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Wochenbericht des DIW Berlin 50/03

Das InnoRegio-Programm: Eine Zwischenbilanz

Bearbeiter Alexander Eickelpasch
Kurt Hornschild
Ingo Pfeiffer
Das Programm InnoRegio des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ist mit einem Volumen von 256 Mill. Euro eine der bedeutendsten Maßnahmen zur Innovationsförderung in den neuen Bundesländern. Durch die Förderung der Zusammenarbeit regionaler Akteure sollen die Innovationsfähigkeit und Wirtschaftskraft ausgewählter Regionen gestärkt werden. Bei 23 in einem Wettbewerb ermittelten Kooperationsgemeinschaften (InnoRegios) werden derzeit (Stand Ende November 2003) 608 Vorhaben mit einem Gesamtbetrag von 136 Mill. Euro gefördert oder sind bereits abgeschlossen. Weitere 52 Vorhaben sind beantragt. Der Förderzeitraum für Vorhaben umfasst die Jahre 2001 bis 2006, das Programm hat also seine Halbzeit erreicht. Im folgenden Bericht der Begleitforschung, die im Auftrag des BMBF das DIW Berlin und Partner [1] durchführen, wird eine Zwischenbilanz gezogen.

Die meisten InnoRegios haben ihre interne Organisation etabliert und treiben ihre Vorhaben voran. Die geförderten Vorhaben decken ein breites Technologiespektrum ab und verfolgen zumeist anspruchsvolle Innovationsziele. Im Zuge des mit InnoRegio angestoßenen Ausbaus regionaler Kooperationen wurden zahlreiche neue Partnerschaften zwischen Unternehmen, wissenschaftlichen Einrichtungen, Bildungsinstitutionen und anderen Akteuren begründet.

Der Förderansatz ist komplex, seine Umsetzung aufwendig, aber er entspricht den Anforderungen der regionalen Situation. Das Förderprogramm InnoRegio ist langfristig angelegt; messbare wirtschaftliche Erfolge sind kurzfristig kaum zu erwarten. Angesichts des komplexen Ansatzes kann es nicht überraschen, dass auch Schwierigkeiten auftreten. So haben einige InnoRegios erhebliche Probleme, ihre Konzepte zu realisieren.
Das InnoRegio-Programm Das Förderprogramm InnoRegio unterstützt die Zusammenarbeit von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und wirtschaftsnahen Institutionen auf regionaler Ebene. Die Vernetzung der Akteure soll dazu beitragen, lokale Kompetenzen intensiver zu nutzen und die Innovationsfähigkeit der Unternehmen zu stärken, um dadurch Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung in der Region auszulösen. Gefördert werden Aufbau und Organisation der Netzwerke sowie die den Netzwerkzielen dienlichen Innovationsvorhaben der Teilnehmer. Als Innovation werden sowohl technisch-wissenschaftliche Neuerungen als auch neue Ausbildungs- und Qualifizierungskonzepte eingestuft. Das Förderprogramm wird wissenschaftlich begleitet. Über Ergebnisse der Analysen wurde an dieser Stelle mehrfach berichtet. [2]

Die aktuelle Untersuchung basiert auf Angaben einer schriftlichen Befragung vom Sommer 2002, [3] an der die Leiter von 276 der 367 geförderten Vorhaben [4] teilnahmen, auf Ergebnissen von 110 Interviews mit Unternehmen und anderen Entscheidungsträgern in den InnoRegios sowie auf Angaben des Projektträgers zu den geförderten Vorhaben.

Struktur und Entwicklung der InnoRegios Von den 23 InnoRegios sind elf überwiegend produktionsorientiert, je vier dienstleistungs- bzw. forschungsorientiert. Vier weitere InnoRegios sind so breit angelegt, dass sie nicht in dieses Schema passen und als InnoRegios mit mehrdimensionalem Zielsystem eingestuft werden (Karte).

Zum Zeitpunkt der Umfrage gab es fünf InnoRegios mit mehr als 30 Vorhaben und fünf mit 15 bis 30 Vorhaben. Die 13 übrigen InnoRegios hatten in diesem Zeitraum weniger als 15 Vorhaben.

