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| Wochenbericht des DIW Berlin 49/01 Industrieproduktion in Deutschland | |||
| Bearbeiter | Dorothea Lucke | ||
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| Im Jahre 2000 war die Industrie mit einer Produktionszunahme um 6,5 % Wachstumsmotor der Konjunktur in Deutschland. Diese Entwicklung hat sich in diesem Jahr nicht fortgesetzt. Seit dem zweiten Quartal ist die Industrieproduktion rückläufig. Der Abschwung ist Folge der starken Konjunkturabschwächung in den drei großen Wirtschaftsräumen USA, Japan und Westeuropa und hat durch die Terroranschläge vom 11. September noch einen zusätzlichen negativen Schub erhalten. Folgt man dem Szenario der jüngsten Gemeinschaftsdiagnose, die von einer zu Jahresbeginn 2002 einsetzenden Erholung ausgeht, wird die industrielle Produktion zu dieser Zeit den Tiefpunkt durchschreiten. Neuere Informationen lassen aber Risiken für das Eintreten dieses Szenarios sichtbar werden. Risiken gibt es auch im Hinblick auf die Entwicklung des Außenwertes des Euro: Eine kräftige Aufwertung würde sich insgesamt negativ auswirken, allerdings von Branche zu Branche in unterschiedlichem Maße. | |||
| Abschwung in der Industrie |
Dem Jahr 2000, in dem die Produktion in der Industrie um 6,5 % ausgeweitet worden war - eine im längerfristigen Vergleich sehr hohe Rate -, folgte ein Jahr, in dem Produktionsrückgänge vorherrschten. Schon in der zweiten Jahreshälfte 2000 kündigten die Auftragseingänge aus dem Ausland in einzelnen Branchen eine Abkühlung der Konjunktur an; nach dem Jahresanfang 2001 kamen immer mehr Branchen hinzu. [1] Bereits im zweiten Quartal zeigte sich ein starker Rückgang der Produktion (Tabellen 1 und 2). Vor allem aber trübten sich die Wachstumsaussichten in Deutschland im Zuge der starken weltwirtschaftlichen Abkühlung ein. Dies und die dämpfende Wirkung der restriktiven Geldpolitik vom vergangenen Jahr führten dazu, dass auch die Nachfrage aus dem Inland im zweiten Quartal einbrach. Zum Ausdruck kommt dies in der spürbar gesunkenen Kapazitätsauslastung (Abbildung 1). Dennoch lag die Industrieproduktion im dritten Quartal 2001 nur knapp unter dem Niveau vom Rekordjahr 2000. Von Januar bis September ergibt sich aufgrund des statistischen Überhangs zum Jahresbeginn sogar noch ein Produktionswachstum von 1,5 %. Mit den Terroranschlägen vom 11. September und der dadurch ausgelösten Unsicherheit haben sich die Hoffnungen in der Industrie auf eine Besserung noch in diesem Jahr zerschlagen. Ausdruck dafür ist der anhaltend starke Rückgang des Geschäftsklimaindex (September: -4,4 Prozentpunkte, Oktober: -0,3 Prozentpunkte) für das westdeutsche verarbeitende Gewerbe. Die Ungewissheit darüber, wann die Talsohle erreicht sein wird, ist groß. Das für die modellgestützte Prognose des Verlaufs der Industrieproduktion bis Ende 2002 zugrunde gelegte gesamtwirtschaftliche Szenario aus der diesjährigen Herbstprognose der Wirtschaftsforschungsinstitute geht von einer vor allem durch die expansive Geld- und Fiskalpolitik in den USA ausgelösten Erholung der Weltwirtschaft zu Beginn des kommenden Jahres aus. [2] Von der Belebung des Welthandels würde die deutsche Industrie, die insgesamt zu etwa 40 % von der Auslandsnachfrage abhängt, deutlich profitieren. Mit der sich beschleunigenden Produktion wird auch die Nachfrage aus dem Inland, insbesondere nach Vorleistungs- und Investitionsgütern, wieder in Gang kommen. Die in der gesamtwirtschaftlichen Prognose unterstellte leichte reale Aufwertung des Euro wird die aus der weltwirtschaftlichen Entwicklung resultierenden positiven Effekte nur unwesentlich dämpfen. Sollte der Euro entgegen der hier getroffenen Annahme deutlich stärker aufwerten, hätte dies Konsequenzen für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie gegenüber Anbietern aus Ländern, die nicht zum Euroraum gehören. Eine Erholung in den USA würde dann in geringerem Ausmaß die Industrieproduktion in Deutschland stimulieren. | ||
