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Wochenbericht des DIW Berlin 1/00

Grundlinien der Wirtschaftsentwicklung 2000 - Offensivere Wirtschaftspolitik erforderlich

Bearbeiter Arbeitskreis Konjunktur
Offensivere Wirtschaftspolitik erforderlich Die sich abzeichnende konjunkturelle Beschleunigung ändert nichts daran, dass die Probleme auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland auf absehbare Zeit ungelöst bleiben; das gilt vor allem für Ostdeutschland. Nach den mehrfachen konjunkturellen Rückschlägen im Verlauf der neunziger Jahre kann eine durchgreifende Verbesserung der Beschäftigungssituation nur erreicht werden, wenn es vor allem anderen gelingt, einen wirtschaftlichen Expansionspfad zu erreichen, der jene Intensität und Stabilität aufweist, die die Unternehmen auf breiter Front veranlasst, den Einsatz von Arbeit kräftig auszuweiten. Dass dies möglich ist und den modernen Volkswirtschaften die Arbeit nicht prinzipiell ausgeht, zeigen die Beispiele anderer Länder. Das gilt insbesondere für die USA, aber auch in Europa gelang es einigen Ländern wie Frankreich, das Arbeitsvolumen - also die Zahl der eingesetzten Arbeitsstunden - in den neunziger Jahren auszuweiten (Abbildung 13). [5] Vor allem in den USA, aber bis zu einem gewissen Grad auch in Frankreich war die Wachstumsdynamik im vergangenen Jahrzehnt größer und stetiger als in Deutschland (Abbildung 14).

Dies ist denn auch die entscheidende Herausforderung für die Wirtschaftspolitik: Sie muss den Weg ebnen für eine Wachstumsentwicklung, die anders als 1994/95 und 1997/98 nicht schon zum Erliegen kommt, bevor die Probleme am Arbeitsmarkt sich entschärft haben. Hier, in der Ausweitung der Arbeitsnachfrage durch eine kräftige Wirtschaftsentwicklung, liegt der Königsweg zu mehr Beschäftigung. Eine solche offensive Strategie erfordert allerdings die Ausrichtung aller Politikbereiche auf Wachstum. Von isolierten Maßnahmen in einzelnen Politikbereichen, wie der Unternehmenssteuerreform, eine Lösung des Beschäftigungsproblems zu erhoffen, wäre illusorisch. Dabei sollte die Wirtschaftspolitik einen an den Wachstumsmöglichkeiten ausgerichteten Kurs einschlagen und dauerhaft einhalten. Weder in der Geld- noch in der Finanz- und Lohnpolitik war dies in den vergangenen Jahren der Fall.

Im Grunde sind die Voraussetzungen für eine offensive Strategie - wie schon 1994 - eher günstig. Von der deutlichen Beschleunigung der Exporte gehen expansive Impulse aus. Aufgabe der Wirtschaftspolitik wäre es nun, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass die Exportdynamik auch in einen binnenwirtschaftlich getragenen lang anhaltenden Aufschwung mündet. Dabei gilt es, nicht zu wenig Ehrgeiz zu entwickeln: Auch in Deutschland sind Wachstumsraten von 3 % über mehrere Jahre hinweg erreichbar. In diesem Falle könnte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt spürbar verbessern.

Die aktuellen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen liefern ein zwiespältiges Bild. Die Geldpolitik hat bereits im Herbst den zuvor verfolgten Expansionskurs verlassen. Die Absicht war es, inflationsbeschleunigende Tendenzen vorbeugend zu bekämpfen. Derzeit deutet allerdings noch kein Frühindikator darauf hin, dass sich die höheren Preise für Importgüter tatsächlich in einer dauerhaft höheren Inflationsrate niederschlagen. Aus dem Zinsschritt der EZB könnte man daher ableiten, dass sie einen Wachstumspfad von über 3 % für inflationsträchtig hält. Ob diese Befürchtung berechtigt ist, kann vor dem Hintergrund, dass es sich bei der EWU um einen neu geschaffenen Währungsraum handelt, letztlich noch nicht beantwortet werden. Der empirische Test, ob diese Chance besteht, kann nicht stattfinden, wenn die konjunkturelle Erholung bereits im Anfangsstadium gebremst wird. Dabei wären die Kosten eines solchen "Versuchs" gering, denn eine rechtzeitige Bekämpfung eventuell aufkeimender Inflation wäre auch zu einem späteren Zeitpunkt - nämlich dann, wenn Frühindikatoren wie die Lohnstückkostenentwicklung tatsächlich darauf hindeuten - möglich, ohne dass es einer Stabilisierungsrezession bedürfte. Vor dem Hintergrund der aktuellen geldpolitischen Ausrichtung ist ein Einschwenken der Wirtschaft im Euro-Raum auf einen Wachstumspfad von über 3 % daher nicht zu erwarten.

