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| Wochenbericht des DIW Berlin 7/00 Verstärkte FuE-Anstrengungen in Deutschland erforderlich | |||
| Bearbeiter | Alfred Haid | ||
| Nach einem kräftigen Wachstum in den 80er Jahren stagnierten die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) sowohl in der EU als auch in der OECD. Neben Deutschland verzeichneten auch andere europäische Länder und sogar die USA eine nachlassende FuE-Neigung, nirgends war dieser Trend aber - von Italien einmal abgesehen - so ausgeprägt wie in Deutschland, das zu Beginn der 80er Jahre innerhalb der OECD noch eine Spitzenposition inne hatte. Dies lässt sich nicht als bloßer Vereinigungseffekt abtun, da die Rückführung der FuE-Kapazitäten in der westdeutschen Wirtschaft schon einige Jahre vor 1990 begonnen hatte. Der internationale Technologiewettbewerb ist vielschichtiger geworden: Kleinere Länder wie Schweden, Finnland und Südkorea steigerten ihre Ausgaben für FuE im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt in den 90er Jahren und nehmen mit ihrer FuE-Quote nun einen Spitzenplatz ein. Dabei spezialisieren sich diese Länder auf besonders dynamische Märkte. Mittlerweile scheint der rückläufige FuE-Trend in Deutschland zwar gestoppt; seit 1995 sind wieder Zuwächse bei den FuE-Ausgaben und beim FuE-Personal zu verzeichnen. Um den verlorenen Boden wieder gutzumachen, müssen die FuE-Anstrengungen aber weiter verstärkt werden. FuE-Aufwendungen als Indikatoren der technologischen Leistungsfähigkeit [1] Technologische Leistungsfähigkeit [2] manifestiert sich in der Entwicklung neuer Produktionsverfahren und Produkte. Sie ist langfristig bestimmend für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung sowie für das Produktivitäts- und Einkommensniveau. Technologische Leistungsfähigkeit ist ein komplexes, mehrdimensionales Phänomen, das nicht unmittelbar beobachtet und durch eine einzige Kennziffer beschrieben werden kann. Sie lässt sich nur durch eine Reihe von Einzelindikatoren erfassen. [3] FuE-Ausgaben sind - ebenso wie die Bildungsausgaben - ein wichtiger Input-Indikator. Sie charakterisieren die unmittelbaren technologiebezogenen Anstrengungen der Wirtschaft. Die Ergebnisse schlagen sich u. a. in Innovationen und Patenten sowie letztlich in der Marktperformance nieder. Die FuE-Ausgaben stellen den größten Posten bei den Innovationsaufwendungen [4] der Unternehmen dar. [5] Die Verwendung von FuE-Daten als Indikatoren für die technologische Leistungsfähigkeit basiert auf der Annahme, dass mittel- bis langfristig ein Zusammenhang besteht zwischen dem Einsatz von wissenschaftlichem Personal, ausgebildeten Fachkräften, speziellen FuE-Ausrüstungsgütern und hinzugekauftem Wissen von Forschungseinrichtungen einerseits und dem Ergebnis des Innovationsprozesses (neue Produkte, Verfahren, Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, Kostensenkung, Umsatz und Beschäftigung) andererseits. Eigene FuE ist zudem für Unternehmen eine wichtige Basis für die Adaption fremden Wissens - sei es von Kooperationspartnern, sei es von Forschungseinrichtungen. [6] | |||
| Kleinere Länder holen auf | In den OECD-Ländern wurden 1997 knapp 500 Mrd. $ (laufende Kaufkraftparität) für FuE aufgewendet. Allein auf die USA entfielen 42,7 %; es folgen Japan (18,2 %), Deutschland (8,5 %), Frankreich (5,6 %), Großbritannien (4,6 %), Korea (3,9 %), Italien (2,7 %), Kanada (2,3 %), die Niederlande und Schweden (jeweils 1,4 %), Australien (1,3 %), Spanien (1,1 %) und die Schweiz (1 %). Auf die EU insgesamt entfielen 28,3 %. Aussagefähiger als absolute Zahlen sind jedoch so genannte FuE- Intensitäten. Sie bringen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Relation zur Wirtschaftskraft einer Volkswirtschaft. Bezugsgröße ist häufig das Bruttoinlandsprodukt. Gemessen an dieser Kennziffer zählt Deutschland zu den forschungsintensivsten