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| Wochenbericht des DIW Berlin 48/04 Wachstumsmarkt Medizintechnik: Deutschland im internationalen Wettbewerb | |||
| Bearbeiter | Stephan Raab Jörg-Peter Weiß | ||
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| Deutschland ist weltweit nach den USA und Japan der drittgrößte Markt für Medizinprodukte; als Produktionsstandort steht es an dritter und als Exportnation sogar an zweiter Stelle. Die Branche ist nicht nur für den medizinischen Fortschritt von Bedeutung, ihr Erfolg kann auch etwas über die technologische Leistungsfähigkeit eines Standorts generell aussagen. Angesichts der hier zu beobachtenden Dynamik wird in diesem Bericht versucht, eine erste Standortbestimmung der Chancen und Risiken der Medizintechnik Deutschlands im internationalen Wettbewerb zu geben. [1]
Das Produktspektrum der Medizintechnik ist außerordentlich vielfältig. Es umfasst elektromedizinische Geräte, Implantate, Praxis- und Krankenhauseinrichtungen, chirurgische und zahnmedizinische Instrumente, Rollstühle, Geh-, Seh- und Hörhilfen, Verbandsmaterial und chirurgisches Nahtmaterial, Operationshandschuhe, In-vitro-Diagnostika und vieles mehr (Kasten 1). Dieser Produktvielfalt entsprechend wird in der Produktion von Medizintechnik ein breites Spektrum von Technologien eingesetzt. Die technische Basis der Medizintechnik bilden Elektrotechnik/Elektronik sowie Feinmechanik und Optik. Aber auch Technologien aus der Textilwirtschaft, der Kunststoffverarbeitung und aus dem Pharmabereich - neuerdings auch aus der Biotechnologie - gelangen zum Einsatz. Die Strukturen der Märkte und die Beziehungen zwischen den Herstellern von Medizinprodukten und ihren Kunden sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von der Herstellung von einfachen Massenprodukten für einen anonymen Markt bis zum Hightech-Produkt, das eine singuläre Stellung auf dem Weltmarkt einnimmt. Vielfach erfolgt auch eine auf die spezifischen Belange des Kunden abgestimmte Maßanfertigung. Im Folgenden wird der Markt von der Angebotsseite aus betrachtet. [2] Dabei konzentriert sich die Analyse zunächst auf die Medizintechnik im engeren Sinn. | |||
| Medizintechnik in Deutschland |
Einen ersten Überblick über eine fachliche Gliederung der Medizintechnik in Deutschland lässt sich der amtlichen Statistik entnehmen, die Daten für Betriebe von Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten ausweist [3] (Tabelle 1). Danach liegt das Schwergewicht bei medizintechnischen Geräten und bei elektromedizinischen Geräten und Instrumenten, die im Jahre 2003 zusammen zwei Drittel der Beschäftigten und 83 % des Umsatzes auf sich vereinten. Diese beiden Fachzweige sind auch überdurchschnittlich exportorientiert. Demgegenüber sind die beiden kleineren Fachzweige vorwiegend auf den heimischen Markt ausgerichtet und betreiben in höherem Umfang kundenspezifische Fertigung. Aber auch diese Zweige haben eine außerordentliche Dynamik beim Auslandsumsatz. Die jährlichen durchschnittlichen Wachstumsraten der Beschäftigung sind das Resultat zweier gegenläufiger Entwicklungen: In der zweiten Hälfte der 90er Jahre war die Beschäftigung zunächst