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Wochenbericht des DIW Berlin 43/02

Die Lage der Weltwirtschaft und der deutschen Wirtschaft
im Herbst 2002

1. Die Lage der Weltwirtschaft

Bearbeiter Institute
Beurteilung der Wirtschaftslage durch folgende Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute e. V., Hamburg:

DIW Berlin, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung

Hamburgisches Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA)

ifo Institut für Wirtschaftsforschung, München

Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel

Institut für Wirtschaftsforschung Halle

Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung, Essen

Abgeschlossen in Essen am 18. Oktober 2002.

Überblick
Vertrauensschwund belastet Konjunktur Die Weltwirtschaft befindet sich derzeit in einer fragilen Lage. Die Unsicherheit über den Fortgang der Konjunktur hat sich unter dem Eindruck der Gefahr eines Krieges gegen den Irak, des damit verbundenen Anstiegs der Ölpreise und des Kurssturzes an den Aktienmärkten deutlich erhöht. Nach einer bis zum Frühjahr 2002 spürbaren Erholung nahm die Weltproduktion wieder langsamer zu, wofür eine Abschwächung der konjunkturellen Expansion in den USA maßgeblich war. Zudem blieb die Lage in Lateinamerika nicht nur wegen der Argentinienkrise prekär. In den ostasiatischen Schwellenländern hat sich der zuvor kräftige Produktionsanstieg zuletzt verringert. In Westeuropa war die konjunkturelle Expansion weiterhin mäßig, und in Japan nahm das reale Bruttoinlandsprodukt nur verhalten zu. Lediglich in Mittel- und Osteuropa erwies sich die Konjunktur als robust.

Die im Frühjahr gehegte Erwartung eines sich verstärkenden Aufschwungs wurde also enttäuscht. Dabei schien die damalige Zuversicht gut begründet: Die deutliche Zunahme der Nachfrage zu Jahresbeginn in den USA sprach dafür, dass sich dort als Folge erheblicher expansiver Impulse seitens der Geld- und Finanzpolitik ein dynamischer Aufschwung herausbilden würde. Zugleich deutete sich in Westeuropa eine ähnliche, wenngleich verzögerte Entwicklung an. Für die Prognose sprach auch, dass sich die Aktienkurse an den wichtigen Börsen der Welt von ihrem Einbruch im Gefolge des 11. September rasch erholt hatten. Wichtige Frühindikatoren wie die Differenz zwischen kurz- und langfristigen Zinsen und das Geschäftsklima spiegelten weltweit aufkommenden Optimismus wider. Im Sommer verschlechterte sich die Stimmung aber wieder deutlich: Die Geschäftserwartungen gingen kräftig zurück, und die Aktienkurse brachen weltweit ein, wozu auch Vertrauensverluste infolge von Skandalen um geschönte Bilanzen, unkorrekte Wirtschaftsprüfungen und irreführende Bewertungen durch Analysten beitrugen. Ein weiterer Grund für die Eintrübung liegt in der Gefahr eines Krieges gegen den Irak; sie führte dazu, dass die Ölpreise kräftig anzogen, wodurch Produktion und Nachfrage in den Industrieländern belastet werden. Es herrscht auch Unsicherheit über die weiteren Konsequenzen eines militärischen Konfliktes in der Golfregion. Zudem zeigt sich mehr und mehr, dass der übersteigerte Optimismus bezüglich der "New Economy", der in den Jahren 1999/2000 herrschte, zu Verwerfungen geführt hat, die im Rezessionsjahr 2001 offenbar nicht vollständig bereinigt worden sind. Auch musste das positive Bild hinsichtlich der Wachstumsmöglichkeiten der amerikanischen Wirtschaft mit der erheblichen Korrektur der Sozialproduktsdaten revidiert werden (Kasten 1.1).

Die massiven Einbrüche auf den internationalen Aktienmärkten belasten die Konjunktur in den Industrieländern. In den USA und in Großbritannien sind die unmittelbaren Effekte besonders groß, da Aktienemissionen eine wichtige Rolle bei der Unternehmensfinanzierung spielen. Auch machen Aktien dort einen erheblichen Teil des privaten Vermögens aus, so dass der Kursverfall den privaten Konsum in diesen Ländern besonders stark dämpft. In Kontinentaleuropa sind hingegen die mittelbaren Wirkungen über die Finanzintermediäre wichtiger: Die Kursverluste verschlechtern die Bilanz- und Ertragssituation der Banken und Versicherungen und zwingen sie zu einer vorsichtigeren Geschäftspolitik sowie zu Aktienverkäufen, die die Kurse weiter unter Druck setzen. Damit wird die Kreditfinanzierung von Investitionen erschwert. Allen Industrieländern gemeinsam ist, dass die Turbulenzen auf den Finanzmärkten die positiven realwirtschaftlichen Wirkungen der expansiven Geldpolitik überdecken.

Auftriebskräfte werden allmählich die Oberhand gewinnen Die anhaltende Kriegsgefahr und der Kurssturz an den Aktienmärkten dürften auch die wirtschaftliche Entwicklung in der nahen Zukunft prägen. Diese und weitere wichtige Faktoren entziehen sich jedoch weitgehend einer Prognose. Daher können hier nur Setzungen vorgenommen werden. Bezüglich der Aktienkurse in Westeuropa und in den USA wird unterstellt, dass sie sich in etwa auf dem gegenwärtigen Niveau stabilisieren und es so zu keinen zusätzlichen Vermögensverlusten kommt. In der Folge wird sich das wirtschaftliche Vertrauen von Unternehmen und Haushalten allmählich wieder erholen. Bezüglich der Situation im Nahen Osten wird angenommen, dass sie bis zum Frühjahr 2003 unsicher bleibt. Von dieser Seite her wird die Zuversicht in die wirtschaftliche Entwicklung also zunächst weiter belastet. Der Ölpreis wird vorerst bei 29 US-Dollar pro Barrel verharren. Mit nachlassender Kriegsgefahr wird er im Frühjahr deutlich sinken. Es ist unterstellt, dass er im weiteren Jahresverlauf etwa 25 US-Dollar pro Barrel beträgt und damit in der Mitte der von den OPEC-Ländern langfristig angestrebten Preisspanne von 22 bis 28 US-Dollar liegt; entsprechend reduziert sich die Belastung der Weltwirtschaft im Verlauf des kommenden Jahres wieder.