| Vorleistungsgüter- produktion: Die Talsohle ist noch nicht erreicht |
Die Produktion von Vorleistungsgütern übertraf in den ersten drei Quartalen dieses Jahres das Vorjahresniveau noch um 0,8 %. Dagegen waren die Auftragseingänge in diesem Zeitraum schon deutlich im Minus (aus dem Ausland: -4,3 %, aus dem Inland: -2,9 %). Die chemische Industrie produziert zu etwa 70 % Vorleistungsgüter und hat unter den Vorleistungsgüterproduzenten das größte Gewicht. Die Produktion der chemischen Industrie ist seit Jahresbeginn rückläufig. Zwar schien sich zu Beginn des dritten Quartals die Auslandsnachfrage zu stabilisieren, doch waren die Auftragseingänge aus dem Ausland im September wieder stark rückläufig. Dies dürfte durch die Ereignisse vom 11. September verstärkt worden sein (Abbildung 3). Vom Produktionsrückgang waren vor allem die chemischen Grundstoffe betroffen, während in den meisten anderen Bereichen der chemischen Industrie die Produktion aufwärts gerichtet war. Die starke Abnahme der Auftragseingänge aus dem Ausland hat allerdings fast alle Sparten erfasst. Unschärfer ist das Bild bei der Inlandsnachfrage. Die Auftragseingänge aus dem Inland, die seit der zweiten Jahreshälfte 2000 rückläufig waren, haben sich mittlerweile stabilisiert. Die Auftragseingänge aus dem Inland bei chemischen Grundstoffen sind im dritten Quartal saisonbereinigt sogar leicht gestiegen. Die Produktion der gesamten Branche profitierte bisher von der expansiven Entwicklung in der pharmazeutischen Industrie [3], die innerhalb der chemischen Industrie ein Gewicht von ungefähr einem Fünftel hat. Sie kam in den ersten drei Quartalen auf ein Produktionsplus von 7,6 % gegenüber dem Vorjahr. Nach dem starken Rückgang der Produktion im dritten Quartal ist für die chemische Industrie insgesamt trotz des Wachstums in der Pharmaindustrie mit einer Erholung noch in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen. Im Jahresdurchschnitt wird die Produktion chemischer Erzeugnisse um 1,5 % niedriger als im Vorjahr sein. Folgt man den Anpassungsreaktionen der chemischen Industrie in der Vergangenheit, wird sich die von der Gemeinschaftsdiagnose erwartete Erholung der Weltwirtschaft zu Beginn des kommenden Jahres und die damit verbundene Anregung der Auslandsnachfrage schnell in der chemischen Industrie niederschlagen. Die Inlandsnachfrage wird ihr mit geringer Verzögerung folgen. Bei dem hier zugrunde gelegten gesamtwirtschaftlichen Szenario wird die Produktion der chemischen Industrie im Jahresverlauf 2002 zunehmen und auf ein jahresdurchschnittliches Wachstum von etwa 1 % kommen (Tabelle 3). Eine reale Aufwertung gegenüber dem US-Dollar hätte für die chemische Industrie trotz ihrer hohen Exporte vergleichsweise geringe Folgen. Der Handel mit chemischen Erzeugnissen findet vor allem innerhalb der großen Wirtschaftsräume USA, Asien und Westeuropa statt. Nur etwa 10 % der in Westeuropa produzierten Chemieerzeugnisse werden außerhalb Westeuropas abgesetzt, und lediglich die Hälfte davon geht in die USA. Auch bei der anderen großen Gruppe von Vorleistungsgüterproduzenten, den Metall erzeugenden, bearbeitenden und verarbeitenden Branchen, ist die Produktion seit Anfang des Jahres rückläufig (Abbildung 4). Die Entwicklung in der Metallerzeugung und -bearbeitung ist insgesamt von einem stark lagerzyklischen Verlauf geprägt, zu dem vor allem die eisenschaffende Industrie mit ihrem hohen Gewicht von 40 % beiträgt. Seit 1991 haben die Tiefpunkte der Produktionskurve bei der Metallerzeugung und -bearbeitung einen Abstand von genau zwölf Quartalen und sind danach von der jeweiligen konjunkturellen Situation weitgehend unabhängig. Folgt man diesem Bild, wäre der Tiefpunkt im gegenwärtigen Zyklus erst