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| Wochenbericht des DIW Berlin 43/03 Die Lage der Weltwirtschaft und der deutschen Wirtschaft im Herbst 2003 1. Die Lage der Weltwirtschaft | |||
| Bearbeiter | Institute | ||
| Beurteilung der Wirtschaftslage durch folgende Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute e. V., Hamburg: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Berlin Hamburgisches Welt-Wirtschafts-Archiv, Hamburg ifo Institut für Wirtschaftsforschung, München Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel Institut für Wirtschaftsforschung, Halle Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung, Essen Abgeschlossen in München am 17. Oktober 2003. | |||
| Überblick |
Die Weltkonjunktur hat sich im Laufe des Jahres 2003 belebt. Die Produktion nimmt seit dem Frühjahr beschleunigt zu, und die Perspektiven werden deutlich günstiger eingeschätzt. So haben sich weltweit das Geschäfts- und das Konsumklima verbessert, und die Aktienkurse sind nach langem und starkem Rückgang kräftig gestiegen. Verschiedentlich wird befürchtet, die Erholung könne sich ähnlich wie im vergangenen Jahr als kurzatmig erweisen, zumal die Beschleunigung des Nachfrageanstiegs in den USA wesentlich auf fiskalische Impulse zurückzuführen sei. Vieles spricht jedoch dafür, dass die weltwirtschaftliche Expansion dieses Mal auf einem festeren Fundament steht. Nach dem Ende des Krieges im Irak haben sich die weltpolitischen Unsicherheiten verringert. Die Anpassungsprozesse von Unternehmen und Banken beim Überwinden von Verwerfungen, die im Zuge der starken Expansion in der zweiten Hälfte der 90er Jahre entstanden waren, sind inzwischen weit fortgeschritten. Die Maßnahmen zur Kostensenkung zeigen Erfolge, die Gewinne steigen seit einiger Zeit spürbar. Die Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen wurden auch durch die Kursgewinne an den Börsen besser. Da die Wirtschaftspolitik zugleich ihren expansiven Kurs beibehalten hat, bestehen günstige Voraussetzungen dafür, dass sich die Weltwirtschaft nachhaltig belebt. Während der wirtschaftliche Abschwung im Jahre 2000 alle Länder annähernd gleichzeitig erfasst hatte, verläuft die konjunkturelle Erholung jetzt uneinheitlich. Vorreiter sind einmal mehr die USA. Die sehr expansiv ausgerichtete Makropolitik führte zu einem kräftigen Anstieg der Binnennachfrage. Als überraschend stark erwies sich - bei noch anhaltender Deflation - die Konjunkturerholung in Japan. Die Wirtschaft scheint dort auf einen höheren Wachstumspfad einzuschwenken, zumal der Produktionszuwachs nicht, wie verschiedentlich in den Jahren zuvor, durch verstärkte Staatsausgaben bedingt war. Die Restrukturierung der Unternehmen ist offenbar so weit fortgeschritten, dass die Nullzinspolitik der Notenbank und die kräftige Ausweitung der Zentralbankgeldmenge zunehmend Wirkung zeigen. Konjunktureller Nachzügler ist der Euroraum mit einer seit Herbst vergangenen Jahres stagnierenden gesamtwirtschaftlichen Aktivität. Die deutliche real effektive Aufwertung des Euro wirkte dämpfend, und die wirtschaftspolitischen Impulse waren vergleichsweise gering. Außerhalb der Industrieländer verlief die Entwicklung ebenfalls differenziert. In den ostasiatischen Schwellenländern wurde die vorübergehende, nicht zuletzt durch die Lungenkrankheit SARS bedingte Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik in den vergangenen Monaten überwunden. Gleichzeitig hat sich die Zunahme der Produktion in Russland deutlich beschleunigt, auch infolge des nach wie vor recht hohen Ölpreises. In den EU-Beitrittsländern, deren Konjunktur sich als robust gegenüber der Schwäche in den Industrieländern erwiesen hatte, stieg die Produktion anhaltend kräftig. Lateinamerika ist hingegen bisher von der weltwirtschaftlichen Erholung noch nicht erfasst worden. | ||