Die Geldpolitik bleibt angesichts der schwachen Konjunktur expansiv ausgerichtet. Die amerikanische Zentralbank dürfte ihre Zinsen bis weit in das kommende Jahr hinein auf dem niedrigen Niveau belassen. Die Europäische Zentralbank wird die Leitzinsen ebenfalls nicht vor Ende nächsten Jahres erhöhen. In Japan ist die Zentralbank weiterhin bemüht, die Wirtschaft durch eine reichliche Liquiditätsausweitung zu stimulieren.

Die Finanzpolitik wirkt in den Industrieländern im Jahre 2003 insgesamt annähernd neutral. In den USA bleibt sie expansiv, doch lassen die Anregungen merklich nach. In Europa wird die Finanzpolitik im Prognosezeitraum leicht kontraktiv wirken: Zwar ist das ursprüngliche Ziel eines weitgehenden Abbaus des gesamtstaatlichen Defizits bis zum Jahre 2004 aufgegeben worden, aber die Ausgaben werden nur geringfügig ausgeweitet. Auch in Japan wird die Finanzpolitik angesichts des sehr hohen und weiter rasch steigenden Schuldenstandes auf Konsolidierung ausgerichtet sein.

Bei diesen Rahmenbedingungen halten in den kommenden Monaten die erheblich dämpfenden Einflüsse an; sie lassen jedoch langsam nach. Bei Investoren und Konsumenten wird sich die Unsicherheit bezüglich der Zukunftsperspektiven allmählich verringern. In der Folge dürften sich die Auftriebskräfte - nicht zuletzt angeregt durch die expansive Geldpolitik - mehr und mehr durchsetzen. Die Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Produktion in den Industrieländern wird im Winterhalbjahr zwar noch verhalten sein, sich im weiteren Verlauf des kommenden Jahres aber beschleunigen. Die Erholung fällt jedoch mäßig aus, insbesondere weil die Konsolidierungszwänge sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor groß bleiben. In den Industrieländern insgesamt wird das reale Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 1,3 % und im nächsten um 2,2 % steigen (Tabelle 1.1). [1] Die Unterauslastung der Kapazitäten wird sich in den meisten Ländern erst in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres langsam verringern; dann verbessert sich auch die Lage am Arbeitsmarkt allmählich. Die Verbraucherpreise werden sich nur moderat erhöhen. Angesichts der niedrigen Kapazitätsauslastung gehen weder von der geldpolitisch induzierten deutlichen Zunahme der Liquidität noch von dem vorübergehend höheren Ölpreis Inflationsgefahren aus.

Die Aufwärtsbewegung in den Industrieländern wird auf die übrige Welt ausstrahlen. So wird die Nachfrage in den mittel- und osteuropäischen Ländern im kommenden Jahr wieder etwas stärker zunehmen. In den ostasiatischen Schwellenländern gewinnt die gesamtwirtschaftliche Produktion nach einer vorübergehenden Verlangsamung erneut an Dynamik. Die Belebung der Weltwirtschaft trägt auch dazu bei, dass sich Nachfrage und Produktion in Lateinamerika nach der ausgeprägten Schwäche stabilisieren.

Bei dieser Entwicklung steigt der Welthandel, der zu Beginn dieses Jahres kräftig zugenommen hatte, im Winterhalbjahr nur verhalten. Mit dem konjunkturellen Aufschwung wird er im weiteren Verlauf des nächsten Jahres kräftiger expandieren. Im Jahresdurchschnitt dürfte er sich 2002 um 3 % und 2003 um 6 % erhöhen (Tabelle 1.2).

Risiken und Chancen Die gegenwärtige Situation ist gekennzeichnet durch ein hohes Maß an Unsicherheit, insbesondere auch hinsichtlich der weiteren politischen Entwicklung im Nahen Osten. Daraus resultieren erhebliche Risiken für die Prognose. So ist es möglich, dass es zu einem Krieg gegen den Irak kommt, der sogar größere Dimensionen annimmt als der Golfkrieg Anfang 1991. Dies könnte zu einer Verknappung der Ölversorgung sowie zu einem wesentlich höheren Ölpreis führen, was die Wirtschaft in den Industrieländern erheblich belasten würde. Ein weiteres Risiko besteht darin, dass sich die Baisse an den Aktienmärkten fortsetzt und sich die krisenhaften Erscheinungen im Finanzsektor verstärken, beispielsweise weil das allgemeine Vertrauen in das Management der Unternehmen und in die Finanzmarktakteure schwerer und nachhaltiger gestört ist als hier unterstellt oder weil die Ertragserwartungen weiter sinken. In einem solchen Fall würde die Finanzierung der Unternehmen zusätzlich erschwert. Auch besteht die Gefahr, dass die Immobilienpreise in Großbritannien und in den USA, die in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen waren, deutlich fallen. Schließlich ist das Leistungsbilanzdefizit der USA nach wie vor sehr hoch. Sollten die internationalen Finanzmärkte nicht mehr bereit sein, den Kapitalbedarf der USA zu decken, könnte es zu einer abrupten und starken Abwertung des US-Dollar kommen, was zu erheblichen Friktionen auf Güter- und Finanzmärkten führen würde.

Doch es gibt auch Chancen, dass sich die Weltwirtschaft günstiger als erwartet entwickelt, insbesondere dann, wenn sich die Konfliktsituation im Irak rasch entspannt. Das hätte eine spürbare Verringerung der Unsicherheit, ein schnelles Sinken des Ölpreises und damit eine Stärkung der privaten Kaufkraft zur Folge. Auch könnten die geldpolitischen Impulse, insbesondere in den USA, rascher zur Geltung kommen als hier unterstellt. Zudem besteht die Chance, dass die IT-Konjunktur angesichts der kurzen Produktzyklen in diesem Sektor schneller als erwartet aus ihrem Tief herausfindet. In der Folge würden sich auch die Aktienkurse zügig erholen.

