen und Verbrauch von Wohnmobilen vorgenommen, da diese Fahrzeuge überwiegend für Freizeit- und Urlaubszwecke eingesetzt werden. Für die Ermittlung des freizeitbezogenen Energieverbrauchs im Personenverkehr standen DIW-eigene Daten zur Verfügung. [13] Bei allen Verkehrsarten haben die Verkehrsleistungen für Freizeitaktivitäten einen großen Anteil, der tendenziell noch leicht steigt. Insgesamt macht der freizeitbedingte Personenverkehr rund die Hälfte der Verkehrsleistung aus. Die Schätzung des freizeitbedingten Endenergieverbrauchs erfolgte über die Verknüpfung der Verkehrsleistungswerte (Personenkilometer) und der jeweils zugehörigen spezifischen Endenergieverbrauchswerte (Kilojoule je Personenkilometer). 1996 wurden für Freizeitzwecke 764 PJ (von insgesamt 1 869 PJ) verbraucht. Mit 579 PJ hatte der Pkw-Verkehr die bei weitem größte Bedeutung. Im Prognosezeitraum 1996 bis 2010 wird sich der motorisierte Personenverkehr um über ein Viertel erhöhen. Hauptursachen hierfür sind weiterhin steigende Einkommen und die immer noch zunehmende Motorisierung der privaten Haushalte, deren Zahl, im Gegensatz zur Bevölkerung, wächst. Für die landgebundenen Verkehrsarten gilt, dass der Anteil des Energieverbrauchs für Freizeitaktivitäten deutlich unter dem entsprechenden Anteil an der Verkehrsleistung liegt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der größere Teil der Freizeitfahrten unter Bedingungen stattfindet, die zu einem niedrigeren Verbrauch führen als bei den übrigen Transportvorgängen. [14] Verstärkt wird dieser Effekt noch dadurch, dass generell die Auslastung in den Verkehrsbereichen, in denen der Verkehr für Freizeitzwecke typischerweise stattfindet, höher ist als in den übrigen Bereichen. Insgesamt steigt der Anteil des freizeitbedingten Energieverbrauchs im Personenverkehr von 37,7 % (1980) über 40,4 % (1996) auf 43,8 % (2010). Dies ist nur zum Teil durch den entsprechenden Anstieg bei der Verkehrsleistung bedingt. Hinzu kommt, dass der Anteil der Verkehrsarten mit sehr hohen spezifischen Energieverbrauchswerten (Pkw- und Luftverkehr) gegenüber denen mit niedrigen Werten (Eisenbahn- und öffentlicher Straßenpersonenverkehr) im Zeitverlauf zunimmt. | ||
| Industrie, [15] Handwerk, Handel | Die insgesamt größte Bedeutung in diesem Bereich [16] kommt dem Segment Fahrzeuge zu (Fahrzeugbau, Reifen, Kfz-Reparatur, -Handel, -Leasing). Als Indikator zur Schätzung des auf den Freizeitbereich entfallenden Energieverbrauchs wurde die Verkehrsleistung nach Verkehrsarten im Freizeitverkehr herangezogen. Gut 36 PJ des Energieverbrauchs für den industriellen Fahrzeugbau (Pkw, motorisierte Zweiräder, Schienenfahrzeuge, Flugzeuge, Fahrräder und Boote) wurden 1996 dem Freizeitbereich zugerechnet. [17] Aufgrund der Fahrzeugnachfrage wird für das Jahr 2010 ein um 20 % höherer Energieverbrauch erwartet. Vor dem Hintergrund längerer Wartungsintervalle bei Neufahrzeugen und zunehmender Konzentration im Bereich der Werkstätten und des Kfz-Handels wird für den Teil Reparatur, Handel und Leasing (1996: 14,5 PJ) mit einem Rückgang um rund 10 % des freizeitbedingten Energieverbrauchs für das Jahr 2010 gerechnet. Für den gesamten Bereich Fahrzeuge wird der auf den Freizeitbereich entfallende Energieverbrauch 2010 mit 60 PJ um 12 % höher sein als im Basisjahr. Der Energieverbrauch des Tankstellengewerbes betrug 1996 10,9 PJ. Unter Berücksichtigung des Anteils von Lastkraftfahrzeugen und des aus der Fahrtzweckstruktur abgeleiteten Anteils des Freizeitverkehrs mit Pkw ergibt sich ein Energieverbrauch von knapp 3,5 PJ, der als freizeitrelevant eingestuft werden kann. Der Rückgang der Zahl kleinerer Tankstellen und die bei Großtankstellen mögliche höhere Ausschöpfung von Energieeinsparpotentialen könnten in den nächsten Jahren zu einer Verminderung des Energieverbrauchs im Tankstellengewerbe um annähernd 10 % führen, so dass der freizeitrelevante Energieverbrauch 2010 etwa 3,1 PJ ausmachen dürfte. Im Einzelhandel [18] mit freizeitrelevanten Gütern (ausgenommen Fahrzeug- und