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| Wochenbericht des DIW Berlin 48/00 Stromwirtschaft in Mittel- und Osteuropa: Mehr Wettbewerb im Vorfeld des EU-Beitritts erforderlich | |||
| Bearbeiter | Christian von Hirschhausen Uta Kreibig Petra Opitz | ||
| Die mittel- und osteuropäischen Stromwirtschaften befinden sich auf einem mühsamen Reformkurs. Nach der Stabilisierung von Produktion und Verbrauch stehen in den meisten Ländern grundlegende Reformschritte wie Privatisierung und Liberalisierung der Strommärkte noch bevor. Bisher sind Ungarn und Polen bei der Reform ihrer Stromwirtschaft noch am weitesten vorangekommen. Langfristig wollen die mittel- und osteuropäischen Länder den Stromhandel stärker ausweiten. Bemerkenswert ist das Festhalten an der Atomkraft. | |||
| Bestandsaufnahme | Zu Beginn der Transformation Anfang der 90er Jahre war in allen mittel- und osteuropäischen Ländern der Stromverbrauch pro Kopf der Bevölkerung zwar im Vergleich zu Westeuropa niedrig. Dabei war jedoch die Stromintensität, d. h. das Verhältnis von Stromverbrauch zu Bruttoinlandsprodukt (BIP [1]), hoch. Letzteres hatte seine Ursache vor allem in niedrigen Strompreisen, welche zu einem verschwenderischen Umgang mit Energie führten. Zehn Jahre danach hat sich dieses Bild kaum verändert. Zwar ist der Stromverbrauch in allen Ländern zurückgegangen und der jährliche Pro-Kopf-Stromverbrauch liegt mit durchschnittlich 3 600 kWh (1998) immer noch deutlich unter dem der EU-Länder (6 300 kWh). [2] Die Stromintensität der mittel- und osteuropäischen Länder verharrt aber weiter auf einem sehr hohen Niveau. Während sie innerhalb der EU im Jahre 1998 bei 0,3 kWh (je BIP in US- Dollar) lag, erreichte sie in Mittel- und Osteuropa 1,37 kWh (Tabelle 1). Ein wesentlicher Grund hierfür sind die nach wie vor niedrigen Stromtarife, die aus (sozial-)politischen Interessen beibehalten werden. Ein etwas differenzierteres Bild ergibt sich bei der Anpassung der Tarifstruktur (Abbildung 1). Im Unterschied zu westlichen Ländern lagen in Planwirtschaften die Stromtarife der Haushalte unter denen der Industrie. Dies gilt heute noch für eine Reihe von osteuropäischen Staaten. Eine Anpassung gab es hingegen in einigen jener Länder, die in der Transformation weiter vorangeschritten sind. In Polen und Slowenien z. B. sind die Haushaltsstromtarife heute schon um gut 50 % höher als die Tarife in der Industrie [3] - eine deutliche Annäherung an die westeuropäischen Länder, wo die Haushaltstarife im Durchschnitt reichlich doppelt so hoch liegen. | ||
| Die EU-Stromrichtlinie als Anreiz für Reformen | Für die zehn ostmitteleuropäischen Beitrittskandidaten ist die EU- Gesetzgebung der energiepolitische Referenzrahmen. Relevant für den Elektrizitätssektor ist die 1996 verabschiedete Richtlinie für den EU- Strombinnenmarkt [4], die auch in Westeuropa eine neue Ära einleitete. Sie hat die Schaffung eines europäischen Binnenmarktes für Elektrizität zum Ziel. Insbesondere sollen die Bereiche Stromerzeugung und -vertrieb, die nicht länger als natürliche Monopole eingestuft werden, liberalisiert werden. Wegen der unterschiedlichen Organisation der europäischen Stromwirtschaften verständigten sich die EU-Mitgliedsländer auf eine schrittweise Öffnung der nationalen Strommärkte. [5] Es kann zwischen einem verhandelten