für Anfang 2002 zu erwarten. Im Jahresdurchschnitt 2001 wird die Produktion um etwa 0,5 % unter Vorjahresniveau liegen. Diese Prognose wird gestützt durch die schon seit Jahresanfang stark nach unten weisenden Auftragseingänge. In der eisenschaffenden Industrie kündigten sich in der Vergangenheit die Wendepunkte in der Produktion mit etwa einem Jahr Vorlauf in den Auftragseingängen an. Deshalb kann aus den schon seit Jahresanfang steigenden Auftragseingängen auf eine Erholung der Produktion im kommenden Jahr geschlossen werden, die sich aufgrund der Produktionszusammenhänge dann auch auf die Metallerzeugung und -verarbeitung insgesamt übertragen wird. Im Jahresdurchschnitt 2002 errechnet sich bei diesem Verlauf ein Rückgang der Produktion von ungefähr 2 %. Die Entwicklung der Metallverarbeitung als vor allem Vorleistungsgüter produzierende Branche weist im Gegensatz zur eisenschaffenden Industrie keinen nennenswerten Lagerzyklus auf. Sie ist vielmehr geprägt von den konjunkturellen Zyklen der Produktion des verarbeitenden Gewerbes. Der Abschwung in der Industrie in diesem Jahr begründet somit die Prognose eines Rückgangs der Produktion in der Metallverarbeitung bis etwa zum zweiten Quartal 2002. Gleichwohl bedeutet dies für 2001 wegen des statistischen Überhangs zu Jahresbeginn eine jahresdurchschnittliche Wachstumsrate von etwa 2 %. Der für das kommende Jahr erwartete Aufschwung wird bei diesem Verlauf nicht zu einer positiven Wachstumsrate führen: Die Produktion wird im Jahresdurchschnitt 2002 um 3 % geringer sein als in diesem Jahr. | ||
| Investitionsgüter- produktion: Abschwung im dritten Quartal unterbrochen |
Die Produktion von Investitionsgütern erreichte im ersten Quartal 2001 einen historischen Höhepunkt, ist seither aber rückläufig. Der Produktionszuwachs in den drei ersten Quartalen betrug im Vergleich zum Vorjahr noch 4,6 %. Die Wachstumsrate wird sich bis zum Jahresende allerdings noch reduzieren, da die Nachfrage nach deutschen Investitionsgütern aus dem Ausland - insbesondere aus den USA - im Laufe des Jahres sehr kräftig gesunken ist und die Produktion nun der rückläufigen Nachfrage angepasst wird. Die im Jahresverlauf stärker gewordene Eintrübung der konjunkturellen Entwicklung im Inland wie im Ausland und die zunehmende Unsicherheit über die weitere Entwicklung haben die Unternehmen veranlasst, ihre Investitionspläne nach unten zu korrigieren. Im Maschinenbau, dem gemessen an der Beschäftigung bedeutendsten Produzenten von Ausrüstungsgütern, wurde aufgrund der hohen Auftragsbestände, die sich im vergangenen Jahr durch die Überauslastung der Kapazitäten angestaut hatten, bis zum Herbst auf hohem Niveau produziert. Die Kapazitätsauslastung ist mittlerweile zwar gesunken, doch ist sie immer noch vergleichsweise hoch. Die Auftragsbestände hatten im dritten Quartal eine Reichweite von viereinhalb Monaten - für den Maschinenbau ein normales Niveau. Die Auftragseingänge, vor allem aus dem Ausland, fallen seit Ende des vergangenen Jahres. Dahinter verbirgt sich der starke Rückgang der Nachfrage aus den USA, auf die etwa 14 % der gesamten Exporte des Maschinenbaus entfallen. Die Terroranschläge vom 11. September haben nach Informationen aus der Branche diesen Rückgang noch verstärkt. Die seit Beginn des Jahres rückläufige Investitionstätigkeit im Inland wirkt sich auf den Maschinenbau besonders stark aus. Aus der Branche wird außerdem berichtet, dass die Unternehmen ihre Investitionspläne zunehmend an kurzfristigen Erfolgskennziffern ausrichten und schneller an die jeweilige konjunkturelle Lage anpassen (Abbildung 5). Die Modellsimulationen des DIW zeigen, dass die Produktion dem Auftragseingang in der Regel mit einer Verzögerung von etwa einem halben Jahr folgt. Es ist damit zu rechnen, dass bei weiter rückläufiger Produktion der Tiefpunkt im zweiten Quartal 2002 erreicht