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| Wochenbericht des DIW Berlin 44/02 Nach wie vor große Bedeutung metallischer Rohstoffe | |||
| Bearbeiter | Eberhard Wettig | ||
| Zum Bild einer modernen Wirtschaft gehört häufig die Vorstellung, dass durch die Expansion des Dienstleistungssektors die Bedeutung der Industrie und damit auch der Verbrauch mineralischer Rohstoffe zurückgehen würden. Tatsächlich nimmt deren Verbrauch selbst in hochentwickelten Volkswirtschaften weiter zu oder verharrt auf hohem Niveau. Dies liegt vor allem daran, dass sich viele Metalle, die früher in teilweise wenig anspruchsvollen Einsatzgebieten Verwendung fanden, zu hochwertigen Spezialwerkstoffen auch für moderne Zukunftsindustrien gewandelt haben. Zunehmend wird erkannt, dass die vermeintlich überholte "Old Economy" trotz schrumpfenden Anteils am Bruttoinlandsprodukt eine Grundlage auch der modernen Informations- und Dienstleistungsgesellschaft bleibt. Bei der aktuellen Diskussion über einen notwendigen Strukturwandel sollten in diesem Zusammenhang auch Arbeitsmarkt- und Umweltaspekte nicht übersehen werden.
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| Weiterhin große Bedeutung der Metalle für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung |
Metallische Werkstoffe werden zum Teil seit Jahrtausenden genutzt (Bronze, Kupfer, Eisen, Blei, Gold, Silber); sie bildeten die Grundlage für die stürmische industrielle Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert. Die Montanindustrie bestimmte mit der Erzeugung und Verarbeitung von Metallen die gesamtwirtschaftliche Entwicklung bis weit in das 20. Jahrhundert, verlor dann aber gegenüber neuen Industrien und den Dienstleistungsbereichen zunehmend an Gewicht. In Deutschland liegt der Anteil von Metallerzeugung und -bearbeitung und deren wichtigsten Abnehmerindustrien an der Bruttowertschöpfung des produzierenden Gewerbes seit 1970 bei rund 40 %. Gleichzeitig sank der Anteil dieses Bereichs am Bruttoinlandsprodukt von 18 % auf 12 % (Tabelle 1). Der sich beschleunigende technologische Wandel und die steigenden Qualitätsanforderungen an die Werkstoffe führten in zahlreichen Einsatzgebieten infolge der Miniaturisierung und der Einführung neuer Werkstoffe (Substitution) zu Absatzeinbußen für die etablierten Metalle. Durch sparsamere, "versteckte" Verwendungen verloren die "alten" Metalle auch im Bewusstsein der Verbraucher an Stellenwert. Der Trend zur Verlagerung der Metallerzeugung aus den Verbraucherländern in Bergbauländer verstärkte die Vorstellung einer sinkenden Bedeutung von Stahl, Kupfer, Zink und Blei für die moderne Volkswirtschaft. Mit Hochtechnologien wurden und werden noch immer eher "neue" Metalle wie Titan, Niob, Lithium, Tantal, Gallium oder Germanium in Verbindung gebracht. Die Verbrauchsstatistiken zeigen aber, dass der weltweite Verbrauch nahezu aller "alten" Industriemetalle bis zum Jahre 2000 gestiegen ist. Ins Auge fällt, dass der ohnehin hohe Verbrauch auch in einer Reihe von Industrieländern noch deutlich zunimmt. Die Gründe hierfür sind, dass sich die Metalle in etablierten Einsatzgebieten auch unter höheren technologischen und/oder ökonomischen Anforderungen behaupten oder aufgrund der Breite ihrer attraktiven Eigenschaften sogar zahlreiche neue Einsatzgebiete erschließen konnten und vielfach sogar zum Motor der technologischen Entwicklung wurden.