rückläufig, insbesondere in der Herstellung von elektromedizinischen Geräten und Instrumenten sowie der Herstellung medizintechnischer Geräte. Seit dem Jahr 2000 ist sie wieder aufwärts gerichtet - bei den Herstellern von orthopädischen Vorrichtungen schon seit 1997. [4] Insgesamt hat der Umsatz der Betriebe der Medizintechnik von 1995 bis 2003 um 5,5 % jährlich zugenommen, wobei der Auslandsumsatz um 10,2 %, der Inlandsumsatz dagegen nur um 1,6 % zulegte. Das verarbeitende Gewerbe hatte im Vergleich dazu Umsatzsteigerungen um durchschnittlich 3,5 % jährlich zu verzeichnen; auch hier legte der Umsatz im Ausland weit kräftiger zu als der im Inland (7,7 % gegenüber 1,4 %). | ||
| Unternehmen der Medizintechnik im internationalen Vergleich |
Vergleicht man die Anteile der Medizintechnik am verarbeitenden Gewerbe, so erhält man ein Maß für die Spezialisierung der Länder auf die Medizintechnik (Tabelle 2). Es zeigt sich, dass Irland gemessen an Umsatz, Wertschöpfung und Beschäftigung die höchste Spezialisierung aufweist, gefolgt von den USA, Dänemark und Deutschland. Die in Irland seit dem Ende der 90er Jahre errichteten Produktionskapazitäten sind vor allen durch Ansiedlung von Tochterunternehmen US-amerikanischer medizintechnischer Unternehmen entstanden. Damit ist noch keine Basis eigenständiger technologischer Entwicklung gegeben. Deutschland dominiert den Bereich der Medizintechnik innerhalb der Europäischen Union: Die Anteile an der Wertschöpfung und der Beschäftigung in der EU liegen bei rund 40 %, am Umsatz bei reichlich einem Drittel. Gemessen am Umsatz erreichte Deutschland im Jahre 2001 nach den USA den zweiten Rang, gemessen an der Wertschöpfung den dritten hinter den USA und Japan. Allerdings sind die deutschen Unternehmen im Vergleich zu den amerikanischen und den japanischen Unternehmen klein, betrachtet man Umsatz, Wertschöpfung oder Zahl der Beschäftigten je Unternehmen. Dies unterstreicht auch der Vergleich der Unternehmen nach Beschäftigtengrößenklassen: Für Deutschland sind nur 19 Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten ausgewiesen gegenüber 249 in den USA. In großen Unternehmen arbeiten in Deutschland 16 % aller in der Medizintechnik Beschäftigten; in den USA ist dagegen über die Hälfte (57 %) in großen Unternehmen tätig (Abbildung 1). Die Umsätze - hier liegen vergleichbare Daten für die meisten Länder der EU nicht vor - wuchsen im Zeitraum 1998 bis 2002 in Deutschland um jährlich 6,3 %, in den USA um 4,9 % und in Japan um 2,2 %. [5] | ||
| Kräftige Zunahme medizintechnischer Exporte im Welthandel |
Der Weltexport medizintechnischer Produkte ist im Zeitraum 1995 bis 2001 um durchschnittlich 7 % gestiegen (Tabelle 3) und übertraf damit deutlich das Wachstum des Welthandels mit Industriewaren (3,7 %). Die Exporte der Medizintechnik nahmen in Deutschland, Japan und den USA generell stärker zu als die gesamten Exporte von Industriewaren. Dies ist ein Hinweis auf eine schnell fortschreitende Internationalisierung der betreffenden Märkte. Dabei ergaben sich auf Dollarbasis durchaus Unterschiede in den Wachstumsraten der drei traditionell größten Exporteure in dieser Branche: Während die Exporte der USA