wird. Mit dem erwarteten Anspringen der Konjunktur im Ausland verbessern sich zunächst die Absatz- und Ertragsaussichten der exportorientierten Unternehmen, was zu einer Belebung der Investitionen beiträgt. Dieser Prozess dürfte sich rasch auf die gesamte Industrie ausweiten. Stimulierende Effekte kommen auch von den niedrigen Realzinsen. Nach den Modellsimulationen wirken sich die mittlerweile von der EZB gesenkten Leitzinsen mit einer Verzögerung von etwa einem halben Jahr auf die Nachfrage nach Maschinenbauprodukten aus dem Inland aus. In dem hier zugrunde gelegten Szenario wird die Produktion im Maschinenbau erst Ende 2002 an Fahrt gewinnen. Im Jahresdurchschnitt wird sie dann um 2,5 % unter dem Niveau von 2001 liegen. Der deutsche Maschinenbau hat sich besonders auf die Sonderfertigung von Maschinen und die Herstellung von Spezialitäten ausgerichtet und ist damit weniger als andere Branchen wie die eisenschaffende Industrie oder die Grundstoffchemie dem Preiswettbewerb ausgesetzt. Eine größere reale Aufwertung des Euro würde deshalb die Absatzchancen der Exporteure von Maschinenbauerzeugnissen vergleichsweise wenig einschränken. [4] Die erweiterte Elektrotechnik besteht aus den Wirtschaftszweigen Elektrotechnik (WZ-Nr. 31), Medientechnik (WZ-Nr. 32) sowie Mess- und Regeltechnik (WZ Nr. 33). Sie produziert Vorleistungs- und Investitionsgüter, aber auch Gebrauchsgüter. Die Entwicklung der Branche in diesem Jahr ist gekennzeichnet durch das Ende des IT-Booms. Beginnend in den USA gingen weltweit die Investitionen in diesem Sektor zurück, so dass in der erweiterten Elektrotechnik als Ausrüster der IT-Branche die Auftragseingänge sowohl aus dem Ausland wie aus dem Inland sanken. Da im IT-Sektor die Kapazitäten im vergangenen Jahr noch ausgebaut worden waren, wirkte sich der Rückgang der Nachfrage nach Ausrüstungsgütern in der erweiterten Elektrotechnik besonders drastisch aus. Die Produktion wurde kräftig gedrosselt, und die Kapazitätsauslastung liegt jetzt deutlich unterhalb ihres langfristigen Niveaus (Abbildung 6). Es gibt Hinweise dafür, dass auch im IT-Sektor im kommenden Jahr eine Erholung einsetzt und die Nachfrage nach diesen Ausrüstungsgütern - und mit ihr auch die Produktion der erweiterten Elektroindustrie - wieder anzieht. Im Jahresdurchschnitt 2002 ist mit einem leichten Anstieg der Produktion um 0,5 % zu rechnen. Die Produktion von Kraftwagen und Kraftwagenteilen ist seit 1993 fast ohne Unterbrechung gewachsen. Die zyklischen Abschwungsphasen in der Industrie von 1995 und 1998 sind an dieser Branche weitgehend vorübergegangen. In diesem Jahr ist die Produktion - in saisonbereinigter Betrachtung - zwar im zweiten Quartal gefallen, im dritten Quartal hat sie jedoch fast wieder das Niveau vom ersten Jahresviertel erreicht. Infolge der Abschwächung in den USA ist die Nachfrage von dort nach deutschen Pkw seit dem zweiten Quartal rückläufig. Da sich der private Konsum in den USA bisher aber noch relativ robust zeigt, fiel die Abkühlung der Nachfrage aus den USA nicht so drastisch aus wie in anderen Branchen (Abbildung 7). Die Produktion wird derzeit noch gestützt von der Nachfrage aus dem Inland. Sie hat im dritten Quartal ihren bisherigen Höhepunkt erreicht. Es ist kaum zu erwarten, dass dieses hohe Niveau gehalten werden kann, da Unternehmen und private Haushalte verunsichert sind und sich mit Investitions- und Kaufentscheidungen zurückhalten. Ein Anhaltspunkt dafür ist die negative Entwicklung der Stimmungsindikatoren, z. B. des Geschäftsklimas oder der Beurteilung des Auftragsbestandes. Nach dem Szenario der Gemeinschaftsdiagnose ist im Verlauf des kommenden Jahres damit zu rechnen, dass sowohl der private Konsum als auch die Investitionsneigung der Unternehmen wieder zunehmen werden. Damit wird auch die Inlandsnachfrage nach Kraftwagen wieder anziehen. Deshalb ist zu