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Wochenbericht des DIW Berlin 42/01

Bundesverkehrswege: Neubau auf Kosten der Substanzerhaltung künftig nicht mehr vertretbar

Bearbeiter Uwe Kunert
Heike Link
Die langfristige Investitionsplanung für die Bundesverkehrswege (Bundesautobahnen, Bundesstraßen, Schienenwege der Deutschen Bahn AG, Bundeswasserstraßen) muss - bei gleich bleibendem Finanzrahmen - drei konkurrierenden Anforderungen gerecht werden: Durch die sich verschlechternde Altersstruktur der Anlagen steigen zwangsläufig die zur Substanzerhaltung und Modernisierung erforderlichen Mittel. In Ostdeutschland kommen Ausgaben zur Qualitätsangleichung an westdeutsche Standards hinzu. Schließlich sind neben dem steigenden Ersatzinvestitionsbedarf Erfordernisse der Kapazitätserweiterung zu berücksichtigen. Eine Studie [1] des DIW Berlin für die Bundesverkehrswegeplanung ergab, dass bereits in den 90er Jahren in einigen Wegebereichen die effektiv getätigten Ersatzinvestitionen unter dem für die qualifizierte Substanzwertsicherung erforderlichen Niveau lagen. Für den Zeitraum 1999 bis 2020 prognostiziert das DIW Berlin einen kumulierten Ersatzbedarf von 253 Mrd. DM, der etwa zwei Dritteln der geplanten Gesamtinvestitionen entsprechen würde. Angesichts der Vernachlässigung der Ersatzinvestitionen in den 90er Jahren ist die Politik gefordert, den für die Zukunft berechneten Ersatzbedarf zu decken, d. h. ihm Priorität vor Neu- und Ausbaumaßnahmen einzuräumen.
Entwicklung von Brutto-Anlageinvestitionen
und -Anlagevermögen von 1991 bis 1998
Im Zeitraum 1991 bis 1998 sind insgesamt knapp 140 Mrd. DM (zu Preisen von 1995) in die Bundesverkehrswege investiert worden (Tabelle 1). Mit 66 Mrd. DM floss der größte Teil dieser Mittel in die Bundesfernstraßen, hiervon wiederum knapp 38 Mrd. DM in die Bundesautobahnen und gut 28 Mrd. DM in die Bundesstraßen. Annähernd ebenso hohe Investitionen wurden mit gut 63 Mrd. DM in die Schienenwege der DB getätigt. Auf die Bundeswasserstraßen entfielen fast 10 Mrd. DM. Gut 62 Mrd. DM oder 44 % der gesamten Investitionen flossen nach Ostdeutschland. Auf Ersatzmaßnahmen entfiel im gesamten Analysezeitraum und aggregiert über alle Verkehrsbereiche fast die Hälfte der gesamten Investitionen (Tabelle 2). Mit 70 % war der Anteil der Ersatzinvestitionen an den Brutto-Anlageinvestitionen bei den ostdeutschen Bundesstraßen am höchsten.

Die Bundesverkehrswege repräsentierten 1998 ein Brutto-Anlagevermögen von 633 Mrd. DM; es erhöhte sich damit in der Analyseperiode um 12 %. Gut die Hälfte dieses Anlagevermögens verkörperten mit 329 Mrd. DM die Bundesfernstraßen; auf die Schienenwege und die Wasserstraßen entfielen 230 Mrd. DM bzw. 75 Mrd. DM.

Trotz der erheblichen Investitionsvolumina wurde in den 90er Jahren für einige Wegebereiche der Ersatzbedarf nicht gedeckt. Nach Berechnungen des DIW Berlin betrug die Lücke mindestens 5 Mrd. DM. [2]

Ersatzinvestitionsbedarf für den Zeitraum
1999 bis 2020
Für die Fortschreibung des Anlagevermögens bis 2020 wurden Investitionslinien des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW) für die einzelnen Wegebereiche verwendet. Sie berücksichtigen die UMTS-Pauschale [3] , Mittel aus der EFRE-Zusatzfinanzierung (Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung) und Teile der Einnahmen aus der Lkw-Maut, die für das so genannte Anti-Stauprogramm vorgesehen sind. [4]

Aus der Fortschreibung der Anlagevermögensrechnung im Prognosezeitraum ergeben sich die Vermögensabgänge als untere Leitlinie für den Ersatzbedarf. Die zusätzliche Modernisierungskomponente (Zuschlag für die qualifizierte Substanzwertsicherung) ist für alle Wegebereiche in Absprache mit dem BMVBW auf 10 % festgelegt worden (siehe Kasten).