um 9,4 % und damit überdurchschnittlich zunahmen, entwickelten sich die deutschen mit 2,6 % und die japanischen mit lediglich 0,4 % unterdurchschnittlich. Dementsprechend hat sich die Verteilung der Anteile am Welthandel mit medizintechnischen Produkten von 1995 bis 2001 stark verändert (Abbildung 2). Während die USA ihren Anteil um fast 4 Prozentpunkte auf 28,9 % steigern konnten, verlor Deutschland 3,5 Prozentpunkte und bediente nur noch 12,8 % des Weltmarktes; Japans Anteil fiel von 9,2 % auf 5,9 %. Bemerkenswert ist, dass Japan von seiner Position als drittgrößter Exporteur medizintechnischer Produkte von Irland verdrängt worden ist. Diese Veränderungen sind jedoch vor dem Hintergrund der Wechselkursentwicklungen während des Beobachtungszeitraumes zu sehen. Die starke Aufwertung des US-Dollar gegenüber der D-Mark bzw. dem Euro in der Zeit von 1995 bis 2001 hatte zur Folge, dass sich die Exportentwicklung Deutschlands durch die Umrechnung in US-Dollar stark abgeschwächt darstellt. Betrachtet man z. B. die Wachstumsraten in Landeswährungen, so weist die deutsche Medizintechnik mit 10,2 % eine deutlich höhere Wachstumsrate auf (Abbildung 3). Seit dem Frühjahr 2002 hat sich die Wechselkursentwicklung umgekehrt und der US-Dollar gegenüber dem Euro stark an Wert eingebüßt. Dies dürfte zunächst zu erneuten Verschiebungen in den auf Dollarbasis berechneten Marktanteilen zugunsten der europäischen Länder geführt haben. | ||
| Unterschiede in der Güterstruktur bei Einfuhr und Ausfuhr |
Schon die Medizintechnik nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige umfasst eine große Vielfalt von Gütern. Auf die Medizintechnik im weiteren Sinn (Kasten 1) trifft dies noch viel mehr zu. Es ist also zu vermuten, dass sich die Entwicklung des Außenhandels mit Medizintechnik aus unterschiedlichen Tendenzen ergeben hat. Aus der Fülle der Informationen zu den einzelnen Gütern werden im Folgenden beispielhaft ausgewählte Positionen dargestellt.
Die Exportstruktur aller Länder ist durch eine starke Konzentration auf einzelne dieser unterschiedlichen Güter gekennzeichnet. Die Gütergruppe der Endoskope, Transfusionsgeräte, chirurgischen Instrumente u. a. (HS-Code 901890) weist in allen Ländern das höchste Gewicht auf (Deutschland: 19,6 %, USA: 18,8 %, Japan: Es zeigt sich, dass die Fokussierung auf einzelne Güter vor allem bei den japanischen Exporten stark ausgeprägt ist. Der Gini-Koeffizient [6] für das Jahr 2002 liegt mit 0,77 stark über den Werten für Deutschland (0,61) und den USA (0,65) und zeigt eine hohe Konzentration auf einige Warengruppen an. Dies rührt daher, dass viele Gütergruppen in der japanischen Ausfuhr nicht oder nur marginal besetzt sind. Besonders gilt dies für den Ver- und Gebrauchsgüterbereich, in dem nur sechs von 28 Positionen nennenswerte Umsätze aufweisen. Der Medizintechnikexport der USA ähnelt in seiner Zusammensetzung eher dem deutschen Export als dem japanischen. Daraus lässt sich schließen, dass die Konkurrenzsituation zwischen deutschen und nordamerikanischen Produzenten stärker ausgeprägt ist als gegenüber den japanischen. Zu beobachten ist weiterhin, dass nicht nur die Strukturen dieser beiden Länder