Die Möglichkeiten der Geldpolitik, der deutschen Konjunktur Impulse zu verleihen, sind allerdings begrenzt. In einem gemeinsamen Währungsraum darf sie sich ausschließlich am Durchschnitt der EWU orientieren. Derzeit ist die konjunkturelle Lage im Euro-Raum im Durchschnitt besser als in Deutschland. Länder wie Spanien, Portugal und Irland befinden sich in einem wachstumsträchtigen Aufholprozess, bei dem sich das Produktionspotential in der Regel sehr rasch ausweitet. Auffallend ist allerdings, dass auch in den meisten EU-Kernländern, darunter in Frankreich, seit 1997 merklich höhere Wachstumsraten erzielt werden. Eine große Rolle hierfür spielt, dass die Binnennachfrage, insbesondere der private Verbrauch, in diesen Ländern wesentlich kräftiger expandiert als in Deutschland. [6] Das Fehlen dieser binnenwirtschaftlichen Antriebskräfte ist ursächlich für das unbefriedigende Erscheinungsbild der deutschen Wirtschaft. Folglich können vor allem primär in Deutschland zur Verfügung stehende Politikinstrumente eine Verbesserung der Lage herbeiführen.

Auch die Finanzpolitik unterliegt Beschränkungen. Sie ergeben sich aus dem Stabilitäts- und Wachstumspakt. Mit ihm ist die Bundesrepublik die Verpflichtung eingegangen, die öffentlichen Haushalte auf mittlere Sicht auszugleichen. Bisher hatte die Bundesregierung den Anschein erweckt, als wolle sie diese Defizitvorgaben unabhängig von der konjunkturellen Lage einhalten. Nun hat sie überraschend nicht nur die für 2002 geplanten Steuerentlastungen auf 2001 vorgezogen, sondern für die Jahre danach weitere Entlastungen angekündigt. Teilweise sollten diese über Vermögensverkäufe finanziert werden, teilweise werden damit die Steuermehreinnahmen an die Steuerbürger "zurückgegeben", teilweise sollten die Entlastungen über Kredite vorfinanziert werden. Je weniger dabei auf die Ausgabenbremse getreten wird, um so mehr wird der Aufschwung zumindest durch die Finanzpolitik gefestigt. Die Lohnpolitik hatte von 1996 bis 1998 einen ausgeprägt moderaten Kurs verfolgt; die nominalen Lohnzuwächse waren deutlich hinter der Produktivitätszunahme und damit hinter einer Potentialorientierung zurückgeblieben. Erst im vergangenen Jahr änderte sich der Kurs leicht, und die Lohnsteigerungen näherten sich wieder der Entwicklung der trendmäßigen Produktivität an. Die Beschäftigungseffekte einer derartigen lohnpolitischen Strategie resultieren weitgehend aus der Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. [7] Sie reichen aber offenkundig nicht aus, die Binnennachfrage zu stimulieren. Das gilt besonders dann, wenn wie 1997/98 die außenwirtschaftliche Dynamik durch nicht zu beeinflussende Turbulenzen gestört wird.