Volkswirtschaften. Als in den 70er und 80er Jahren weltweit die FuE-Ausgaben ausgeweitet wurden, nahm Deutschland in Niveau und Veränderung einen Spitzenplatz ein (Abbildung 1). In den 90er Jahren gewannen Nordamerika und Asien an Bedeutung. Insgesamt ist die Zahl der Teilnehmer am internationalen Technologiewettlauf größer geworden. Für den Verlauf der FuE-Intensität in den einzelnen Ländern ist eine Vielzahl von Faktoren relevant: Neben der jeweiligen konjunkturellen Situation spielen die Entwicklung sektorspezifischer FuE-Intensitäten, die jeweiligen nationalen Schwerpunkte, die Arbeitsteilung zwischen Staat und Privaten sowie die staatlichen Präferenzen bei FuE eine Rolle. Nach Beendigung des Kalten Krieges hat sich der Einfluss des Staates insbesondere in der militärisch begründeten Nachfrage nach FuE niedergeschlagen, die seither massiven Schwankungen und Reduzierungen ausgesetzt ist. Auch die knapperen öffentlichen Kassen machten sich in der staatlichen Finanzierung privater FuE-Projekte bemerkbar. Deutschland ist nicht das einzige Land, das Anfang der 90er Jahre eine nachlassende FuE-Intensität verzeichnete. In den meisten großen Volkswirtschaften stagnierten die FuE-Anstrengungen, real nahmen sie sogar ab. Nirgends wurde jedoch - abgesehen von Italien - FuE so zügig und so lange zurückgeschraubt wie in Deutschland (-1,2 % p. a.). [7] Während die FuE-Aufwendungen der Wirtschaft in der ersten Hälfte der 90er Jahre in Frankreich, Großbritannien und Deutschland zusammen genommen real um ein halbes Prozent jährlich reduziert wurden, expandierten sie in den außereuropäischen Industrieländern jährlich mit über 3 %. Insbesondere etliche kleinere Volkswirtschaften haben ihre FuE-Anstrengungen massiv erhöht (Südkorea, Schweden, Finnland). Zuletzt lag die FuE-Intensität in Schweden (3,9 %) und Finnland (2,9 %) deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 2,2 %, Deutschland liegt mit 2,3 % nur knapp darüber (Abbildung 2). | ||
| FuE auf wenige Branchen konzentriert | Innerhalb der Industrie wird der FuE-Einsatz von einigen wenigen, besonders forschungsintensiven Branchen dominiert [8] (Tabellen 1 und 2). Die ( vereinigen rund 90 % der FuE-Aufwendungen des verarbeitenden Gewerbes auf sich. In Deutschland entfielen auf nicht FuE- inte (ige nur 8,5 % der FuE-Aufwendungen. Ähnlich ist die Situation in den USA, Großbritannien, Frankreich und Italien. Eine Ausnahme bildet lediglich Japan. Dort verteilen sich die FuE-Aufwendungen stärker als in anderen Ländern noch auf eine Reihe weiterer Branchen mit einfacher Technologie (fast 18 %). Die branchenspezifische FuE-Intensität (definiert als Anteil der FuE- Ausgaben der Unternehmen an der Bruttowertschöpfung der Branche) liegt insbesondere in den Sektoren Luft- und Raumfahrzeugbau, Pharmazie, Büromaschinenbau (Ausnahmen: Großbritannien und Frankreich), Nachrichtentechnik und Straßenfahrzeugbau in der Mehrzahl der Länder deutlich über 10 %. Deutschland weist in den meisten FuE-intensiven Branchen im internationalen Vergleich hohe FuE-Intensitäten auf. Besonders gilt dies für den Luft- und Raumfahrzeugbau (69 %) und den Büromaschinenbau (31 %). | ||
| Unterschiedliche Spezialisierungsmuster der einzelnen Länder | Nicht nur im Warenverkehr, sondern auch bei FuE gibt es international eine Arbeitsteilung. Da keine Volkswirtschaft das Innovationspotential jeder Branche voll ausschöpfen kann, haben sich in den einzelnen Ländern Schwerpunkte gebildet. Die Spezialisierung in Forschung und Entwicklung ist z. T. das Ergebnis pfadabhängiger Prozesse, so dass hoch entwickelte Volkswirtschaften mit ähnlicher Ausstattung mitunter ganz unterschiedliche Wege eingeschlagen haben. Durch einen Blick auf die Sektorstrukturen der FuE-Aufwendungen erkennt man die für einzelne Länder typischen Spezialisierungsmuster (Abbildung 3). In Deutschland dominiert der Straßenfahrzeugbau; 23 % der FuE-Aufwendungen