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Wochenbericht des DIW Berlin 43/04

Die Lage der Weltwirtschaft und der deutschen Wirtschaft im Herbst 2004

2. Die wirtschaftliche Lage in der Europäischen Union

Bearbeiter Institute
Beurteilung der Wirtschaftslage durch folgende Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute e. V., Hamburg:

DIW Berlin, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Hamburgisches Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA)
ifo Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel
Institut für Wirtschaftsforschung Halle
RWI Essen, Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung

Abgeschlossen in Halle (Saale) am 15. Oktober 2004.
Belebung im Euroraum setzt sich fort Im Euroraum hielt die konjunkturelle Erholung im bisherigen Jahresverlauf an. Im ersten Halbjahr 2004 stieg das reale Bruttoinlandsprodukt schneller als im zweiten Halbjahr 2003 (Abbildung 2.1). Entscheidend waren die sehr kräftigen Impulse aus den lebhaft expandierenden Weltregionen, die die retardierenden Effekte des Ölpreisanstiegs kompensierten. Demgegenüber nahm die Inlandsnachfrage bei annähernd neutraler Finanz- und weiterhin expansiv ausgerichteter Geldpolitik verhalten zu. Der Anstieg des privaten Konsums wurde dadurch gedämpft, dass die real verfügbaren Einkommen in den letzten Monaten infolge der erheblichen Energieverteuerung verlangsamt gestiegen sind. Die Bruttoanlageinvestitionen haben stagniert. Trotz niedriger Zinsen sowie verbesserter Ertragslage stiegen die Ausrüstungsinvestitionen nur wenig; die Bauinvestitionen gingen sogar weiter zurück, wenn auch nicht mehr so rasch wie zuvor. Bei einem leichten Anstieg der Beschäftigung verharrte die Erwerbslosenquote bei 9 %. Die Inflation hat sich infolge der neuerlichen kräftigen Erhöhung der Energiepreise wieder beschleunigt; im August lagen die Konsumentenpreise um
2,3 % höher als ein Jahr zuvor. Die Kerninflationsrate blieb nahezu unverändert bei 1,9 % (Tabelle 2.1).

Allerdings zeigen sich beträchtliche Unterschiede zwischen den Ländern des Euroraums, sowohl was die Stärke der Expansion als auch was deren Triebkräfte angeht (Abbildung 2.2). Während die Binnennachfrage in Deutschland, in Italien und in den Niederlanden nur verhalten expandierte, stützte sie in Spanien, aber auch in Frankreich in starkem Maße die Konjunktur. Insbesondere belebte sich dort der private Konsum spürbar. Dieser wurde u. a. durch positive Vermögenseffekte aufgrund stark steigender Immobilienpreise angeregt. Insbesondere die spanischen Immobilienmärkte profitieren schon seit Mitte der 90er Jahre davon, dass der Realzins im Zuge der Europäischen Währungsunion stark gesunken ist. Dies förderte auch die Bruttoanlageinvestitionen. In Deutschland entwickelten sie sich hingegen mit Abstand am schlechtesten. Gleichzeitig verbesserte sich allerdings dank der geringeren Preissteigerung hierzulande die Wettbewerbsposition deutscher Produzenten. Auch deshalb nahmen die deutschen Exporte seit 2001 im Vergleich zum übrigen Euroraum besonders stark zu; sie kompensierten damit teilweise die äußerst schwache Entwicklung der Binnennachfrage. Die Divergenzen im Konjunkturverlauf zwischen den Ländern spiegeln sich auch auf dem Arbeitsmarkt wider: Während die Beschäftigung seit dem Jahr 2001 in den Ländern mit robusterer Nachfrage zumindest konstant blieb, ist sie in Deutschland und in den Niederlanden gesunken.

Finanzpolitik annähernd neutral ausgerichtet Die Lage der öffentlichen Finanzen im Euroraum hat sich im bisherigen Verlauf dieses Jahres insgesamt weiter verschärft. [7] Hier wird sich das Defizit in diesem Jahr von 2,7 % auf 2,9 % in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt erhöhen (Tabelle 2.2). Die Verschlechterung der Budgetsituation war dabei weitgehend konjunkturbedingt; das strukturelle Defizit blieb nahezu konstant. [8] Die meisten Länder werden die in den aktuellen Stabilitätsprogrammen angestrebten Haushaltsziele wiederum verfehlen. Wie schon im letzten Jahr werden Frankreich, Deutschland und Griechenland die Defizitgrenze verletzen, außerdem erneut Portugal. Gegen die Niederlande, für die ein Defizit von 3 % erwartet wird, wurde eine Frühwarnung ausgesprochen.