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| Verbrauchsentwicklung bei ausgewählten Metallen seit 1960 [1] | |||
| Rohstahl | Der weltweite Rohstahlverbrauch hat sich weitgehend parallel zur konjunkturellen Entwicklung verändert. Im Jahre 2000 erreichte er erstmals 850 Mill. Tonnen. In einigen Industrieländern stagniert der Verbrauch seit längerem auf hohem Niveau; folglich ist dort bei zunehmender Bevölkerung der Pro-Kopf-Verbrauch zurückgegangen. Spitzenwerte von über 600 kg/Kopf werden nur in wenigen Ländern erreicht (Österreich, Kanada, Japan, Südkorea, Singapur, Taiwan, Vereinigte Arabische Emirate; vgl. auch Tabelle 2). Die Industrialisierung in zahlreichen Schwellen- und Entwicklungsländern war dort, ausgehend von einem niedrigen Niveau, mit rasch steigenden Verbräuchen - absolut und pro Kopf - verbunden. Für Stahl als dem weitaus wichtigsten Industriewerkstoff bestehen in zahlreichen traditionellen Verwendungen Substitutionsmöglichkeiten (Aluminium, Kunststoffe), doch konnten durch neu entwickelte höherwertige Stahlqualitäten sowie durch Kostensenkungen [2] viele wichtige Einsatzgebiete behauptet und sogar zahlreiche neue erschlossen werden. Vor allem in den Industrieländern ist der rückläufige Stahlverbrauch auch mit dem steigenden Einsatz höherwertiger Stahlqualitäten (hochfeste Baustähle, korrosionsfeste Stähle usw.) zu erklären, wodurch ein niedrigerer spezifischer Verbrauch bei gleicher Funktion - z. B. für leichtere Brücken, Stahlhochbauten und Kfz-Karosserien - erreichbar ist. Beispielsweise sind bei Kfz-Bauteilen und Getränkedosen Materialeinsparungen von einem Drittel möglich oder sogar schon realisiert; [3] bei Stahlhochbauten könnten sie mehr als die Hälfte betragen. Allerdings werden von keinem Verbraucherland tiefer gegliederte Verbrauchsstatistiken veröffentlicht, die Aussagen über die Veränderungen der Einsatzstruktur und über die Auswirkungen des höherwertigen Materialeinsatzes ermöglichten. | ||
| Hüttenaluminium | Verglichen mit Rohstahl expandierte der Weltverbrauch von Hüttenaluminium als wichtigstem Nichteisenmetall weit stärker (1970 bis 2000: +152 % gegenüber 44 % beim Rohstahl), allerdings war er mit gut 25 Mill. t im Jahre 2000 deutlich niedriger. Wegen des vergleichsweise hohen Preises, bedingt durch die energieaufwendige Erzeugung, hat das "Kriegsmetall" erst nach dem Zweiten Weltkrieg in großem Maße in zivile Verwendungsgebiete eindringen können und dabei auch etablierte Einsatzgebiete u. a. der Kupferindustrie (Messingerzeugnisse für den Fahrzeugbau, Bauwesen, Apparatebau, ferner elektrische Starkstromkabel) sowie der Stahlindustrie (Fahrzeugbau, Bauwirtschaft, Haushalts- und Metallwaren) erobert. Daher nimmt der Aluminiumverbrauch auch in den meisten Industrieländern (USA, Westeuropa) weiter zu. Die Spitzenwerte liegen nur ausnahmsweise über 20 kg/Kopf und sind damit weitaus niedriger als bei Rohstahl. In China als inzwischen zweitgrößtem Verbraucher ist der Pro-Kopf-Verbrauch (3 kg) noch immer erheblich geringer als in den westlichen Industrieländern. In Deutschland, aber auch in anderen Verbraucherländern, zeigt sich eine besonders dynamische Verbrauchsentwicklung im Fahrzeugbau und im Bauwesen, aber auch im Maschinenbau, in der Verpackung und in der Metallwarenindustrie (Tabelle 3). Die von internationalen kapitalkräftigen Konzernen bestimmte Aluminiumindustrie hat die günstigen Materialeigenschaften (geringes Gewicht, Korrosionsbeständigkeit, gute Leitfähigkeit für Strom und Wärme, sehr gute Verarbeitbarkeit) mit hohem Forschungsaufwand zur Entwicklung zahlreicher neuer und wirtschaftlicherer Produkte für viele Industriezweige genutzt, die eine schnelle und anhaltende Ausweitung der Märkte ermöglichten. [4] Aktuelle Beispiele hierfür sind Karosserien, Wagenkästen und aufwendige Großbauteile (Fahrzeugbau), Fassaden, Dächer und Fenster (Bauwesen) sowie Folien, Tuben, Behälter und Aerosoldosen (Verpackungen). Dabei hat die Preisentwicklung maßgeblichen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Werkstoffen (Stahl: Kfz- und Waggonbau, Kunststoffe: Verpackung). [5] | ||