| Weltkonjunktur auf Erholungskurs |
Die bisherige Belebung der Weltkonjunktur ging nicht zuletzt auf wirtschaftspolitische Maßnahmen zurück. Die finanzpolitischen Impulse in den USA laufen jedoch im kommenden Jahr aus, in Japan wird der Konsolidierungskurs fortgesetzt, und im Euroraum dürfte die Finanzpolitik etwa neutral ausgerichtet sein. Gleichwohl stehen die Chancen für einen sich selbst tragenden Aufschwung gut. Stimulierend wirkt weiterhin die Geldpolitik; ihr Kurs wird sich im Prognosezeitraum trotz der konjunkturellen Erholung wenig ändern, weil das Preisklima allgemein ruhig bleibt. Die amerikanische Notenbank dürfte allerdings, um ihre Stabilitätsorientierung frühzeitig zu signalisieren, die Leitzinsen um die Mitte des nächsten Jahres leicht anheben, wenn eine konjunkturelle Erholung gesichert ist. Die japanische Zentralbank bleibt auf ihrem stark expansiven Kurs, und die EZB wird die Leitzinsen 2004 auf dem derzeitigen Stand halten, zumal sich der Preisanstieg im Euroraum abschwächt. Für die Prognose ist des Weiteren unterstellt, dass die Währungsrelationen konstant bleiben: Weder steigen die Kurse von Yen und Euro gegenüber dem US-Dollar nennenswert weiter, noch werten sich die restlichen Währungen Ostasiens auf. Außerdem wird von einem Rohölpreis in Höhe von 28 US-Dollar je Barrel im nächsten Jahr ausgegangen. Bei diesen Rahmenbedingungen wird sich die weltwirtschaftliche Erholung im kommenden Jahr fortsetzen (Tabellen 1.1 und 1.2). Dabei nimmt das konjunkturelle Gefälle zwischen den Regionen ab. In den USA verlangsamt sich der Anstieg der Nachfrage im Jahresverlauf leicht; das reale Bruttoinlandsprodukt wird allerdings weiterhin ähnlich stark zunehmen wie das Produktionspotential. Für Japan ist eine Fortsetzung der wirtschaftlichen Expansion zu erwarten. Das Tempo wird aber etwas geringer sein als zuletzt, auch weil der Yen wieder merklich höher bewertet ist. Im Euroraum werden sich Nachfrage und Produktion hingegen zunehmend beleben. Doch auch in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres wird sich die Produktionslücke nur wenig verringern. Das reale Bruttoinlandsprodukt in den Industrieländern insgesamt wird 2004 spürbar schneller steigen als in diesem Jahr. Mit 2,7 % wird der Anstieg etwa so hoch ausfallen wie die Rate im mittelfristigen Trend. Impulse für die Konjunktur in den Industrieländern gehen von dem kräftigen Produktionsanstieg in den asiatischen Schwellenländern aus. Nicht zuletzt im Zuge der hohen wirtschaftlichen Dynamik in China hat sich die Region wieder zu einem Wachstumszentrum der Weltwirtschaft entwickelt. In den EU-Beitrittsländern dürfte sich die gesamtwirtschaftliche Expansion mit der Belebung in Westeuropa spürbar beschleunigen. Anziehende Rohstoffpreise stützen die Produktion insbesondere in Russland und in Lateinamerika. Angesichts des Aufschwungs in der Weltwirtschaft wird der Welthandel deutlich zulegen; 2004 nimmt er um 7,5 % zu, nach jeweils 3,5 % in den beiden Vorjahren. | ||
