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| Wochenbericht des DIW Berlin 45/00 Verteuerung von Erdöl, Erdgas und Mineralölprodukten: Potentielle Preiseffekte in den Produktionsbereichen der deutschen Wirtschaft | |||
| Bearbeiter | Joachim Schintke Reiner Stäglin Jörg-Peter Weiß | ||
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| Seit ihrem letzten Tiefstand zu Anfang des Jahres 1999 sind die Importpreise für die Energieträger Erdöl, Erdgas und Mineralölprodukte permanent gestiegen: Im Juli dieses Jahres waren Rohöl und Mineralölerzeugnisse gut dreimal so teuer wie im Januar 1999; Erdgas, dessen Preis den Preisen von leichtem und schwerem Heizöl gewöhnlich mit einer Verzögerung von sechs Monaten folgt, war fast doppelt so teuer. Diese Preissteigerungen treffen die einzelnen Produktionsbereiche und Verbrauchergruppen in unterschiedlichem Maße. Mit Hilfe einer Modellrechnung auf Basis der Input-Output-Analyse werden im Folgenden die davon ausgehenden potentiellen Preiseffekte in den verschiedenen Produktionsbereichen der deutschen Wirtschaft quantifiziert. Nach dieser Rechnung nehmen die Produktionskosten im Durchschnitt um 1 % zu. Die Bandbreite der Kostenbelastung in den einzelnen Produktionsbereichen reicht von 60 % in der Spitze (Mineralölverarbeitung) bis lediglich 0,2 % (Herstellung von Büromaschinen und Datenverarbeitungsgeräten). | |||
| Komponenten der Preisentwicklung von Erdöl und Mineralölprodukten | Die Ölverteuerung in Deutschland resultiert sowohl aus der Entwicklung der Ölmärkte, auf denen in US-Dollar fakturiert wird, als auch aus den Vorgängen auf den Devisenmärkten. Im September war der Rohölpreis mit rund 31 US-$ fast dreimal so hoch wie Anfang 1999. Da der Wert des US-Dollar gegenüber dem Euro und damit auch gegenüber der D-Mark seither um ein Drittel gestiegen ist, war das Öl in D-Mark gerechnet rund viermal so teuer wie auf dem damaligen Tiefstand (Abbildung 1), allerdings immer noch wesentlich billiger als in der ersten Hälfte der 80er Jahre [1]. In der öffentlichen Diskussion stand der Anstieg der Kraftstoffpreise im Vordergrund. In Deutschland kam es wie zuvor in Frankreich und Großbritannien zu Demonstrationen von Fernfahrern. Denn für die Verbraucher von Mineralölprodukten kommt neben dem Rohölpreis noch eine weitere Komponente ins Spiel: die Mineralölbesteuerung. So belief sich in Deutschland der Anteil der Steuern am Tankstellenpreis für Superbenzin im vergangenen Jahr auf 74 %, bei Dieselkraftstoff auf 62 % [2] und bei leichtem Heizöl auf 36 % (Tabelle 1). Bei der Besteuerung von Dieselkraftstoff und leichtem Heizöl liegt Deutschland im Vergleich zu den Nachbarländern im Mittelfeld; bei Superkraftstoff wird es lediglich von Frankreich und Großbritannien übertroffen. Das Spektrum des Anteils der Steuern am Produktpreis in den betrachteten Ländern reicht bei leichtem Heizöl von 24% (Belgien) bis 72% (Italien) und bei Dieselkraftstoff von 36% (Dänemark) bis 78% (Großbritannien). Enger ist die Bandbreite bei Benzin: Während der Steueranteil in Dänemark 71 % beträgt, sind es in Frankreich 79 %. In Deutschland ist der Benzinpreis von etwa 1,71 DM im Jahresdurchschnitt 1999 auf 2,06 DM im September 2000, also um 35 Pfennige, gestiegen; davon entfielen etwa 12 Pfennige auf den Steueranteil und 23 Pfennige auf die Einstands-, Verarbeitungs- und Vertriebskosten der Ölgesellschaften. Dieselkraftstoff wies einen Preisanstieg um 38 Pfennige auf, von dem gut ein Sechstel - 7 Pfennige - der Steuererhöhung zuzurechnen ist. [3] Die Preissteigerungen sind also vor allem eine Folge der gestiegenen Rohölimportpreise und der Devisenkursentwicklung. | ||