oder regulierten Netzzugang Dritter und/oder dem Alleinabnehmermodell [6] gewählt werden. Ferner gelten Vorschriften für eine buchhalterisch getrennte Kostenrechnung und Rechnungslegung (Unbundling), soweit Erzeugung, Transport, Verteilung und Vertrieb nicht in getrennten Unternehmen organisiert werden. Der mittel- und osteuropäische Elektrizitätssektor war Anfang der 90er Jahre durch vertikal integrierte Strommonopole geprägt, welche vollständig in staatlicher Hand waren. Der Staat stand vor der Aufgabe, die Neuorganisation der Elektrizitätswirtschaft quasi "von oben" durchzuführen. Folgende Reformschritte sind dazu notwendig: -die Umstrukturierung der Stromwirtschaften, d.h. die Trennung der einzelnen Bereiche der Elektrizitätswirtschaft, zumindest aber Unbundling -die Einrichtung unabhängiger Regulierungsbehörden [7] -die Einführung kostendeckender Preise -die Umwandlung der ehemaligen Staatsbetriebe in Aktiengesellschaften und deren Privatisierung -die (schrittweise) Marktöffnung In den meisten EU-Beitrittsländern sind diese Reformschritte noch nicht vollständig umgesetzt worden (Tabelle 2). Die Reformen gestalten sich deshalb schwierig, weil im Unterschied zu den EU-Mitgliedsländern gleichzeitig die Transformation der gesamten Wirtschaft in Angriff genommen wurde. Hinzu kam, dass der Elektrizitätssektor in einigen osteuropäischen Ländern als strategisch wichtiger Sektor eingestuft und zunächst vollständig von der Privatisierung ausgenommen worden war. Daher sind dort anfänglich keine Umstrukturierungspläne entwickelt worden. Erst mit der Bewerbung um die EU-Mitgliedschaft wurde eine Neuorganisation des Stromsektors in diesen Ländern forciert. Reformgeschwindigkeiten und - erfolge sind jedoch unterschiedlich. Polen und Ungarn weisen bisher die besten Ergebnisse auf. In beiden Ländern gibt es unabhängige Stromproduzenten, auch wenn deren Marktanteil noch sehr gering ist. Ungarn hat das Alleinabnehmermodell gewählt, das zunächst ein Mindestmaß an Wettbewerb ermöglicht, jedoch keine schnelle und umfassende Liberalisierung vorsieht. Es ist das einzige Land, das frühzeitig und konsequent die Privatisierung der Stromwirtschaft eingeleitet hat und Stromerzeugungsunternehmen an strategische, meist ausländische Investoren verkaufte. [8] Auch die Mehrheit des Aktienkapitals der sechs Verteilungsunternehmen wurde an ausländische Unternehmen verkauft. Allerdings hat sich der Staat mit der so genannten "goldenen Aktie" ein Vetorecht bei wichtigen Unternehmensentscheidungen vorbehalten. Für die weitere Liberalisierung werden derzeit zwei Szenarien diskutiert, deren Realisierung vom Zeitpunkt des EU-Beitritts abhängig ist. [9] Polen wurde lange Zeit als Vorreiter bei der Reform der Stromwirtschaft gesehen. Das Land hat die Erwartungen aber nicht erfüllt. In Polen wurde von 1997 an mit Inkrafttreten des Energiegesetzes die Umstrukturierung des Sektors begonnen. Im Jahre 1998 wurden offiziell 36 % des polnischen Strommarktes für den Wettbewerb geöffnet. [10] Bis dahin war aber erst ein Kraftwerk privatisiert worden. In den Folgejahren wurde die Privatisierung aus politischen Gründen verzögert. [11] Stromunternehmen wurden nicht in dem Maße wie ursprünglich geplant an ausländische strategische Investoren verkauft. [12] Schließlich ist auch der Poolhandel erst nach