| Zum Problem des Leistungsbilanzdefizits der USA |
Das hohe Leistungsbilanzdefizit der USA wird vielfach als ein Risiko für die weltwirtschaftliche Erholung angesehen. Es beträgt derzeit reichlich 5 % in Relation zum Bruttoinlandsprodukt und wird sich angesichts der stärkeren konjunkturellen Dynamik in den USA weiter erhöhen. Das Leistungsbilanzdefizit deutet darauf hin, dass in den USA weniger gespart als investiert wird. Finanziert wird die Differenz durch Kapitalimporte, also durch eine Zunahme der Nettoauslandsverschuldung. Entsteht im Inland die Erwartung einer Überschuldung, könnte es dort in erheblichem Umfang zu einem Anstieg der gesamtstaatlichen Sparquote und zum Ausfall von inländischer Nachfrage kommen. Wenn die ausländischen Investoren zu einer pessimistischeren Risikoeinschätzung kämen, könnte der Kapitalzustrom nur bei erhöhten Zinsen aufrechterhalten werden. Allerdings erklärt sich ein guter Teil des Kapitalimports aus der Erwartung hoher Renditen aufgrund kräftiger Produktivitätszuwächse und der Zunahme des Arbeitsangebots im Einwanderungsland USA. Entscheidend ist, ob sich diese Erwartungen auf Dauer halten. Erfahrungen in anderen Ländern zeigen, dass ein Defizit von 5 % in Relation zum Bruttoinlandsprodukt kaum über einen langen Zeitraum zu finanzieren ist. Es besteht also ein nicht unerhebliches Risiko, dass die Märkte über kurz oder lang einen Rückgang des Leistungsbilanzdefizits erzwingen werden. Ein Weg, um die Lücke zwischen Importen und Exporten zu verkleinern, wäre eine kräftige Abwertung des US-Dollar. Dieser verlor zwar in den letzten eineinhalb Jahren an Wert, jedoch hat dies nicht zu einer nennenswerten Reaktion des Leistungsbilanzdefizits geführt. Hierfür wäre eine weitere deutliche Abwertung erforderlich. Diese könnte sich sogar abrupt einstellen. Das Risiko für eine solche Entwicklung hat sich in jüngster Zeit erhöht. Hierauf deuten Verschiebungen in der Struktur des Kapitalimports hin: Kurzfristige Anlagen haben kräftig an Bedeutung gewonnen, zu Lasten von Anlagen mit längerer Laufzeit und speziell von Direktinvestitionen. Ein erheblicher Teil der Dollarnachfrage geht zudem in letzter Zeit nicht auf einzelwirtschaftliches, sondern auf wirtschaftspolitisches Kalkül zurück: Einige asiatische Zentralbanken haben in diesem Jahr die Aufwertung ihrer Währungen gegenüber dem US-Dollar durch Ankauf umfangreicher Dollarbestände verhindert (so die Zentralbank Chinas) oder gebremst (insbesondere die Bank von Japan). Damit ist aber die Finanzierung des US-Leistungsbilanzdefizits in erheblichem Maße von der Interventionspolitik der japanischen und der chinesischen Regierung abhängig. Für beide Länder steht nicht nur die Sorge um den Verlust an Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Güter im Vordergrund, sondern auch die Sorge um eine mögliche Belastung der dort höchst labilen Finanzmärkte. Eine weitgehende Freigabe der Wechselkurse durch die ostasiatischen Zentralbanken ist deshalb im Prognosezeitraum höchst unwahrscheinlich. Es bleibt das Risiko eines weiteren Vertrauensverlusts in den US-Dollar bei fortgesetzten Interventionen zugunsten von Yen und Yuan. In diesem Fall wäre es ähnlich wie in den vergangenen eineinhalb Jahren: Vor allem der Euroraum, die derzeit konjunkturell schwächste der wichtigen Wirtschaftsregionen, müsste die Last eines kräftigen Aufwertungsschubs tragen. Aufgrund der unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Intentionen der einzelnen Länder ist es daher möglich, dass es zu erheblichen Turbulenzen an den Devisenmärkten kommt. Zudem könnte in den USA die Neigung zu protektionistischer Handelspolitik zunehmen. All dies würde die weltwirtschaftliche Erholung beeinträchtigen. | ||