Die Zusammenarbeit in den InnoRegios - eine Voraussetzung für die Stärkung des regionalen Innovationspotentials - hat an Intensität deutlich zugenommen, die benötigten Kooperationspartner wurden in aller Regel auch gefunden. Drei Viertel der Netzwerke erhalten bei den Kriterien Stand der Organisation, Managementleistung der Geschäftsstelle des Netzwerkes sowie Formen und Wege der Kommunikation von den Teilnehmern überwiegend positive Bewertungen. Nach Einschätzung der Begleitforschung haben danach die meisten InnoRegios im Verlauf des Jahres 2002 beim Aufbau ihrer Strukturen und bei der Umsetzung ihrer Konzepte deutliche Fortschritte gemacht. Diese Entwicklung hat sich nach den Beobachtungen im laufenden Jahr fortgesetzt. Der Stand der Bewilligung der Vorhaben und der Anteil des gebundenen Förderbetrages am gesamten reservierten Förderbetrag zeigen allerdings, dass einige InnoRegios immer noch weit zurückliegen.

Ein signifikanter Zusammenhang zwischen den hier betrachteten Netzwerkeigenschaften und den Entwicklungsfortschritten der Vorhaben zeigt sich nicht.

Informationsaustausch in den InnoRegios Die wesentliche Leistung der Vernetzung für den Innovationsprozess liegt in der Beschleunigung und Intensivierung des Wissensaustauschs. Drei Fünftel der befragten Akteure werden intensiv von ihren InnoRegio-Partnern informiert (Abbildung 1). Informationen von außerhalb des Netzwerkes gibt es hingegen nur in geringem Maße. Der Informationsfluss ist besonders ausgeprägt bei wissensintensiven Vorhaben wie der Entwicklung grundlegend neuer Produkte (Abbildung 2). Partner, die das Netzwerk besonders intensiv nutzen, beziehen in der Regel auch viele Informationen aus dem eigenen Unternehmen bzw. der eigenen Einrichtung. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass Unternehmen, die dem Wissenstransfer aufgeschlossen gegenüberstehen, ihre InnoRegios auch besser zu nutzen verstehen als solche, die sich mit dem Informationsaustausch grundsätzlich schwer tun.

Der Wissensaustausch beruht auf Gegenseitigkeit: Partner, die viele Informationen weitergeben, erhalten auch viele Informationen aus ihrer InnoRegio und umgekehrt (Tabelle). Zahlreiche Unternehmen nutzen externes Wissen stärker als vorher. Damit wollen sie - nach eigenen Angaben - ihre technologische Kompetenz stärken.

Struktur und Entwicklung der Vorhaben Die Netzwerkbildung sowie ein intensiver Wissensfluss schaffen zwar bessere Voraussetzungen für Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit, letztlich entscheidend ist aber der Markterfolg, der eng an die Verwirklichung der Vorhaben geknüpft ist. Die vorliegende Analyse setzt im Frühstadium der Projektumsetzung an. Hierbei ging es zunächst um eine Bestandsaufnahme der verschiedenen Ziele der Vorhaben, deren Innovationsgehalt und Entwicklungsstand, den Zusammenhang untereinander sowie Anhaltspunkte für zu erwartende wirtschaftliche Effekte. Der Erfolg der Vorhaben kann noch nicht untersucht werden.

Mit dem überwiegenden Teil der Vorhaben werden technisch-wissenschaftliche Innovationen angestrebt. Daneben werden aber auch Vorhaben umgesetzt, die ganz im Sinne des Förderansatzes dazu beitragen sollen, das regionale Innovationspotential auf indirektem Wege zu verbessern; dies gilt insbesondere für Netzwerkdienstleistungs- und Bildungsvorhaben.

Nach Angaben der Beteiligten handelt es sich bei knapp der Hälfte der Innovationsvorhaben um die Entwicklung grundlegend neuer Produkte oder Verfahren (Abbildung 3). Ein Drittel zielt auf eine umfassende Verbesserung von Produkten oder Verfahren. Vielfach handelt es sich um Vorhaben, die von sehr kleinen Unternehmen durchgeführt werden. Ein Viertel der geförderten Unternehmen beschäftigt weniger als zehn Mitarbeiter, die Hälfte zehn bis 50.

Ein Indikator für den technologischen Anspruch der Maßnahmen sind Patente oder andere Schutzrechte. Für ein Sechstel der Beteiligten stand zum Befragungszeitpunkt fest, dass sie das Ergebnis ihres Vorhabens durch Schutzrechte absichern wollten (Abbildung 4).