mehrjähriger Ankündigung im Juli 2000 realisiert worden. Das Handelsvolumen ist bisher gering, [13] da 70 % der Stromnachfrage durch langfristige Verträge gebunden sind. Unklar ist, ob die Privatisierung in naher Zukunft forciert werden wird. Dabei sind die Chancen für umfangreiche Verkäufe gut, da das Interesse ausländischer Energieunternehmen an dem Erwerb von Aktien polnischer Stromunternehmen hoch ist. [14] In der Slowakei, Tschechien, Bulgarien, Rumänien und den baltischen Ländern sind noch keine nennenswerten Fortschritte bei der Reform der Stromwirtschaft erzielt worden. In den meisten Ländern wird die Stromwirtschaft von noch integrierten Monopolen dominiert. Ebenso befindet sich die Mehrheit der Unternehmen weiter in staatlicher Hand. In der Slowakei und Tschechien wurden bislang nur erste Schritte einer Neuorganisation gemacht. So ist lediglich die Stromverteilung von den anderen Bereichen der Stromwirtschaft getrennt worden. In der Slowakei wurde 1998 ein Energiegesetz verabschiedet, das die Einführung des Alleinabnehmermodells vorsieht. Dessen Überarbeitung wird aber bereits diskutiert. [15] Bulgarien und Rumänien gelten unter den EU-Beitrittskandidaten als Schlusslichter bei der Reform ihrer Stromwirtschaft. Mit der Umstrukturierung der staatlichen Strommonopole wurde erst in diesem Jahr begonnen. Demgegenüber wurden in den drei baltischen Ländern erste Reformschritte unternommen; aufgrund der geringen Größe der Stromwirtschaften ist überlegenswert, ob das Alleinabnehmermodell hier sinnvoll wäre. Insgesamt ist in Mittel- und Osteuropa eine deutliche politische Zurückhaltung gegenüber privaten Beteiligungen im Stromsektor - insbesondere aus dem Ausland - zu erkennen. In Estland, Lettland, Tschechien und Slowenien sollen große Teile der Stromwirtschaft in Staatshand verbleiben. Die nächsten Schritte bei der Reform der Stromwirtschaften in Osteuropa dürften vom Fortschritt bei den EU- Beitrittsverhandlungen abhängen. Zu beachten ist aber, dass auch innerhalb der EU die Stromrichtlinie zum Teil nur zögerlich umgesetzt wird. | ||
| Perspektiven: Ausbau des Ost-West Stromhandels, Festhalten an der Kernenergie | Früher reichten die Kapazitäten in Ostmitteleuropa nicht aus, um den Bedarf an Elektrizität zu decken; die Länder waren daher auf Stromimporte aus der Sowjetunion angewiesen. Mit Beginn der wirtschaftlichen Transformation gingen allerdings Verbrauch und Import von Strom kräftig zurück. [16] Aufgrund der gesunkenen Nachfrage bestehen zurzeit Überkapazitäten vor allem in Polen, Tschechien, Litauen, der Slowakei und Slowenien.[17] Diese Länder sehen darin Möglichkeiten für einen verstärkten Stromexport nach Westeuropa. Sie haben zumeist nicht nur den Vorteil, dass sie netztechnisch bereits vollständig mit Westeuropa verbunden sind (Abbildung 2); [18] sie gelten im Vergleich zu den Stromerzeugern in der GUS auch als zuverlässige Handelspartner. Bereits seit Mitte der 90er Jahre gibt es auch einen Nettostromzufluss aus Ostmitteleuropa in die EU (Abbildung 3). Bei einer Ausweitung der Stromexporte aus den Beitrittsländern nach Westeuropa ist allerdings ein harter Preiskampf zu erwarten. Erstens haben auch die Ukraine und die Russische Föderation ein großes Interesse an Stromexporten. Zweitens bestehen innerhalb der EU ebenfalls Überkapazitäten. Nicht