| Aufschwung in den USA festigt sich |
In den USA hat sich die konjunkturelle Expansion seit dem Frühjahr spürbar beschleunigt. Dies war zu einem erheblichen Teil Ergebnis eines starken fiskalischen Impulses. Zum einen stiegen die Verteidigungsausgaben deutlich. Zum anderen stützte die Steuerreform, die ab Mitte des Jahres wirksam wurde, bereits im Vorfeld den privaten Konsum. Dieser profitierte zudem bis zum Sommer von den niedrigeren Hypothekenzinsen, die viele Haushalte zur Umschuldung nutzten. Darüber hinaus erhöhte der langsamere Preisauftrieb die Kaufkraft. Bei den privaten Investitionen festigte sich die Aufwärtstendenz mit dem Wegfall des kriegsbedingten Attentismus. Die monetären Rahmenbedingungen haben sich weiter verbessert. Die Leitzinsen wurden im Juni nochmals gesenkt; die Federal Funds Rate liegt seitdem bei 1 %, dem tiefsten Stand seit 45 Jahren. Hinzu kam die Abwertung des US-Dollar. Die Kapitalmarktzinsen sind dagegen nach der Jahresmitte vor dem Hintergrund der anziehenden Konjunktur und wohl auch des drastischen Anstiegs des staatlichen Kapitalbedarfs wieder leicht gestiegen. Im kommenden Jahr dürfte die Zentralbank auf die gefestigte Konjunktur reagieren, zumal sich dann ihre Deflationssorgen verflüchtigt haben werden. Die Federal Funds Rate dürfte - vermutlich ab dem Frühsommer - leicht angehoben werden und am Jahresende bei rund 2 % liegen. Im gesamten Prognosezeitraum wird die Geldpolitik deutlich expansiv wirken. Die Finanzpolitik hat mit der vorgezogenen Implementierung der Steuerreform ihren Expansionsgrad nochmals erhöht. Zudem sind die Kosten, die im Zuge der Militäroperation im Irak anfallen, deutlich höher als noch im Frühjahr veranschlagt. Die Ausgaben für Sicherheit und Verteidigung werden hoch bleiben. Da der größere Teil der Steuersenkungen im kommenden Jahr wirksam wird, [1] fällt der Fehlbetrag im Bundeshaushalt 2004 abermals höher aus. Das gesamtstaatliche Defizit steigt allerdings in geringerem Ausmaß, da die Bundesstaaten aufgrund ihrer prekären Finanzlage verstärkt konsolidieren; gemessen am Bruttoinlandsprodukt dürfte es 2004 bei 4,4 % liegen, nach 3,9 % in diesem und 2,4 % im vergangenen Jahr. Der private Konsum wird in der zweiten Jahreshälfte 2003 und im ersten Halbjahr 2004 durch die Steuersenkungen kräftig angeregt; die finanzpolitischen Impulse schwächen sich jedoch ab. Auch dürfte sich angesichts des verlangsamten Immobilienpreisanstiegs und des zu erwartenden weiteren Anstiegs der Hypothekenzinsen die Sparneigung der privaten Haushalte etwas erhöhen. Entscheidend für den weiteren Verlauf der Konjunktur wird vor diesem Hintergrund sein, dass die Erholung auf den Arbeitsmarkt übergreift. Gegenwärtig gibt es Zweifel, ob die Beschleunigung der Konjunktur bald zu einer deutlichen Ausweitung der Beschäftigung führt. Sie gründen sich auf die durch Unternehmensbefragungen ermittelten Beschäftigtenzahlen; diese wiesen bis vor kurzem einen starken Rückgang aus. Dagegen zeigen die aus Haushaltsbefragungen abgeleiteten Zahlen bereits seit Anfang 2002 eine Aufwärtstendenz (Abbildung 1.1). Die Diskrepanz beruht