Nimmt man alle Politikbereiche zusammen, erscheint es fraglich, ob die Wirtschaftspolitik in Deutschland den Rahmen weit genug gesteckt hat, um eine gesamtwirtschaftliche Expansion in einer Größenordnung zu ermöglichen, die zu einer spürbaren Verringerung der Beschäftigungsprobleme führen könnte. Derzeit besteht vor allem die Hoffnung auf eine dynamische Exportentwicklung, die diese konzeptionellen Schwächen zumindest teilweise auffängt. Solange die Konjunkturentwicklung in den anderen Ländern der EWU und in den USA so kräftig bleibt, ist diese Hoffnung sogar begründet. Hilfreich ist auch die derzeitige Abwertung des Euro. Nach den weltwirtschaftlichen Turbulenzen 1997/98 und deren Konsequenzen sollte aber auch deutlich geworden sein, dass diese Strategie riskant ist. Jeder außenwirtschaftliche Rückschlag verhindert einen weiteren Abbau der Arbeitslosigkeit. Sicherer wäre - ähnlich wie in Frankreich - eine Wirtschaftspolitik aus einem Guss, die auch auf die Stärkung der Binnennachfrage setzt. Soll der sich abzeichnende Aufschwung über einen längeren Zeitraum - ähnlich lang wie in den USA - andauern, ist es unumgänglich, die Binnennachfrage zu stärken. Anderenfalls besteht die Gefahr, daß 2001 das Wachstum schon wieder zu moderat ausfällt, um nachhaltige Beschäftigungswirkungen zu erzielen. Wünschenswert wäre es, Europa könnte mit einem länger anhaltenden hohen Wachstum die USA als weltwirtschaftlichen Konjunkturmotor ablösen.

Geldpolitik Mit der Zinsentscheidung vom Herbst vorigen Jahres hat die EZB zum ersten Mal seit Übernahme der geldpolitischen Verantwortung zum Jahresbeginn 1999 ihren Kurs gestrafft, nachdem sie noch ein halbes Jahr zuvor, im April, ihre Leitzinsen um einen halben Prozentpunkt gesenkt hatte. War diese Zinserhöhung wirklich erforderlich, um die Inflationsrate innerhalb des Zielkorridors zu halten? Bei der Beantwortung dieser Frage ist zu berücksichtigen, dass die EZB anstrebt, die Inflationsrate mittelfristig unter 2 % zu halten; auch nach ihrer Auffassung wären demnach absehbar kurzfristige Überschreitungen dieser Rate mit ihrem Stabilitätskonzept vereinbar.

Die von der EZB selbst gewählten Indikatoren geben derzeit keinen Hinweis auf eine Zielverfehlung. Insbesondere die Unsicherheiten, die die Geldmengenentwicklung im Vorjahr im Zusammenhang mit dem Jahreswechsel beeinflusst haben, sprachen dafür, diesen Schritt nicht so frühzeitig zu vollziehen, sondern sich zumindest erst Klarheit über das Ausmaß der von den Unsicherheiten ausgehenden Verzerrungen zu verschaffen.

Aber auch die Beurteilung der Inflationsgefahren seitens der EZB wirft Fragen auf. Sicherlich ist es richtig, dass derzeit zumindest aus europäischer Sicht keine Deflation droht. Doch ist nicht einzusehen, weshalb sich binnen eines halben Jahres ein Wechsel von einem Deflations- zu einem Inflationsrisiko vollzogen haben soll, der die EZB die Richtung ihrer Zinspolitik wechseln ließ. Tatsächlich haben sich außer dem Anstieg der Rohölpreise und der Abwertung des Euro keine neuen Anhaltspunkte ergeben, die eine Inflationsbeschleunigung signalisieren. Für sich genommen lösen die Ölverteuerung und die Abwertung des Euro keine Inflationsbeschleunigung aus. Erst wenn sie sich in deutlich erhöhten Produzentenpreisen und vor allem in höheren Lohnabschlüssen niederschlagen, droht ein sich verfestigender stärkerer Preisauftrieb, mit dem schließlich auch das Stabilitätsziel verfehlt werden kann. Eine solche Entwicklung ist jedoch - wie im EWU-Teil dargelegt - derzeit nicht zu erkennen, und erst wenn man sie erkennt, ist der Zeitpunkt für eine Zinserhöhung gekommen.