zuletzt deshalb sind die Strompreise hier infolge der Liberalisierung seit 1998 gefallen. Es gilt allerdings abzuwarten, wie sich die Stromnachfrage im Zuge des Wirtschaftswachstums in den Beitrittsländern entwickelt und ob es dann überhaupt zu umfangreichen Stromexporten aus Osteuropa kommen wird. Ein Abschied der Beitrittsländer von der Kernkraft ist vorerst nicht in Sicht. Bulgarien, Litauen und die Slowakei haben sich im Rahmen der EU- Beitrittsverhandlungen verpflichtet, Kernreaktoren vom Typ RBMK und WWER- 440/230 stillzulegen; [19] dies ist bis spätestens 2009 zu erwarten (Tabelle 3). Allerdings befinden sich in den Beitrittsländern noch vier Kernkraftwerke im Bau, keines dagegen in der EU. [20] Somit erhöht sich in dieser Region mittelfristig die installierte Kernkraftkapazität auf 17,5 GW. Erst von 2009 an ist in Ostmitteleuropa nach bisherigem Stand mit einer Abnahme der installierten Kapazität auf etwa 12,5 GW [21] zu rechnen. [22] | ||
| Fazit | Die meisten ostmitteleuropäischen EU-Beitrittskandidaten haben ihre Stromwirtschaft bisher nur langsam reformiert. Angesichts des sich konkretisierenden EU-Beitritts gibt es Anlass, die Privatisierung und Liberalisierung des Sektors zu beschleunigen. Besonderes Augenmerk muss dabei der Anpassung der Preisstruktur gelten. Eine weitere Öffnung für ausländische Investoren kann helfen, den hohen Investitionsbedarf der Stromwirtschaft zu decken. [1] Gemessen in US-Dollar zu Preisen von 1990. [2] http://www.eia.doe.gov/emeu/international/electric.html vom 16.9.2000. [3] Nach wie vor sind die Strompreise aber niedrig. In der EU zahlten Industrieverbraucher im Jahre 1999 pro Kilowattstunde durchschnittlich 0,07 US-$, die Haushalte 0,15 US-$. In Polen, Ungarn und Slowenien lagen die Preise bei ca. 0,04 US-$/kWh bzw. 0,06 US-$/kWh. OECD/IEA: Electricity Information 2000, Paris 2000; Eles-Slovenija: 1999 Annual Report, Ljubljana 1999, S. 38. [4] Richtlinie 96/92/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom Dezember 1996 betreffend gemeinsame Vorschriften für den Elektrizitätsbinnenmarkt. [5] Bis zum Jahre 2003 sollen mindestens 33 % der nationalen Märkte liberalisiert werden (Artikel 19). [6] Beim regulierten sowie verhandelten Netzzugang Dritter wird die territoriale Integration von Gebietsmonopolen aufgehoben, da Dritten fortan der Zugang zum Netz für Stromdurchleitungen gewährt werden muss, für die der Netzeigentümer Durchleitungsentgelte erhält. Beim Alleinabnehmermodell bleibt die territoriale Integrität von Gebietsmonopolen bestehen, der Alleinabnehmer ist lediglich verpflichtet, bestimmte Mengen Elektrizität von unabhängigen und gebietsfremden Erzeugern zu kaufen. [7] Die Einrichtung von Regulierungsbehörden ist in der europäischen Strombinnenmarktrichtlinie 96/92/EG nicht vorgesehen. Es wurde lediglich festgelegt, dass eine unabhängige Stelle für die Schlichtung von Streitfällen zu benennen ist. Für die osteuropäischen Transformationsländer wird die Installation unabhängiger Regulierungsbehörden bei der Umwandlung der ehemals staatlichen Strommonopole als unverzichtbar angesehen. Ferner sollten die Regulierungsregeln vor der Privatisierung festgelegt werden. David Kennedy: Competition in the power sectors of transition economies. EBRD Working paper No. 41/1999. [8] Das Kernkraftwerk Paks blieb