wohl zu einem großen Teil auf Erfassungsproblemen. So führt der verstärkte Trend zum Outsourcing offenbar dazu, dass Arbeitnehmer aus der Unternehmensstatistik herausfallen, da die ausgelagerten Unternehmensteile nicht in der Befragungsstichprobe enthalten sind. Dies spricht dafür, dass die Haushaltsbefragungen derzeit die Beschäftigungsentwicklung besser beschreiben. Somit scheint die Lage am Arbeitsmarkt günstiger zu sein als vielfach angenommen. Mit der konjunkturellen Belebung ist eine beschleunigte Beschäftigungsexpansion zu erwarten. Gestützt durch die damit verbundenen Einkommenszuwächse wird der private Konsum im Laufe des Jahres trotz des Fehlens weiterer steuerlicher Impulse nur leicht an Schwung verlieren. Vor dem Hintergrund der günstigeren Absatz- und Ertragsaussichten werden die Unternehmensinvestitionen rascher ausgeweitet. Zwar dürfte das Tempo, gemessen an der Entwicklung in den 90er Jahren, wegen der noch nicht abgeschlossenen Konsolidierung zunächst moderat bleiben; der Aufschwung erhält aber insgesamt eine ausgewogenere, nachhaltigere Struktur. Die Exporte, die bis in den Sommer hinein rückläufig waren, werden sich im Zuge der weltwirtschaftlichen Belebung erholen; das Tempo des Importanstiegs bleibt allerdings höher. Das reale Bruttoinlandsprodukt dürfte im Jahresdurchschnitt 2003 um 2,7 % und im kommenden Jahr um rund 3,6 % steigen (Abbildung 1.2); die negative Produktionslücke in den USA wird bis Ende 2004 nahezu geschlossen. Der Preisanstieg dürfte sich im Jahresverlauf leicht beschleunigen, insgesamt aber moderat bleiben. Ein Risikofaktor ist neben dem weiter steigenden Defizit in der Leistungsbilanz, dass das Budgetdefizit auf absehbare Zeit sehr hoch bleibt. Es birgt die Gefahr, dass die Zinsen zur Finanzierung des staatlichen Kapitalbedarfs stark anziehen und die Konjunktur belasten. | ||
| Deutlicher Produktionsanstieg in Japan |
Die japanische Wirtschaft expandiert seit Beginn des vergangenen Jahres spürbar (Abbildung 1.3). Dabei verlagerten sich die Auftriebskräfte von der Auslandsnachfrage zunehmend hin zur privaten Binnennachfrage. Infolge deutlicher Gewinnzuwächse und verbesserter Absatzerwartungen nahmen vor allem die Unternehmensinvestitionen kräftig zu. Die Stabilisierung der Lage auf dem Arbeitsmarkt stützte die Expansion des privaten Verbrauchs. Vieles spricht dafür, dass die Konjunktur derzeit robuster ist als in den kurzen Erholungsphasen 1996 und 1999. Die Restrukturierung im Unternehmenssektor ist deutlich vorangekommen. Anders als in früheren Perioden wirtschaftlicher Belebung spielen expansive Impulse der Finanzpolitik keine Rolle; die Staatsausgaben werden seit Mitte 2002 langsam zurückgeführt, und den Steuersenkungen, die in diesem Jahr in Kraft traten, stehen Abgabenerhöhungen gegenüber. Deutlich expansiv ausgerichtet bleibt die Geldpolitik. Die Bank von Japan hat nicht nur an der Nullzinspolitik festgehalten und die Liquidität am Geldmarkt nochmals massiv gesteigert; sie hat auch über erhöhte Aufkäufe von Regierungsanleihen die Zinsen am Kapitalmarkt gedrückt, durch den Erwerb von Aktienpaketen aus den Depots der Banken eine spürbare Erholung der Aktienkurse gefördert und zuletzt sogar begonnen, Forderungen von Unternehmen außerhalb des Bankensektors zu kaufen. Diese unkonventionellen Maßnahmen trugen dazu bei, dass sich die Zukunftserwartungen von Unternehmen und Verbrauchern aufgehellt haben.