| Gesamtwirtschaftli- che Effekte des Ölpreisanstiegs | Die Ölpreissteigerungen lassen dreierlei erwarten: Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Inflationsrate Eine deutliche Minderung des Außenbeitrags aufgrund der höheren Ölrechnung, da Deutschland nahezu vollständig auf Importe in diesem Bereich angewiesen ist. Die Exporte müssten um vier Prozent gesteigert werden, um die um rund 45 Mrd. DM höhere Importrechnung zu begleichen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum Zu den zu erwartenden Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben die Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer letzten Gemeinschaftsdiagnose Stellung bezogen; [4] dort wurde ein negativer Impuls in Höhe von 0,8 % des nominalen Bruttoinlandsprodukts quantifiziert - unter Einbeziehung der ebenfalls deutlich gestiegenen Erdgasrechnung von 1,1 %. Der jüngste Ölpreisanstieg hat die gesamtwirtschaftliche Inflationsrate - gemessen mit dem Preisindex für die Lebenshaltung - deutlich nach oben getrieben. Mit der starken Verteuerung von Heizöl und Kraftstoffen im September (+29 % gegenüber dem Vorjahr) erhöhte sich der Vorjahresabstand beim Preisindex der Lebenshaltung auf 2,5 %, nach 1,8 % im August (Abbildung 2). Rechnet man aus dem Gesamtindex Heizöl und Kraftstoffe heraus, steht für den September eine nur moderate Zunahme zu Buche (1,2 %). Insgesamt sind die Auswirkungen der Ölverteuerung gegenwärtig aber deutlich schwächer als Anfang der 70er und in der ersten Hälfte der 80er Jahre - Folge der deutlich geringer gewordenen Ölintensität der deutschen Wirtschaft. Auch hat diesmal der Ölpreisanstieg die deutsche Volkswirtschaft in einem konjunkturellen Aufschwung mit annähernder Preisstabilität getroffen. Die im Jahre 2000 im Vergleich zum Vorjahr rund doppelt so hohe Ölrechnung (Tabelle 2) ist ausschließlich eine Folge der Preisentwicklung; das Mengengerüst der importierten Energieträger Erdöl und Mineralölprodukte ist seit 1995 weitgehend stabil geblieben. Die gestiegene Ölrechnung belastet die einzelnen Produktionsbereiche in sehr unterschiedlichem Maße. | ||
| Potentielle Auswirkungen auf die Herstellungspreise der Produktions- bereiche | Die direkten und indirekten Auswirkungen der Ölverteuerung auf die Herstellungspreise in den Produktionsbereichen im Jahre 2000 werden mit einer Modellrechnung auf Basis der amtlichen Input-Output- Tabelle für 1995 geschätzt. Das auf dieser Tabelle basierende Modell erlaubt eine differenzierte Analyse der Preiswirkungen der Verteuerung importierter Energieträger. Die Verflechtungsstrukturen dürften sich seit 1995 nicht gravierend verändert haben. Dafür sprechen auch das bis 1999 ruhige Preisklima und das stabile Mengengerüst bei der Öleinfuhr. Das Modell gestattet die sektoral differenzierte Quantifizierung eines Inflationspotentials, das durch die Importpreissteigerungen geschaffen wird. Es werden hier ausschließlich die von der Verteuerung der Energieimporte - also nicht auch die von