erwarten, dass nach einer kurzen Abschwächung der Produktion von Kraftwagen in den Quartalen um die Jahreswende die Produktion dann wieder zunimmt. In diesem Jahr wird die Produktion um etwa 5 % höher ausfallen als im Jahr 2000; im kommenden Jahr dürfte dieses Niveau wieder erreicht werden. Die Produktionsprognose für den Kraftwagenbau unterliegt allerdings erheblichen Risiken. So zeigen Schätzungen des Modells, dass die Nachfrage nach Kraftwagen im Vergleich zur Nachfrage nach Produkten der chemischen Industrie und des Maschinenbaus relativ stark auf eine Aufwertung des Euro reagieren würde. Der Markt für Kraftfahrzeuge und deren Teile ist relativ transparent, so dass Preis-Leistungsvergleiche gut möglich sind. Hinzu kommt, dass das Verhalten der Haushalte bei der Anschaffung von hochwertigen Gebrauchsgütern wie dem Auto schwer zu prognostizieren ist. | ||
| Produktion von Gebrauchs- und Verbrauchsgütern: Vergleichsweise günstige Entwicklung |
Bei den Gebrauchsgüterproduzenten dominieren nach der neuen Einteilung der Hauptgruppen nun im Wesentlichen die Hersteller von Möbeln, gefolgt von den Herstellern von Haushaltsgeräten, Geräten der Unterhaltungselektronik sowie von optischen und fotografischen Geräten. Diese profitierten in der ersten Jahreshälfte von der infolge der Steuerreform günstigen Verbrauchskonjunktur im Inland. Die rückläufigen Auftragseingänge lassen aber erwarten, dass die Produktion dieser Entwicklung folgt und zum Jahresende hin fallen wird. Unter der Annahme einer im kommenden Jahr sich erholenden Konjunktur ist mit steigender Beschäftigung und höheren Einkommen auch eine Erholung des privaten Konsums zu erwarten. Damit wird auch die Produktion von Gebrauchsgütern wieder anziehen. Die Verbrauchsgüterproduzenten haben durch die Neuordnung der Hauptgruppen erheblich an Gewicht gewonnen. Sie umfassen nun in noch stärkerem Maße Industrien mit sehr unterschiedlichen Wachstumsperspektiven und konjunkturellen Verhaltensmustern. Das Bekleidungs- und Ledergewerbe zum Beispiel ist durch eine langfristige Produktionsschwäche gekennzeichnet, die pharmazeutische Industrie dagegen durch eine ausgesprochene Wachstumsdynamik. Während das Ernährungsgewerbe stark von den Konsumausgaben der privaten Haushalte geprägt ist, hängt die Druckindustrie im Konjunkturverlauf eher - obwohl sie zu den Verbrauchsgüterproduzenten gerechnet wird - von der Entwicklung in der gesamten Industrie ab. Das Ernährungsgewerbe hat das höchste Gewicht unter den Verbrauchsgüterproduzentent. Die Produktion dieser Branche ist allerdings in der ersten Jahreshälfte weniger durch die Konsumausgaben der privaten Haushalte bestimmt worden als vielmehr durch die BSE- und MKS-Krise. Diese Krisen waren zwar nach der Jahresmitte weitgehend überwunden; dennoch wird die Produktion in diesem Jahr nur um etwa 0,5 % zunehmen. Im kommenden Jahr ist damit zu rechnen, dass sich die Produktion bei einer jahresdurchschnittlichen Wachstumsrate von etwa 1,5 % der Entwicklung des privaten Konsums angleicht. | ||
| Energie | Die neue Hauptgruppe Energie wird dominiert vom Sektor Energieversorgung. Seine Produktion nahm von Januar bis September um 1,8 % gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum ab, wozu ein starker Produktionsrückgang im ersten Quartal erheblich beitrug. In den beiden folgenden Quartalen kehrte die Energieproduktion auf ihr zuvor erreichtes Niveau zurück. Die Energieproduktion ist sehr stark von der Witterung abhängig. Als erklärende Variable kann die Witterung nur in Form der Annahme eines normalen Winters in die Prognose der Energieversorgung eingehen, was nach den vergleichsweise warmen Wintern in den letzten beiden Jahren einen Anstieg der Produktion in diesem Winter erwarten lässt. In geringerem Ausmaß hängt der Energieverbrauch auch von der konjunkturellen Entwicklung in der Industrie ab. Davon wird erst im Laufe des kommenden Jahres ein positiver Einfluss ausgehen. Während die Energieversorgung in diesem Jahr nicht ganz das Produktionsniveau vom Jahre 2000 erreichen wird (-0,5 %), dürfte sie im kommenden Jahr ihre Produktion wieder steigern können und im Jahresdurchschnitt ein Wachstum von etwa 1,5 % realisieren. | ||
