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| Wochenbericht des DIW Berlin 8/00 PC-Nutzung im Beruf: Ohne wesentliche Wirkungen auf die Entlohnung | |||
| Bearbeiter | John Haisken - DeNew | ||
| In fast 39 % aller deutschen Haushalte steht inzwischen ein Personal Computer (PC). Etwa die Hälfte aller Erwerbstätigen benutzt bei der Arbeit einen PC; dies steigert die Produktivität und dient der Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft. Eine Untersuchung auf der Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) hat gezeigt, dass in Westdeutschland Erwerbstätige, die einen PC für ihre Arbeit nutzen, etwa 20 % mehr als diejenigen verdienen, die keinen PC einsetzen. Freilich ist der PC nicht die alleinige Ursache für einen Einkommensvorsprung, sondern die Unternehmen setzen am PC überwiegend besser Ausgebildete ein, die ohnehin mehr verdienen als andere. Berücksichtigt man alle beobachtbaren Determinanten der Entlohnung, so ergibt sich nur noch ein der PC-Nutzung zuzurechender Vorsprung in der Größenordnung von 6 %. Der tatsächliche Effekt, der mit dem Einsatz eines PC bei der Arbeit für die Entlohnung ansteht, wird damit freilich noch immer überschätzt. Denn viele Erwerbstätige, die heute einen PC nutzen, waren bereits zuvor überdurchschnittlich produktiv und haben mehr verdient. Eine Längsschnittsanalyse von langjährig Erwerbstätigen in Westdeutschland zeigt, dass vom Einsatz eines PC kein statistisch signifikanter Effekt auf das Einkommen ausgeht. Personal Computer (PC) werden heutzutage nicht nur in vielen Betrieben und Verwaltungen, sondern auch in privaten Haushalten genutzt. Sowohl nach Ergebnissen der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe [1] als auch nach Ergebnissen des vom DIW erhobenen Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) [2] besaßen im Jahre 1997 etwa 40 % der westdeutschen und 35 % der ostdeutschen Haushalte einen PC. [3] Heute dürften die Zahlen bereits deutlich höher liegen. Im Jahre 1993 war in ganz Deutschland lediglich in 14 % aller Privathaushalte ein PC vorhanden (1995: 20 %). Nach den Ergebnissen des SOEP zeigt sich auch, dass im Jahre 1997 etwas über die Hälfte aller Erwerbstätigen in Deutschland einen PC für ihre Erwerbstätigkeit genutzt hat. Durch die Nutzung eines PC wird mit großer Wahrscheinlichkeit die Produktivität der Erwerbstätigen gesteigert (direkt beobachtbar ist dieser Effekt freilich nicht). Die Abbildung zeigt, dass sich die Verbreitung der PC-Nutzung bei der Erwerbstätigkeit seit 1984 dynamisch entwickelt hat; eine Sättigung ist nicht erkennbar. Mit der Einführung des IBM-PC mit MS-DOS als Standardbetriebssystem im Jahre 1984 begann der Durchbruch der PC-Technologie in der Arbeitswelt. In Westdeutschland benutzten im Jahre 1997 54 % der Erwerbstätigen einen PC bei der Arbeit. In Ostdeutschland waren es nur 43 %; diese niedrigere Quote korrespondiert mit dem nach wie vor hohen Anteil der industriellen Produktion in den neuen Bundesländern. Der Unterschied in der beruflichen PC-Nutzung zwischen Ost- und Westdeutschland ist mit etwas über 10 Prozentpunkten im gesamten Untersuchungszeitraum relativ konstant geblieben. Während sich im Westen die Unterschiede in der Nutzungshäufigkeit für Vollzeiterwerbstätige mit 56 %, für Teilzeittätige mit 46 % und für geringfügig Beschäftigte mit 45 % in Grenzen halten (Tabelle), gibt es in den neuen Bundesländern mit jeweils etwa 43 % keinen signifikanten Unterschied zwischen Voll- und Teilzeiterwerbstätigen. Anders sieht es aber bei den geringfügig Beschäftigten aus. Sie nutzen mit lediglich 17 % einen PC weit unterdurchschnittlich. Überraschend ist die geringe Abhängigkeit der PC-Nutzung vom Lebensalter. Deutlich unterdurchschnittlich nutzen einen PC nur über 55-jährige Erwerbstätige. Diese geringe Altersabhängigkeit dürfte freilich auch damit zusammenhängen, dass Erwerbstätige, die einen PC nicht bedienen können oder wollen, ein höheres Arbeitslosigkeitsrisiko tragen. Ein Teil von ihnen dürfte daher zu den Arbeitslosen oder Erwerbslosen zählen und deswegen aus der Analyse herausfallen. | |||