Auf den ersten Blick plausibler kann die Erhöhung der Leitzinsen damit begründet werden, dass die Konjunkturaussichten für die EWU sich inzwischen so aufgehellt hätten, dass eine Zinserhöhung notwendig gewesen sei, um dem aus einem kräftigen Wachstum entstehenden Inflationsimpuls frühzeitig zu begegnen. Sicherlich erweitert eine günstigere Konjunkturentwicklung den Spielraum der Anbieter, die Preise zu erhöhen; dies gilt besonders solange, wie die Abwertung des Euro die preisliche Konkurrenzfähigkeit von Anbietern außerhalb der Eurozone beeinträchtigt. Ob daraus ein stabilitätsgefährdendes Potential entsteht, ist jedoch fraglich. Denn zum einen ist damit zu rechnen, dass der Euro in diesem Jahr nicht anhaltend abwerten, sondern gegenüber dem Dollar sogar an Wert gewinnen wird, so dass der Konkurrenzdruck von dieser Seite wieder zunehmen dürfte. Zum anderen bleibt der Konkurrenzdruck auch innerhalb des Euro-Raums hoch, da das Produktionspotential nach wie vor unterausgelastet ist und die Lohnsteigerungen gering bleiben. [8] Unter diesen Rahmenbedingungen ist es unwahrscheinlich, dass sich trotz der prognostizierten Beschleunigung der Konjunktur im Euro-Raum Inflationsgefahren herausbilden. Nebenbei: Fast alle Vorhersagen für die weitere Entwicklung der Konjunktur im Euro-Raum unterscheiden sich nicht wesentlich von jenen im Frühjahr 1999, dem Zeitpunkt der Leitzinssenkung. Insofern hätten Befürchtungen einer Inflation auch damals schon von Bedeutung sein müssen.

Je weniger überzeugend die Leitzinserhöhung mit aufkeimenden Inflationsgefahren zu begründen ist, desto mehr gewinnt sie unter einem anderen - wesentlicheren - Aspekt an Bedeutung. Sie ist symptomatisch für eine tendenziell restriktive Ausrichtung der EZB, die damit an Verhaltensweisen der Bundesbank anzuknüpfen scheint. Offensichtlich folgt die Geldpolitik in Europa einem eher restriktiven Leitbild, das im Zweifel Inflationsrisiken per se ein höheres Gewicht beimisst als den Risiken für Wachstum und Beschäftigung. Dies lässt sich anhand eines Vergleichs von Reaktionen der EZB mit denen der amerikanischen Zentralbank auf die außenwirtschaftlichen Turbulenzen zeigen. Die negativen Nachfrageimpulse aus dem Ausland waren für beide Wirtschaftsräume ähnlich stark. Beide befanden sich jedoch 1997/98 in einer sehr unterschiedlichen Konjunkturlage. Während sich die Wirtschaft der USA schon längere Zeit auf einem Wachstumspfad mit einer Jahreszuwachsrate der gesamtwirtschaftlichen Produktion von mehr als 3 % befand, begann die europäische Wirtschaft sich gerade von einem konjunkturellen Rückschlag zu erholen, um dann ein Wachstum von knapp 3 % zu erreichen.

Betrachtet man die Zinsentwicklung von 1997 bis 1999, zeigt sich, dass die kurzfristigen Realzinsen in den USA fast während des gesamten Zeitraums höher waren als in Europa (Abbildung 15). Hierin spiegelt sich der etwas straffere Kurs der amerikanischen Geldpolitik, der sich durch die deutlich günstigere Konjunkturlage erklärt. Erstaunlich sind allerdings die Veränderungen der Zinsen im betrachteten Zeitraum. Bei zunächst unveränderten nominalen Leitzinsen zogen die realen Geldmarktzinsen in den USA bis Anfang 1998 an und gingen dann, unterstützt von einer Senkung der Leitzinsen im Sommer 1998, bis Anfang vorigen Jahres zurück. Erst seitdem weisen sie wieder eine leicht steigende Tendenz auf, die wiederum durch erhöhte Leitzinsen hervorgerufen wurde. Ende 1999 waren die kurzfristigen Realzinsen in den USA trotz immer noch hoher Wachstumsraten und unverändert günstiger Arbeitsmarktlage - beides eigentlich Voraussetzungen für deutlich erhöhte Inflationsraten - etwa so hoch wie Anfang 1997, also vor dem Beginn der außenwirtschaftlichen Turbulenzen.

In Europa war bis Anfang 1998 ebenfalls ein Zinsanstieg, hier durch die Leitzinserhöhung der Bundesbank vom Herbst 1997 induziert, zu beobachten. Erst gegen Ende 1998, als die EWU-Zentralbanken schon im Währungsverbund gemeinsam den Leitzins leicht zurücknahmen, setzte ein fühlbarer Rückgang der Geldmarktzinsen ein - etwa ein halbes Jahr später als in den USA. Die Zinssenkung vom Dezember 1998 war aber im Grunde genommen lediglich die Rücknahme der Zinserhöhung von einem Jahr zuvor. Diese Erhöhung war nicht berechtigt gewesen, denn die damals befürchtete Inflationsbeschleunigung hatte zu keinem Zeitpunkt eine empirische Basis. Somit besteht die monetäre Krisenreaktion in Europa eigentlich allein in der Leitzinssenkung vom Frühjahr 1999. Sie setzte also erheblich später ein als in den USA. Aber nur wenig später als in den USA erhöhte die EZB wieder den Leitzins. Die monetäre Lockerung als Folge der Krise war trotz der ungünstigeren Konjunktur von erheblich kürzerer Dauer. Die Geldpolitik in Europa hat somit in dieser schwierigen Phase der Konjunktur erheblich weniger Impulse gegeben als in den USA.