bisher von der Privatisierung ausgenommen. Vgl. OECD/IEA: 1999 Hungary Review, Paris 1999, S.107. [9] Eine schnelle Liberalisierung könnte bis 2005 vollzogen sein, eine langsame erst bis 2012. Vgl. EBRD: Transition Report 2000, London 2000, S.170. [10] http://www.cire.pl/cire/polish/index.htm vom 10.11.2000 (Informationen über den polnischen Stromsektor). [11] 1999 wurden vier der 33 Verteilungsunternehmen und sechs der 35 Erzeugungsunternehmen in Polen privatisiert; ebenda. [12] 20 % der Aktien einer Gruppe von Kraftwerken (Patnew-Adamew-Konin- Gruppe) sollten 1999 an den britischen Stromerzeuger National Power verkauft werden. Die Verhandlungen scheiterten, und schließlich kaufte ein polnisches Konsortium das Aktienpaket. EBRD: Transition Report 1999, London 2000. [13] Im Oktober 2000 wurden täglich lediglich 3 500 MWh gehandelt (Durchschnitt). Vgl. http://polpx.pl vom 14.11.2000 [14] Besonders interessiert an Beteiligungen sind die RWE Energie AG und Vattenfall AB sowie die Electricit‚ de France (EdF). EdF ist bisher einer der größten Investoren im polnischen Strommarkt. Das französische Unternehmen hält dort 45 % der Anteile des 1999 privatisierten Stromerzeugers Zespot Electrocieptowni Wybrzeze sowie ein Kontrollpaket beim Erzeuger Elektrocieptowni Krakow. http://www.eia.doe.gov/emeu/cabs/poland.html vom 23.4.2000. | ||
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| Tabelle 1 |
Charakteristika der Stromwirtschaften in Mittel- und Osteuropa 1998
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Polen Tsche- Ungarn Slo- Slo- Estland Lit.
chien wakei wenien
Nettostromproduktion (TWh) (1) 130,3 60,3 34,3 20,0 13,2 8,7 15,6
Stromimport (TWh) 4,6 8,4 3,9 5,0 0,5 0,1 0,3
Stromexport (TWh) 8,1 10,8 3,3 2,5 2,1 0,7 4,2
Nettostromverbrauch (TWh) (2) 111,5 52,9 30,1 21,1 10,7 7,6 7,8
Bevölkerung (Mill.) 38,7 10,3 10,1 5,4 1,9 1,4 3,6
Pro-Kopf-Verbrauch (kWh) 3470 1954 3359 3915 1777 5315 4615
Spezifischer Verbrauch
(kWh/BIP (3)) 1,427 2,001 0,852 1,739 0,415 1,225 1,278
Jahr des niedrigsten Netto-
stromverbrauchs seit 1990 1992 1993 1994 1993 1993 1993 1994
Rückgang gegenüber
1990 in % -9 -10 -12 -10 -10 -33 -40
Installierte Kapazität (GW) 29,9 13,9 7,9 8,3 2,5 2,7 6,3
dav.: Fossil 27,9 11,3 6,2 3,3 1,1 2,7 2,6
Kernkraft 0,0 1,8 1,8 2,6 0,7 0,0 3,0
Wasserkraft 2,0 0,9 0,0 2,4 0,7 0,0 0,7
Internationale Anbindung (4) UCTE UCTE UCTE UCTE UCTE VES VES
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Lett- Rumä- Bulga- Russ- Ukrai-
land nien rien land ne
Nettostromproduktion (TWh) (1) 4,8 52,5 38,4 771,9 157,9
Stromimport (TWh) 0,8 1,2 1,8 5,8 4,1
Stromexport (TWh) 0,3 0,5 2,0 21,0 7,0
Nettostromverbrauch (TWh) (2) 4,9 49,6 35,5 702,7 144,0
Bevölkerung (Mill.) 2,7 22,6 8,6 146,5 50,5
Pro-Kopf-Verbrauch (kWh) 5510 2195 4128 4795 2851
Spezifischer Verbrauch
(kWh/BIP (3)) 0,704 1,647 2,426 2,006 2,262
Jahr des niedrigsten Netto-
stromverbrauchs seit 1990 1995 1994 1994 1998 1997
Rückgang gegenüber
1990 in % -45 -25 -20 -30 -33
Installierte Kapazität (GW) 2,1 22,6 12,1 205,6 55,3
dav.: Fossil 0,6 16,1 1,4 140,5 36,7
Kernkraft - 0,6 3,5 21,2 13,9
Wasserkraft 1,5 5,9 7,1 43,9 4,7
Internationale Anbindung (4) VES - - VES VES
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(1) Nettostromproduktion = heimische Produktion - Eigenverbrauch
der Kraftwerke.