| PC-Nutzung und Erwerbseinkommen | Es ist zu erwarten, dass der Einsatz der PC-Technologie die Produktivität einer Volkswirtschaft erhöht. Daher liegt der Schluss nahe, dass Erwerbstätige, die einen PC nutzen, ceteris paribus auch mehr verdienen als andere. Im Folgenden wird versucht, die längerfristigen Effekte der PC-Nutzung auf das Erwerbseinkommen abzuschätzen. Dabei werden Daten des SOEP für Westdeutschland analysiert. Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass Vollzeiterwerbstätige, die einen PC bei der Arbeit nutzen, über 20 % mehr als andere Erwerbstätige verdienen. Dies ist freilich nicht allein ein Effekt der PC-Nutzung, sondern auch vieler anderer Einflussgrößen (z. B. berufliche Stellung, Ausbildung, Branche u. a.). Das höhere Einkommen von PC-Nutzern lässt sich zu einem großen Teil damit begründen, dass besser ausgebildete und somit auch besser verdienende Erwerbstätige mit größerer Wahrscheinlichkeit einen PC nutzen als weniger gut ausgebildete Erwerbstätige. Berücksichtigt man in einer Querschnittstudie die Effekte, die vom Ausbildungsniveau, der Arbeitsmarkterfahrung, der Branche und der Tätigkeit sowie der Betriebsgröße auf das Einkommensniveau ausgehen, so verbleibt ein Mehrverdienst von nur etwa 6 % für diejenigen, einen PC nutzen. [5] Auch damit ist letztendlich noch nicht die Frage beantwortet, ob Erwerbstätige, die beginnen, einen PC zu nutzen, allein dadurch produktiver werden und mehr verdienen oder ob die Kausalkette für den Mehrverdienst umgekehrt ist, d. h. dass überdurchschnittlich leistungsfähige Beschäftigte diejenigen sind, die eher mit einem PC arbeiten. Mit Hilfe der Längsschnittdaten des SOEP, die der Analyse zugrunde liegen, ist es möglich, die Frage zu beantworten, wie hoch der Verdienst eines PC-Nutzers war, bevor er bei der Arbeit einen PC einsetzte. Die Analyse zeigt, dass diejenigen, die in Westdeutschland heute bei der Arbeit einen PC benutzen, bereits in den Jahren zuvor einen überdurchschnittlichen Verdienst hatten. Für den überwiegenden Teil der Beschäftigten gilt, dass die Ausstattung des Arbeitsplatzes mit einem PC nicht per se zu einer Gehaltserhöhung führt. Sie werden an einem solchen Gerät eingesetzt, weil sie überdurchschnittlich leistungsfähig sind und somit bereits zuvor besser entlohnt wurden, als es dem Durchschnitt ihrer formalen Qualifikation entspricht. Berücksichtigt man dies in einem so genannten Fixed-Effects-Modell [6] für Längsschnittdaten, so zeigt sich nur noch ein statistisch schwach signifikanter Mehrverdienst in Höhe von etwa 1 %, der dem Einsatz des PC zuzuschreiben ist. | ||
| Schlussfolgerungen | Der PC spielt in der modernen Gesellschaft eine große Rolle. Freilich sind die direkten Einkommenseffekte, die von der neuen Nutzung eines PC am Arbeitsplatz ausgehen, nur gering. Bei langjährig Beschäftigten in Westdeutschland führte die Einführung des PC im Durchschnitt letztendlich nur zu einem Anstieg des Erwerbseinkommens in Höhe von einem Prozent. Auch wenn die Produktivität der deutschen Volkswirtschaft durch den Einsatz von Computern sicherlich positiv beeinflusst wird, sind die Einkommensvorsprünge, die Erwerbstätige erzielen, wenn sie einen PC benutzen, also nur von untergeordneter Bedeutung. [1] Vgl. Statistisches Bundesamt: "Ausstattung privater Haushalte mit langlebigen Gebrauchsgütern", Wirtschaft und Statistik, Heft 1, Januar 1999, S. 46-54. [2] Vgl. Projektgruppe Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) (1995): Das Sozio- oekonomische Panel (SOEP) im Jahre 1994. In: Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung, Bd. 64 [1], S. 5-13. [3] Die Frage für alle erwachsenen Befragten lautet: "Benutzen Sie privat oder beruflich (bzw. in Ihrer Ausbildung) einen Computer? Gemeint sind hier Personal-Computer (PC), aber auch Großrechneranlagen, jedoch nicht reine Spielcomputer!". [5] Für die Details der Analyse vgl. John Haisken-DeNew und Christoph M. Schmidt: Money for Nothing and Your Chips for Free? The Anatomy of the PC Wage Differential, IZA Discussion Paper No. 86, Bonn 1999 [6] Vgl. Haisken-DeNew und Schmidt, a.a.O.
© DIW Berlin Wochenbericht 8/00 | ||

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