Auf dem Weg in eine längere Stagnation? Die anhaltende Talfahrt an den Aktienmärkten und die trotz beträchtlicher wirtschaftspolitischer Impulse nur zögerliche konjunkturelle Belebung haben verschiedentlich die Sorge geweckt, dass die USA und Westeuropa in eine längere Phase geringen wirtschaftlichen Wachstums geraten. Hintergrund solcher Befürchtungen ist die nun schon seit über einem Jahrzehnt anhaltende Schwäche der japanischen Wirtschaft. Dort sackte der Wachstumstrend des realen Bruttoinlandsprodukts - nach dem Platzen der Spekulationsblase an den Aktien- und Immobilienmärkten Anfang der 90er Jahre - von zuvor rund 4 % auf nur noch etwa 1 %. Mitte des Jahrzehnts begann ein deflationärer Prozess, der bislang nicht gestoppt werden konnte. Ankurbelungsbemühungen sowohl der Geld- als auch der Finanzpolitik führten lediglich zu kurzen Phasen verstärkter wirtschaftlicher Aktivität, denen jeweils rasch eine erneute Rezession folgte.

Von mancher Seite wird befürchtet, auch in den USA und in Westeuropa könnten ähnliche Entwicklungen eintreten. Vieles spricht jedoch dafür, dass sich die mittelfristigen Aussichten insgesamt nicht gravierend verschlechtert haben. Der Vermögensverlust in den USA und in Westeuropa ist deutlich geringer als der in Japan, denn er ist im Allgemeinen auf Aktien beschränkt, während in Japan zugleich die Immobilienwerte stark schrumpften. Auch deshalb sind die Bilanzprobleme der Unternehmen in den USA und in Westeuropa insbesondere im Finanzsektor geringer, und es gibt - anders als in Japan zu Beginn der 90er Jahre - nur in wenigen Ländern Indizien dafür, dass die Finanzintermediation durch die Kreditinstitute ernsthaft beeinträchtigt ist. Die niedrigen Zinsen haben in den USA und in Westeuropa zu einem kräftigen Anstieg der breiter abgegrenzten Geldmengenaggregate geführt, und auch an den Kreditmärkten lässt wenig auf eine besondere Verknappung des Kreditangebots schließen. Insofern ist es wahrscheinlich, dass die gegenwärtigen geldpolitischen Anstöße Wirkung zeigen.

Anders als seinerzeit in Japan ist die Geldpolitik in den westlichen Industrieländern dem konjunkturellen Abschwung früh und entschieden entgegengetreten. Die US-Notenbank schwenkte im Verlauf des Jahres 2001 - bereits relativ kurz nach Überschreiten des konjunkturellen Höhepunkts - auf einen sehr expansiven Kurs ein; nach dem Schock vom 11. September sind die kurzfristigen Zinsen sogar auf ein, auch real gerechnet, ungewöhnlich niedriges Niveau gefallen. Auch die EZB senkte die Zinsen deutlich, wenngleich weniger kräftig als die amerikanische Notenbank. Die Bank von Japan hatte dagegen länger mit der Lockerung der Geldpolitik gewartet, weil sie ein Ende der Inflation am Immobilienmarkt sicherstellen wollte. Anschließend gelang es ihr nicht, eine drastische Aufwertung des Yen zu verhindern, was dazu führte, dass sich die monetären Rahmenbedingungen trotz niedriger Zinsen erheblich verschlechterten. Überdies wurde in Japan versäumt, das Problem der notleidenden Kredite im Finanzsektor energisch anzugehen. Das Schrumpfen überdimensionierter Sektoren wie der Bauindustrie wurde durch Ausgabenprogramme der öffentlichen Hand immer wieder verhindert. Im Vergleich dazu scheinen die Wirtschaftssysteme der USA und Westeuropas für eine rasche Anpassung in einer ähnlichen Situation besser gerüstet zu sein.

Ein weiterer wichtiger Unterschied zur Situation in Japan zu Beginn der 90er Jahre besteht darin, dass sich der Produktivitätsanstieg zumindest in den USA durch die Informations- und Kommunikationstechnologien im vorangegangenen Boom ungeachtet temporärer Übersteigerungen nachhaltig erhöht hat. Dort ist die Arbeitsproduktivität noch in der jüngsten Vergangenheit in ungewöhnlich starkem Maß gestiegen.

Gedämpfte Expansion in den USA In den USA hat die Konjunktur nach der kräftigen Erholung im Winterhalbjahr 2001/2002 wieder an Schwung verloren (Abbildung 1.1). Offenbar haben die Kursverluste an den Finanzmärkten und die Verunsicherung im Zuge des Irak-Konflikts die Wirkung der schon seit geraumer Zeit sehr expansiven Geld- und Fiskalpolitik gehemmt. Im Verlauf des Sommerhalbjahrs dürfte die Expansion der gesamtwirtschaftlichen Produktion nur noch rund 2 % betragen haben, nach 4 % im Halbjahr zuvor. Dabei hatten verschiedene Sondereffekte die Grundtendenz überlagert. So wurde die Belebung zu Jahresbeginn durch einen starken positiven Lagereffekt und durch die Ausweitung der Staatsnachfrage im Zuge der Anti-Terror-Kampagne überzeichnet. Die folgende Abschwächung war durch einen kräftigen Anstieg des Importüberschusses geprägt, der wohl im Wesentlichen auf Vorzieheffekte im Zusammenhang mit dem sich abzeichnenden Arbeitskampf in den Pazifikhäfen zurückging.