(2) Nettostromverbrauch = heimische Produktion + Importe - Exporte -
Übertragungs- und Verteilungsverluste.
(3) BIP in US-Dollar zu Preisen von 1990.
(4) Polen, Tschechien, Ungarn und die Slowakei sind im Netzverbund CENTREL
zusammengeschlossen und seit 1999 assoziierte Mitglieder des westeuropäischen
Verbundsystems UCTE. VES: Vereinigtes Energiesystem.
Quellen: EIA; OECD/IEA: Electricity Information 2000, Paris 2000; OECD/IEA:
Energy Balances of Non-OECD Countries 1996-1997, Paris 1999; OECD/IEA: Energy
Statistics and Balances of Non-OECD Countries, Paris, verschiedene Ausgaben;
OECD/IEA: Electricity in European Economies in Transition, Paris 1994;
Lietuvos Energija AB.
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| Tabelle 2 |
Stand der institutionellen Reformen der Stromwirtschaft in den
ostmitteleuropäischen Ländern
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Polen Ungarn
Marktbeschreibung
Erzeugung 35 Erzeugungsunter- 8 Erzeugungsunterneh-
nehmen men und 5 lizenzierte
Stromerzeuger
Übertragung PSE SA (3) MVM Rt. (4)
Verteilung 33 Verteilungsunternehmen 6 Verteilungsunternehmen
Marktmodell regulierter Netzzugang Alleinabnehmer
mit Poolhandel (seit 6/2000)
Restrukturierung Unbundling und Separation
Separation
Eigentumsverhältnisse
Erzeugung staatlich und privat- ausländische und unga-
wirtschaftlich rische Privatanleger;
staatlich; MVM RL
Übertragung staatlich staatlich
Verteilung vor allem staatlich überwieg. ausländische
Beteiligungen, "goldene
Aktie" beim Staat
Großhandel schrittweise MVM fungiert als Allein-
seit 1998 bis 2006; Pool- abnehmer; bis 2006:
handel ab 8/2000 mögl. 35 %
Einzelhandel ab 2006 alle Verbraucher gering: zwisch. Verteiler
und Großkunden
Regulierer Regulierungsbehörde: Energiebehörde: MEH (8);
URE (7) (Ministerrat) Wirtschaftsministerium
Atombehörde
Legitimation Energiegesetz 1997 Stromwirtschaftsges. 1994
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Tschechien Slowakei
Marktbeschreibung
Erzeugung CEZ a. s. (1) (ca. 74 %) SE a. s. (2) (ca. 87 %)
und Elektrany Opatovice und einige IPP
a. s.
Übertragung CEPS a. s. (CEZ-Tochter) SE a. s.