| Raffinadekupfer | Der Verbrauch von Kupfer als dem ältesten genutzten Nichteisenmetall ist im Jahre 1964 erstmals vom Aluminiumverbrauch übertroffen worden und seitdem auch langsamer gewachsen. Trotz Markteinbußen zugunsten von Aluminium (Starkstromkabel, Erzeugnisse für die Bauwirtschaft, Maschinen-/Apparatebau usw.), Edelstahl (Erzeugnisse für die Bauwirtschaft, Fahrzeugbau, Maschinen-/Apparatebau usw.), Glasfasern (Fernmeldekabel) und anderen Werkstoffen hat der Weltverbrauch von Kupfer weiter zugenommen und im Jahre 2000 eine Rekordhöhe von über 15 Mill. t erreicht. Dabei weisen auch viele Industrieländer einen steigenden Pro-Kopf-Verbrauch auf; in Deutschland beträgt er bereits 16 kg. Die Kombination günstiger Materialeigenschaften auch für moderne Spitzentechnologien (hohe elektrische und thermische Leitfähigkeit, gute Bearbeitbarkeit, hohe Dehnbarkeit, Korrosionsbeständigkeit) machte es der Kupferindustrie möglich, sich mit hochwertigen Produkten auf etablierten Einsatzgebieten zu behaupten und neue Anwendungsgebiete zu erschließen. Die Entwicklung der Verbrauchsstruktur in Deutschland seit 1960 lässt insbesondere ein überproportionales Wachstum des Kupferhalbzeugs (insbesondere Leitmaterial) erkennen (Tabelle 3). Durch seine hohe elektrische Leitfähigkeit und gute Verarbeitbarkeit profitiert Kupfer insbesondere von der weiter zunehmenden Verbreitung elektromotorischer und elektronischer Geräte, die moderne Kommunikationstechniken, Energiespar-Elektromotoren, Hochleistungschips und die Photovoltaik einschließt. [6] Aber auch die günstigen physikalischen Eigenschaften haben zur Entwicklung neuer Einsatzgebiete für Kupferhalbzeug geführt (z. B. Wasser- und Heizungsrohre für die Bauwirtschaft). Selbst das unter starken Substitutionsdruck geratene Messinghalbzeug hat ein ansehnliches Marktvolumen behaupten können, wozu steigende Halbzeugmengen aus anderen Kupferlegierungen kommen. Das zeitweilig weniger zukunftsträchtig erscheinende Kupfer ist damit auch für moderne Spitzentechnologien unverzichtbar geworden. | ||
| Hüttenzink | Zink zählt ebenfalls zu den seit langem genutzten Nichteisenmetallen. Der Weltverbrauch hat im Jahre 2000 mit 8,8 Mill. t einen neuen Höchststand erreicht, das war gut die Hälfte des Kupferverbrauchs. Mit Ausnahme Japans nimmt der Zinkverbrauch auch in den Industrieländern noch zu, allerdings wie die Bevölkerung nur noch langsam. Meist werden hier Pro-Kopf-Verbräuche von 5 bis 7 kg erreicht. In China als inzwischen größtem Verbraucherland liegt er erst bei 1 kg. Grundlagen für die Verwendung sind nach wie vor die wasserunlöslichen Oberflächenschichten des Zinks, die als Verzinkung einen hervorragenden Korrosionsschutz für Stahl ergeben, die Kupfer-Zinklegierung Messing mit vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten in zahlreichen Industrien sowie die gute Formbarkeit des Metalls zu Halbzeug (insbesondere Zinkbleche für Bedachung und Dachentwässerung) und zu Formguss für eine Vielzahl funktionaler und dekorativer Teile. Verglichen mit 1960 ist die Verbrauchsstruktur in Deutschland trotz vereinigungsbedingter Brüche bemerkenswert stabil geblieben, d. h. das Metall hat sich durch Innovationen in allen großen Einsatzgebieten behaupten können (Tabelle 3). Im Bauwesen, dem mit 48 % wichtigsten Endverbrauchsgebiet, haben Zinkerzeugnisse trotz verstärkter Konkurrenz durch Kunststoffe ihren festen Platz. Bei der Verzinkung wurde zwar der spezifische Metallverbrauch durch dünnere Schichten verringert, doch haben sich verzinkte Stahlerzeugnisse besonders im Fahrzeugbau (mit 36 % zweitwichtigster Endverbraucher von Zink) und im Stahlbau verstärkt durchsetzen können. [7] Die enge Bindung an den Stahl wird dem Zinkverbrauch hier auch künftig ein Wachstum ermöglichen. | ||