Ähnlichkeiten haben, sondern auch die Wachstumsraten der Exporte in vielen Bereichen vergleichbar sind. Auf der Importseite hingegen zeigt sich ein sehr einheitliches Bild. Der Gini-Koeffizient liegt in allen drei Ländern bei etwas über 0,6. In der Zusammensetzung des Imports von Medizintechnik aus den einzelnen Gütergruppen gibt es nur vereinzelt auffällige Unterschiede. Während in Deutschland die Importentwicklung relativ ausgeglichen verlief, waren die Wachstumsraten vor allem in den USA extrem unterschiedlich und zeigen deutliche Akzente. Besonders stark ist der Importzuwachs bei Magnetresonanzgeräten um 123 %, bei Szintigraphiegeräten um 53 % und bei Herzschrittmachern um 108 %. Diese drei Gütergruppen stellten im Jahre 2002 zusammen 8,5 % des Imports von Medizintechnik der USA dar. | ||
| Nach Gütergruppen differenzierte Entwicklung auf den Auslandsmärkten |
Nachfolgend werden die Gewichtsverschiebungen zwischen den Ländern in den einzelnen Gütergruppen untersucht. Hierzu ist es erforderlich, die in Landeswährung bewerteten Handelsströme in eine gemeinsame Währung (Euro) umzurechnen. Es fällt auf, dass Deutschland vor allem bei den Ver- und Gebrauchsgütern Anteile verloren hat (-6 %; Investitionsgüter: -2,5 %), während Japan im Bereich der Investitionsgüter besonders schlecht abschnitt (-6,1 %; Ver- und Gebrauchsgüter: -0,2 %; Tabelle 4). Für Deutschland spiegelt sich in dieser Entwicklung ein allgemeiner Trend wider, der darin besteht, dass die deutschen Investitionsgüter weniger Probleme haben, sich am Markt zu behaupten als andere Erzeugnisse aus deutscher Herstellung. Für die meisten Güter sind die USA der bedeutendste Exporteur. Lediglich in zwei Produktgruppen ist das höchste Gewicht bei den japanischen Exporten zu finden: Ultraschalldiagnosegeräte und Hohlnadeln aus Metall zu medizinischen Zwecken. Deutschland kann dagegen in mehreren Bereichen mit den Exporten der USA mithalten und übertrifft sie zum Teil deutlich. Dies gilt im Besonderen für Magnetresonanzgeräte, Dentalbohrmaschinen, den Bereich der Röntgengeräte, Röntgenkontrastmittel, zahnärztlichen Füllstoffe und Modelliermassen und Rollstühle. Damit betreffen 25,5 % der deutschen Ausfuhren Güter, für die Deutschland der führende Exporteur ist. Das Übergewicht nordamerikanischer Exporte bei den Ausfuhren der drei Länder ist in Bereichen der Ver- und Gebrauchsgüter besonders ausgeprägt. Die Veränderungen der Handelsanteile fallen recht unterschiedlich aus. So hat Deutschland in einigen Bereichen - trotz der für den Wert der Exporte ungünstigen Entwicklung des Wechselkurses - Anteilszuwächse zu verzeichnen. Dies betrifft sowohl High- wie auch Lowtech-Produkte. Japan hat zum Teil hohe Anteilsverluste, aber kaum Anteilszuwächse - ein Hinweis auf eine schlechte japanische Exportperformance. | ||
| Analyse komparativer Vorteile im Außenhandel |