der Ökosteuer - ausgelösten Preiseffekte im engeren Sinne ermittelt. Das heißt: Es wird nicht untersucht, inwieweit diese Energieverteuerung andere Kostenfaktoren wie Löhne, Gehälter, Zinsen und Wechselkurse beeinflusst und auch auf diesem Wege auf die Herstellungspreise wirkt. Für die Modellrechnung wird unterstellt, dass sich in den Vergleichsszenarien ohne die Verteuerung der Energieimporte die anderen Kostenfaktoren genau so entwickelt hätten wie in den Szenarien mit der importierten Energieverteuerung. Ferner wird angenommen, dass die durch die Verteuerung der Energieimporte erhöhten Kosten von den Produktionsbereichen vollständig auf die Käufer überwälzt werden. Das Modell gestattet also keine Aussage über die tatsächliche Preisentwicklung, die auch davon abhängt, ob die Marktlage eine volle Überwälzung oder sogar noch stärkere Preissteigerungen zulässt. Ebenso werden keine Mengenreaktionen infolge von Substitutionsprozessen in Betracht gezogen. Die vorliegende Untersuchung konzentriert sich auf die Quantifizierung der potentiellen Kosten- bzw. Preiseffekte, die in den verschiedenen Produktionsbereichen von der Verteuerung der importierten Energieträger im Jahre 2000 zu erwarten sind. Ein späterer Vergleich der tatsächlichen Erzeugerpreise mit den hier ermittelten potentiellen Raten könnte Auskunft darüber geben, inwieweit die im Modell unterstellten Überwälzungen der zusätzlichen Kosten auf die Absatzpreise und damit auf die Kunden tatsächlich vorgenommen worden sind. [5] Sollte keine volle Überwälzung gelungen sein, würden die hier ermittelten Kostensteigerungen als Ertragsminderungen zu Buche schlagen. | ||
| Grundlagen der Modellrechnung | Für den Kostenüberwälzungsprozess wird folgender Ablauf unterstellt: In der inländischen Mineralölverarbeitung, die fast das gesamte importierte Erdöl abnimmt, steigen aufgrund der Rohölverteuerung die Kosten. Das gilt analog auch für die Produktionsbereiche, die Erdgas und Mineralölprodukte aus dem Ausland beziehen. Die Kostensteigerungen - aber nur diese - werden auf allen Produktionsstufen voll weitergegeben, so dass bei ansonsten unveränderten Produktionsbedingungen auch die Preise derjenigen Güter steigen, bei deren Erzeugung Mineralölprodukte direkt oder - im Wege von Vorleistungsbezügen - indirekt eingesetzt werden. Das kann mit einem Beispiel verdeutlicht werden: Wenn sich das zur Erzeugung von Mineralölprodukten benötigte Rohöl verteuert, werden auch die Herstellungspreise für Mineralölerzeugnisse steigen. Dies hat zur Folge, dass die Einsatzkosten der Abnehmer von Vergaser- und Dieselkraftstoff steigen, z. B. die des Güterkraftverkehrsgewerbes, was zu einer Verteuerung von Transportleistungen des Straßengüterverkehrs führt. Damit sind dann wiederum die Käufer von Speditionsleistungen wie der Groß- und der Einzelhandel konfrontiert. [6] Die skizzierten direkten und indirekten Kostenüberwälzungsprozesse werden mit dem Preismodell der Input-Output-Analyse abgebildet (siehe Box). Als Datenbasis dienen die Input-Output-Tabelle des Statistischen Bundesamtes für die Bundesrepublik Deutschland 1995 mit 71 Produktionsbereichen und die zugehörige Tabelle über die Verwendung von Energie nach Energieträgern. [7] | ||