| Raffinadeblei | Der weltweite Bleiverbrauch erreichte im Jahre 2000 mit 6,3 Mill. t einen neuen Spitzenwert. Mit Ausnahme von Japan und Großbritannien nahm der Bleiverbrauch auch in den Industrieländern weiter zu, wobei aber deren Pro-Kopf-Verbrauch meist bei 5 bis 6 kg stagniert. Im zweitgrößten Verbraucherland China bleibt er noch deutlich unter 1 kg. Das gut verarbeitbare Metall (leichtes plastisches Verformen und Vergießen, gute Legierbarkeit und hohe Korrosionsfestigkeit) wurde bis in die 60er Jahre vor allem im Bauwesen (Rohre, Verkleidung), in der Chemie (säurefeste Auskleidungen und Rohre), für Kabelmäntel sowie für Schrift-, Lager-, Lötmetalle und Behältnisse verwendet. Die meisten dieser Einsatzgebiete sind infolge des Technologiewandels, der verringerten spezifischen Verbräuche und auch wegen der toxischen Eigenschaften erheblich geschrumpft. Dies wurde nur teilweise durch Verbrauchssteigerungen bei der Herstellung von Kristallglas und von Stabilisatoren (Kunststoffe) kompensiert. Mit der starken Expansion der Automobilindustrie und der Motorisierung ist aber der Bleiverbrauch für die Produktion von Akkumulatoren zu einem noch immer wachsenden Einsatzgebiet geworden, das in Deutschland inzwischen 62 % des Gesamtverbrauchs umfasst (Tabelle 4), in den USA sogar 87 %. Hierin sind die ebenfalls zunehmenden Verwendungen in Fahrzeugantrieben und in der Energiespeicherung (Notstromanlagen und Telekommunikation) eingeschlossen. Trotz technisch möglicher Substitute ist für Bleiakkumulatoren bisher keine ökonomische Alternative in Sicht; vielleicht wird es künftig die Brennstoffzelle für Teilbereiche sein. [8] Ein technologischer Durchbruch bei der Energiespeicherung würde den Bleimarkt auf einen Bruchteil seiner heutigen Größe schrumpfen lassen, sofern keine neuen Anwendungen erschlossen werden können. | ||
| Rohzinn | Zinn ist ein Jahrtausende altes Gebrauchsmetall, vor allem in Form der Kupferlegierung Bronze. Die gute Legierbarkeit mit anderen Metallen ist noch heute für die Verwendung in Bronzen, Loten und Lagermetallen wichtig. Reinzinn und Zinnlegierungen werden weiterhin zu Hausrat und Gebrauchsgegenständen verarbeitet, fein ausgewalztes oder verpresstes Metall zu dünnen Folien, Tuben, Kapseln und ähnlichem Verpackungsmaterial. Durch seine hohe Korrosionsbeständigkeit und die Möglichkeit sehr dünner Überzüge erlangte Zinn große Verbreitung als Oberflächenschutz insbesondere für Stahlblech, das als Weißblech zum wichtigsten Material für die Getränke- und die Konservenindustrie wurde. Insbesondere der lange Zeit von Zinnkartellen künstlich hoch gehaltene Preis hat aber die Substitutionsbestrebungen in allen Einsatzgebieten stark gefördert, so dass der weltweite Zinnverbrauch im Vergleich mit den anderen Metallen seit 1960 nur wenig zugenommen hat; im Jahre 2000 betrug er 268 000 t. Als Folge der anhaltenden Ausweitung des Verpackungsmarktes ist die Weißblechproduktion heute weltweit der größte Zinnverbraucher, doch kommt auch den Lotlegierungen (Elektro- und Elektronikindustrie) sowie chemischen Verbindungen eine nennenswerte Bedeutung zu. Tabelle 4 zeigt die Entwicklung des Zinnverbrauchs und der Produktion wichtiger zinnhaltiger Erzeugnisse in Deutschland seit 1960. Die seit längerem niedrigen Zinnpreise haben die Substitutionsbemühungen verringert, so dass Zinn nun einen zumindest kurzfristig nicht ersetzbaren Rohstoff für die zunehmende Weißblecherzeugung und die elektrotechnischen Verwendungen darstellt. Die Zinnproduzenten hoffen sogar, das Metall künftig verstärkt in die Einsatzgebiete Feuerlöschmittel, Lötmittel und Schrot/Munition absetzen und dort das Antimon und das toxische Blei verdrängen zu können. | ||