Reifenhandel) wurden 1996 12 PJ verbraucht. Der Facheinzelhandel wird sein Service- und Beratungsangebot ausbauen, um im Wettbewerb mit Warenhauskonzernen und Filialisten bestehen zu können. Möglicherweise sind im Jahr 2010 auch die Ladenöffnungszeiten vollständig liberalisiert, was stromverbrauchserhöhend wirkt. Dagegen wird die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte insgesamt zurückgehen. Es wird erwartet, dass sich die gegenläufigen Trends ausgleichen, so dass für 2010 mit einer Stagnation des hier betrachteten Energieverbrauchs im deutschen Einzelhandel (ohne Kfz-Gewerbe) zu rechnen ist. | ||
| Zusammenfassung | Für 1996 konnte ein Energieverbrauch im Zusammenhang mit Freizeitaktivitäten von 1 053 PJ, knapp 11 % des gesamten Endenergieverbrauchs laut Energiebilanz, erfasst werden. In den einzelnen Sektoren ist dieser Anteil sehr unterschiedlich (Abbildung 2). Bei der Industrie (Gesamtverbrauch 2 424 PJ) führt die ausschließliche Berücksichtigung von Endprodukten, d.h. die Außerachtlassung des Energieverbrauchs für Vorleistungen, soweit er in anderen Branchen anfällt, zu einer Untererfassung im Vergleich zur Bestimmung eines alle Produktionsstufen berücksichtigenden kumulierten Wertes. Insgesamt ergaben sich hier 44 PJ freizeitbedingter Energieverbrauch, das sind 1,8 % des Gesamtwertes. Bei den Haushalten (Gesamtverbrauch 2 890 PJ) ist die relativ enge Definition des Freizeitbereichs die Ursache dafür, dass auch hier der geschätzte Wert als Untergrenze anzusehen ist. Mit 53 PJ entfielen ebenfalls 1,8 % des Gesamtwertes auf den Freizeitbereich. Im Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen wurden für Freizeitaktivitäten 192 PJ Endenergie (11 % des Gesamtwertes von 1 748 PJ) verbraucht. Auch hier gilt, dass aufgrund der Datenlage (insbesondere für das Baugewerbe) Teile des Energieverbrauchs nicht erfasst werden konnten. Am geringsten ist das Problem der Untererfassung im Sektor Verkehr (2 625 PJ einschließlich Güterverkehr). 1996 entfielen hier fast 30 % (764 PJ) des Endenergieverbrauchs auf Personenfahrten im Freizeitbereich. Dies entspricht gut zwei Fünfteln des Gesamtverbrauchs im Personenverkehr. Die hier vorgestellten Berechnungen zeigen, dass der Personenverkehr für den gesamten freizeitbedingten Energieverbrauch von überragender Bedeutung ist. Dabei ist nicht einmal berücksichtigt, dass ein nennenswerter Teil des Freizeitenergieverbrauchs in den Bereichen Industrie, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen auf den Fahrzeugsektor (Produktion, Vertrieb sowie Wartung und Reparatur von Personenverkehrsmitteln) entfällt. Bei der Industrie sind dies gut vier Fünftel, bei Gewerbe, Handel, Dienstleistungen knapp ein Fünftel. An dieser Grundstruktur des freizeitbezogenen Endenergieverbrauchs wird sich im Prognosezeitraum nichts ändern. Insgesamt wird er bis 2010 um fast ein Viertel auf 1 302 PJ steigen; 85 % des Gesamtzuwachses sind auf den Personenverkehr zurückzuführen. Auch in den Sektoren Industrie und Gewerbe, Handel, Dienstleistungen entfällt der größte Teil der absoluten Zuwächse auf Bereiche, die eng mit der Entwicklung des Verkehrs im Zusammenhang mit Freizeitaktivitäten verknüpft sind (vor allem Produktion, Handel u. Ä. von Verkehrsmitteln). In allen Sektoren wird sich der Anteil des Endenergieverbrauchs für Freizeitzwecke weiter erhöhen. | ||
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| Tabelle 1 |
Erfassung des mittelbaren Endenergieverbrauchs im Zusammenhang
mit Freizeitgütern, -dienstleistungen und -einrichtungen
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Güter und Dienstleistungen Vorleistung Produktion Vertrieb Wartung/Reparatur/
für Freizeitaktvitäten Instandsetzung
Verbrauchsgüter - + + X
Dienstleistungen - + + X
Gebrauchsgüter
Geräte/Gegenstände - + + +
Verkehrsmittel - + + +
Gebäude/Anlagen - * X *
Verkehrsinfrastruktur - * X *
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- wird nicht betrachtet, + wird betrachtet, * Information nicht vorhanden,
X Fragestellung trifft nicht zu.