In Italien hat sich die Haushaltslage in besonderem Maße verschärft. Bereits in der Vergangenheit wurde hier das Überschreiten der Obergrenze von 3 % nur durch einmalige Maßnahmen verhindert. Vor allem die Steueramnestie, in deren Rahmen für die straffreie Deklarierung von ausländischem Schwarzgeld einmalig Steuern zu zahlen waren, hat zu zusätzlichen Einnahmen geführt. In einem mehrjährigen Wirtschaftsplan hat Italien für 2005 weitere Haushaltsentlastungen in Höhe von 1,7 % des Bruttoinlandsprodukts angekündigt. Das Defizit soll so auf 2,7 % zurückgeführt werden. Nach den bisherigen Erfahrungen ist es aber nicht wahrscheinlich, dass die Maßnahmen in vollem Umfang umgesetzt werden. Ein höheres Defizit ist auch deshalb zu erwarten, da die Konjunkturprognose der Regierung zu optimistisch erscheint.

In vielen Ländern werden im Jahre 2005 abermals Reformen durchgeführt, um den Anstieg der Sozialleistungen zu begrenzen und die Ausgabenexpansion der öffentlichen Haushalte zu reduzieren. In einigen Ländern - so etwa in Deutschland, Österreich und Italien - wird allerdings auch die Einkommensteuer gesenkt. Die Wirkung der Finanzpolitik bleibt dabei im Euroraum insgesamt annähernd neutral. Im Gefolge der gegenwärtigen konjunkturellen Erholung werden die Staatseinnahmen wieder stärker steigen. So sinkt die Defizitquote im nächsten Jahr leicht auf 2,7 %, nach 2,9 % in diesem Jahr.

Verhaltener Lohnanstieg im Euroraum Die Lohnzuwächse im Euroraum blieben in der ersten Jahreshälfte moderat. Die Arbeitnehmerentgelte je Arbeitnehmer lagen ebenso wie die Arbeitskosten je Stunde um etwa 2 % über dem Vorjahresniveau. Dabei hielten die deutlichen Diskrepanzen zwischen den einzelnen Mitgliedsländern der EWU an. Während in Deutschland die Arbeitnehmerentgelte je Arbeitnehmer im zweiten Quartal 2004 den Wert des Vorjahresquartals um lediglich 0,5 % überstiegen, betrug der Zuwachs in Spanien 4,0 %. Der Anstieg der Lohnstückkosten im Euroraum verlangsamte sich aufgrund des beschleunigten Produktivitätszuwachses weiter; er liegt nunmehr bei weniger als 1 %.

Wesentlich für die Lohnentwicklung im Prognosezeitraum ist, ob und in welchem Ausmaß eine Kompensation für ölpreisbedingte Kaufkraftverluste erfolgt. In den 70er Jahren war es im Gefolge der Ölpreisschocks zu stabilitätsgefährdenden Preis-Lohn-Spiralen gekommen. Damals hatten Lohnindexierungsmechanismen jedoch eine weitaus größere Bedeutung. Zudem hat sich der Organisationsgrad der Arbeitnehmer in vielen Ländern deutlich verringert.

Das Potential für Lohnerhöhungen wird darüber hinaus durch die hohe Arbeitslosigkeit und den hohen internationalen Wettbewerbsdruck begrenzt. Die Einschätzung der Institute, dass nicht mit nennenswerten Effekten auf die Lohnentwicklung zu rechnen ist, wird gestützt durch die Erfahrung nach dem starken Ölpreisanstieg in den Jahren 1999 und 2000, auf den die Löhne im Euroraum trotz günstigerer konjunktureller Lage kaum reagierten. So dürften die Arbeitnehmerentgelte je Arbeitnehmer im Prognosezeitraum in wenig verändertem mäßigen Tempo zunehmen. Bei fortgesetzt kräftig steigender Produktivität werden sich die Lohnstückkosten weiterhin nur sehr moderat erhöhen. Dabei bleibt die Entwicklung in den einzelnen Ländern differenziert; in Deutschland sinken die Lohnstückkosten sogar.