| Nickel | Im Unterschied zu den bisher erwähnten Metallen ist Nickel ein Stahlveredler und daher von anderen Märkten abhängig. Sein Verbrauch hat seit 1950 kräftig zugenommen und kam im Jahre 2000 auf mehr als 1,1 Mill. t. Auch in den Industrieländern hält das Wachstum an. Seine überwiegende Verwendung in der Edelstahlerzeugung beruht auf der Qualitätsverbesserung von Stahl, wo bereits geringe Nickelzusätze von 1,5 bis 4,5 % in hochwertigen Baustählen für zahlreiche Schlüsselindustrien ausreichen. Wichtigstes Einsatzgebiet sind die rostfreien Stähle (8 % bis 10 % Nickel) für eine noch immer steigende Zahl von Verwendungen in Industrie und Haushalten, ferner die Superlegierungen (bis 36 % Nickel), die für den Bau von Gas- und Strahlturbinen, Emissionsschutzanlagen, Erdölraffinerien, Industrieöfen und vielen chemischen Anlagen unverzichtbar sind. [9] Weitere Nickelverwendungen sind in NE-Metallerzeugnissen, galvanischen Überzügen (Oberflächenschutz), Katalysatoren (Erdöl- und Nahrungsmittelindustrie) und neuerdings in Akkumulatoren für elektronische Geräte [10] zu finden. Tabelle 4 zeigt die Entwicklung und Struktur des Nickelverbrauchs in Deutschland. Nickelwerkstoffe haben die genannten Einsatzgebiete wegen ihrer hervorragenden Eigenschaften mehr und mehr erobert und bleiben für die moderne Technik unverzichtbar. Bei der aktuellen Preisrelation gegenüber potentiellen Substituten ist eine Verdrängung des Nickels nicht zu erwarten. | ||
| Resümee |
Die Verbrauchsentwicklung ausgewählter etablierter Metalle seit 1960 zeigt, dass das Verschwinden überholter Technologien oder das Schrumpfen alter Einsatzgebiete weder weltweit noch in Deutschland einen Verbrauchsrückgang nach sich gezogen hat. Vielmehr hat die Weiterentwicklung der Werkstoffe unter Nutzung der spezifischen Metalleigenschaften zur Festigung etablierter Märkte und zur Erschließung neuer Einsatzgebiete geführt, die die Verluste infolge von Substitutionen mehr als ausgeglichen haben. Hierdurch wandelten sich die "alten" Industriemetalle mit früher teilweise wenig anspruchsvollen Einsatzgebieten zu unverzichtbaren Qualitätswerkstoffen, die den Anforderungen modernster Industriezweige genügen. Dies ist der Öffentlichkeit vielfach nicht bewusst geworden, die moderne Industrien mit dem Einsatz "moderner" Rohstoffe wie Titan, Niob, Lithium, Tantal, Gallium oder Germanium gleichsetzt. Dabei wird häufig übersehen, dass der Weltverbrauch dieser Metalle noch deutlich unter dem der "alten" liegt (Produktion im Jahre 2001: Titanschwamm 55 000 t, Niob 32 600 t, Lithium 15 000 t, Tantal 1 100 t, Gallium 107 t, Germanium 68 t) und vielfach nur für industrielle Teilbereiche Bedeutung hat. Der metallische Endverbrauch in Deutschland wird in hohem Maße aus der inländischen Verarbeitung von Rohmetallen gedeckt. Dazu zählen nicht nur die Erzeugung und Bearbeitung der Metalle selbst, sondern auch eine Reihe wichtiger Industriezweige wie der Maschinen- und Apparatebau, die elektrotechnische Industrie, die Metallwarenindustrie und der Stahlbau, die enge Lieferverflechtungen mit den vorgelagerten Verarbeitungsstufen haben. In diesen Industrien sind derzeit mehr als 3,3 Mill. Beschäftigte tätig, d. h. nahezu 60 % der Beschäftigten des gesamten verarbeitenden Gewerbes. Sie erwirtschaften rund 55 % des Umsatzes des verarbeitenden Gewerbes (Tabelle 5).
Unter Umweltgesichtspunkten ist eine möglichst weitgehende Verwertung des anfallenden metallischen Alt- und Abfallmaterials notwendig, um eine aufwendige Deponierung zu vermeiden. Durch ein Recycling lässt sich außerdem der Bedarf an energieintensiv erzeugtem Primärmaterial verringern. Ein Recycling setzt aber Hüttenbetriebe voraus, die sich auf der Grundlage international harmonisierter Umweltstandards behaupten können.