Wichtigste Stütze der Konjunktur blieb im Sommerhalbjahr der private Konsum. Angeregt wurde er von der fiskalpolitischen Entlastung der privaten Haushalte sowie von Finanzierungsoffensiven der Automobilindustrie. Auch ermöglichte der anhaltende Rückgang der langfristigen Zinsen Um- und Neuverschuldungen zu erheblich günstigeren Konditionen, und der aus weiter gestiegenen Immobilienpreisen resultierende Vermögenszuwachs blieb fühlbar. Dagegen haben sich die Perspektiven am Arbeitsmarkt bislang nicht verbessert. Auch stieg die Schuldenbelastung der privaten Haushalte weiter; sie ist mittlerweile wieder so hoch wie Ende der 80er Jahre. Schließlich sind die Aktienkurse seit April dieses Jahres um fast 30 % gefallen, wodurch das private Vermögen erheblich verringert wurde. Vor diesem Hintergrund ist die Sparquote im Jahresverlauf deutlich gestiegen.

Die den privaten Verbrauch dämpfenden Faktoren haben in den vergangenen Monaten an Gewicht gewonnen. So übersteigt mittlerweile der negative Vermögenseffekt durch Kursverluste an den Aktienmärkten die Vermögensgewinne durch den Preisanstieg am Immobilienmarkt erheblich, auch weil sich die Preisentwicklung in diesem Sektor spürbar abflachte. Hinzu kommen retardierende Effekte durch den Irak-Konflikt und die gestiegenen Ölpreise, so dass der private Konsum vorerst mit deutlich verringerten Raten zunimmt. Eine etwas stärkere Expansion ist für das kommende Jahr zu erwarten, wenn die Belastungen durch den Irak-Konflikt und durch die Vermögensverluste nachlassen.

Die gewerblichen Investitionen sind weiter gesunken, aber ihr Rückgang hat sich im bisherigen Jahresverlauf deutlich abgeflacht. Die Ausrüstungsinvestitionen wurden sogar wieder leicht ausgeweitet. Diese Tendenz sollte sich fortsetzen, da die Auftragseingänge in allen Wirtschaftsbereichen seit Ende vergangenen Jahres anzogen. Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung im verarbeitenden Gewerbe sind seit Jahresbeginn wieder gestiegen, und nicht zuletzt nahm die Produktivität weiterhin deutlich zu, so dass die Erhöhung der Lohnstückkosten sehr moderat blieb. Die Gewinnsituation hat sich offenbar zuletzt leicht verbessert. Aber das Vertrauen der Unternehmen in einen nachhaltigen Aufschwung ist wohl noch nicht gefestigt. Ein Hinweis auf eine anhaltende Verunsicherung ist, dass der Einkaufsmanager-Index seit dem Frühsommer wieder gefallen ist. Die gewerblichen Investitionen dürften vor diesem Hintergrund zunächst gedämpft bleiben. Mit nachlassender Kriegsgefahr kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die geldpolitischen Impulse im weiteren Verlauf des Jahres 2003 zunehmend zum Tragen kommen. Die gewerblichen Investitionen dürften dann allmählich wieder verstärkt expandieren.

Gestützt wurde die Konjunktur im bisherigen Jahresverlauf auch durch die Exporte; insbesondere stiegen die Lieferungen nach Kanada und in die asiatischen Schwellenländer kräftig, wobei Vorzieheffekte aufgrund des drohenden Hafenarbeiterstreiks eine Rolle spielten. In noch größerem Ausmaß wurden offenbar die Importe beeinflusst. Im weiteren Verlauf werden die dämpfenden Effekte vom Außenbeitrag nachlassen, auch weil die leichte reale effektive Dollarabwertung die Exporte begünstigt.

Die Fiskalpolitik war mit der Steuerreform im Frühsommer 2001 auf Expansionskurs gegangen. Dieser wurde durch die Maßnahmen in Reaktion auf die Ereignisse vom 11. September und schließlich durch das im März verabschiedete Konjunkturpaket für 2002 und 2003 noch verstärkt. Im Verbund mit deutlich rückläufigen Einnahmen - insbesondere bei der Kapitalertragsteuer - hat dies dazu geführt, dass der Bundeshaushalt erstmals seit 1997 wieder einen Fehlbetrag ausweist. Das gesamtstaatliche Defizit wird sich in diesem Jahr auf rund 2 % des Bruttoinlandsprodukts belaufen, nach einem Überschuss von 0,4 % im Jahre 2001. Im kommenden Jahr dürfte es - trotz einer abermaligen Erhöhung der Militärausgaben - kaum noch steigen, so dass von der Finanzpolitik nur geringfügige Impulse ausgehen.

Die monetären Rahmenbedingungen sind weiterhin sehr günstig. Die kurzfristigen Geldmarktzinsen liegen seit rund einem Jahr deutlich unter 2 %; in realer Rechnung - gemessen an der Kerninflationsrate (ohne Energie und unverarbeitete Nahrungsmittel) - sind sie sogar negativ. Auch die Kapitalmarktzinsen, die seit dem Frühjahr nochmals deutlich gesunken sind, bewegen sich nominal wie real auf einem im längerfristigen Vergleich niedrigen Niveau. Der expansive Kurs der Geldpolitik wurde noch verstärkt durch die Abwertung des US-Dollar seit Jahresbeginn. Er wird im Laufe des kommenden Jahres mit schwächer werdenden dämpfenden Effekten vonseiten der Finanzmärkte zunehmend wirksam.

Unter diesen Bedingungen dürfte die gesamtwirtschaftliche Expansion 2003 an Schwung gewinnen, insbesondere weil sich die Investitionstätigkeit erholt. Einer kräftigen Beschleunigung der Konjunktur stehen aber nach wie vor dämpfende Faktoren beim privaten Konsum entgegen. Das reale Bruttoinlandsprodukt wird im Jahresdurchschnitt 2003 um rund 2,7 % steigen, nach 2,3 % in diesem Jahr. Die gesamtwirtschaftliche Kapazitätsauslastung nimmt erst ab Mitte kommenden Jahres geringfügig zu. Vor diesem Hintergrund wird die Geldpolitik die Zinsen allenfalls gegen Jahresende anheben, auch wenn die Verbraucherpreise 2003 ölpreisbedingt etwas stärker anziehen dürften. Die private Lebenshaltung wird sich im Jahresdurchschnitt 2003 um 2,1 % verteuern, nach 1,6 % in diesem Jahr.