Bundesautobahnen Knapp die Hälfte der von 1991 bis 1998 getätigten Brutto-Anlageinvestitionen in Bundesautobahnen waren Ersatzinvestitionen. In Ostdeutschland wurden zu Beginn der 90er Jahre mehr als drei Viertel der Gelder für Ersatzmaßnahmen eingesetzt; dieser Anteil sank in den Folgejahren stetig, bis auf ein Drittel der Brutto-Anlageinvestitionen im Jahre 1998. Hierin spiegelt sich die Tatsache, dass Neubaumaßnahmen zunächst eine Anlaufphase benötigten. In Westdeutschland hingegen stieg der Anteil der Ersatzmaßnahmen an den gesamten Investitionen von gut einem Drittel im Jahre 1991 auf mehr als die Hälfte im Jahre 1998.

Für das westdeutsche Autobahnnetz wurde ein Ersatzbedarf für die qualifizierte Substanzwertsicherung von 51 Mrd. DM im Prognosezeitraum ermittelt. Betrachtet man die Modellergebnisse im Zeitverlauf, so wird deutlich, dass der Spielraum für Neu- und Ausbauvorhaben schrumpft (Abbildung 1): Während der Ersatzbedarf zu Beginn des Prognosezeitraums bei gut der Hälfte der gesamten Brutto-Anlageinvestitionen liegt, sind es 2015 bereits drei Viertel und im Jahre 2020 gut 90 %.

Für die ostdeutschen Autobahnen wurde ein kumulierter Ersatzbedarf von 7 Mrd. DM berechnet. Dabei liegen im gesamten Prognosezeitraum die geplanten Brutto-Anlageinvestitionen weit über den notwendigen Ersatzinvestitionen.

Bundesstraßen Auch bei den Bundesstraßen entfiel etwa die Hälfte der kumulierten Brutto-Anlageinvestitionen auf Ersatzinvestitionen. Während die effektiv getätigten Ersatzinvestitionen für die ostdeutschen Bundesstraßen ausreichend waren, um die aus der Modellrechnung ermittelten Vermögensabgänge zu decken, ergibt sich für das westdeutsche Bundesstraßennetz ein anderes Bild: Entsprachen hier die Ersatzinvestitionen zu Beginn der 90er Jahre noch den physischen Abgängen, so sanken sie im weiteren Verlauf deutlich darunter und betrugen seit 1996 nur noch rund 800 Mill. DM jährlich (Abbildung 2). Gleichzeitig stiegen die Abgänge auf zuletzt 1,5 Mrd. DM, so dass sie am Ende der 90er Jahre nur noch zu 56 % durch Ersatzmaßnahmen gedeckt wurden. Die Vernachlässigung der Erhaltung der Bundesstraßen in Westdeutschland lässt sich folgendermaßen beziffern: In den acht Analysejahren standen den Abgängen von 10,2 Mrd. DM Ersatzinvestitionen von 7,7 Mrd. DM gegenüber, d. h. Abgänge im Wert von 2,5 Mrd. DM wurden nicht ersetzt. Unter Einbeziehung einer Modernisierungskomponente liegt der Fehlbetrag bei 3,5 Mrd. DM. [5]

Im Zeitraum 1999 bis 2020 ist ein Betrag von knapp 50 Mrd. DM für den Ersatz bei westdeutschen Bundesstraßen aufzuwenden. Hier ist der Nachholbedarf aus den 90er Jahren noch nicht einmal berücksichtigt. Insbesondere in den Jahren von 2005 bis 2010 wird das vorgesehene Niveau der Brutto-Anlageinvestitionen fast vollständig durch Ersatzinvestitionen ausgeschöpft.