Der überwiegende Teil der Befragten (90 %) hatte weder mit der Verbreitung noch mit der bisherigen Umsetzung Schwierigkeiten. Nur ein Zehntel der Befragten klagte über Probleme wie zu geringe Förderquoten, zu lange Antragsverfahren oder Schwierigkeiten, geeignete Mitarbeiter und neue Kooperationspartner zu gewinnen. Ebenfalls ein Zehntel rechnet damit, künftig Schwierigkeiten zu bekommen, vor allem bei der Finanzierung der Ergebnisverwertung.

Knapp ein Drittel der Teilnehmer greift für die Vorhaben nicht auf eigenes Personal zurück, sondern stellt Mitarbeiter ein oder plant es zu tun. Gesucht werden vor allem Ingenieure, Naturwissenschaftler, Techniker, Facharbeiter und Laboranten. In einigen Fällen behindert ein Fachkräftemangel sogar die Umsetzung der Vorhaben. Lösungen für dieses Problem zeichnen sich derzeit nicht ab.

Mit einer wirtschaftlichen Nutzung des Ergebnisses ihrer Vorhaben rechnen rund vier Fünftel aller Teilnehmer. Beim restlichen Fünftel handelt es sich zumeist um Ausbildungs- und Qualifizierungsvorhaben, bei denen eine unmittelbare wirtschaftliche Nutzung nicht beabsichtigt ist. Ein Zehntel der Beteiligten erwartet, bereits vor Abschluss des Vorhabens zu einem für sie wirtschaftlich nutzbaren Ergebnis zu kommen (Abbildung 5). Ein Fünftel wird die Ergebnisse mit Abschluss des Vorhabens nutzen können, ein Viertel erst danach. Für ein weiteres Viertel der Befragungsteilnehmer ist der Zeitpunkt einer möglichen Nutzung noch nicht absehbar.

Mehr als die Hälfte der Vorhaben endet im Laufe des Jahres 2004 oder danach (Abbildung 6). Da die angestrebten ökonomischen Wirkungen teilweise erst nach Abschluss der Förderung eintreten, können erst 2005 belastbare Aussagen über den wirtschaftlichen Erfolg der geförderten Vorhaben gemacht werden. Von den bereits zum Zeitpunkt der Befragung bewilligten Vorhaben wurde bis Ende 2002 lediglich ein Zehntel abgeschlossen, bis Mitte 2003 ein weiteres Zehntel. Bis Ende 2003 wird ein weiteres Fünftel dieses Stadium erreicht haben. [5]

Die Unternehmen wollen ihre Wettbewerbsposition verbessern, indem sie auf für sie teilweise neuen Technikfeldern neue Produkte entwickeln. Dabei beurteilen sie die Chancen zur Überwindung der technischen Schwierigkeiten eher optimistisch. Skepsis im Hinblick auf die Lösung der mit der Verwertung verbundenen wirtschaftlichen Probleme ist hingegen weiter verbreitet. Diese wirtschaftliche Verwertung der Vorhaben ist jedoch für den Erfolg des Förderansatzes zentral, nicht zuletzt deshalb, weil dies eine wichtige Grundlage für Nachfolgevorhaben bildet und sich so der Impuls aus den InnoRegios fortsetzen kann.

Die Förderung im Urteil der Teilnehmer Das InnoRegio-Förderprogramm trifft bei den Förderempfängern inzwischen auf große Zustimmung (Abbildung 7). Im Verlauf des Umsetzungsprozesses ist die Zufriedenheit mit der InnoRegio-Förderung gewachsen. [6] Das liegt nicht nur am unmittelbaren Nutzen, der den Teilnehmern aus der Förderung ihrer Vorhaben erwächst, sondern auch an den Chancen, bessere Kontakte knüpfen zu können und geeignete Kooperationspartner zu finden, und zwar nicht nur zu Partnern in, sondern auch außerhalb der Region. Die Erfahrungen werden auch außerhalb des Förderprogramms genutzt: Zwei Fünftel der Befragten planen bereits weitere Vorhaben. Viele von ihnen wollen dabei auch mit den bisherigen Kooperationspartnern weiterarbeiten.
Fazit Die Umsetzung des Förderprogramms InnoRegio ist deutlich vorangekommen. Das Ziel, die regionalen Kompetenzen zusammenzuführen, wurde bereits erreicht. Kontakte zwischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind zum gegenseitigen Nutzen intensiviert worden.

Die positiven Effekte in den InnoRegios zeigen sich auch daran, dass viele geförderte Unternehmen technologisch anspruchsvolle Vorhaben realisieren wollen. Jedes zweite Vorhaben zielt auf die Entwicklung grundlegend neuer Produkte oder Verfahren.