Der in Tabelle 4 aufgeführte "Revealed Comparative Advantage"-Indikator (RCA-Maß) ist als Spezialisierungsmaß zu verstehen, das relative Vor- und Nachteile der Länder durch die Export-Import-Relation einzelner Güter zu messen versucht. Ein positiver RCA bedeutet hier, dass die Position eines Landes im internationalen Handel dieses Gutes stärker ist, als nach der Außenhandelsstatistik für Medizintechnik insgesamt zu erwarten wäre (vgl. für Details Kasten 2). Das Bild, das sich aus der Betrachtung der RCA-Maße für das Jahr 2002 ergibt, zeigt, dass der Anteil der deutschen und japanischen Ausfuhren im Bereich der Investitionsgüter größer ist als der Anteil der Einfuhren. In den USA ist dieses Verhältnis umgekehrt: Der RCA-Wert für die Ver- und Gebrauchsgüter ist positiv. Ein Vergleich der Werte mit denen aus dem Jahr 1996 belegt, dass die deutschen Investitionsgüterexporte schneller gestiegen sind als die Importe (Zunahme des RCA um 8,1 Punkte). In den USA war die Entwicklung ähnlich (Steigerung um 5,9 Punkte). Für Japan dagegen hat das Exportgewicht dieses Bereiches im Vergleich zum Importgewicht abgenommen (-8,8 Punkte). Der Bereich der Röntgentechnik ist auch in dieser Betrachtungsweise wieder einer derjenigen Bereiche, in denen Deutschland am besten gestellt ist, auch wenn die komparativen Vorteile im Handel mit Röntgengeräten zu zahnärztlichen Zwecken abgenommen haben. Für Magnetresonanzgeräte besteht noch ein positiver Wert des RCA, der jedoch deutlich zurückgegangen ist. Seit 1996 weist Deutschland in einer Reihe von Produktgruppen Verbesserungen der komparativen Vorteile auf, die sich an einer positiven Differenz der RCA-Werte ablesen lassen. Diese Veränderungen belaufen sich z. B. bei Rollstühlen mit Motor auf +144,9 Punkte, bei Szintigraphiegeräten auf +102,5 Punkte und bei Apparaten zu orthopädischen Zwecken auf +67,3 Punkte. Besonders verschlechtert hat sich die Situation dagegen bei Ultraschalldiagnosegeräten mit einer Veränderung des RCA um -74,3 Punkte, bei Dentalbohrmaschinen [901841] um -83,7 Punkte, bei Handschuhen aus Weichkautschuk [401511] um -68,0 Punkte und bei künstlichen Gelenken um -109,7 Punkte. | ||
| Fazit |
Die Märkte der Medizintechnik sind international überdurchschnittlich expansiv. Die Analyse zeigt, dass sich Deutschland im Vergleich zu den USA gut behauptet hat, während Japan schwächer tendierte. Eine Rolle dürfte dabei gespielt haben, dass die deutsche Medizintechnik - ebenso wie die der USA - über ein breit gefächertes Produktspektrum verfügt. Eine zentrale Eigenschaft der Medizintechnik ist die Kombination unterschiedlicher Technologien bei der Produktion. Dieses Systemwissen ist Grundlage einer erfolgreichen Entwicklung auf dem internationalen Markt der medizinischen Technik. Das Phänomen des rasanten Aufstiegs der Medizintechnik in Irland ist nur bedingt mit der Situation in anderen Ländern vergleichbar. Für einen traditionellen Standort der Medizintechnik wie Deutschland ist der irische Weg nicht gangbar, da es im Vergleich zu Irland weniger Vorteile als Standort für die reine Produktion zu bieten hat. Dadurch kann eine nachhaltige Entwicklung nur durch eine Steigerung der technologischen Kompetenz und der Nutzung der Vorteile des standortspezifischen Systemwissens gesichert werden. Gleiches gilt für andere etablierte Standorte der Medizintechnik, etwa für die Niederlande, Frankreich und die Schweiz. Risiken liegen vor allem in der schwachen Entwicklung des deutschen Inlandsmarktes. Auch die hohe Zahl kleiner