Verteilung 8 Verteilungsunternehmen 3 Verteilungsunternehmen
Marktmodell verhandelter Netzzugang Alleinabnehmer
Restrukturierung bisher Verteilung von bisher Verteilung von
Erzeugung und Übertra- Erzeugung und Übertra-
gung getrennt gung getrennt
Eigentumsverhältnisse
Erzeugung 67 % staatlich; einige überwiegend staatlich
ausländische Betei-
ligungen
Übertragung 67 % staatlich; einige SE a. s.: 93,7 % staatlich
ausländische Beteili- 3,3 % Slovensky plyma-
gungen rensky priemysel s. p.,
3,0 % Restitution Fund
Verteilung 46-48 % staatlich; staatlich
kommunal, einige aus-
ländische Anleger
Marktöffnung
Großhandel schrittweise ab 2002 schrittweise von 2001
geplant bis 2006 geplant
Einzelhandel bisher nicht bisher nicht
Regulierer Energieregulierungsbehör- Finanzministerium;
de (Industrie- und Handels- Wirtschaftsministerium
minist.); Finanzminister. und Antimonopolbehörde
Legitimation Energiegesetz 1995 Energieges. No. 70/1998
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Slowenien
Marktbeschreibung
Erzeugung 8 Erzeugungsunter-
nehmen
Übertragung Eles (5)
Verteilung 5 Verteilungsunternehmen
Marktmodell regulierter Netzzugang
Restrukturierung Separation
Eigentumsverhältnisse
Erzeugung staatlich
Übertragung staatlich
Verteilung staatlich
Marktöffnung
Großhandel schrittweise ab 2001
Einzelhandel bisher nicht
Regulierer mehrere Ministerien,
Energie-Agentur (geplant)
Legitimation Energiegesetz 9/1999
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Estland Litauen
Marktbeschreibung
Erzeugung Eesti Energia AS (95 %); Lietuvos Energija AB;
kleinere Kraftwerke KKW Ignalina; Kraftwerk
Vilnius und Kaunas
Übertragung Eesti Energia AS Lietuvous Energija AB
Verteilung 5 regionale Netzgesell- 7 Regionalverteiler
schaften (3 davon bei (Lietuvos energija AB)
Eesti Energija; Laanema
und Narva als unab-
hängige Gesellschaften)
Marktmodell regulierter Netzzugang regulierter Netzzugang
Restrukturierung z. T. Separation; Unbundling z. T. Separation
Eigentumsverhältnisse 85,8 % staatlich; 9,8 %
ausländ. Beteiligung
4,4 % andere
Erzeugung privat und staatlich
Übertragung staatlich
Verteilung privat und staatlich
Marktöffnung bisher nicht, gepl. 2003 schrittweise ab 2001
Regulierung Aufsichtsamt für den Energieagentur; Energie-
Energiemarkt inspektion; Nationale
Kontrollkommission für
Energiepreise
Legitimation Energiegesetz 1998 Energiegesetz 2000
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Lettland Bulgarien
Marktbeschreibung
Erzeugung Latvenergo (97 %); NEK AG (9) u. einige aus-
kleinere Wasser- und gegliederte Kraftwerke
Wärmekraftwerke sowie Industrieerzeuger
Übertragung Latvenergo NEK AG
Verteilung Latvenergo 7 Verteilungsunter-
nehmen
Marktmodell Alleinabnehmermodell Alleinabnehmermodell
Restrukturierung beginnende Separierung
Eigentumsverhältnisse vorerst keine Privati- staatlich, Privatisierung
sierung bis 2010 geplant
Erzeugung
Übertragung
Verteilung
Marktöffnung bisher nicht bisher nicht
Regulierung Energieregulierungsrat
(unter Wirtschafts-
ministerium)
Legitimation Energiegesetz 1998 Energie- und Effizienz-
gesetz 1999
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Rumänien
Marktbeschreibung
Erzeugung Termoetectrica (Wärme
KW); Hidroelectrica
(Wasser KW); KKW; 10
lizenzierte Stromerzeug.