Günstige monetäre Rahmenbedingungen Der maßgebliche Leitzins der EZB befindet sich seit Juni 2003 auf einem Niveau von 2 %; der Dreimonatsgeldmarktsatz liegt seither nur wenig höher. Bei einer Kerninflationsrate von zuletzt 1,9 % impliziert dies einen kurzfristigen Realzins nahe null. [9] Damit ist die Geldpolitik im Euroraum deutlich expansiv. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen, die zur Jahresmitte 2004 vorübergehend angezogen hatte, beträgt gegenwärtig 4 %. Die Kreditzinsen dürften sich seit dem Frühjahr kaum verändert haben; allerdings gestalteten die Geschäftsbanken ihre Kreditvergabebedingungen weniger restriktiv als zuvor. Die Aktienkurse gaben etwas nach. Insgesamt haben sich die Finanzierungsbedingungen für die Unternehmen im vergangenen halben Jahr kaum verändert. Der real effektive Wechselkurs des Euro hat seit September 2003 um 3 % aufgewertet; in den vergangenen sechs Monaten gab er geringfügig nach. Alles in allem blieben die monetären Rahmenbedingungen nahezu unverändert und im historischen Vergleich günstig.

Die Vergabe der Buchkredite an den privaten Sektor hat sich in den vergangenen Monaten leicht beschleunigt; der Zuwachs lag im August mit 6 % gegenüber dem Vorjahr um 0,6 Prozentpunkte über der Rate zu Jahresbeginn. Vergleichsweise rasch erhöhte sich der Anstieg der Kredite an Privatpersonen auf zuletzt 7,5 %. Die Kredite an den Unternehmenssektor expandierten mit 4 % ebenfalls schneller. Die Ausweitung der Geldmenge M3, die sich im Frühjahr deutlich abgeflacht hatte, nahm wieder zu; im August betrug sie im Vorjahresvergleich 5,5 % (Abbildung 2.3).

Im Prognosezeitraum dürfte die EZB den Expansionsgrad der Geldpolitik leicht verringern; die Institute erwarten einen Anstieg der Leitzinsen um einen 1/4 Prozentpunkt im Frühjahr des kommenden Jahres. Ausschlaggebend ist, dass die EZB nach dem Wegfall der Deflationsrisiken vom vergangenen Jahr von einem ungewöhnlich niedrigen Zinsniveau auf ein der konjunkturellen Situation angemessenes Niveau übergehen möchte. Grundsätzlich spräche dies für einen baldigen Zinsschritt. Angesichts der Risiken für die realwirtschaftliche Entwicklung, die im Winterhalbjahr vom Ölpreis und der sich abschwächenden Weltkonjunktur ausgehen, dürfte die EZB aber zunächst noch abwarten. Erst wenn sich im Frühjahr 2005 abzeichnet, dass die Konjunktur im Euroraum - der vorliegenden Prognose entsprechend - gefestigt ist, wird sie mit der Zinsanhebung signalisieren, dass sie die Preisniveaustabilität im Auge behält. Dieser Zinsschritt steht im Einklang mit dem Taylor-Zins.

Ausblick Die konjunkturelle Erholung dürfte sich bis zum Jahresende 2004 in wenig verändertem Tempo fortsetzen. Hierauf deuten Frühindikatoren wie die Auftragseingänge oder das Verbrauchervertrauen hin. Auch für den Verlauf im Jahre 2005 ist nicht mit einer Beschleunigung der gesamtwirtschaftlichen Expansion zu rechnen (Abbildung 2.1). Auf der einen Seite kräftigt sich die Inlandsnachfrage in der Tendenz bei weiterhin expansiver Geldpolitik und annähernd neutraler Finanzpolitik. Vor allem dürften sich die Bruttoanlageinvestitionen erholen, da sich die Ertragslage der Unternehmen bei verlangsamt steigenden Lohnstückkosten weiter verbessert. Ferner ist in den vergangenen Jahren infolge der Unternehmenskonsolidierung vielfach Nachholbedarf entstanden, der allmählich gedeckt wird. Der private Konsum hingegen expandiert weiterhin nur langsam: zum einen, weil die Realeinkommen nur sehr verhalten steigen - Steuererleichterungen werden vielfach durch höhere Gebühren und Abgaben kompensiert; zum anderen, weil die in einigen Ländern von den ordnungs- und sozialpolitischen Reformen ausgelöste Verunsicherung der Verbraucher nur allmählich abnimmt.