entfallen auf ihn. An zweiter Stelle folgen die Nachrichtentechnik mit 15 % und Industriechemikalien (14 %). In Japan steht die Nachrichtentechnik mit 18 % an erster Stelle, gefolgt vom Straßenfahrzeugbau (13 %). Bei Großbritannien fällt die Spezialisierung auf den Pharmabereich (25 %) ins Auge. Deutschland hat seinen FuE-Schwerpunkt traditionell in der höherwertigen Technologie, wo bezogen auf die Wertschöpfung zwar überdurchschnittlich, aber nicht extrem viel für FuE aufgewendet wird. [9] Es handelt sich dabei größtenteils um Fertigungen, bei denen Produktinnovationen gepaart mit langjährigem Erfahrungswissen in der Prozesstechnik große Bedeutung haben. Hierzu zählen Automobilbau, Maschinenbau, Elektrotechnik und die Chemische Industrie, wobei der Automobilbau zu den wenigen Sektoren zählt, in denen die FuE-Kapazitäten sogar in der ersten Hälfte der 90er Jahre ausgeweitet wurden; demgegenüber war in den anderen beiden großen technologieintensiven Branchen, der Chemieindustrie und dem Maschinenbau, ein deutlicher Rückbau zu verzeichnen. Entsprechend ist der Anteil des Straßenfahrzeugbaus an den gesamten privaten FuE-Aufwendungen deutlich gestiegen (+7 Prozentpunkte). Damit hat dieser Zweig seinen Anteil an den FuE-Aufwendungen der deutschen Wirtschaft in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Anders als Deutschland konzentrieren Frankreich, Großbritannien und die USA hohe Anteile ihrer FuE-Aufwendungen auf Spitzentechniken, d. h. auf Sektoren mit extrem aufwendiger Forschung wie Luft- und Raumfahrzeugbau (Frankreich, USA), Telekommunikation (Frankreich) und Pharmazeutik (Großbritannien). In Großbritannien sind beachtliche Anteilsverschiebungen zugunsten der pharmazeutischen Industrie festzustellen, die insbesondere zulasten des Luft- und Raumfahrzeugbaus sowie des EDV-Bereichs gegangen sind. Im längerfristigen Vergleich haben insbesondere Pharmazeutik, EDV, Elektro- und Nachrichtentechnik ihre Anteile an den weltweiten FuE-Ausgaben erhöht. Im technologischen Strukturwandel haben also diejenigen Sektoren an Gewicht gewonnen, in denen Deutschland vergleichsweise wenig aktiv ist. Allerdings hat sich der Vorsprung der USA, Frankreichs und Großbritanniens in der Spitzentechnologieforschung etwas verringert, weil staatlicherseits - vor allem im Rüstungsbereich und bei Großprojekten - gespart wurde. | ||
| Starke FuE-Strukturverschiebungen in kleineren Ländern | Während die Spezialisierungsmuster in den großen Industrieländern insgesamt relativ stabil sind, unterliegen die Strukturen in kleineren Volkswirtschaften - vor allem, wenn sie von wenigen international agierenden Großunternehmen geprägt werden (Skandinavien, Niederlande) - naturgemäß stärkeren Schwankungen. Dies zeigt sich an den zum Teil beträchtlichen Veränderungen der FuE-Intensitäten von 1985 bis 1995. [10] In diesen Ländern setzen die multinationalen Unternehmen selektiv Akzente, vorwiegend in Spitzentechnologien (z. B. Pharmazeutik, Biotechnologie, EDV und Nachrichtentechnik). Entsprechend weisen die kleineren europäischen Länder in der Regel in einer oder in wenigen Branchen einen besonders hohen FuE-Einsatz auf, während sie in allen anderen Branchen weit unter dem Durchschnitt liegen. Eine Ausnahme ist Schweden, wo die FuE-Intensität in fast allen Sektoren überdurchschnittlich ist (Tabelle 1). | ||