| Jahresproduktion 2002: Trotz Erholung im Verlauf unter Vorjahresniveau | Die Abschwächung des Produktionswachstums der Industrie in diesem Frühjahr ist in einen Abschwung übergegangen. Dieser wird sich wohl zumindest bis zum Ende des Jahres fortsetzen. Allein wegen des statistischen Überhangs dürfte die Industrieproduktion in diesem Jahr den Vorjahreswert aber noch um 1 % übertreffen. Legt man das aus therapeutischer Sicht insgesamt optimistische Szenario der Gemeinschaftsdiagnose zugrunde, wird bereits im zweiten Quartal des nächsten Jahres die Industrieproduktion in Deutschland anziehen und im weiteren Jahresverlauf an Dynamik gewinnen. Selbst bei diesem Verlauf wird die Industrie keinen Wachstumsbeitrag leisten können. Im Jahresdurchschnitt 2002 ist sogar mit einer Produktionsabnahme (-0,3 %) zu rechnen. | ||
| Kasten - Modellgestützte Prognose |
Das DIW Berlin erarbeitet zweimal im Jahr eine modellgestützte Prognose der Produktion des produzierenden Gewerbes (ohne Baugewerbe) und seiner Zweige. Diese Branchenmodelle sind multivariate Zeitreihenmodelle. Sie erklären die Produktionsentwicklung - vermittelt über die Auftragseingänge - in Abhängigkeit von gesamtwirtschaftlichen Nachfragegrößen im In- und Ausland sowie von Preis- und Kostenfaktoren wie dem realen Wechselkurs des Euro. Den Schätzungen liegen die Daten ab 1991 zugrunde. Das für die Gesamtwirtschaft prognostizierte Szenario der jeweils letzten Gemeinschaftsdiagnose bestimmt den Verlauf der erklärenden Variablen. Die Ergebnisse dieser Modellrechnungen werden mit Experten aus Unternehmen und Verbänden auf der Industrietagung des DIW Berlin diskutiert und mit den Einschätzungen der verschiedenen Branchenexperten konfrontiert. Die Gesamtheit dieser Informationen bilden die Grundlage der Branchenprognosen des DIW Berlin. | ||
| Neuordnung der Hauptgruppen |
Das Statistische Bundesamt hat die Hauptgruppen der Industrie in Anpassung an EU-einheitliche Regelungen neu abgegrenzt. Neu gebildet wurde eine Hauptgruppe "Energie". Zu ihr gehören die Energieversorgung, Bereiche des Bergbaus sowie die Kokereien und die Mineralölverarbeitung. Die Änderungen führen dazu, dass der bisher im Zentrum der konjunkturellen Analyse stehende Bereich "Bergbau und verarbeitendes Gewerbe" nicht mehr als Gesamtheit der Hauptgruppen dargestellt werden kann. In der Summe bilden die neuen Hauptgruppen nunmehr das Aggregat "Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe", kurz Industrie genannt.
Die Neuordnung der Hauptgruppen geht von den Dreistellern der Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ 93) aus. So wird zum Beispiel die Herstellung von Kraftwagenteilen und -motoren (WZ Nr. 34.1), die bisher teils den Investitions-, teils den Gebrauchsgüterproduzenten zugeschlagen wurde, nun ganz den Investitionsgüterproduzenten zugerechnet. Die Gebrauchsgüterproduzenten haben dadurch mehr als die Hälfte ihres Anteils an der Industrieproduktion verloren. [1] Vgl.: Industrieproduktion in Deutschland: Impulse für die Konjunkturentwicklung nicht zu erwarten. Bearb.: Claudius Schmidt-Faber und Jörg-Peter Weiß. In: Wochenbericht des DIW, Nr. 21/2001. [2] Vgl.: Die Lage der Weltwirtschaft und der deutschen Wirtschaft im Herbst 2001. In: Wochenbericht des DIW, Nr. 43/2001. [3] Die pharmazeutische Industrie zählt nach der neuen Hauptgruppenordnung vollständig zu den Verbrauchsgüterproduzenten. [4] Vgl.: Abhängigkeit der deutschen Exporte vom realen Außenwert der D-Mark. Bearb.: Dorothea Lucke. In: Wochenbericht des DIW, Nr. 4/98.