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 1
Bruttowertschöpfung der Metallerzeugung und -bearbeitung
sowie wichtiger metallverbrauchender Industriezweige in Deutschland (1)
1960 bis 2000
In Mrd. DM zu jeweiligen Preisen
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1960 1970 1980 1990 1995 1998 2000
Land- und
Forstwirtschaft,
Fischerei 17,66 21,78 30,52 37,18 42,22 43,93 43,57
Produzierendes
Gewerbe 160,80 333,72 624,78 938,74 1060,77 1085,94 1113,76
Metallerzeugung
und -bearbeitung,
Herstellung von Me-
tallerzeugnissen 20,48 34,27 53,95 82,76 99,41 104,86 .
Maschinenbau 11,30 29,08 55,57 93,93 108,33 117,93 .
Herstellung von
Büromaschinen,
DV-Geräten,
Elektrotechnik 12,38 34,66 72,38 123,75 100,33 105,25 .
Fahrzeugbau 11,01 29,58 66,63 112,04 97,07 116,04 .
Metallerzeugung
und -verarbeitung
insgesamt 55,17 127,59 248,53 412,48 405,14 444,08 .
Dienstleistungs-
bereiche 128,78 290,41 760,63 1366,58 2192,44 2417,67 2546,81
Alle Wirtschafts-
bereiche 302,20 645,91 1415,93 2342,50 3295,43 3547,54 3704,14
Brutto-
inlandsprodukt 302,71 675,30 1472,04 2425,20 3523,00 3784,40 3976,10
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(1) Bis 1990 früheres Bundesgebiet.
Quelle: Statistisches Bundesamt.
DIW Berlin 2002
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 2
Weltweiter Verbrauch ausgewählter Metalle nach wichtigen Industrieländern
1960 bis 2000
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1960 1970 1980 1990 1995 2000 1960 1980 2000
Rohstahl In 1 000 t Je Einwohner in kg
Welt 340 059 590 522 699 830 752 260 735 959 851 636 113 158 141
USA 90 497 127 304 115 591 101 738 112 583 132 948 497 508 472
China 19 205 22 504 43 262 68 634 100 242 163 240 27 45 128
Japan 19 476 69 882 73 442 99 032 84 340 80 561 209 629 635
Deutsch-
land 29 211 40 601 33 783 35 550 40 677 41 511 527 549 506
Frank-
reich 13 919 23 236 20 048 18 077 17 063 20 729 306 373 352
Italien 9 226 21 113 26 107 28 404 31 038 32 473 187 458 562
Hüttenaluminium
Welt 4 166 10 027 15 321 19 275 20 466 25 221 1 3 4
USA 1 541 3 488 4 473 4 330 5 055 6 565 8 19 23
China 90 225 550 861 1 942 3 450 0 1 3
Japan 151 911 1 637 2 414 2 336 2 223 2 14 17
Deutsch-
land 313 670 1 042 1 295 1 491 1 498 6 17 18
Frankreich 213 413 601 723 744 780 5 11 13
Italien 99 279 458 652 665 780 2 8 14
Raffinadekupfer
Welt 4 756 7 291 9 546 10 761 12 153 15 215 2 2 3
USA 1 225 1 860 1 868 2 150 2 534 3 027 7 8 11
China 100 180 330 512 1 143 1 932 0 0 2
Japan 304 821 1 153 1 577 1 415 1 351 3 10 11
Deutsch-
land 516 698 748 897 1 066 1 310 9 12 16
Frankreich 237 331 433 478 540 596 5 8 10
Italien 185 274 388 475 498 674 4 7 12
Hüttenzink
Welt 3 072 5 042 6 101 6 689 7 576 8 770 1 1 1
USA 790 1 074 810 992 1 202 1 318 4 4 5
China 70 150 195 500 909 1 356 0 0 1
Japan 189 623 756 814 752 676 2 6 5
Deutsch-
land 297 396 406 484 503 532 5 6 6
Frankreich 172 220 330 284 272 310 4 6 5
Italien 85 178 236 270 345 378 2 4 7
Raffinadeblei
Welt 2 633 3 823 5 311 5 355 5 580 6 347 1 1 1
USA 647 805 1 094 1 275 1 472 1 719 3 5 6
China 70 200 210 250 448 550 0 0 0
Japan 100 201 393 416 334 301 1 3 2
Deutsch-
land 240 323 333 392 368 390 4 5 5
Frankreich 161 207 212 255 265 268 4 4 5
Italien 78 182 275 258 247 277 2 5 5
Rohzinn Je Einwohner in g
Welt 201 226 224 239 239 268 67 50 44
USA 52 54 46 37 36 51 279 200 180
China 8 13 13 26 43 53 12 13 42
Japan 15 29 31 35 28 25 159 265 197
Deutschland 15 15 16 19 20 21 271 255 256
Frankreich 11 11 10 8 9 7 241 186 118
Italien 5 7 6 6 5 6 100 106 105
Nickel
Welt 293 576 725 840 993 1 134 97 163 187
USA 98 149 148 125 148 150 526 642 530
China . 18 18 28 38 63 . 18 49
Japan 18 99 122 159 196 200 191 1044 1574
Deutschland 23 40 68 89 106 115 415 1084 1402
Frankreich 19 36 38 45 49 50 416 705 844
Italien 7 20 27 27 49 53 139 478 926
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Quellen: Metallgesellschaft AG/World Bureau of Metal Statistics;
Wirtschaftsvereinigung Stahl e. V.; Berechnungen des DIW Berlin.