| Vorgaben der Modellrechnung | Zugrunde gelegt werden die Importpreissteigerungen für Rohöl, Erdgas und Mineralölprodukte, unterteilt nach sieben Produktarten, im Zeitraum 1995 bis 1999 und im Jahre 2000. Im vergangenen Jahr übertraf der Importpreis für Rohöl das Niveau von 1995 um 27 %; für Erdgas war der Preis um 5 % niedriger als im Basisjahr. Die Schwankungsbreite des Preisanstiegs für die einzelnen Produktarten reichte von 19 % bei mittelschweren und schweren Heizölen bis 34 % bei Motorenbenzin, Spezialbenzin und Rohbenzin - im Durchschnitt waren die importierten Mineralölerzeugnisse im Jahre 1999 um 28 % teurer als 1995. Für die Modellrechnung waren Indizes der Importpreise für Rohöl und Mineralölerzeugnisse bis zum Juli 2000 vorhanden. Um die Teuerungsraten für das gesamte Jahr 2000 zu schätzen, wurde der für den Juli 2000 statistisch nachgewiesene Preisanstieg für Rohöl gegenüber dem Durchschnitt des Jahres 1999 sowohl für die Rohöl- als auch für die Mineralölprodukteinfuhr zugrunde gelegt, da die Importpreisentwicklung der Hauptproduktgruppen mit dem Rohlölpreis etwa parallel verläuft. Daraus folgen für das Jahr 2000 Importpreissteigerungen gegenüber dem Jahresdurchschnitt 1999 für Rohöl und Mineralölprodukte in Höhe von 84 % und für Erdgas in Höhe von 74 %. Im Ergebnis entspricht dies der Preisentwicklung, wie sie in der jüngsten Gemeinschaftsdiagnose angenommen wurde. Mit den modellmäßig ermittelten Auswirkungen von Veränderungen der Importpreise für Erdöl, Erdgas und Mineralölprodukte auf die Herstellungspreise in den Produktionsbereichen in den Jahren 1999 und 2000 wurden die sektoralen Produktionswerte des Jahres 1995 inflationiert. Aus dem Vergleich der so unter Zugrundelegen der Ölpreise von 1999 bzw. 2000 errechneten Gesamtkosten ergibt sich dann der Kostenanstieg bzw. der Anstieg der Herstellungspreise, der ausschließlich der Verteuerung der Importe von Öl, Erdgas und Ölprodukten in dieser Zeit zugerechnet werden kann. Die prozentualen Veränderungsraten für die beiden Varianten 2000/1999 bzw. 1999/1995 sind in Tabelle 3 nachgewiesen, wobei sich die Ergebnisdarstellung auf 58 Produktionsbereiche beschränkt. Darüber hinaus wurde bei den gesamten Kosteneffekten der Produktionsbereiche nach direkten und indirekten Effekten unterschieden. Das Ausmaß der unmittelbaren Kostenbelastung ergibt sich aus dem Vergleich der aufgrund des Preisanstiegs höheren Inputkoeffizienten für Öl- und Erdgasimporte mit den Kostenanteilen der Vorperiode. Die mittelbaren Effekte, die sich als Differenz zu den Gesamteffekten errechnen, sind Resultat des Überwälzungsprozesses. | ||
| Ergebnisse der Modellrechnung | Für die Produktionsbereiche insgesamt ergibt sich im Jahre 2000 ein Kostenanstieg gegenüber 1999 um durchschnittlich 1 %. Von 1995 bis 1999 hatten der Importpreisanstieg von Öl und Ölprodukten um 27 % sowie der Preisrückgang bei Erdgasimporten von 5 % zu einem potentiellen Preisanstieg von 0,22 % geführt. Die Ergebnisse machen deutlich, dass die überaus kräftige Verteuerung der Importe von Erdöl, Erdgas und Mineralölprodukten in diesem Jahr im Vergleich zu 1999 für den Durchschnitt aller Produktionsbereiche eine fast fünfmal so hohe Kostensteigerung zur Folge haben könnte wie in der Periode 1995 bis 1999 (Tabelle 3). Die Abweichungen vom Durchschnitt und die beachtliche Variationsbreite der gesamten Preiseffekte in den einzelnen Produktionsbereichen