Für die ostdeutschen Bundesstraßen ist nach Berechnungen des DIW Berlin ein kumulierter Betrag von 11 Mrd. DM erforderlich, um den Ersatzbedarf für eine qualifizierte Substanzwertsicherung zu gewährleisten. Aus der Altersstruktur des Vermögens ergibt sich eine leicht wellenförmige Entwicklung: So fällt der Ersatzbedarf für die qualifizierte Substanzwertsicherung bis 2015 auf jährlich 450 Mill. DM, um anschließend wieder bis auf rund 490 Mill. DM im Jahre 2020 zu wachsen. Insgesamt verbleiben bei der vorgegebenen Entwicklung der Brutto-Anlageinvestitionen für die ostdeutschen Bundesstraßen noch Spielräume für Neu- und Ausbauvorhaben.

Schienenwege der Deutschen Bahn AG Ein Vergleich der effektiv getätigten Ersatzinvestitionen in das Schienennetz mit den modellmäßig ermittelten Vermögensabgängen war aufgrund der Datenlage erst ab 1994, dem Gründungsjahr der Deutschen Bahn AG, möglich. Die Analyse ergab, dass der Anteil der Ersatzinvestitionen an den Brutto-Anlageinvestitionen knapp zwei Drittel betrug. In Westdeutschland reichten die tatsächlich getätigten Ersatzinvestitionen während des gesamten Analysezeitraums nicht zur Deckung der Abgänge aus (Abbildung 3). Eine Quantifizierung des Nachholbedarfs analog zum Vorgehen bei den westdeutschen Bundesstraßen ist jedoch angesichts fehlender Informationen für die Jahre 1991 bis 1993 nicht möglich.

Anders stellt sich die Entwicklung für Ostdeutschland dar. Da im Schienenbereich die Investitionstätigkeit unmittelbar nach der deutschen Vereinigung begonnen wurde, waren die Brutto-Anlageinvestitionen durch ein hohes Niveau gekennzeichnet. Die Ersatzinvestitionen lagen rechnerisch von 1994 bis 1998 weit über den Vermögensabgängen. Sie reflektierten teilweise auch den Abbau des für 1991 konstatierten Nachholbedarfs. [6]

Für Ersatzinvestitionen in Schienenwege ergibt sich für den Prognosezeitraum ein Wert von 113 Mrd. DM, von dem 32 Mrd. DM auf die ostdeutschen Schienenwege entfallen. Sowohl für Ost- als auch für Westdeutschland sind die vorgegebenen Brutto-Anlageinvestitionen ausreichend, um den Ersatzbedarf zu decken. Allerdings liegt das geplante Investitionsvolumen für das westdeutsche Schienennetz in den Jahren von 2004 bis 2009 nur knapp über dem Ersatzbedarf; von 2010 an wäre es zu drei Vierteln durch Ersatzmaßnahmen ausgeschöpft. Dabei ist der in den 90er Jahren aufgelaufene Nachholbedarf noch nicht berücksichtigt. Hingegen verbleibt beim ostdeutschen Schienennetz neben den Ersatzinvestitionen für die qualifizierte Substanzwertsicherung noch Spielraum für Aus- und Neubauvorhaben.

Bundeswasserstraßen Bei den westdeutschen Wasserstraßen wurde im Zeitraum 1991 bis 1998 knapp die Hälfte aller Investitionsmittel für Ersatzmaßnahmen ausgegeben. Dennoch reichten die effektiv getätigten Ersatzinvestitionen nicht aus, um die Vermögensabgänge zu decken (Abbildung 4). Folgt man dem Konzept der qualifizierten Substanzerhaltung, so lässt sich der Nachholbedarf auf 840 Mill. DM beziffern. Auch für die ostdeutschen Wasserstraßen ist zu konstatieren, dass die effektiv getätigten Ersatzinvestitionen mit Ausnahme des Jahres 1998 unter den Vermögensabgängen lagen. Da allerdings im Zeitverlauf sowohl die Bruttoinvestitionen als auch die Ersatzinvestitionen für das ostdeutsche Wasserstraßennetz stiegen, ist die Entwicklung wohl auch dahingehend zu interpretieren, dass das Investitionsgeschehen erst verzögert eingesetzt hat, jedoch eine positive Tendenz aufweist.