DIW Berlin 2002
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 3
Verbrauch von Aluminium, Kupfer und Zink in Deutschland 1960 bis 2001
nach Einsatzgebieten
In 1 000 t
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1960 1970 1980 1990 1995 2000 2001
Aluminium (1)
Verkehr 98 192 282 410 429 675 650
Maschinenbau/Feinmechanik 44 63 82 116 107 126 122
Elektrotechnik 61 103 72 59 70 58 56
Bauwesen 24 112 191 206 254 259 250
Chemie/Nahrungsmittel 13 22 10 14 11 13 12
Verpackung 35 69 99 96 127 101 97
Haushaltswaren 16 17 77 65 50 52 50
Pulververbrauchende Industrien 4 8 4 7 13 21 20
Eisen- und Stahlindustrie 19 34 61 76 75 78 75
Metallwaren/Verschiedenes 47 81 100 140 138 137 132
Exporte von Halbfabrikaten 35 129 388 675 694 1 091 1 356
Insgesamt 396 830 1 366 1 864 1 970 2 610 2 850
Kupfer
Kupferhalbzeug 372 536 659 788 936 1 178 1 052
Messinghalbzeug 186 238 253 286 339 328 287
Halbzeug aus anderen Legierungen 13 22 41 60 84 125 105
Bronzeguss 11 12 9 8 8 . .
Messingguss 25 29 24 28 22 20 19
Kupfer- und Legierungsguss 37 36 34 32 41 54 (2) 56
Kupfersalze 5 11 10} (2)
Andere Zwecke 1 3 4} 13 11 16 17
Insgesamt 650 887 1 034 1 214 1 441 1 721 1 536
Zink
Messingerzeugnisse 83 99 108 120 200 201 186
Verzinkung 104 139 156 166 227 235 212
Bleche, Bänder . . 67 78 121 . .
Rohre . . 6 4 2 . .
Draht . . 10 7 4 . .
Stückverzinkung . . 73 77 100 . .
Zinkhalbfabrikate 72 73 64 85 184 169 156
Zinkweiß, Zinkverbindungen 6 7 15 18 58 56 59
Druckgusslegierungen 35 86 82 104 44 69 71
Sonstiger Formguss . 2 3 10 0 . .
Sonstiges 19 7 1 8 2 9 10
Insgesamt 319 413 429 511 715 739 694
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(1) Hütten- und Sekundäraluminium.
(2) Rot- und Kupferguss.
Quellen: Bundesamt für Wirtschaft; Wirtschaftsvereinigung Metalle e. V.
DIW Berlin 2002
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 4
Verbrauch von Blei, Zinn und Nickel in Deutschland 1960 bis 2001
nach Einsatzgebieten
In 1 000 t
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1960 1970 1980 1990 1995 2000 2001
(1)
Blei
Kabelindustrie 84 80 28 12 8 4 3
Akkumulatoren 73 119 147 195 207 215 242
Bleifarben und -chemikalien 36 68 88 100 76 88 74
Halbzeug 42 51 54 48 54 57 58
Formguss 3 6 9 9 6}
Schrift- und Lagermetalle 3 7 10 4 8}
Oberflächenschutz, Pulver 6 5 3} } 15 13
Tuben und Kapseln 3 3 3} 6 1}
Sonstiges 8 20 0} }
Insgesamt 258 359 342 374 360 379 390
Zinn
Produktion von
Zinnlegierungen 4 . 3 3 1 . .