Zögerliche Erholung in Japan In Japan wurde die konjunkturelle Talsohle im ersten Halbjahr 2002 durchschritten; die Wirtschaft beginnt sich zu stabilisieren. Das reale Bruttoinlandsprodukt nahm mit einer annualisierten Zuwachsrate von 1,3 % zu (Abbildung 1.3). Die Erholung wurde vor allem von der ausländischen Nachfrage getragen. Bei einem relativ schwachen Yen und einer dynamischen Entwicklung in den asiatischen Schwellenländern wurden die Exporte stark ausgeweitet. Der private Verbrauch zog trotz der immer noch ungünstigen Lage auf dem Arbeitsmarkt leicht an, wobei insbesondere die Nachfrage nach neuen, verbrauchsarmen Automodellen hoch war. Hingegen gingen die Investitionen bei einer gedrückten Gewinnsituation weiter zurück, wenn auch verlangsamt.

Nach wie vor herrscht Deflation. Zwar stiegen die Verbraucherpreise infolge der Abwertung des Yen gegenüber dem US-Dollar vorübergehend. Der Yen hat in jüngster Zeit allerdings wieder aufgewertet. In dieser Situation ist der geldpolitische Kurs der Bank von Japan weiterhin durch die Nullzinspolitik und die großzügige Bereitstellung von Liquidität gekennzeichnet. Einer Verschlechterung der monetären Rahmenbedingungen vonseiten des Wechselkurses wirkte die Zentralbank im Frühsommer durch Interventionen am Devisenmarkt entgegen. Gleichwohl lag der Yen/Dollar-Kurs Anfang Oktober um knapp 10 % niedriger als zu Jahresbeginn. Die expansive Geldpolitik zeigt sich allerdings nicht in einer entsprechenden Ausweitung der breiter gefassten Geldmengenaggregate und des Kreditvolumens. Zum einen dämpfen die Bilanzprobleme der Geschäftsbanken und die vergleichsweise hohen Zinsen im Ausland die Neigung, Kredite zu vergeben; zum anderen ist die Kreditnachfrage der Unternehmen nach wie vor gering. Ein schlüssiges Sanierungskonzept für den Finanzsektor ist weiterhin nicht in Sicht. Auch der Plan der Bank von Japan, den Banken Aktienpakete abzukaufen, wird keine Lösung der Probleme bringen.

Die hohe Staatsverschuldung bindet der Finanzpolitik weitgehend die Hände. Der Schuldenstand liegt bei über 140 % des Bruttoinlandsprodukts. Auf den internationalen Kapitalmärkten wurde das Rating japanischer Staatsanleihen inzwischen durch wichtige Bewertungsagenturen herabgesetzt. Zuletzt ergaben sich erhebliche Schwierigkeiten, Staatsanleihen zu platzieren. Vor diesem Hintergrund bemüht sich die Finanzpolitik zunehmend, das Defizit zu begrenzen; beispielsweise sind bislang, anders als in früheren Jahren, keine umfangreichen Nachtragshaushalte verabschiedet worden. Eine glaubhafte Sparpolitik könnte mittelfristig zur Wiederherstellung des Vertrauens in die japanische Finanzpolitik beitragen. In diesem Jahr wird das Haushaltsdefizit bei etwa 7 % in Relation zum Bruttoinlandsprodukt liegen. Im nächsten Jahr sind von der Finanzpolitik bei anhaltender Ausgabenzurückhaltung abermals leicht restriktive Impulse zu erwarten.

Bei diesen Rahmenbedingungen wird sich die Konjunktur in Japan nur allmählich beleben. Die außenwirtschaftlichen Anregungen, die vor allem von den USA und den asiatischen Nachbarstaaten ausgehen, werden nach und nach zu einem Anstieg der Binnennachfrage führen. Die Expansion bleibt freilich verhalten: Der private Verbrauch nimmt nicht zuletzt wegen einer schwachen Einkommensentwicklung nur mäßig zu, und die Investitionen werden erst im nächsten Jahr wieder leicht ausgeweitet. Das reale Bruttoinlandsprodukt wird im Durchschnitt 2003 etwas - um 1,2 % - zulegen, nach einem Rückgang um 0,5 % in diesem Jahr. Die Lage am Arbeitsmarkt wird sich nicht durchgreifend verbessern. Die Verbraucherpreise werden weiter zurückgehen, wenngleich in leicht abgeschwächtem Tempo.

Kräftiger Aufschwung in Asien - Unsichere Perspektiven für Lateinamerika In den ostasiatischen Schwellenländern (ohne China) wurde Anfang 2002 die ausgeprägte konjunkturelle Schwäche von einem kräftigen Aufschwung abgelöst. Ausschlaggebend war, dass die Nachfrage der Haupthandelspartner USA und Japan stark anzog. Doch auch die Binnennachfrage expandierte lebhaft, angeregt von der Geld- und der Finanzpolitik. Dadurch wurde vornehmlich der private Konsum stimuliert, während die Investitionen erst wenig an Schwung gewannen. Es mangelt zum einen an aussichtsreichen Projekten, zum anderen sind die Unternehmen weiter um die Konsolidierung ihrer Bilanzen bemüht. Auch sind die Kapazitäten ungenügend ausgelastet. Ausländische Direktinvestitionen fließen zurzeit vorwiegend nach China.

Mit der Verlangsamung des Produktionsanstiegs in den Industrieländern dürfte sich die konjunkturelle Dynamik in den asiatischen Schwellenländern im Winterhalbjahr vorübergehend abschwächen. Gleichwohl bleibt die Produktion dank robuster Inlandsnachfrage deutlich aufwärts gerichtet, zumal die Wirtschaftspolitik nach wie vor expansiv wirkt. Im weiteren Verlauf von 2003 dürfte der Aufschwung mit dem Wiederanziehen der Ausfuhr an Fahrt gewinnen. Allerdings wird das Tempo der Expansion von Land zu Land recht unterschiedlich sein. Während die Wirtschaft Südkoreas boomt, leiden Hongkong und Taiwan unter der massiven Abwanderung industrieller Kapazitäten in die Volksrepublik China. Das reale Bruttoinlandsprodukt der ostasiatischen Schwellenländer dürfte im laufenden Jahr um annähernd 4 % und 2003 um rund 4 1/2 % expandieren.