Eine geldpolitische Richtungsänderung ist für den Prognosezeitraum nicht zu erwarten, zumal die Deflation nur allmählich ausläuft. Allerdings haben sich die monetären Rahmenbedingungen zuletzt dadurch verschlechtert, dass eine spürbare Aufwertung des Yen gegenüber dem US-Dollar zugelassen wurde, die bis vor kurzem durch umfangreiche Interventionen am Devisenmarkt verhindert worden war. Damit nahm die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Produzenten ab. Bremsend wirken überdies nach wie vor ungelöste Strukturprobleme im Bankensektor, die die Finanzierung privater Investitionen erschweren. So ist zu erwarten, dass der konjunkturelle Aufschwung etwas an Fahrt verliert.
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 1.1
Reales Bruttoinlandsprodukt, Verbraucherpreise und Arbeitslosenquote
in Europa
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Bruttoinlands- Verbraucher- Arbeitslosen-
produkt preise (1) quote (2) in %
Veränderung gegenüber dem
Gewicht Vorjahr in %
(BIP)
in % 2002 2003 2004 2002 2003 2004 2002 2003 2004
Deutschland 22,0 0,2 0,0 1,7 1,3 1,0 1,3 8,6 9,3 9,5
Frankreich 15,9 1,2 0,3 1,6 1,9 2,0 1,6 8,8 9,4 9,5
Italien 13,1 0,4 0,2 1,4 2,6 2,7 2,2 9,0 8,7 8,4
Spanien 7,2 2,0 2,1 2,6 3,6 3,1 2,5 11,3 11,4 11,3
Niederlande 4,6 0,2 -0,6 0,9 3,9 2,2 1,7 2,8 4,1 5,0
Belgien 2,7 0,7 0,9 1,6 1,6 1,5 1,5 7,3 8,0 8,1
Österreich 2,3 1,1 0,8 1,6 1,7 1,2 1,2 4,3 4,5 4,5
Finnland 1,5 2,2 1,1 2,5 2,0 1,3 1,5 9,1 9,2 8,9
Griechenland 1,5 4,0 4,4 4,0 3,9 3,5 4,0 10,0 9,4 9,0
Portugal 1,3 0,4 -0,8 1,2 3,7 3,2 2,3 5,0 6,8 7,5
Irland 1,3 6,9 1,9 3,5 4,7 4,1 3,2 4,4 4,7 4,8
Luxemburg 0,2 1,1 1,0 2,3 2,1 2,4 2,1 2,8 3,7 3,9
Euroraum (3) 73,6 0,9 0,4 1,7 2,3 2,0 1,7 8,4 8,8 8,9
Großbritannien 17,3 1,7 2,0 3,0 1,3 1,4 1,5 5,1 5,1 5,0
Schweden 2,7 1,9 1,5 2,4 2,0 2,1 1,8 4,9 5,4 5,4
Dänemark 1,9 2,1 0,6 1,5 2,4 2,1 2,0 4,5 5,2 5,2
EU 15 (3) 95,5 1,0 0,8 2,0 2,1 1,9 1,7 7,7 8,1 8,1
Polen 2,0 1,4 3,2 3,8 1,9 0,8 2,0 19,9 20,0 19,0
Tschechien 0,8 2,0 2,5 3,3 1,8 0,0 2,0 7,3 7,0 6,8
Ungarn 0,7 3,3 2,5 3,0 5,3 4,5 5,5 5,6 5,8 5,6
Slowakei 0,3 4,4 3,8 4,3 3,3 8,3 6,0 18,6 16,5 15,5
Slowenien 0,2 3,2 2,4 3,0 7,5 6,1 5,5 6,0 5,8 5,6
Litauen 0,1 6,7 6,8 6,0 0,3 -1,0 1,0 13,1 11,3 10,5
Zypern 0,1 2,0 2,5 3,5 2,8 4,0 2,5 3,9 4,2 4,0
Lettland 0,1 6,1 6,0 5,5 1,9 2,8 3,0 12,8 12,0 11,5
Estland 0,1 6,0 4,2 4,5 3,6 1,5 2,0 9,1 8,5 8,2
Malta 0,0 1,2 1,0 2,0 2,2 1,0 2,5 7,4 7,8 7,6
EU-Beitritts-
länder 4,5 2,4 3,1 3,7 2,8 2,1 3,0 14,8 14,6 13,8
EU 25 (3) 100,0 1,2 0,9 2,1 2,1 1,9 1,8 8,9 9,1 9,0
Nachrichtlich:
Exportgewichtet
(4) - 1,4 1,1 2,1 2,4 2,1 2,0 - - -
-------------------------------------------------------------------------------
(1) EU 15: Harmonisierter Verbraucherpreisindex.