lassen sich im Großen und Ganzen durch das unterschiedliche Gewicht des Öl- und Erdgaseinsatzes in den Produktionsbereichen bzw. durch den jeweiligen direkten und indirekten Mineralölgehalt der einzelnen Gütergruppen erklären. Danach kann sich - bei voller Überwälzung der von 1999 auf 2000 gestiegenen Importpreise für Rohöl, Erdgas und Mineralölprodukte und einer in allen Szenarien gleichen Entwicklung der anderen Kostenfaktoren in den beiden Jahren - in 16 der 58 Produktionsbereiche ein gesamter Preiseffekt von mehr als 1 % ergeben. Im Vergleichszeitraum 1995 bis 1999 sind es zehn Bereiche, deren gesamte Kostenbelastung über dem Durchschnitt von 0,22 % liegt. Die Ergebnisse zeigen weiterhin, dass die indirekten Effekte, die auf die in den Vorleistungsbezügen der Produktionsbereiche "enthaltenen" Öl- und Erdgaskostenbestandteile zurückzuführen sind, in den meisten Bereichen einen größeren Belastungsfaktor als die direkten Effekte darstellen. In der Untersuchungsperiode 1995 bis 1999 sind es zwei Bereiche (Mineralöl, Kokerei, Spalt- und Brutstoffe sowie Luftfahrt), bei denen die direkten Einsatzkosten für Erdöl, Erdgas und Mineralölprodukte vorherrschen. Weil die Erdgasimporte im Jahre 1999 billiger waren als 1995, ergeben sich hier in vier Bereichen (Erdöl, Erdgas; Papier, Pappe; NE-Metalle; Erzeugung und Verteilung von Gasen) sogar geringfügige Rückgänge der Herstellungspreise gegenüber 1995. Die Öl- und Gasimportpreissteigerungen von 1999 auf 2000 führen in sechs Produktionsbereichen zu direkten Kosteneffekten, die größer sind als die indirekten - bedingt durch die nun auch eingetretenen Preissteigerungen bei Erdgasimporten, die üblicherweise jenen von Heizöl mit etwa einem halben Jahr Verzögerung folgen. Fünf von ihnen gehören auch zu den 16 Bereichen, die im Jahre 2000 mit einer Preisanhebung von wenigstens 1 % zu rechnen haben. Sie sind in Abbildung 3 wiedergegeben, und zwar in der Rangfolge der Größe der Kosteneffekte. An der Spitze der Belastungsskala steht der Bereich Mineralöl, Kokerei, Spalt- und Brutstoffe (58,6 %), gefolgt von den Verkehrsbereichen Luftfahrt (10,1 %) und Schifffahrt (4,0 %). Die Gesamteffekte beschreiben - volle Überwälzung vorausgesetzt - die prozentualen Kostenzuwächse, die durch die Importpreissteigerungen bei Erdöl, Erdgas und Mineralölprodukten von 1999 auf 2000 ausgelöst werden. Davon entfällt bei Mineralöl, Kokerei, Spalt- und Brutstoffen und bei der Luftfahrt der weitaus größere Teil auf die direkten Kosteneffekte, während bei der Schifffahrt die vorleistungsinduzierten Effekte stärker zu Buche schlagen. Das gilt auch für den sonstigen Landverkehr, zu dem die Speditionen und der Straßengüterverkehr gehören; hier machen die direkten Effekte nur rund ein Achtel des gesamten Kostenanstiegs von 1,9 % aus. Eine Zurechnung der durch die Modellrechnung ermittelten sektoralen Preiseffekte im Jahre 2000 zu den Komponenten der letzten Verwendung (Konsumausgaben der privaten Haushalte, Konsumausgaben des Staates, Anlageinvestitionen, Vorratsveränderungen, Exporte) ist wegen fehlender aktueller disaggregierter Daten zur letzten Verwendung im Detail nicht möglich. Zwar sind die für die 58 Produktionsbereiche nachgewiesenen Teuerungsraten immer gleich, unabhängig vom Verwendungszweck der Gütergruppen, aber wegen des unterschiedlichen