| Trendwende bei den FuE-Aktivitäten der deutschen Wirtschaft | Deutschland gehört gemessen an den FuE-Aktivitäten von Wirtschaft und Staat zwar zu den führenden Nationen; die FuE-Intensität ist jedoch von Ende der 80er Jahre bis Mitte der 90er Jahre gefallen. Großunternehmen haben ihre Forschungskapazitäten in einem Maße reduziert, das eine Änderung der Zielstrukturen - Bevorzugung kurzfristiger Markterfolge, Hintanstellung des Strebens nach langfristiger Technologieführerschaft - befürchten ließ. Kleine und mittlere Unternehmen haben von Mitte der 80er Jahre bis Anfang der 90er Jahre nicht nur ihre FuE-Ausgaben absolut zurückgefahren, sondern sich mitunter ganz von kontinuierlicher FuE verabschiedet. [11] Erst in jüngster Zeit scheint sich auch in Deutschland eine Trendwende zu vollziehen und Forschung und Entwicklung wieder an Gewicht zu gewinnen. Für keinen forschungsintensiven Industriezweig ist eine weitere Abnahme der FuE-Personalintensität festzustellen (Tabelle 3). In den meisten Wirtschaftszweigen hat, vorläufigen Zahlen zufolge, zwischen 1995 und 1997 eine deutliche Steigerung der FuE-Gesamtaufwendungen (um etwa 10 %) stattgefunden. Entsprechend sind die FuE-Intensitäten gestiegen. Der Zuwachs der FuE-Ausgaben übertraf sogar das Umsatzwachstum. Auch beim FuE- Personal ist erstmals seit 1987 wieder eine Zunahme zu verzeichnen (+1 %). Angaben des Stifterverbandes zufolge, war ein Anstieg der FuE-Aufwendungen der Wirtschaft 1998 um weitere 6,5 % zu verzeichnen. Inwieweit die Planungen realisiert worden sind, ist offen. So gab es 1998/99 zahlreiche Revisionen von Investitionsplänen - darunter fallen auch FuE-Investitionen - nach unten. Ob die Unternehmen mit ihren Mitte der 90er Jahre intensivierten FuE-Anstrengungen den Abbau bei der strategischen Forschung gestoppt und damit auch wieder größere Kontinuität in ihre FuE-Aktivitäten gebracht haben, ist noch unklar. [12] Nach den Umfragen des Stifterverbandes wollten Großunternehmen ihre FuE- Kapazitäten deutlich ausbauen (vgl. Technologische Leistungsfähigkeit 1999). Die stärkste Ausweitung der FuE-Aktivitäten beabsichtigte der Fahrzeugbau. Andere wichtige Branchen wie der Maschinenbau, der Bereich EDV/Elektrotechnik/Feinmechanik sowie die Chemische Industrie planten zwar Erhöhungen der FuE-Ausgaben, zugleich aber eine Reduzierung des FuE- Personals. [13] Die insgesamt seit Mitte der 90er Jahre zu beobachtende Steigerung der FuE-Aufwendungen beruht auch auf einem veränderten FuE- Verhalten bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen (mit unter 500 Beschäftigten). [14] In dieser Gruppe ist das FuE-Personal sogar überdurchschnittlich ausgeweitet worden. Dies ist insofern als positives Signal zu werten, als sich damit die Basis der FuE-Anstrengungen verbreitert hat. | ||
| Fazit | Im Wettbewerb mit anderen hoch entwickelten Volkswirtschaften sind drei bis vier Jahre verstrichen, bis in Deutschland die Investitionen in neues Wissen wieder in dem Tempo angestiegen sind, das andere Volkswirtschaften vorgelegt haben. Die im internationalen Vergleich lange Phase verhaltener FuE-Aktivitäten kann mittelfristig die Wettbewerbsposition Deutschlands beeinträchtigen. Vor diesem Hintergrund erscheint eine kräftige und dauerhafte Verstärkung der FuE-Anstrengungen geboten. [1] Das Bundesministerium für Bildung und Forschung beauftragte 1998 mehrere Institute, jährlich Indikatoren zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands zusammenzustellen, zu interpretieren und in einem Indikatorenbericht zusammenzufassen. Siehe dazu: Zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands. Zusammenfassender Endbericht 1999. Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Abrufbar über http://www.bmbf.de. Im Folgenden zitiert als Technologische Leistungsfähigkeit 1999. [2] Um eine Verwechslung mit dem Begriff der Wettbewerbsfähigkeit zu vermeiden, der in erster Linie die Wettbewerbsbeziehungen zwischen Unternehmen charakterisiert, wird bei der Betrachtung von Volkswirtschaften der Begriff Leistungsfähigkeit verwendet. [3] Vgl. dazu Technologische Leistungsfähigkeit 1999, Kapitel 1. [4] Vgl. G. Licht, H. Stahl: Ergebnisse der Innovationserhebung 1996. ZEW- Dokumentation 97-07. [5] Im internationalen Wettbewerb sind jedoch nicht nur die laufenden Aktivitäten in FuE relevant: Es zählt vor allem das Wissen der Industrien, das sich aus den FuE-Anstrengungen der vergangenen Jahre angesammelt hat. Vgl. auch F. Straßberger: Wirtschaftsstrukturen im internationalen Vergleich. Beitrag des DIW zur Berichterstattung zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands 1997 im Auftrag des BMBF, Berlin 1997. [6] Von der amtlichen Statistik werden Daten zu den FuE-Aktivitäten der deutschen Wirtschaft (Unternehmen sowie Gemeinschaftsforschungseinrichtungen) nicht erhoben. Vielmehr ist die Gemeinnützige Gesellschaft für Wissenschaftsstatistik des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft beauftragt, Unternehmensdaten zu erfragen, zusammenzutragen und zu veröffentlichen. Die Daten werden jeweils für ungerade Jahre auf der Basis einer Totalerhebung ermittelt; mit diesen Informationen lassen sich auch detaillierte Strukturanalysen durchführen. In den Jahren dazwischen wird das FuE-Verhalten der Wirtschaft durch eine Kurzerhebung bei größeren Unternehmenseinheiten fortgeschrieben. Für den internationalen Vergleich gesamtwirtschaftlicher Strukturdaten bei FuE wird auf die Datenbasis der OECD zurückgegriffen, vor allem auf die Publikation Main Science and Technology Indicators sowie die ANBERD Database. [7] Der Positionsverlust Deutschlands bei FuE ist - rechnerisch - nur zu einem geringen Teil auf die Vereinigung beider deutscher Staaten zurückzuführen. Die Rückführung der FuE-Kapazitäten in der westdeutschen Wirtschaft hatte schon vor 1990 begonnen und sich auch in Westdeutschland beschleunigt. Entscheidend dürften sich in den frühen 90er Jahren die indirekten ökonomischen Effekte der deutschen Einheit ausgewirkt haben: So verliehen die umfangreichen staatlichen Transferprogramme insbesondere den konsumnahen Bereichen starke Nachfrageimpulse, während die technologieintensiven Investitionsgüterindustrien von der weltweiten Rezession betroffen waren. [8] Zum Bereich der Spitzentechnik zählen Gütergruppen mit einem FuE-Anteil von über 8,5 % am Umsatz, zum Bereich der höherwertigen Technik zählen Güter mit einem FuE-Anteil am Umsatz zwischen 3,5 und 8,5 %. Beide Bereiche zusammengenommen bilden den forschungsintensiven Sektor der Industrie. Eine Liste FuE-intensiver Güter nach SITC III ist in Technologische Leistungsfähigkeit 1999, Übersicht A-1 zusammengestellt. [9] Die deutsche FuE-Spezialisierung korrespondiert mit den Schwerpunkten im Bildungsbereich (vgl. Technologische Leistungsfähigkeit 1999). Im dualen System steht die berufliche Grundausbildung im Vordergrund, die sich eher auf traditionelle Bereiche spezialisiert, in denen auf hohem technologischen Niveau in der Umsetzung von Wissen Breitenwirkung erzielt wird (höherwertige Technologie). [10] In international vergleichenden Statistiken sind bei kleinen Ländern und bei bestimmten kritischen Industriezweigen bisweilen statistische Ungereimtheiten zu beobachten. So etwa bei den Niederlanden, wo die FuE- Schätzungen offensichtlich nicht mit der Wirtschaftszweigsystematik kompatibel sind. [11] Vgl. Technologische Leistungsfähigkeit 1999, Kapitel 3. [12] Vgl. G. Licht, W. Schnell, H. Stahl, Ergebnisse der Innovationserhebung 1995. ZEW-Dokumentation 96-05, Mannheim 1996. [13] Vgl. Technologische Leistungsfähigkeit 1999, Kapitel 3. [14] In Deutschland werden die FuE-Aktivitäten überwiegend von Großunternehmen (mit 1000 und mehr Beschäftigten) durchgeführt; auf diese Unternehmen entfallen mehr als vier Fünftel der FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors. Eine derart hohe Konzentration auf Großunternehmen findet man auch in Japan und den USA. Überdurchschnittlich hohe Konzentrationen gibt es auch in Italien, Schweden und Korea. In allen anderen Industrieländern ist das FuE-Potential der Wirtschaft wesentlich gleichmäßiger über die Unternehmensgrößenklassen verteilt (vgl. OECD, Science, Technology and Industry Soreboard 1999. Benchmarking Knowledge- Based Economies, Paris 1999).
© DIW Berlin Wochenbericht 7/00 | ||

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