(2) Standardisiert.
(3) Summe der aufgeführten Länder. Bruttoinlandsprodukt und Verbraucherpreise
gewichtet mit dem Bruttoinlandsprodukt von 2002 in US-Dollar;
Arbeitslosenquote gewichtet mit der Zahl der zivilen Erwerbspersonen von
2001.
(4) Summe der aufgeführten Länder. Gewichtet mit den Anteilen an der
deutschen Ausfuhr von 2002.
Quellen: OECD; ILO; IMF; Statistisches Bundesamt; Berechnungen
der Institute; 2003 und 2004: Prognose der Institute.
GD Herbst 2003
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 1.2
Reales Bruttoinlandsprodukt, Verbraucherpreise und Arbeitslosenquote
in der Welt
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Bruttoinlands- Verbraucher- Arbeitslosen-
produkt preise quote in %
Veränderung gegenüber dem
Gewicht Vorjahr in %
(BIP)
in % 2002 2003 2004 2002 2003 2004 2002 2003 2004
Industrieländer
EU 25 31,0 1,2 0,9 2,1 2,1 1,9 1,8 8,9 9,1 9,0
Schweiz 0,9 0,2 -0,2 1,2 0,6 0,5 0,8 2,8 3,7 3,9
Norwegen 0,7 0,9 0,5 1,6 0,8 2,2 1,6 3,9 4,5 4,5
West- und
Mitteleuropa 32,6 1,1 0,8 2,0 2,0 1,9 1,7 8,8 9,0 9,0
USA 35,9 2,4 2,7 3,6 1,6 2,3 2,3 5,8 6,0 5,7
Japan 13,7 0,1 2,7 2,0 -0,9 -0,3 -0,3 5,4 5,3 5,3
Kanada 2,5 3,3 2,3 3,3 2,2 2,7 2,0 7,6 7,7 7,5
Industrieländer
insg. 84,6 1,6 2,0 2,7 1,4 1,7 1,7 7,2 7,4 7,3
Schwellenländer
Russland 1,2 4,3 6,0 5,5 15,8 14,0 12,0 8,0 7,5 7,5
Ostasien (1) 4,5 4,8 3,0 5,0 . . . . . .
China 4,8 8,0 8,0 8,0 . . . . . .
Lateinamerika (2) 4,9 -0,2 0,7 3,0 . . . . . .
Schwellenländer
insg. 15,4 4,2 4,1 5,3 . . . . . .
Insgesamt (3) 100,0 2,0 2,3 3,1 . . . . . .
Nachrichtlich:
Exportgewichtet 1,6 1,5 2,6 . . . . . .
Welthandel, real 3,2 3,5 7,5 . . . . . .
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(1) Gewichteter Durchschnitt aus: Südkorea, Taiwan, Indonesien, Thailand,
Malaysia, Singapur, Philippinen. Gewichtet mit dem Bruttoinlandsprodukt von
2002 in US-Dollar.
(2) Gewichteter Durchschnitt aus: Brasilien, Mexiko, Argentinien, Kolumbien,
Venezuela, Chile. Gewichtet mit dem Bruttoinlandsprodukt von 2002 in
US-Dollar.
(3) Summe der aufgeführten Ländergruppen. Gewichtet mit dem
Bruttoinlandsprodukt von 2002 in US-Dollar.
Quellen: OECD; ILO; IMF; Statistisches Bundesamt; Berechnungen
der Institute; 2003 und 2004: Prognose der Institute.
GD Herbst 2003
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