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 1
Produktion und Auftragseingang im produzierenden Gewerbe ohne Baugewerbe
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Produktion (2)
Struktur Veränderung gegenüber
Sektoren (1) dem Vorjahr in %
2000 1. Vj. 2001 2. Vj. 2001 3. Vj. 2001
Produzierendes Gewerbe
ohne Baugewerbe 100,0 5,5 1,4 -1,6
Vorleistungsgüterproduzenten 36,7 4,7 0,5 -2,7
Investitionsgüterproduzenten 35,5 11,1 3,5 -0,6
Gebrauchsgüterproduzenten 4,0 6,0 2,6 1,1
Verbrauchsgüterproduzenten 15,6 2,1 -1,1 -1,0
Energie 9,8 -6,6 0,1 -3,0
Bergbau und verarbeitendes
Gewerbe 93,4 6,5 1,3 -1,7
Bergbau (5) 1,7 -7,9 -6,4 -10,7
Kohlenbergbau, Torfgewinnung 1,0 -9,6 -9,4 -15,7
Gewinnung von Erdöl
und Erdgas 0,1 -4,4 -0,6 1,6
Gewinnung von Steinen
und Erden 0,5 -4,7 -1,8 -3,5
Verarbeitendes Gewerbe 91,7 6,7 1,5 -1,5
Ernährungsgewerbe 6,8 0,4 -1,8 0,2
Tabakverarbeitung 0,3 14,2 -2,7 -2,5
Textilgewerbe 1,1 3,8 -1,4 -3,6
Bekleidungsgewerbe 0,5 1,8 -5,8 -6,3
Ledergewerbe 0,2 0,7 -4,2 -9,5
Holzgewerbe 1,6 -5,7 -7,1 -9,2
Papiergewerbe 1,8 2,3 -2,6 -3,7
Verlags- und Druckgewerbe 4,7 2,1 -1,5 -4,1
Mineralölverarbeitung,
Kokerei 0,4 -1,0 0,9 -6,0
Chemische Industrie 9,8 0,8 -2,0 -2,6
Gummi- und Kunststoffwaren 4,4 3,7 0,1 -1,3
Glas, Keramik, Steine
und Erden 3,5 -2,7 -5,9 -7,0
Metallerzeugung und
-bearbeitung 3,8 6,5 0,5 -4,2
Metallverarbeitung 7,9 8,3 4,3 -1,1
Maschinenbau 12,2 8,4 3,5 0,3
EDV-Geräte, Büromaschinen 1,9 11,4 -2,4 -14,6
Elektrotechnik 7,1 10,2 5,7 1,8
Medientechnik 2,6 30,9 12,2 -3,9
Mess- und Regeltechnik 3,2 13,2 7,2 -0,4
Kraftwagenbau 13,5 12,7 3,7 1,7
Sonstiger Fahrzeugbau 1,2 3,6 3,4 8,3
Möbel, Spielwaren 2,2 -0,8 -2,1 -2,2
Recycling 0,2 21,3 7,1 -4,0
Energieversorgung 6,7 -6,5 1,6 -0,5
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Auftragseingang (4)
Veränderung gegenüber
Export- dem Vorjahr in %
Sektoren quote
(3) Insges. Inland Ausland
2000 3. Vj. 2001
Produzierendes Gewerbe
ohne Baugewerbe . . . .
Vorleistungsgüterproduzenten 31,2 -8,0 -6,0 -11,2
Investitionsgüterproduzenten 51,8 -4,3 -4,4 -4,2
Gebrauchsgüterproduzenten 31,4 -3,1 -5,0 1,1
Verbrauchsgüterproduzenten 18,5 -0,3 -3,2 6,1
Energie . . . .
Bergbau und verarbeitendes
Gewerbe . . . .
Bergbau (5) 4,4 . . .
Kohlenbergbau, Torfgewinnung 3,1 . . .
Gewinnung von Erdöl
und Erdgas 1,1 . . .
Gewinnung von Steinen
und Erden 8,6 . . .
Verarbeitendes Gewerbe 36,6 -5,4 -5,0 -5,9
Ernährungsgewerbe 12,1 . . .
Tabakverarbeitung 8,0 . . .
Textilgewerbe 34,9 -7,3 -8,4 -5,3
Bekleidungsgewerbe 29,2 2,1 -6,5 20,1
Ledergewerbe 27,4 -4,6 -3,5 -7,7
Holzgewerbe 15,8 -5,1 -5,5 -2,9
Papiergewerbe 34,6 -3,1 -5,1 0,8
Verlags- und Druckgewerbe 7,5 -1,8 -2,9 6,3
Mineralölverarbeitung,
Kokerei 4,8 . . .
Chemische Industrie 50,2 -4,5 -4,7 -4,3
Gummi- und Kunststoffwaren 29,9 -2,9 -3,7 -0,9
Glas, Keramik, Steine
und Erden 19,2 -8,8 -8,2 -10,1
Metallerzeugung und
-bearbeitung 36,7 -3,9 -6,3 0,4
Metallverarbeitung 22,2 -2,5 -3,0 -1,1
Maschinenbau 48,3 -10,2 -8,2 -12,2
EDV-Geräte, Büromaschinen 35,4 -24,3 -20,7 -31,6
Elektrotechnik 35,5 -9,2 -1,9 -20,8
Medientechnik 53,6 -24,7 -18,8 -29,4
Mess- und Regeltechnik 48,3 -8,4 -6,6 -9,8
Kraftwagenbau 58,3 5,9 4,2 7,3
Sonstiger Fahrzeugbau 51,3 -9,9 -6,4 -13,3
Möbel, Spielwaren 21,1 -6,3 -8,2 2,7
Recycling 26,1 . . .