Übertragung Transelectrica
Verteilung Electrica
Marktmodell regulierter Netzzugang
Restrukturierung Separation
Eigentumsverhältnisse staatlich
Erzeugung
Übertragung
Verteilung
Marktöffnung bisher nicht
Regulierung Energie- und Regulie-
rungsbehörde
Legitimation zwei Rechtsakte der
Energie-Regulierungs-
behörde
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(1) CEZ a.s.: Ceske Energeticke Zavody.
(2) SE a.s.: Slovenske elektr rne.
(3) PSE SA: Polskie Sieci Elektroenergetyczne SA.
(4) MVM Rt.: Magyar Villamos Muvek Reszvenytarsag.
(5) Eles: Elektro Slovenija.
(6) Zapadoslovenske energeticke zavody (ZSE); Stredoslovenske energeticke
zavody (SSE); Vychodoslovenske energeticke zavody (VSE).
(7) URE: Urzad Regulacji
(8) MEH: Magyar Energia Hivatal.
(9) NEK AG: Natsionalna Elektriceska Kompania.
Quellen: OECD/IEA: Electricity in European Economies in Transition, Paris,
1994; OECD/IEA: Energy Policies of Poland, Paris, 1995; OECD/IEA: Energy
Policies of the Czech Republic, Paris, 1994; OECD/IEA: Energy Policies of
Slovenia, Paris, 1996; OECD/IEA: Hungary 1999 Review, Paris, 1999; Kennedy,
David: Competition in the power sectors of transition economies, EBRD Working
paper No. 41/1999; Stern, Jon und Junior R. Davis: Economic reform of the
electricity industries of the Central and Eastern Europe, in: Economic in
Transition, vol. 6 (2), 1998; Wirtschaftsministerium der Slowakischen Republik:
Energy Policy of Slovak Republic, http://www.economy.gov.sk/mh/angl2htm; Eesti
Energia: Annual Report 1999; Eles: 1999 Annual Report; Lietuvos Energija AB;
http://www.cire.pl; http://www.strom.de.
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| Tabelle 3 |
Bestehende und geplante Kernkraftkapazitäten in Mittel- und Osteuropa
Stand 2000
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Land, Standort Kategorie Kapazität in MW
Bulgarien Kosloduj-1 Stilllegung bis 2003 440
Kosloduj-2 Stilllegung bis 2003 440
Kosloduj-3 Stilllegung bis 2006 440
Kosloduj-4 Stilllegung bis 2006 440
Kosloduj-5 in Betrieb 1000
Kosloduj-6 in Betrieb 1000
Litauen Ignalina-1 Stilllegung bis 2005 1300
Ignalina-2 Stilllegung bis 2009 1300
Rumänien Cernadova-1 in Betrieb 700
Cernadova-2 in Bau 700
Slowakische Republik Bohunice-1 Stilllegung bis 2006 440
Bohunice-2 Stilllegung bis 2008 440
Bohunice-3 in Betrieb 440
Bohunice-4 in Betrieb 440
Mochovce-1 in Betrieb 440
Mochovce-2 in Betrieb 440
Mochovce-3 in Bau 440
Mochovce-4 in Bau 440
Slowenien Krsko in Betrieb 664
Tschechische Republik Dukovany-1 in Betrieb 440
Dukovany-2 in Betrieb 440
Dukovany-3 in Betrieb 440
Dukovany-4 in Betrieb 440
Temelin-1 in Bau 981
Temelin-2 in Bau 981
Ungarn Paks-1 in Betrieb 460
Paks-2 in Betrieb 460
Paks-3 in Betrieb 460
Paks-4 in Betrieb 460
Ostmitteleuropa 17506
davon in Betrieb 13964
in Bau 3542
Russland 29
in Betrieb 21242
4 in Bau 3800
Ukraine 14 in Betrieb 12812
4 in Bau 4000
Insgesamt 59360 davon in Betrieb 48999
in Bau 10361
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(1) Einschließlich der Kapazitäten, die bis 2009 stillgelegt werden sollen.
Quelle: Jahrbuch der Atomwirtschaft 2000, S.95 ff.
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