Gewichts der Gütergruppen in den Komponenten der letzten Verwendung variieren auch die gesamten Preiseffekte. Unter Berücksichtigung früherer Analysen kann jedoch angenommen werden, dass die Belastungseffekte bei den Konsumausgaben der privaten Haushalte etwa 1,3 % und bei den Exporten 1,2 % ausmachen. Bei den privaten Konsumausgaben ist dies u. a. auf die direkten Bezüge von importierten Mineralölerzeugnissen zurückzuführen, bei den Exporten auf die starke Inanspruchnahme von mineralölintensiven Transportleistungen. | ||
| Fazit | Bei der Modellrechnung wurde auf eine differenzierte Erfassung der Preissteigerungen bei den Importen von Erdöl, Erdgas und Mineralölprodukten Wert gelegt, weil die verschiedenen Produkte in die Kostenstruktur der Produktionsbereiche mit unterschiedlichem Gewicht eingehen. Die Kosten- und Preiseffekte der ökologischen Steuerreform wurden in der Modellrechnung aus gutem Grund ausgeklammert. Die damit verbundenen Wirkungen unterscheiden sich deutlich von denen des rohölbedingten Preisanstiegs bei Mineralölprodukten, da komplexe Sonderregelungen die Belastung für energieintensive Wirtschaftsbereiche erheblich verringern und der Steuererhöhung eine gesamtwirtschaftlich annähernd gleich große Entlastung bei den Rentenversicherungsbeiträgen gegenübersteht. Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Reform werden gegenwärtig in einer breiter angelegten Studie des DIW ausführlich untersucht. [8] Für das Jahr 2000 ist der potentielle gesamtwirtschaftliche Preisanstieg gegenüber 1999, der ausschließlich auf die Verteuerung der Importe von Erdöl, Erdgas und Mineralölprodukten zurückzuführen ist, auf 1 % zu veranschlagen. Die Ergebnisse der Modellrechnung zeigen, wie sich dieser zusätzliche Preisanstieg auf die verschiedenen Produktionsbereiche verteilt. Dabei werden nicht nur die direkten Kosteneffekte durch den unmittelbaren Öl- und Erdgaseinsatz berücksichtigt, sondern auch jene Effekte, die sich durch Überwälzung im Zusammenhang mit den Vorleistungen mittelbar ergeben. Für 16 der 58 Produktionsbereiche führt der Ölpreisanstieg zu Kostenbelastungen von mehr als 1 % im Jahre 2000. Die Auswirkungen auf die Kosten zeigen eine große Variationsbreite: Sie reichen von 58 % im Bereich Mineralöl, Kokerei, Spalt- und Brutstoffe, dem Hauptabnehmer von importiertem Rohöl, über 10 % in der Luftfahrt, für die der Kraftstoffeinsatz ein gewichtiger Kostenfaktor darstellt, bis zu nur geringen Belastungen - 0,2 bis 0,3 % - in einigen Bereichen, etwa bei Büromaschinen, Datenverarbeitung oder bei Verlagen. In der Mehrzahl der Produktionsbereiche betragen sie deutlich weniger als 1 %. | ||
| Kasten: Die Formel des Input- Output- Preismodells | Xp = (I-A') exp(-1) * A'p In der Gleichung stellt Xp den Preisvektor der Produktionswerte dar. I ist die Einheitsmatrix, A' die transponierte Matrix der Inputkoeffizienten für Vorleistungsbezüge aus dem Inland, A'p die transponierte Matrix der Inputkoeffizienten der primären Inputs. A'p umfasst die Komponenten der Bruttowertschöpfung, die Gütersteuern abzüglich Gütersubventionen und die Vorleistungsimporte. Für die vorliegende Analyse werden die Importe von Rohöl, Erdgas und Mineralölprodukten erfasst. Die Anteile der Energieimporte am Produktionswert werden im Modell entsprechend der Importpreissteigerung von 1995 zu 1999 und 2000 verändert; die anderen primären Inputkoeffizienten werden konstant gehalten. | ||