In Lateinamerika hat sich die Rezession im ersten Halbjahr 2002 fortgesetzt, in vielen Ländern begleitet von kräftigen Währungsabwertungen, rascher steigenden Preisen, erhöhten Zinsen, erheblichen Kapitalabflüssen und wachsender politischer Unsicherheit. Das gilt besonders für Argentinien, wo das reale Inlandsprodukt nach dem starken Einbruch zuletzt zwar nicht mehr schrumpfte, die Wirtschafts- und Gesellschaftskrise aber bei weitem noch nicht überwunden ist. Im Sommer hatte auch Brasilien mit wachsenden Schwierigkeiten zu kämpfen, die ihren Ausdruck in ausgeprägter Kapitalflucht, dem stark gesunkenen Wechselkurs des Real und der hieraus resultierenden Schuldendynamik durch die vielfach in US-Dollar denominierten Staats- und Unternehmensanleihen finden. Venezuela und Kolumbien sowie die kleineren südamerikanischen Länder steckten teils in hausgemachten Problemen, teils wurden sie von der Entwicklung in den großen Nachbarländern schwer in Mitleidenschaft gezogen. In Mexiko hingegen belebte sich die Wirtschaft im Zuge der konjunkturellen Erholung in den USA.

In der jüngsten Zeit mehren sich die Anzeichen für eine Stabilisierung in Lateinamerika, wozu die umfangreichen Stützungskredite des IWF an Brasilien und Uruguay beigetragen haben. Die wirtschaftlichen Perspektiven für Südamerika - in Mexiko stellt sich die Lage günstiger dar - bleiben jedoch sowohl für den Rest dieses Jahres als auch für 2003 sehr unsicher. Das hängt wesentlich mit den meist labilen politischen Verhältnissen zusammen, die eine Rückkehr des Vertrauens der Investoren und damit des Auslandskapitals verhindern. Wenn die Industrieländer aus ihrer Schwächephase herausgefunden haben und auch die gedrückten Rohstoffpreise wieder steigen, werden 2003 von der Außenwirtschaft nennenswerte Impulse kommen. Dadurch wird auch die Binnennachfrage stimuliert. Das reale Bruttoinlandsprodukt dürfte 2002 um rund 1,5 % zurückgehen. Im Jahre 2003 nehmen Nachfrage und Produktion bei allmählicher Stabilisierung der Lage in Argentinien um etwa 2 % zu.

Robuste Konjunktur in Mittel- und Osteuropa In den mitteleuropäischen und den baltischen Transformationsstaaten blieb die gesamtwirtschaftliche Aktivität ungeachtet der langsamen Produktionsausweitung in Westeuropa deutlich aufwärts gerichtet. Im zweiten Quartal 2002 war das reale Bruttoinlandsprodukt der Region um knapp 3 % höher als ein Jahr zuvor. Konjunkturstützend wirkte der private Verbrauch, der durch zum Teil stark steigende Reallöhne angetrieben wurde. Dagegen nahmen bei zumeist noch restriktiv ausgerichteter Geldpolitik die Investitionen kaum mehr zu; sie waren teilweise sogar rückläufig. Die Exporte stagnierten angesichts der flauen Konjunktur in der EU und der realen Aufwertung zahlreicher Währungen weitgehend. Wegen der schwachen Investitionstätigkeit ließ das Tempo der Importe nach, und der Außenbeitrag verbesserte sich. Die Arbeitslosigkeit blieb im Großen und Ganzen unverändert hoch, auch wegen der anhaltenden Umstrukturierung der Unternehmen. Der Rückgang der Inflationsraten setzte sich fort. In einer Reihe von Ländern liegen sie inzwischen unter 5 %.

Die wirtschaftlichen Aussichten sind weiterhin günstig. Zum einen werden die Exporte mit dem Anziehen der Konjunktur in Westeuropa beschleunigt zunehmen. Zum anderen bleibt die Binnennachfrage bei anhaltend kräftiger Expansion des privaten Verbrauchs robust. Da die Geldpolitik im Verlauf dieses Jahres gelockert wurde, werden die Investitionen 2003 anziehen. Dies gilt insbesondere für Polen, wo die Zinssenkungen zu einem Rückgang der vorher außerordentlich hohen Realzinsen geführt haben. Auch in den Beitrittsländern entfalten inzwischen Zinsschritte ihre realwirtschaftliche Wirkung erst verzögert. Denn bei einem schon weitgehend reformierten Geschäftsbankensektor übertragen sie sich über die üblichen Transmissionsmechanismen der Geldpolitik auf die Realwirtschaft. Die Fiskalpolitik wird eher restriktiv wirken, denn in vielen Ländern dürften Sparmaßnahmen getroffen werden, um die vielfach hohen Budgetdefizite zu verringern.

Im Prognosezeitraum wird die wirtschaftliche Entwicklung entscheidend von den Fortschritten bei den EU-Beitrittsverhandlungen abhängen. Hier wird angenommen, dass mit Ausnahme von Rumänien und Bulgarien alle Länder die Einladung der EU zu der Beitrittskonferenz in Kopenhagen im Dezember 2002 bekommen werden und dass der Prozess der Osterweiterung planmäßig vorankommt. Davon werden vertrauensfördernde Effekte ausgehen, die das Investitionsklima in den betroffenen Volkswirtschaften verbessern.

Unter diesen Voraussetzungen wird die gesamtwirtschaftliche Produktion in Mitteleuropa und den baltischen Staaten im Jahre 2003 um 3,0 % steigen, nach 2,4 % in diesem Jahr (Tabelle 1.3). Die wirtschaftliche Dynamik in dieser Region wird weiterhin höher liegen als in der EU. Dabei verlangsamt sich der Preisanstieg nur noch wenig; die Inflationsrate bleibt mit rund 5 % deutlich über dem EU-Durchschnitt. Auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich keine Besserung ab.