Unternehmen macht es für die deutsche Medizintechnik nicht einfacher. Größere Unternehmen sind eher in der Lage, durch gezielte Steuerung der Forschung und Entwicklung sowie durch Zukäufe der technologischen Entwicklung zu folgen. Es ist daher zu vermuten, dass es auch in Deutschland zu einem Konzentrations- und Konsolidierungsprozess kommt. Da sich Deutschland bei den Gesundheitsausgaben pro Kopf in der internationalen Spitzengruppe befindet, dürfen keine hohen Erwartungen in die Expansion des Inlandsmarktes gesetzt werden. Dadurch werden sich die Unternehmen auch in Zukunft zunehmend auf internationalen Absatzmärkten engagieren, die sicherlich noch expandieren werden. | ||
| Kasten 1 Statistische Basis |
Grundlage der Analyse sind zum einen Daten über Unternehmen, die nach der europäischen Klassifikation der Wirtschaftszweige der Medizintechnik zugerechnet werden (für die USA, Japan, Deutschland und die Europäische Union), und zum anderen Daten, die über den Welthandel mit Medizintechnik nach Gütergruppen informieren. Darüber hinaus erfolgt eine Analyse des Außenhandels der drei großen Exportländer im Bereich der Medizintechnik in tiefer Gütergruppengliederung. Als Hersteller von Medizintechnik im engeren Sinne (i. e. S.) werden in diesem Bericht Unternehmen des Wirtschaftszweiges Medizintechnik (33.10) der europäischen Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ 2003) bezeichnet. Umfassender ist die Definition von Medizinprodukten im Medizinproduktegesetz (MPG), die Instrumente, Vorrichtungen, Stoffe und Gegenstände einschließlich zugehöriger Software einschließt, die folgenden Zwecken dienen [1]: • Erkennung und Behandlung von Krankheiten, Verletzungen, Behinderungen oder gegebenenfalls deren Kompensation, • Untersuchung, Ersetzung oder Veränderung des anatomischen Aufbaus oder eines physiologischen Vorgangs, • Empfängnisverhütung. Im Unterschied zu Arzneimitteln bringen Medizinprodukte ihre Hauptwirkung nicht auf pharmakologischem, immunologischem oder metabolischem Wege hervor. Aus dem Medizinproduktegesetz leitet sich die weit gefasste Definition der Medizintechnik ab. Zu dieser gehören danach neben Herstellern von Medizintechnik i. e. S. auch bestimmte Unternehmen aus dem Pharmabereich (Verbandmittel, Diagnostika, WZ 24.42), der Augenoptik (WZ 33.40.1), dem übrigen Fahrzeugbau (Herstellung von Behindertenfahrzeugen, WZ 35.43 ), der Textilindustrie (WZ 17.54), der Chemie (WZ 24.66) und der Herstellung von Gummiwaren (WZ 25.13). In Deutschland macht die Produktion von Medizintechnik i. e. S. etwa zwei Drittel des Produktionswertes der Medizintechnik im weiteren Sinne aus. Auf Letztere bezieht sich die Analyse des Außenhandels in diesem Bericht. Der Außenhandel mit Medizintechnik im weiteren Sinn wird auf dem Niveau der sechsstelligen Positionen nach dem international gültigen Harmonisierten System (HS) betrachtet. [2] Nach der verwendeten Klassifikation lassen sich der Medizintechnik im weiteren Sinn 50 Produktgruppen (Übersicht 1) zuordnen. Um den Überblick zu erleichtern, wurde eine Einteilung der Güter nach ihrer Verwendung in Investitionsgüter sowie Ver- und Gebrauchsgüter vorgenommen [3] (Tabelle 4).