Energieversorgung . . . .
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(1) Anteile in % an der Bruttowertschöpfung zu Faktorkosten des produzierenden
Gewerbes ohne Baugewerbe.
(2) Produktionsindex, 1995 = 100, arbeitstäglich bereinigt.
(3) Auslandsumsatz in % des Gesamtumsatzes der Betriebe des jeweiligen Sektors.
(4) Volumenindex, 1995 = 100.
(5) Einschließlich Gewinnung von Steinen und Erden.
Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des DIW Berlin.
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-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 2 Aktuelle Entwicklung in ausgewählten Branchen des verarbeitenden Gewerbes (1) Veränderung gegenüber der Vorperiode in % ------------------------------------------------------------------------------- Sektoren 1. Vj. 2001 2. Vj. 2001 3. Vj. 2001 Produktion Vorleistungsgüterproduzenten 0,3 -2,3 -1,5 Investitionsgüterproduzenten 3,5 -3,0 -0,2 Gebrauchsgüterproduzenten 2,1 0,2 0,1 Verbrauchsgüterproduzenten -0,6 -0,3 0,4 Energie -3,4 4,1 -0,3 Verarbeitendes Gewerbe 1,5 -2,3 -0,5 Ernährungsgewerbe -1,2 1,0 1,5 Chemische Industrie -1,9 -0,2 -0,8 Metallerzeugung und -bearbeitung 2,0 -3,5 -1,2 Metallverarbeitung 2,8 -1,8 -3,4 Maschinenbau 2,6 -1,7 0,9 Elektro-, Medien-, Regeltechnik 1,3 -2,8 -2,2 Kraftwagenbau 4,7 -3,1 2,5 Auftragseingang Inland Vorleistungsgüterproduzenten -0,3 -2,7 -2,5 Investitionsgüterproduzenten 0,7 -7,2 0,4 Gebrauchsgüterproduzenten -0,5 -0,6 -4,0 Verbrauchsgüterproduzenten 0,6 -0,6 -2,8 Verarbeitendes Gewerbe 0,2 -4,4 -1,3 Chemische Industrie -0,5 -1,8 -0,4 Metallerzeugung und -bearbeitung -0,9 -2,4 -0,1 Metallverarbeitung -0,3 -2,3 -1,3 Maschinenbau 0,0 -6,1 -2,8 Elektro-, Medien-, Regeltechnik 1,4 -7,8 -4,4 Kraftwagenbau 1,0 -1,8 2,6 Auftragseingang Ausland Vorleistungsgüterproduzenten -2,4 -2,0 -5,5 Investitionsgüterproduzenten -3,7 -1,3 -5,0 Gebrauchsgüterproduzenten -0,1 -4,3 3,1 Verbrauchsgüterproduzenten 0,3 1,4 0,5 Verarbeitendes Gewerbe -3,0 -1,5 -4,7 Chemische Industrie -2,3 -1,0 -2,2 Metallerzeugung und -bearbeitung -1,7 1,2 1,7 Metallverarbeitung -5,2 -5,2 -1,3 Maschinenbau -4,6 -3,6 -4,6 Elektro-, Medien-, Regeltechnik -6,6 -4,5 -11,5 Kraftwagenbau 5,7 -0,7 -1,9 ------------------------------------------------------------------------------- (1) Indizes 1995 = 100, Produktionsindex saisonbereinigt nach dem Verfahren X-12-Arima, Auftragseingang nach dem Berliner Verfahren (BV4). Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des DIW Berlin. =============================================================================== |
-------------------------------------------------------------------------------Tabelle 3 Prognose der Produktionsentwicklung (1) Veränderung gegenüber dem Vorjahr in % ------------------------------------------------------------------------------- Sektoren 2000 2001 2002 Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe 6,5 1,0 -0,3 Ernährungsgewerbe 1,9 0,5 1,5 Chemische Industrie 2,9 -1,5 1,0 Metallerzeugung u. -bearbeitung 8,1 -0,5 -2,0 Metallverarbeitung 6,5 2,0 -3,0 Maschinenbau 7,3 2,5 -2,5 Elektro-, Medien-, Regeltechnik 12,9 4,0 0,5 Kraftwagenbau 11,6 5,0 0,0 Energieversorgung 1,1 -0,5 1,5 ------------------------------------------------------------------------------- (1) Arbeitstäglich bereinigt. Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des DIW Berlin. =============================================================================== | |
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