Die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Ergebnisse ist letztlich Ziel jeder Innovationsförderung. Bei einer vorwettbewerblichen Förderung wie InnoRegio ist sie kurzfristig nicht zu erwarten. Insofern wäre es der falsche Maßstab, InnoRegio oder vergleichbare Förderkonzepte daran zu messen, welche wirtschaftlichen Ergebnisse sich kurzfristig eingestellt haben. [7]

Die Perspektiven der InnoRegios sind gegenwärtig schwer zu beurteilen. Für die Festigung der Kooperationsverbünde bedarf es nach dem Eindruck der Begleitforschung eines längeren Atems. Viel wird davon abhängen, ob es gelingt, über Nachfolgevorhaben die begonnenen Kooperationsaktivitäten zu stabilisieren sowie das Netzwerk - oder zumindest Teile desselben - auch über den Förderzeitraum hinaus am Leben zu halten.

[1] An der wissenschaftlichen Begleitung sind unter Federführung des DIW Berlin die Arbeitsstelle für Politik und Technik (APT) an der Freien Universität Berlin, artop-Arbeits- und Technikgestaltung, Organisations- und Personalentwicklung e. V., Institut an der Humboldt-Universität zu Berlin, die Euronorm GmbH Berlin und das CEIS der Universität Jena beteiligt. Weitere Informationen unter www.diw.de/innoregio.

[2] Vgl.: Die Förderinitiative InnoRegio - Konzeption und erste Erkenntnisse der wissenschaftlichen Begleitung. Bearb.: Alexander Eickelpasch, Martina Kauffeld, Ingo Pfeiffer, Ulrich Wurzel und Thomas Bachmann.
In:Wochenbericht des DIW Berlin, Nr. 34/2001;
Das InnoRegio-Programm: Umsetzung der Förderung und Entwicklung der Netzwerke. Bearb.: Alexander Eickelpasch, Martina Kauffeld und Ingo Pfeiffer. In: Wochenbericht des DIW Berlin, Nr. 21/2002; Innovationsnetzwerke in Ostdeutschland: Ein noch zu wenig genutztes Potential zur regionalen Humankapitalbildung. Bearb.: Hans-Jörg Drewello, Birgit Soete und Ulrich Wurzel. In: Wochenbericht des DIW Berlin, Nr. 16/2002.

[3] Im Spätsommer dieses Jahres wurden die InnoRegio-Teilnehmer wiederum befragt. Ergebnisse liegen Anfang 2004 vor.

[4] Einschließlich kurz vor der Bewilligung stehender Vorhaben und ohne Vorhaben, die den Geschäftsstellen zuzurechnen sind.

[5] Mit den Daten aus der aktuellen Befragung der InnoRegio-Teilnehmer sind daher auch erste Untersuchungen zum Erfolg der Vorhaben möglich.

[6] Vorläufigen Auswertungen der in diesem Jahr erhobenen Daten zufolge hat der Zustimmungsgrad unter den geförderten Teilnehmern im Jahre 2003 nochmals, wenn auch geringfügig, zugenommen.

[7] Der zweite Fortschrittsbericht zur Entwicklung in Ostdeutschland stellt fest, dass kooperierende Unternehmen die potentiell positiven Auswirkungen der Vernetzung bisher kaum nutzen konnten. Dies kann und soll kein Einwand gegen das Förderkonzept sein. Der Bericht weist zugleich darauf hin, dass Netzwerkförderung langfristig angelegt ist. Vgl.: Zweiter Fortschrittsbericht wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute über die wirtschaftliche Entwicklung in Ostdeutschland.
In: Wochenbericht des DIW Berlin, Nr. 47/2003.

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Tabelle

Wissenszufluss und -abfluss bei InnoRegio-Vorhaben 2002
Anteil in % der Vorhaben

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                                 Menge der an InnoRegio-Partner gegebenen
                                             Informationen
Menge der von
InnoRegio-Partnern             Eher wenig   Mittel   Eher viel   Insgesamt
erhaltenen Informationen

Eher wenig                          3          4          5          12
Mittel                              5         12         10          27
Eher viel                           4         22         35          61

Insgesamt                          12         38         50         100

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Anzahl der Vorhaben = 258.

Quelle: DIW Berlin und Partner, schriftliche Befragung vom Sommer 2002.

DIW Berlin 2003

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© 50/03