Auf der anderen Seite lässt jedoch die Exportdynamik nach. Entscheidend dafür ist die schwächere Nachfrageexpansion in Nordamerika und in den asiatischen Schwellenländern, während die Lieferungen nach Mittel- und Osteuropa sowie in die Ölexportländer weiter sehr lebhaft zunehmen. Da die Einfuhr in wenig verändertem Tempo steigt, trägt der Außenhandel in geringerem Maße zur konjunkturellen Expansion bei. Das reale Bruttoinlandsprodukt dürfte im Euroraum im Jahre 2005 um 2,0 % expandieren, nach 1,9 % im laufenden Jahr (Tabelle 2.3). Dabei erhöht sich die Beschäftigung nur wenig; die Arbeitslosenquote sinkt geringfügig auf 8,8 %. Der Preisauftrieb lässt im späteren Verlauf des Jahres 2005 nach, da der Ölpreis langsam sinkt und die Nachwirkungen des letzten Ölpreisschubs abklingen. Auch bleibt im Allgemeinen der Spielraum für Preiserhöhungen konjunkturbedingt gering. Die Konsumentenpreise dürften im Jahresdurchschnitt um 1,9 % höher liegen als in diesem Jahr.

Kräftige Expansion in Großbritannien Der im Sommer 2003 begonnene Aufschwung hat sich in Großbritannien in diesem Jahr fortgesetzt. Bei einer noch expansiv wirkenden Geldpolitik und fortgesetzt stimulierender Finanzpolitik wurde er weiterhin vor allem durch die Inlandsnachfrage getragen. Der private Konsum expandierte erneut rascher, getrieben von einem ungeachtet der höheren Ölpreise deutlichen Anstieg des realen verfügbaren Einkommens, günstigen Beschäftigungsperspektiven und starken Vermögensgewinnen vor allem aus einer - bis in den Sommer hinein - kräftigen Zunahme der Immobilienpreise. Aber auch die gewerblichen Investitionen stiegen, bei wieder zunehmender Auslastung in der Industrie, merklich. Zugleich expandiert die Ausfuhr weiter deutlich, wenn auch die britischen Unternehmen auf den Weltmärkten Anteile einbüßten.

Inzwischen sind die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten hoch ausgelastet, und auch am Arbeitsmarkt werden Spannungen sichtbar. Die Arbeitslosigkeit ist auf ein Niveau abgesunken, bei dem die Gefahr einer Beschleunigung des Lohnauftriebs und damit auch des - bisher geringen - Preisanstiegs hoch ist. Die Bank von England hat die zunehmenden Risiken für die Preisstabilität betont und den Leitzins seit dem vergangenen November um insgesamt 1,25 Prozentpunkte angehoben. Angesichts erster Anzeichen einer konjunkturellen Abkühlung ist eine nur noch geringe weitere Anhebung des Leitzinses zu erwarten. Auch die langfristigen Zinsen sind merklich gestiegen. Zudem wird die Finanzpolitik angesichts des hohen Budgetdefizits auf einen etwa neutralen Kurs einschwenken.

Bei nachlassenden Impulsen von Seiten der Wirtschaftspolitik und einer langsameren Expansion der Weltwirtschaft wird sich der Aufschwung deutlich abkühlen - dies umso mehr, als die privaten Haushalte kaum noch von Vermögenseffekten profitieren. Die wieder höheren Zinsen auch für Hypotheken haben maßgeblich dazu beigetragen, dass die Immobilienpreise zuletzt nicht mehr gestiegen sind; ein leichter Rückgang im Prognosezeitraum ist wahrscheinlich. Zugleich verringert sich die Möglichkeit der privaten Haushalte, Kredite für Konsumzwecke aufzunehmen, und die Zinsbelastung nimmt bei den großenteils mit variablen Zinsen ausgestatteten Hypothekendarlehen zu. Der private Konsum wird daher merklich langsamer expandieren. Mit höheren Finanzierungskosten und weniger günstigen Absatzperspektiven wird auch die Investitionsneigung nachlassen. Zugleich dürfte der Außenbeitrag sich wieder leicht verschlechtern. Insgesamt dürfte sich die Expansion des realen Bruttoinlandsprodukts im Verlauf deutlich vermindern. Im Jahresergebnis 2005 wird es mit knapp 3 %, nach reichlich 3 1/2 % in diesem Jahr, zunehmen. Die Arbeitslosigkeit verharrt auf niedrigem Stand. Zugleich dürfte die Inflationsrate in der Nähe des Ziels der Bank von England (2 %) liegen.