Nach Berechnungen des DIW Berlin ist im Prognosezeitraum für die qualifizierte Substanzwertsicherung bei den westdeutschen Wasserstraßen ein kumulierter Betrag von 17 Mrd. DM, bei den ostdeutschen Wasserstraßen von rund 5 Mrd. DM erforderlich. Betrachtet man die Entwicklung von Vermögensabgängen, Abschreibungen, Ersatzbedarf für die qualifizierte Substanzwertsicherung sowie den Verlauf der vorgegebenen Investitionslinie für die westdeutschen Wasserwege, so fällt auf, dass am Ende des Prognosezeitraums kaum Spielraum für Neu- oder Ausbaumaßnahmen bleibt. Auch hier ist zu berücksichtigen, dass in den 90er Jahren ein Nachholbedarf entstanden ist.

In Ostdeutschland belaufen sich die geplanten Brutto-Anlageinvestitionen auf rund das Doppelte der Modell-Abgänge. Dies signalisiert Bedarfsdeckung und Spielraum für Neubaumaßnahmen. Allerdings resultiert aus der nicht erreichten Bedarfsdeckung im Analysezeitraum sowie aus dem nach der deutschen Vereinigung festgestellten Bedarf an Investitionen zum Ausgleich unterlassener Unterhaltung und niedrigerer Baustandards nach wie vor ein Nachholbedarf für die ostdeutschen Wasserstraßen. Zudem sind in den Brutto-Anlageinvestitionen die Mittel für den bereits begonnenen Ausbau der Wasserstraßenverbindung vom Raum Hannover nach Berlin (VDE-Projekt 17) enthalten. Damit ist ein Teil der Brutto-Anlageinvestitionen projektgebunden und nicht mehr für andere Vorhaben verfügbar.

Fazit In den 90er Jahren haben insbesondere in Westdeutschland die effektiv getätigten Ersatzinvestitionen nicht ausgereicht, um die Substanzerhaltung der Wegeanlagen zu gewährleisten. Dies betrifft die Bundesstraßen, die Schienenwege der DB AG und die Wasserstraßen. Ursächlich hierfür waren insgesamt knappe Finanzen und die Konzentration erheblicher Mittel auf die Deckung des Baubedarfs in Ostdeutschland sowie auf den Aus- und Neubau von ostdeutschen Verkehrswegen im Rahmen der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit.

Summiert über die Infrastrukturbereiche ergibt sich für den Prognosezeitraum 1999 bis 2020 ein kumulierter Ersatzinvestitionsbedarf von 253 Mrd. DM. Die zur Substanzwertsicherung der Infrastruktur erforderlichen Mittel belaufen sich auf rund zwei Drittel der insgesamt geplanten Brutto-Anlageinvestitionen. Damit würden insbesondere zum Ende des Prognosezeitraums bei einigen Wegebereichen zwischen 80 % und 90 % des zur Verfügung stehenden Finanzrahmens durch notwendige Ersatzmaßnahmen ausgeschöpft werden.

Angesichts der Vernachlässigung von Ersatzinvestitionen in den 90er Jahren ist die Politik gefordert, der Erhaltung der existierenden Verkehrsinfrastruktur Priorität vor Neu- und Ausbaumaßnahmen zu geben. Ein erfolgversprechender Weg besteht darin, bei der Finanzierung der Bundesverkehrswege generell von der Haushaltsfinanzierung zur Nutzerfinanzierung durch Gebühren überzugehen. [7] Direkt nutzungsbezogene Gebühren mit einer klaren Verwendungsbestimmung der Einnahmen für die Unterhaltung und den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur versprechen eine gesamtwirtschaftlich effizientere Bereitstellung der Infrastruktur entsprechend den Präferenzen der Verkehrsnachfrager.