Quelle: DIW.
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| Tabelle 2 |
Endenergieverbrauch für Freizeitzwecke nach Bereichen 1996 und 2010
in Petajoule
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1996 2010
Industrie (1), Handwerk, Handel 76,3 82,5
Elektrotechnische Erzeugnisse (2) 2,2 2,0
Fahrzeugbau, Reifen,
Kfz-Reparatur, -Handel, -Leasing 53,2 59,6
Tankstellen 3,5 3,1
Sonstige chemische Industrie 1,2 1,4
Freizeitkleidung u. -zubehär,
Lederwaren, Schuhe 0,3 0,3
Buch-, Verlags- und
Druckerzeugnisse 2,3 2,5
Musikinstrumente, Sportgeräte 0,6 0,6
Spielwaren 0,9 1,0
Einzelhandel 12,1 12,0
Dienstleistungen 160,3 165,6
Gastgewerbe 90,5 96,5
Kultur und Unterhaltung 42,6 41,2
Sport und Bäder 27,2 27,9
Haushalte 52,8 78,4
Verkehr (3) 763,9 975,1
Zusammen 1 053,3 1 301,6
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1) Einschließlich Kleinbetriebe.
(2) PC, Unterhaltungselektronik, Telefone u. Z.
(3) Nur Personenverkehr, einschließlich Wohnmobile.
Quellen: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen; Prognos/EWI; TUM/ISI/FfE;
Berechnungen des DIW.
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| Tabelle 3 |
Verkehrsleistungen und Endenergieverbrauch im Personenverkehr
insgesamt und im Freizeitbereich (1)
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1980 1996 2010
Einheit Insges. dar. Freizeit-Insg.dar. Insgesamt dar.
bereich Freizeitber.Freizeitber.
Eisenbahnpersonenverkehr (2)
Verkehrsleistung (3) Mrd. Pkm 41,0 18,0 64,7 27,7 66,1 28,5
Endenergieverbrauch PJ 25,0 9,1 45,8 15,3 40,5 13,8
öffentl. Straßenpersonenverkehr (4)
Verkehrsleistung (3) Mrd. Pkm 74,1 26,3 85,2 35,6 97,6 45,2
Endenergieverbrauch PJ 37,4 8,8 46,9 11,6 49,3 13,5
Motorisierter Individualverkehr (5)
Verkehrsleistung (3) Mrd. Pkm 477,4 241,4 744,3 370,2 891,8 464,4
Endenergieverbrauch PJ 1 057,0 391,5 1 535,0 579,4 1 746,3 720,1
Luftpassagierverkehr6)
Verkehrsleistung (7) Mrd. Pkm 41,3 22,2 122,8 80,8 231,5 144,8
Endenergieverbrauch PJ 100,8 51,1 225,6 142,0 346,4 208,4
Zusammen
Verkehrsleistung Mrd. Pkm 633,8 307,9 1 017,0 514,3 1 287,0 682,9
Endenergieverbrauch (8) PJ 1 223,4 463,7 1 868,9 763,9 2 201,8 975,1
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(1) 1980 Gebietsstand vor dem 3.10.1990, 1996 und 2010 Gebietsstand seit dem
3.10.1990.
(2) Nur Schienenverkehr, einschließlich S-Bahn- und Militärverkehr.
(3) Verkehrsleistungen im Bundesgebiet.
(4) Verkehr mit Stadtschnellbahnen, Straßenbahnen, Obussen und Kraftomnibussen.
(5) Verkehr mit Personenkraftwagen und motorisierten Zweirädern.
(6) Gewerblicher Luftpassagierverkehr.
(7) Verkehrsleistungen im innerdeutschen Verkehr und im abgehenden Verkehr in
das Ausland einschließlich Auslandsstrecken;
tatsächlich geflogene Entfernungen.
(8) Einschließlich des Energieverbrauchs von Wohnmobilen im Freizeitbereich.
Quellen: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen; Deutsche Bundesbahn/Deutsche
Bahn AG; Mineralölwirtschaftsverband; Statistisches Bundesamt;
Berechnungen des DIW.
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| Tabelle 4 |
Anteile des Endenergieverbrauchs für Freizeitzwecke
nach Bereichen 1996 und 2010
in %
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1996 2010
Industrie (1), Handwerk,
Handel, Dienstleistungen 5,7 6,1
Haushalte 1,8 2,7
Personenverkehr 40,9 44,3
Zusammen 11,8 14,3
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(1) Einschließlich Kleinbetriebe.
Quellen: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen; Prognos/EWI; TUM/ISI/FfE;
Berechnungen des DIW.
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| © DIW Berlin Wochenbericht 39/00 | |||

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