In Russland stieg das reale Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr 2002 weiterhin kräftig, wenngleich in leicht verringertem Tempo. Die Entwicklung wurde vor allem vom privaten Konsum getragen, der angesichts weiterhin beachtlicher Reallohnsteigerungen erheblich expandierte. Die Investitionsdynamik nahm bei rückläufigen Unternehmensgewinnen ab; zudem haben institutionelle Reformen bislang nicht die erhofften Wirkungen erzielt. Die russische Wirtschaft profitierte aufgrund des Ölpreisanstiegs von höheren Exporteinnahmen. Die Importe zogen ebenfalls deutlich an, zumal sich der Rubel erneut real aufwertete. Das reale Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr um 4 %, im kommenden um 3,5 % steigen. Die Arbeitslosenquote wird sich kaum verändern. Die Inflationsrate sinkt weiter, bleibt jedoch zweistellig.

Kasten 1.1

Zu den Revisionen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung in den USA


Die Beurteilung der konjunkturellen Lage hängt nicht zuletzt von der jeweils verfügbaren Datenbasis ab. Diese ändert sich nicht selten gravierend infolge von Revisionen. In den USA waren die Revisionen in jüngster Zeit besonders ausgeprägt (Abbildung 1.2). Die Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts war für das Jahr 2000 zunächst noch auf 5,0 % beziffert worden. Nach der ersten Revision Mitte 2001 war die ausgewiesene Dynamik wesentlich geringer, und der Jahresdurchschnitt wurde auf 4,1 % herabgesetzt. Nach der jüngsten Revision betrug der Zuwachs sogar nur 3,8 %. Ähnlich gravierend war die Korrektur für das Rezessionsjahr 2001: Mit der ersten Überarbeitung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) Mitte dieses Jahres zeigte sich, dass die gesamtwirtschaftliche Produktion nicht nur im dritten Quartal gesunken war - wie zuerst gemeldet -, sondern auch in den beiden Quartalen zuvor. Die ursprünglich ausgewiesene jahresdurchschnittliche Produktionszunahme von 1,2 % wurde auf nur noch 0,3 % zurückgenommen. Im Lichte der neuesten Daten erscheint der Aufschwung weniger kräftig und die Rezession tiefer, als nach den jeweils ersten verfügbaren Zahlen anzunehmen war.

Besonders stark waren die Datenrevisionen bei den Ausrüstungsinvestitionen; ihr zunächst als überaus kräftig ausgewiesener Anstieg hatte als Ausdruck der New Economy gegolten. In der ersten Veröffentlichung der VGR war für das Jahr 2000 noch eine durchschnittliche Zunahme um 13,7 % angegeben worden; nach der jüngsten Revision beträgt sie nur noch 8,2 %. Auch ist der Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen im Rezessionsjahr 2001 nach den neuesten Zahlen mit 6,4 % erheblich stärker ausgefallen als zuerst gemeldet (4,6 %).



[1] Gegenwärtig wird verschiedentlich befürchtet, dass es zu einer längeren Stagnation kommt. Mit dieser Frage setzen sich die Institute am Schluss dieses Kapitels auseinander.

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Tabelle 1.1
Reales Bruttoinlandsprodukt, Verbraucherpreise und Arbeitslosenquote
in den Industrieländern

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               Gewicht   Bruttoinlands-     Verbraucher-    Arbeitslosenquote
                            produkt          preise (1)         (2) in %

                 (BIP)  Veränderung gegenüber dem Vorjahr
                                       in %

                  in %  2001  2002  2003  2001  2002  2003  2001  2002  2003

Deutschland        7,9   0,6   0,4   1,4   2,4   1,4   1,5   7,7   8,2   8,2
Frankreich         5,6   1,8   1,0   2,0   1,8   1,8   1,5   8,5   8,9   8,9
Italien            4,7   1,8   0,3   1,7   2,3   2,4   2,0   9,4   9,1   9,0
Spanien            2,5   2,7   1,9   2,6   2,8   3,3   2,2  10,6  11,2  11,0
Niederlande        1,6   1,2   0,4   1,5   5,1   3,9   2,5   2,4   2,8   3,3
Belgien            1,0   1,0   0,5   1,8   2,4   1,6   1,6   6,6   6,9   6,9
Österreich         0,8   1,0   1,0   1,8   2,3   1,8   1,6   3,6   4,2   4,2
Finnland           0,5   0,7   1,1   2,9   2,7   2,0   1,6   9,1   9,3   9,2
Griechenland       0,5   4,1   2,5   3,8   3,7   3,9   3,0  10,5  10,0   9,7
Portugal           0,5   1,7   1,0   1,2   4,4   3,5   2,8   4,1   4,5   4,9
Irland             0,4   5,9   3,5   4,5   4,0   4,5   3,5   3,8   4,5   4,5
Luxemburg          0,1   3,5   3,0   3,8   2,4   1,8   1,8   2,0   2,4   2,5

Euroraum (3)      26,2   1,4   0,8   1,8   2,6   2,2   1,8   8,0   8,3   8,3

Großbritannien     6,1   2,0   1,4   2,3   1,2   1,4   1,5   5,0   5,2   5,2
Schweden           0,9   1,2   1,6   2,4   2,7   2,1   2,0   4,9   5,0   4,9
Dänemark           0,7   1,0   1,5   2,0   2,3   2,2   2,0   4,3   4,3   4,3

Europäische
 Union (3)        33,9   1,5   0,9   2,0   2,3   2,0   1,7   7,4   7,6   7,6

Schweiz            1,1   0,9   0,0   1,0   1,0   0,5   0,5   1,9   2,8   3,0
Norwegen           0,7   1,4   1,6   2,2   3,0   0,8   1,5   3,6   3,3   3,3