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| Tabelle 1 |
Durchschnittspreise und Abgaben für Heizöl, Diesel und Superbenzin
im Jahre 1999
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Produkt Preis je Liter in Landeswährung Preis nach Steuern je Liter = 100
Preis v. Mineral-MwSt Steuern Preis Preis Mineral-MwSt Steuern Preis
Steuern öl/Öko- insgesamt nach vor öl/Öko- insgesamt nach
steuer Steuern steuer Steuern
Deutschland
Heizöl 0,324 0,110 0,070 0,180 0,504 64,38 21,83 13,79 35,62 100
Diesel (1) 0,412 0,670 - 0,670 1,082 38,08 61,92 - 61,92 100
Superbenzin 0,448 1,025 0,236 1,261 1,709 26,21 59,98 13,81 73,79 100
Dänemark
Heizöl 1,777 1,970 0,937 2,907 4,684 37,94 42,06 20,00 62,06 100
Diesel (1) 2,859 1,630 - 1,630 4,489 63,69 36,31 - 36,31 100
Superbenzin 2,110 3,770 1,470 5,240 7,350 28,71 51,29 20,00 71,29 100
Belgien
Heizöl 6,145 0,550 1,406 1,956 8,101 75,85 6,79 17,36 24,15 100
Diesel (1) 9,222 11,700 - 11,700 20,922 44,08 55,92 - 55,92 100
Superbenz. 10,395 20,460 6,480 26,940 37,335 27,84 54,80 17,36 72,16 100
Niederlande
Heizöl 0,463 0,270 0,128 0,398 0,861 53,76 31,35 14,89 46,24 100
Diesel (1) 0,533 0,762 - 0,762 1,295 41,16 58,84 - 58,84 100
Superbenzin 0,644 1,293 0,339 1,632 2,276 28,30 56,81 14,89 71,70 100
Frankreich
Heizöl 1,232 0,526 0,362 0,888 2,120 58,13 24,79 17,08 41,87 100
Diesel (1) 1,212 2,499 - 2,499 3,711 32,66 67,34 - 67,34 100
Superbenzin 1,354 3,867 1,076 4,943 6,297 21,50 61,41 17,09 78,50 100
Italien
Heizöl 405 779 237 1 016 1 422 28,50 54,83 16,67 71,50 100
Diesel (1) 444 780 - 780 1224 36,27 63,73 - 63,73 100
Superbenzin 496 1048 309 1357 1853 26,77 56,56 16,68 73,23 100
Großbritannien
Heizöl 0,102 0,030 0,007 0,037 0,139 73,68 21,56 4,76 26,32 100
Diesel (1) 0,139 0,478 - 0,478 0,617 22,53 77,47 - 77,47 100
Superbenzin 0,196 0,510 0,124 0,634 0,830 23,61 61,45 14,94 76,39 100
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(1) Für kommerzielle Verwendung.
Quellen: Internationale Energieagentur; Berechnungen des DIW.
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| Tabelle 2 |
Einfuhr von Erdöl, Erdölerzeugnissen und Erdgas nach Deutschland
1995 bis 2000
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Erdöl und
Jahr Erdöl- Erdgas Insgesamt Erdöl Erdöl- Erdgas
erzeugnisse erzeugnisse
Werte in Mrd. DM Mengen in Mill. t
1995 28,4 19,5 37,9 100,9 43,4 51,8
1996 36,8 12,8 49,6 103,6 46,2 66,9
1997 40,1 13,8 53,9 100,5 49,3 64,0
1998 30,1 12,0 42,1 109,4 44,7 61,7
1999 34,4 10,5 44,9 103,9 40,5 63,9
2000 69,9 19,4 89,3 103,9 40,5 63,9
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Quellen: Statistisches Bundesamt; Bundesamt für Wirtschaft;
2000: Schätzungen des DIW.
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| Tabelle 3 |
Auswirkungen des Importpreisanstiegs bei Erdöl, Erdgas und Mineralölprodukten
auf die Herstellungspreise in ausgewählten Produktionsbereichen in Deutschland
in % der Gesamtkosten
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Preisanstieg 2000 gegenüber 1999 1999 gegenüber 1995
Produktionsbereich direkt indirekt ges. direkt indirekt ges.
Alle Produktionsbereiche 0,50 0,50 1,00 0,11 0,11 0,22
dar.: Landwirtschaft 0,16 0,93 1,09 0,03 0,22 0,25