Die geplante entfernungsabhängige Lkw-Maut auf Bundesautobahnen ist ein wesentlicher Schritt auf diesem Weg. Allerdings ist hier ein Widerspruch zwischen der Begründung der Maut, dem zugrunde gelegten Preisprinzip und der vorgesehenen Verwendung der Einnahmen (jährlich 5 bis 7 Mrd. DM) zu konstatieren. Nach der EU-Richtlinie 93/89 EWG von 1993 sollen Straßenbenutzungsgebühren an den Kosten für Bau, Unterhaltung und Betrieb, d. h. den reinen Wegekosten, orientiert sein. [8] Das BMVBW hat erklärt, diesem Preisbildungsansatz folgen zu wollen. Die derzeitigen Pläne zur Verwendung der Einnahmen gehen jedoch davon aus, dass der überwiegende Teil der Gelder dem Finanzminister zufließt, während lediglich 1,6 Mrd. DM pro Jahr im Rahmen des Anti-Stauprogramms für die Bundesverkehrswege vorgesehen sind. Nutzerentgelte (Gebühren) legitimieren sich aber nur durch den direkten Zusammenhang zwischen Benutzung der Verkehrsinfrastruktur, den dadurch entstandenen Kosten und der Verwendung der darauf basierenden Gebühreneinnahmen. Wenn also die Lkw-Maut mit dem Übergang von der traditionellen Haushaltsfinanzierung zur Gebührenfinanzierung begründet wird und mit der Nutzungsgebühr die Kosten für Bau, Betrieb und Unterhaltung des Straßennetzes abgegolten werden sollen, so ist zu gewährleisten, dass die Einnahmen in voller Höhe für die Verkehrsinfrastruktur zur Verfügung gestellt werden. Andere im Zusammenhang mit der Verkehrswegenutzung entstehende gesellschaftliche Kosten (z. B. Umweltkosten) sollten den Verursachern über zusätzliche verkehrspolitische Instrumente angelastet werden.

Kasten -
Definitionen und Methodik

Die Ersatzinvestitionen umfassen den Ersatz abgenutzter Teile der Wegeanlagen [1] im Rahmen größerer Instandsetzungen sowie Erneuerungsmaßnahmen. Dabei wird unterschieden zwischen der einfachen Wiederherstellung in der ursprünglichen Form und einer qualifizierten Substanzwertsicherung, die den Ersatz nach den zum Zeitpunkt der Erneuerung geltenden Qualitätsansprüchen und veränderten Baustandards (Einbau von Frostschutzschichten, Berücksichtigung von Umweltauflagen, Schallschutzwänden, Ersatz elektromechanischer Stellwerke durch elektronische) berücksichtigt. Die hier dargestellten Untersuchungsergebnisse basieren auf dem der Realität eher entsprechenden Konzept der qualifizierten Substanzwertsicherung und schließen daher die Verbesserung der Anlagenqualität und die Anpassung an veränderte Baustandards und Bautechniken, nicht jedoch die Anpassung an veränderte Verkehrsmengen ein.

Der Netzausbau sowie die Ergänzung um Fahrbahnen bzw. Gleise sind dagegen Nettoinvestitionen, die nicht Bestandteile des Ersatzbedarfs sind. Die Ersatz- und Nettoinvestitionen zusammen bilden die Brutto-Anlageinvestitionen.

Die methodische Basis für die Ermittlung des Ersatzinvestitionsbedarfs ist die Investitions- und Anlagevermögensrechnung des DIW Berlin für den Verkehrssektor. Diese verwendet zur Bestimmung des Anlagevermögens, der Vermögensabgänge und der Abschreibungen ein Perpetual-inventory-Modell, bei dem das Anlagevermögen durch Kumulation der einzelnen Investitionsjahrgänge unter Berücksichtigung von Abschreibungen und Abgängen fortgeschrieben wird. Datenbasis hierfür sind lange Investitionszeitreihen für verschiedene Bauwerkstypen der Wegebereiche, die zum Teil mehr als 100 Jahre umfassen. Dabei werden sowohl das Brutto- als auch das Netto-Anlagevermögen berechnet. Das Brutto-Anlagevermögen stellt den Wiederbeschaffungswert der im Zeitablauf erstellten Verkehrsanlagen auf einheitlicher Preisbasis - in diesem Bericht 1995 - dar, während das Netto-Anlagevermögen den Zeitwert repräsentiert.