Anhaltend hohe wirtschaftliche
Dynamik in den neuen Mitgliedsländern
In den neuen Mitgliedsländern der Europäischen Union nahm das reale Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr 2004 erneut kräftig zu. Die Wachstumsdynamik wurde weiterhin von der Binnennachfrage getragen, zuletzt auch in Polen und in der Slowakei, wo der Produktionsanstieg im vergangenen Jahr wesentlich auf einen verbesserten Außenbeitrag zurückging. Während der private Konsum unverändert rasch ausgeweitet wurde, belebte sich fast überall die Investitionstätigkeit. Der Außenbeitrag verringerte sich vorübergehend auch deswegen, weil in den ersten Monaten dieses Jahres vermehrt Waren aus Drittstaaten eingeführt wurden, für die mit dem EU-Beitritt höhere Zollsätze Anwendung finden. Die Leistungsbilanzdefizite wurden aber auch deshalb größer, weil immer höhere Gewinnzahlungen an ausländische Investoren flossen.

Der Anstieg der Verbraucherpreise hat sich bis zuletzt in den meisten Ländern beschleunigt. Zum einen wurden administrierte Preise angehoben, nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt. Zum anderen wirkten sich die höheren Ölpreise und eine witterungsbedingte Teuerung bei den Nahrungsmitteln aus.

Im Prognosezeitraum wird sich das Expansionstempo in den neuen Mitgliedsländern verlangsamen. Für den Jahresdurchschnitt 2005 wird ein Zuwachs von 4,3 % erwartet. Hierin spiegelt sich vor allem die deutliche Abflachung der Konjunktur in Polen wider, wo die Aufwertung des Zloty gegenüber dem Euro den Außenbeitrag belastet. Zudem wird der private Konsum aufgrund geringer Beschäftigungs- und Reallohnzuwächse in Polen nur moderat zulegen, die Investitionen jedoch dürften deutlich zunehmen. In den anderen Ländern bleibt das Expansionstempo in etwa unverändert; besonders hoch ist es nach wie vor in den baltischen Ländern.

Mit Blick auf den Beitritt zum Euroraum und somit die Einhaltung der Maastricht-Kriterien zeichnet sich eine gewisse Verbesserung gegenüber dem Frühjahr ab. Der Preisanstieg wird sich mit dem Auslaufen vorübergehender Effekte im Allgemeinen wieder verringern. Die erforderliche Konsolidierung der Staatshaushalte in den mitteleuropäischen Staaten wird vorankommen, wenn auch nur langsam. Nachdem im Juni bereits Estland, Litauen und Slowenien dem Wechselkursmechanismus II beigetreten sind, werden im Prognosezeitraum voraussichtlich Lettland, Malta und Zypern folgen.

Risiken für die zukünftige Entwicklung gehen von der Entwicklung der Leistungsbilanzen aus. Im ersten Halbjahr 2004 nahmen die ohnehin überdurchschnittlich hohen Defizite der baltischen Länder noch einmal zu; sie liegen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt nunmehr in allen drei Ländern im zweistelligen Bereich. Insbesondere in Lettland gibt es Anzeichen einer Überhitzung. Der Anstieg der Inflationsrate von
3,6 % im Dezember 2003 auf 7,8 % im August 2004 dürfte nicht nur auf angebotsseitige Preisschübe, sondern auch auf die starke Nachfrage der privaten Haushalte zurückzuführen sein, die durch kräftige Lohnsteigerungen und eine kräftige Ausweitung der Kredite gestützt wurde. Problematisch ist die Lage auch in Ungarn, wo das Leistungsbilanzdefizit mit einem hohen Defizit des Staatshaushaltes einhergeht.

[7] Die Beurteilung der laufenden Entwicklung wird durch teilweise erhebliche Revisionen erschwert. So hat etwa Griechenland für das Defizit im Jahre 2004 zunächst 1,2 %, etwas später aber 5,3 % genannt.

[8] Vgl. OECD: Economic Survey Euro Area 2004. Paris 2004, S. 58.

[9] Die Kerninflationsrate wird hier mit der Veränderungsrate des Harmonisierten Verbraucherpreisindex ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak approximiert.

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