Die in diesem Bericht durchgeführten internationalen Vergleiche müssen sich dagegen auf die Medizintechnik i. e. S. beschränken, denn nur für diese sind die Probleme zu lösen, die sich aus national jeweils unterschiedlichen Definitionen und Klassifikationen ergeben. Innerhalb der Europäischen Union sind die Bemühungen um die Harmonisierung so weit fortgeschritten, dass in etwa vergleichbare Daten zu den Unternehmen in den Wirtschaftszweigen auf der Ebene der dreistelligen Positionen der europäischen Klassifikation der Wirtschaftszweige - hier also der Klasse 33.10 - zur Verfügung stehen. Für Japan und die USA wurden die tiefer gegliederten Angaben zu Zweigen der Medizintechnik so zusammengefasst, dass sie der europäischen Klassifikation entsprechen (Tabelle 2). | ||
| Kasten 2 Messung komparativer Vorteile bei einzelnen Gütern |
Das einfachste Maß für die Stärke eines Landes bei der Produktion eines Gutes i wäre der Vergleich der Exporte des Gutes Xi mit den Importen Mi. Man könnte von einem komparativen Vorteil sprechen, wenn Xi / Mi größer als 1 bzw. ln (X i / Mi) positiv ist. Deutlicher treten Unterschiede zwischen verschiedenen Gütern jedoch hervor, wenn Xi und Mi ins Verhältnis zum gesamten Medizintechnik-Export X bzw. zum gesamten Medizintechnik-Import M gesetzt werden. Für diesen Bericht wird daher der RCA (Revealed Comparative Advantage) wie folgt definiert:
Es handelt sich um eine Variante des üblicherweise verwendeten
RCA-Maßes, [1] bei dessen
Berechnung X und M für die Exporte und Importe aller Güter stehen. [1] Dieser Wochenbericht basiert auf ersten Ergebnissen der Studie "Die Medizintechnik am Standort Deutschland - Chancen und Risiken durch technologische Innovationen; Auswirkungen auf und durch das nationale Gesundheitssystem sowie potentielle Wachstumsmärkte im Ausland". Sie wird vom DIW Berlin in Zusammenarbeit mit dem VDI Technologiezentrum Düsseldorf im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit erstellt. Eine Studie, die parallel hierzu von einem Konsortium unter der Führung des Aachener Kompetenzzentrums Medizintechnik und der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Titel "Situation der Medizintechnik in Deutschland im internationalen Vergleich" erarbeitet wird, richtet den Fokus auf den Stand von Innovation und Technologie im internationalen Kontext, während die Studie des DIW Berlin die Entwicklung der Märkte aus der Sicht der deutschen Unternehmen in den Vordergrund rückt. Beide Studien ergänzen einander; in ihrer Bearbeitung kooperieren die Projektteams. [2] Weniger ergiebig ist die Abschätzung des Marktvolumens mit den Daten der Gesundheitsberichterstattung (Nachfrageseite). Danach belief sich das Marktvolumen für Medizinprodukte (Hilfsmittel, Zahnersatz, sonstiger medizinischer Bedarf; bewertet zu Anschaffungspreisen) in Deutschland im Jahre 2002 auf 25,8 Mrd. Euro, das waren 11 % der Gesamtausgaben im Gesundheitswesen. Dazu kommt noch ein Anteil aus den Investitionsausgaben im Gesundheitswesen, die - allerdings nur sehr unvollständig - mit 6,5 Mrd. Euro ausgewiesen sind. Auf Arzneimittel entfielen 36,6 Mrd. Euro, also der größere Teil der Warenkäufe im Gesundheitswesen. Insgesamt sind die Ausgaben für Medizinprodukte von 1992 bis 2002 um 43,6 % gestiegen, also genauso stark wie die gesamten Gesundheitsausgaben und deutlich kräftiger als das Bruttoinlandsprodukt (+30,6 %). [3] Rund 90 % der medizintechnischen Unternehmen mit einem Anteil von knapp 50 % an der Beschäftigung haben weniger als 20 Beschäftigte. [4] Bei den Dentallaboren, deren Zahl vor allem in den Jahren 1997 und 1998 sprunghaft zugenommen hatte, zeichnet sich seither eine Konsolidierung ab. Die durchschnittlichen Wachstumsraten überzeichnen somit die Entwicklung; künftig ist eher mit einer bestenfalls stagnierenden Beschäftigung in diesem Bereich zu rechnen. [5] Bei Betrachtung des Zeitraums 1997 bis 2002, für den aus Japan keine hinreichenden Daten vorliegen, war der Unterschied der jahresdurchschnittlichen Wachstumsraten zwischen Deutschland und den USA mit 5,5 % gegenüber 5,2 % deutlich geringer. [6] Der Gini-Koeffizient ist ein Maß zur Messung von Konzentration. Im Falle einer völlig gleichmäßigen Verteilung hat er den Wert null und geht mit zunehmender Ungleichverteilung gegen eins.
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