Die mit dem Perpetual-inventory-Modell ermittelten Vermögensabgänge können als Bedarf zur Wiederherstellung in der ursprünglichen Bauausführung angesehen werden. Der Mehrbedarf für die qualifizierte Substanzwertsicherung wurde in früheren Studien des DIW Berlin [2] aus der Gegenüberstellung von Modellergebnissen für die Vermögensabgänge und den in der Vergangenheit für Ersatz- bzw. Erneuerungsmaßnahmen aufgewendeten Mitteln abgeleitet. Allerdings konnte dieser Ansatz, bedingt durch das Investitionsverhalten des Bundes nach der deutschen Einheit, nicht für alle Wegebereiche fortgeführt werden, da in diesem Zeitraum die getätigten Ersatzinvestitionen zum Teil noch unter den Vermögensabgängen lagen. Stattdessen wurde für die vorliegende Untersuchung der Modernisierungszuschlag pauschal für alle Wegebereiche in Absprache mit dem Auftraggeber auf 10 % festgelegt.

Der längerfristig vorauszuschätzende Ersatzbedarf ist nicht nur von den bereits getätigten Investitionen, sondern auch von Investitionsmaßnahmen im Prognosezeitraum abhängig. Die hier zugrunde gelegten Investitionspfade basieren bis zum Jahre 2015 für die Bundesfernstraßen, die Schienenwege der DB AG und die Bundeswasserstraßen auf Angaben des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Wohnungswesen (BMVBW) und wurden vom DIW Berlin bis zum Jahr 2020 fortgeschrieben. Die Aufteilung der Bundesfernstraßeninvestitionen auf Autobahnen und Bundesstraßen wurde vom DIW Berlin in Abstimmung mit dem BMVBW vorgenommen. Die Aufteilung der Brutto-Anlageinvestitionen für alle Wegebereiche nach Ost- und Westdeutschland erfolgte ebenfalls in Abstimmung mit dem BMVBW sowie bei den Schienenwegen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn AG. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die getroffenen Annahmen über die künftige Investitionsentwicklung aufgrund der relativ geringen Abgänge in den ersten Nutzungsjahren kaum Einfluss auf den geschätzten Ersatzbedarf haben. Sie signalisieren jedoch - definiert man den Ersatzbedarf als indisponiblen Bedarf - den verbleibenden Spielraum für Neu- und Ausbauvorhaben.

[1] Zum Verkehrsweg gehören die gesamte bauliche Substanz des Weges sowie alle ihm unmittelbar zuzuordnenden Nebenanlagen.

[2] H. Enderlein und U. Kunert: Ermittlung des Ersatzinvestitionsbedarfs für die Bundesverkehrswege. Beiträge zur Strukturforschung, Heft 134, 1992; Hohe Ersatzinvestitionen in Verkehrswege erforderlich. Bearb.: H. Enderlein, U. Kunert und H. Link. In: Wochenbericht des DIW, Nr. 41/92.



[1] Vgl. U. Kunert und H. Link: Prognose des Ersatzinvestitionsbedarfs für die Bundesverkehrswege bis zum Jahre 2020. Gutachten im Auftrage des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, Berlin 2000. Veröffentlicht in der DIW-Reihe Beiträge zur Strukturforschung, Heft 187, Berlin 2001.

[2] Hierin ist der Nachholbedarf für die Schienenwege nicht enthalten. Seine Quantifizierung war aufgrund fehlender Daten für den Zeitraum 1991 bis 1993 nicht möglich.

[3] Diese Pauschale enthält den Teil der aus der Versteigerung der UMTS-Lizenzen resultierenden Zinsersparnisse des Bundes, der für den Verkehrshaushalt zur Verfügung gestellt wird.