Westeuropa (3)    35,7   1,6   0,9   1,9   2,3   2,0   1,7   7,2   7,5   7,4

USA               43,6   0,3   2,3   2,7   2,8   1,6   2,1   4,8   5,8   5,9
Japan             17,8  -0,3  -0,5   1,2  -0,7  -1,0  -0,5   5,0   5,5   5,5
Kanada             3,0   1,5   3,4   3,4   2,5   2,0   2,3   7,2   7,5   6,9

Insgesamt (3)    100,0   0,7   1,3   2,2   2,0   1,3   1,5   6,0   6,6   6,6

Nachrichtlich:
Exportgewichtet     -    1,4   1,1   2,1   2,4   2,0   1,7    -     -     -
 (4)

-------------------------------------------------------------------------------
(1) Westeuropa (außer Schweiz): Harmonisierter Verbraucherpreisindex.
(2) Standardisiert.
(3) Summe der aufgeführten Länder. Bruttoinlandsprodukt und Verbraucherpreise
 gewichtet mit dem Bruttoinlandsprodukt von 2001 in US-Dollar;
 Arbeitslosenquote gewichtet mit der Zahl der Erwerbspersonen von 2001.
(4) Summe der aufgeführten Länder. Gewichtet mit den Anteilen an der deutschen
 Ausfuhr von 2001.

Quellen: Angaben nationaler und internationaler Institutionen;
 Berechnungen der Institute; 2002 und 2003: Prognose der Institute.

GD Herbst 2002

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Tabelle 1.2
Reales Bruttoinlandsprodukt in ausgewählten Regionen der Weltwirtschaft
Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %

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                           2001  2002  2003

Industrieländer insgesamt   0,7   1,3   2,2
darunter:
  USA                       0,3   2,3   2,7
  Japan                    -0,3  -0,5   1,2
  Euroraum                  1,4   0,8   1,8
  Übriges Westeuropa        1,1   0,7   1,6

Schwellenländer
darunter:
  Mittel- und Osteuropa     3,7   3,1   3,2
  Ostasien (1)              1,2   4,0   4,5
  Lateinamerika (2)        -0,1  -1,5   2,0

Insgesamt (3)               0,8   1,3   2,3

Nachrichtlich:
Welthandel, real            0,0   3,0   6,0

-------------------------------------------------------------------------------
(1) Gewichteter Durchschnitt aus: Südkorea, Taiwan, Indonesien, Thailand,
 Malaysia, Singapur, Philippinen. Gewichtet mit dem Bruttoinlandsprodukt von
 2001 in US-Dollar.
(2) Gewichteter Durchschnitt aus: Brasilien, Mexiko, Argentinien, Kolumbien,
 Venezuela, Chile. Gewichtet mit dem Bruttoinlandsprodukt von 2001 in
 US-Dollar.
(3) Summe der aufgeführten Ländergruppen. Gewichtet mit dem
 Bruttoinlandsprodukt von 2001 in US-Dollar.

Quellen: Angaben nationaler und internationaler Institutionen;
 Berechnungen der Institute;
 2002 und 2003: Prognose der Institute.

GD Herbst 2002

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Tabelle 1.3
Reales Bruttoinlandsprodukt, Verbraucherpreise und Arbeitslosenquote
in Mittel- und Osteuropa

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                 Gewicht   Bruttoinlands-  Verbraucherpreise  Arbeitslosenquote
                              produkt                               in %

                   (BIP)  Veränderung gegenüber dem Vorjahr
                                         in %

                    in %  2001  2002  2003  2001  2002  2003  2001  2002  2003

Polen               24,7   1,0   1,0   2,0   5,5   2,2   2,5  18,2  19,0  19,0
Tschechien           8,0   3,3   2,8   3,5   4,8   2,5   3,0   8,2   9,2   8,0
Ungarn               7,3   3,8   3,2   3,8   9,2   5,5   4,5   5,8   5,6   5,5
Rumänien             5,6   5,3   4,0   3,5  34,5  24,0  20,0   6,5   8,0  10,0
Slowakei             2,9   3,3   4,0   4,0   7,4   4,0   3,5  19,2  18,0  17,5
Slowenien            2,6   3,0   2,8   3,5   8,4   7,5   7,0   6,4   6,0   6,0
Bulgarien            1,9   4,0   3,8   3,5   7,4   6,0   5,0  19,8  18,5  18,0

Mitteleuropa (1)    52,9   2,5   2,2   2,9   9,3   5,5   5,1  12,9  13,6  13,8

Estland              0,8   5,0   5,0   5,5   5,8   4,0   3,0  12,6  10,5  10,0
Lettland             1,1   7,7   4,5   5,0   2,5   2,0   2,0  13,0  12,0  11,0
Litauen              1,7   5,9   5,5   6,0   1,3   1,5   1,0  17,0  16,5  16,0

Baltische Länder (1) 3,5   6,2   5,1   5,6   2,6   2,2   1,7  14,8  13,9  13,2

Mitteleuropa und
Baltikum (1)        56,4   2,7   2,4   3,0   8,8   5,3   4,9  13,1  13,6  13,8

Russland            43,6   5,0   4,0   3,5  21,7  16,5  15,0   9,0   8,5   8,5

Insgesamt (1)      100,0   3,7   3,1   3,2  14,4  10,2   9,3  10,7  10,6  10,7

Nachrichtlich:
Exportgewichtet (2)   -    3,3   2,9   3,3    -     -     -     -     -     -

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(1) Summe der aufgeführten Länder. Bruttoinlandsprodukt und Verbraucherpreise
 gewichtet mit dem Bruttoinlandsprodukt von 2001 in US-Dollar;
 Arbeitslosenquote gewichtet mit der Zahl der Erwerbspersonen von 2001.
 Für Polen, Tschechien und Ungarn wird die von der OECD ausgewiesene
 standardisierte Arbeitslosenquote verwendet, sonst die "survey-based rate".
(2) Gewichtet mit den Anteilen an der deutschen Ausfuhr in diese Länder
 von 2001.

Quellen: Angaben nationaler und internationaler Institutionen;
Berechnungen der Institute; 2002 und 2003: Prognose der Institute.

GD Herbst 2002

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