Forstwirtschaft 0,64 1,01 1,65 0,16 0,25 0,40
Fischerei und Fischzucht 0,34 1,19 1,53 0,08 0,13 0,21
Kohle und Torf 0,05 0,45 0,50 0,01 0,10 0,11
Erdöl, Erdgas 0,89 0,41 1,31 -0,06 0,09 0,03
Erze 0,00 0,41 0,41 0,00 0,05 0,05
Steine und Erden, sonstiger Bergbau 0,41 1,55 1,96 0,05 0,37 0,42
Nahrungsmittel 0,16 0,64 0,80 0,01 0,14 0,15
Getränke 0,20 0,71 0,91 0,02 0,15 0,17
Tabakwaren 0,05 0,33 0,38 0,01 0,06 0,07
Textilien 0,22 0,63 0,85 0,00 0,12 0,12
Bekleidung 0,06 0,34 0,40 0,01 0,07 0,08
Leder und Lederwaren 0,07 0,46 0,54 0,00 0,10 0,10
Holz und Holzwaren 0,08 0,55 0,63 0,01 0,11 0,13
Papier, Pappe 0,72 0,63 1,35 -0,02 0,13 0,11
Papierwaren 0,26 0,52 0,78 0,00 0,08 0,08
Verlage 0,04 0,23 0,27 0,01 0,05 0,05
Druckerzeugnisse 0,06 0,35 0,41 0,00 0,06 0,06
Mineralöl, Kokerei,
Spalt- und Brutstoffe 46,64 11,92 58,56 13,93 3,55 17,48
Pharmazeutische Erzeugnisse 0,04 0,35 0,39 0,00 0,08 0,08
Andere chemische Erzeugnisse 1,06 2,02 3,08 0,19 0,48 0,67
Gummiwaren 0,19 0,47 0,66 0,00 0,09 0,08
Kunststoffwaren 0,07 0,66 0,73 0,00 0,14 0,14
Glas und Glaswaren 0,79 0,79 1,58 0,01 0,16 0,17
Keramik, bearbeitete Steine und Erden 0,45 0,77 1,21 0,04 0,17 0,21
Roheisen, Stahl 0,53 0,91 1,44 0,01 0,19 0,20
NE-Metalle 0,28 0,40 0,68 -0,01 0,06 0,05
Gießereierzeugnisse 0,25 0,61 0,86 0,00 0,11 0,11
Metallerzeugnisse 0,10 0,39 0,49 0,00 0,07 0,07
Maschinen 0,05 0,32 0,38 0,01 0,06 0,07
Büromaschinen,
Datenverarbeitungsgeräte 0,02 0,21 0,24 0,00 0,04 0,05
Geräte der Elektrizitätserzeugung,
-verteilung u. Ä. 0,06 0,28 0,33 0,00 0,05 0,06
Rundfunk-, Fernseh-
und Nachrichtentechnik 0,04 0,30 0,34 0,00 0,06 0,06
Medizin-, Mess-, Steuer-,
Regelungstechnik 0,04 0,28 0,32 0,00 0,06 0,06
Kraftwagen 0,04 0,35 0,39 0,00 0,06 0,06
Sonstige Fahrzeuge 0,07 0,31 0,38 0,00 0,05 0,05
Möbel, Schmuck, Musikinstrumente,
Spielwaren 0,06 0,41 0,46 0,01 0,08 0,09
Sekundärrohstoffe 0,25 0,72 0,97 0,03 0,12 0,16
Erzeug. u. Verteilung von
Elektrizität und Fernwärme 1,04 0,99 2,03 0,04 0,24 0,28
Erzeugung und Verteilung von Gasen 0,35 0,20 0,55 -0,02 0,04 0,02
Gewinnung und Verteilung von Wasser 0,03 0,29 0,32 0,01 0,05 0,06
Hoch- und Tiefbauarbeiten 0,06 0,61 0,68 0,02 0,13 0,15
Sonstige Bauarbeiten 0,05 0,40 0,45 0,01 0,09 0,10
Handelsleistungen mit Kfz;
Reparaturen 0,07 0,28 0,35 0,01 0,06 0,07
Großhandel 0,06 0,29 0,36 0,01 0,07 0,08
Einzelhandel 0,11 0,32 0,43 0,01 0,07 0,09
Beherbergungs-,
Gaststättendienstleistungen 0,12 0,37 0,49 0,01 0,08 0,08
Eisenbahn 0,13 0,84 0,96 0,02 0,19 0,22
Sonstiger Landverkehr 0,24 1,63 1,87 0,06 0,41 0,47
Schifffahrt 1,02 2,93 3,95 0,21 0,74 0,95
Luftfahrt 7,73 2,33 10,06 2,17 0,60 2,77
Hilfs- und Nebentätigkeiten
für den Verkehr 0,07 0,96 1,03 0,02 0,24 0,25
Kreditinstitute 0,03 0,56 0,58 0,00 0,11 0,11
Forschungs- u. Entwicklungsleistungen 0,07 0,25 0,33 0,01 0,05 0,06
Öffentliche Verwaltung, Verteidigung 0,13 0,32 0,45 0,02 0,07 0,10
Sozialversicherung 0,01 0,26 0,27 0,00 0,05 0,05
Gesundheits- und Sozialwesen 0,10 0,18 0,27 0,01 0,04 0,05
Interessenvertretungen, Kirchen u. Ä. 0,10 0,18 0,27 0,01 0,04 0,05
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Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des DIW.
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| © DIW Berlin Wochenbericht 45/00 | |||

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