[4] Anti-Stau-Programm: Zusätzliche Investitionen zur Beseitigung von Engpässen im Verkehrsnetz, BMVBW 2000;
http://www.BauNetz.de/bmvbw/f_verk.htm

[5] Dieser empirische Befund wird u. a. auch durch Quellen des BMVBW sowie durch ingenieurwissenschaftliche Studien gestützt. So heißt es bezüglich des Erhaltungszustandes der Bundesstraßen im Investitionsprogramm des BMVBW: "In den letzten Jahren hat sich der Modernisierungsgrad der Infrastruktur - also der Zustand mit durchgeführter Erhaltung - verschlechtert. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich; sie liegen u. a. im Einsatz von originären Erhaltungsmitteln für Aus- und Neubauten" (Investitionsprogramm für den Ausbau der Bundesschienenwege, Bundesfernstraßen und Bundeswasserstraßen in den Jahren 1999 bis 2002, BMVBW 1999, S. 12 f.).

[6] H. Enderlein, U. Kunert und H. Link: Berechnung und Bewertung der Verkehrsinfrastruktur in den neuen Bundesländern. Beiträge zur Strukturforschung, Heft 149, 1994. Immer noch Nachholbedarf bei der Verkehrsinfrastruktur in Ostdeutschland. Bearb.: H. Link. In: Wochenbericht des DIW, Nr. 50/96.

[7] Dies entspricht auch dem Vorschlag des wissenschaftlichen Beirats beim BMVBW und der Pällmann-Kommission. Vgl. Wissenschaftlicher Beirat für Verkehr beim BMVBW: Straßeninfrastruktur: Wege zu marktkonformer Finanzierung. In: Internationales Verkehrswesen 5/2000, sowie Kommission Verkehrsinfrastrukturfinanzierung. Schlussbericht, 5. September 2000.
http://www.bmvbw.de

[8] Das im Jahre 1998 vorgelegte EU-Weißbuch "Fair Payment for Infrastructure Use: A Phased Approach to a Common Transport Infrastructure Charging Framework in the EU" (COM[98], Brüssel) weicht hingegen von dem in der EU-Richtlinie 93/89 verwendeten Vollkostenprinzip der reinen Wegekosten ab und schlägt vor, in einem stufenweisen Prozess die Preisbildung nach sozialen Grenzkosten, d. h. orientiert an den Grenzkosten für die Unterhaltung und den Betrieb der Infrastuktur, für Umwelt- und Unfallbelastungen sowie Stau, einzuführen. Die 1999 von der EU-Kommission eingesetzte High-Level Group on Infrastructure Charging empfiehlt zur Umsetzung dieses Konzeptes die Anwendung differenzierter Instrumente wie Versicherungen, Aufschläge auf die Mineralölsteuer, Auktionsverfahren zur Allokation knapper Kapazität.

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Tabelle 1
Bundesverkehrswege: Brutto-Anlageinvestitionen und -Anlagevermögen (1)
1991 bis 1998
in Mrd. DM zu Preisen von 1995

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Verkehrswege            Westdeutschland   Ostdeutschland   Deutschland

                        Kumulierte Brutto-Anlageinvestitionen 1991 bis 1998

Bundesverkehrswege            76,9             62,1            139,0

 Bundesfernstraßen            40,9             25,0             65,9
  Bundesautobahnen            22,8             14,9             37,7
  Bundesstraßen               18,1             10,1             28,2

 Schienenwege der DB AG       28,2             35,1             63,3

 Bundeswasserstraßen           7,8              2,0              9,8

                                 Brutto-Anlagevermögen 1990 (2)

Bundesverkehrswege           481,2             82,1            563,3

 Bundesfernstraßen           256,4             31,8            288,2
  Bundesautobahnen           140,3             13,0            153,3
  Bundesstraßen              116,1             18,8            134,9

 Schienenwege der DB AG      166,7             37,7            204,4

 Bundeswasserstraßen          58,1             12,6             70,7

                                 Brutto-Anlagevermögen 1998 (2)

Bundesverkehrswege           506,2            126,9            633,1

 Bundesfernstraßen           278,5             50,5            329,0
  Bundesautobahnen           154,6             25,9            180,5
  Bundesstraßen              123,9             24,6            148,5

 Schienenwege der DB AG      166,0             63,4            229,4

 Bundeswasserstraßen          61,7             13,0             74,7

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(1) Ohne Grunderwerb.
(2) Zum Jahresende.

Quelle: Berechnungen des DIW Berlin.