Weichloten 14 19 17 16 15 . .
Weißblech . 749 963 900 843 . .
Insgesamt 15 15 16 19 20 21 .
Nickel
Rostfreie Stähle . . 40 49 55 51 53
Sonstige legierte Stähle . . 0 8 9 14 15
Stahlguss . . 3 4 4 4 4
NE-Metallerzeugnisse . . 15 22 18 27 29
Oberflächenüberzüge . . 1 . 3 4 4
Sonstiges . . 1 2 4 7 7
Insgesamt 23 40 60 85 93 104 112
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(1) Für Nickel 1981.
Quellen: Bundesamt für Wirtschaft; International Nickel Study Group;
Metallstatistik; Statistisches Bundesamt; Wirtschaftsvereinigung Metalle e. V.
DIW Berlin 2002
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 5
Beschäftigung und Umsatz der Metallerzeugung und -bearbeitung
sowie wichtiger metallverbrauchender Industrien im verarbeitenden Gewerbe
in Deutschland (1) 1960 bis 2000
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1960 1970 1980 1990 1995 2000
Beschäftigte (1 000)
Verarbeitendes Gewerbe 7 160 8 293 7 428 7 238 6 593 5 658
Darunter:
Metallerzeugung und -bearbeitung 680 657 532 403 295 238
Eisenschaffende Industrie 355 335 284 178 . .
Eisen-, Stahl- und Metallgießereien 167 158 116 102 . .
NE-Metallindustrie 83 92 80 69 . .
Ziehereien, Kaltwalzwerke 75 72 52 54 . .
Herstellung von Metallerzeugnissen 722 771 655 666 597 522
Stahlverformung 133 149 128 142 . .
Stahl- und Leichtmetallbau 195 204 212 190 . .
EBM-Industrie 394 418 315 334 . .
Maschinenbau 936 1 120 1 024 1 075 1 044 911
Kfz- und sonstiger Fahrzeugbau 501 725 920 1 002 871 852
Elektrotechnik, Elektronik, Optik 876 1 264 1 143 1 180 887 766
Elektrotechnische Industrie 728 1 095 976 1 036 . .
Geräte der Elektrizitätserzung
und -verteilung . . . . 495 401
Rundfunk-, Nachrichtentechnik . . . . 158 157
Regelungstechnik, Optik, Uhren 148 169 167 144 234 208
Büromaschinen, DV-Geräte . 80 70 83 50 32
Ausgewählte Industrien insgesamt 3 715 4 617 4 344 4 409 3 744 3 321
Anteil am verarbeitenden Gewerbe (%) 51,9 55,7 58,5 60,9 56,8 58,7
Umsatz (Mrd. DM)
Verarbeitendes Gewerbe 247 517 1 167 1 796 2 033 2 532
Darunter:
Metallerzeugung und -bearbeitung 33 54 92 106 102 114
Eisenschaffende Industrie 20 31 47 49 . .
Eisen-, Stahl- und Metallgießereien 4 7 11 16 . .
NE-Metallindustrie 5 10 25 28 . .
Ziehereien, Kaltwalzwerke 4 6 9 13 . .
Herstellung von Metallerzeugnissen 19 39 73 118 125 146
Stahlverformung 4 8 14 23 . .
Stahl- und Leichtmetallbau 5 10 22 31 . .
EBM-Industrie 10 21 37 64 . .
Maschinenbau 24 56 123 210 251 305
Kfz- und sonstiger Fahrzeugbau 19 47 140 279 296 480
Elektrotechnik, Elektronik, Optik 22 57 129 226 211 312
Elektrotechnische Industrie 19 51 113 202 . .
Geräte der Elektrizitätserzung
und -verteilung . . . . 123 138
Rundfunk-, Nachrichtentechnik . . . . 39 107
Regelungstechnik, Optik, Uhren 3 6 16 24 49 67
Büromaschinen, DV-Geräte . 4 7 19 28 31
Ausgewählte Industrien insgesamt 117 257 564 958 1 013 1 388
Anteil am verarbeitenden Gewerbe (%) 47,4 49,7 48,3 53,3 49,8 54,8
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(1) Bis 1990 früheres Bundesgebiet.
Quelle: Statistisches Bundesamt.
DIW Berlin 2002
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