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Tabelle 2
Bundesverkehrswege: Brutto-Anlageinvestitionen, Vermögensabgänge
und getätigte Ersatzinvestitionen 1991 bis 1998
in Mrd. DM zu Preisen von 1995

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Verkehrswege                Westdeutschland   Ostdeutschland   Deutschland

                              Kumulierte Brutto-Anlageinvestitionen (1)

Bundesverkehrswege                76,9             62,1           139,0

 Bundesfernstraßen                40,9             25,0            65,9
  Bundesautobahnen                22,8             14,9            37,7
  Bundesstraßen                   18,1             10,1            28,2

 Schienenwege der DB AG           28,2             35,1            63,3

 Bundeswasserstraßen               7,8              2,0             9,8

                                    Kumulierte Ersatzinvestitionen

Bundesverkehrswege                34,7             27,8           62,5

 Bundesfernstraßen                18,5             14,0           32,5
  Bundesautobahnen                10,8              6,9           17,7
  Bundesstraßen                    7,7              7,1           14,8

 Schienenwege der DB AG (2)       12,5             12,8           25,3

 Bundeswasserstraßen               3,7              1,0            4,7

                                      Kumulierte Vermögensabgänge

Bundesverkehrswege                49,9             16,2           66,1

 Bundesfernstraßen                18,6              6,2           24,8
  Bundesautobahnen                 8,4              1,9           10,3
  Bundesstraßen                   10,2              4,3           14,5

 Schienenwege der DB AG (3)       27,1              8,5           35,6

 Bundeswasserstraßen               4,2              1,5            5,7

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(1) Ohne Grunderwerb.
(2) Zeitraum 1994 bis 1998.
(3) Die Vermögensabgänge im Zeitraum 1994 bis 1998 beliefen sich auf
 17,3 Mrd. DM in Westdeutschland und 5,4 Mrd. DM in Ostdeutschland.

Quelle: Berechnungen des DIW Berlin.

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Tabelle 3
Bundesverkehrswege: Brutto- und Netto-Anlagevermögen (1) 1998 und 2020
in Mrd. DM zu Preisen von 1995

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                        Westdeutschland   Ostdeutschland    Deutschland
Verkehrswege
                        Brutto   Netto    Brutto   Netto   Brutto   Netto

                                               1998

Bundesverkehrswege       506,2   338,9     126,9    88,0    633,1   426,9

 Bundesfernstraßen       278,5   197,1      50,5    36,5    329,0   233,6
  Bundesautobahnen       154,6   112,5      25,9    20,3    180,5   132,8
  Bundesstraßen          123,9    84,6      24,6    16,2    148,5   100,8

 Schienenwege der DB AG  166,0   102,4      63,4    44,7    229,4   147,1

 Bundeswasserstraßen      61,7    39,4      13,0     6,8     74,7    46,2

                                               2020

Bundesverkehrswege       537,1   354,7     218,5   148,6    791,6   503,3

 Bundesfernstraßen       314,8   199,8      91,3    65,0    406,1   264,8
  Bundesautobahnen       178,0   112,9      55,5    40,7    233,5   153,6
  Bundesstraßen          136,8    86,9      35,8    24,3    172,6   111,2

 Schienenwege der DB AG  191,1   116,4     108,3    71,5    299,4   187,9

 Bundeswasserstraßen      67,2    38,5      18,9    12,1     86,1    50,6

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(1) Zum Jahresende; ohne Grunderwerb.

Quelle: Berechnungen des DIW Berlin.

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Tabelle 4
Ersatzinvestitionsbedarf (1) für die Bundesverkehrswege von 1999 bis 2020
in Mrd. DM zu Preisen von 1995

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                              Deutschland
   Verkehrswege
                           West    Ost   Gesamt
      
Bundesverkehrswege        197,4   55,6   253,0

   Bundesfernstraßen       99,8   18,0   117,8
      Bundesautobahnen     51,3    7,1    58,4
      Bundesstraßen        48,5   10,9    59,4

   Schienenwege der DB AG  80,9   32,3   113,2

   Bundeswasserstraßen     16,7    5,3    22,0

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(1) Ersatzinvestitionsbedarf für eine qualifizierte Substanzwertsicherung.

Quelle: Berechnungen des DIW Berlin.

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