Dies spiegelt sich auch am Kapitalmarkt wider. Die weltwirtschaftlichen Turbulenzen schlugen sich wegen der damit verbundenen Erwartungen einer Konjunkturdämpfung und dank des Kapitalzustroms aus den Krisenländern sowohl in den USA als auch in Europa in einem deutlichen Rückgang der Kapitalmarktzinsen nieder. Dass mit der allmählichen Überwindung der Krisen und dem damit verbunden Rückfluss von Kapital im Frühjahr 1999 sich in beiden Kontinenten wieder höhere Zinsen am Kapitalmarkt herausbilden würden, war erwartet worden. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Kapitalmarktzinsen in realer Rechnung in Europa derzeit höher sind als in den USA. Die Konjunktur und somit auch die Rentabilitätschancen für Kapital werden aber im Verlauf dieses Jahres in Europa bestenfalls so gut sein wie in den USA. Hieraus wäre abzuleiten, dass in Europa die Realzinsen nicht höher, sondern niedriger, die Finanzierungsbedingungen für Investitionen also günstiger und nicht schlechter sein müssten als in den USA. Hinzu kommt, dass weitere Zinssteigerungen in Europa erwartet werden. Erste Ankündigungen der EZB scheinen dafür zu sprechen. Damit zeichnet sich eine monetäre Konstellation ab, die den Aufschwung in Europa mit einer Hypothek belastet. Dieses Hemmnis dürfte vorerst durch den expansiven außenwirtschaftlichen Impuls überspielt werden, so dass die Wachstumsaussichten in diesem Jahr hiervon nicht wesentlich getrübt werden dürften. Auf Dauer wird sich dieser allzu vorsichtige Kurs bemerkbar machen.

Die EZB hätte trotz der Überwindung der außenwirtschaftlichen Krisen ihren ausgeprägten expansiven Kurs fortsetzen sollen. Dann hätte die Chance bestanden, die Realzinsen in Europa niedriger zu halten und damit die Voraussetzungen für einen lang anhaltenden dynamischen Aufschwung zu verbessern. Diese Chance wurde mit dem Richtungswechsel vom November erheblich verringert. Die EZB setzt damit die Tradition der Bundesbank aus den neunziger Jahren fort, die monetären Rahmenbedingungen im Zweifel enger zu gestalten. Zweifellos vermeidet sie mit diesem Kurs Inflation - dies allerdings um den Preis ungenügenden Wachstums.

Abwertung des Euro nicht dramatisch Im vorigen Jahr gehörte der Euro zu den Währungen mit dem stabilsten Binnenwert. Trotzdem ist sein Außenwert mit nur wenigen Unterbrechungen gesunken. Im Dezember war er gegenüber 13 Währungen um ein Zehntel und gegenüber dem US-Dollar sogar um 13 % niedriger als ein Jahr zuvor. Die D- Mark, die langjährige Ankerwährung in Europa, dürfte derzeit - gemessen an der Verbraucherpreisparität - gegenüber dem Dollar um ein Zehntel unterbewertet sein (Abbildung 16). Erklärt wird die Abwertung häufig mit der Wirtschaftspolitik in Deutschland, die das Image des Euro schädige. So wird die fragwürdige Aktion zur Rettung des Holzmann-Konzerns als Grund genannt, nicht zuletzt von der EZB, die zwar explizit keine Wechselkurspolitik betreibt, aber de facto - und damit im Widerspruch zu ihrer intendierten währungspolitischen Abstinenz - mit ihrer Äußerung Wasser auf die Mühlen der Währungsspekulanten gegossen hat.

Beweisbar ist diese Erklärung der Euro-Abwertung freilich nicht. Ebenso gut ist das Gegenargument, ausgerechnet nach der Holzmann-Aktion seien die deutschen Aktienkurse in die Höhe geschnellt, und in der ersten Hälfte der 90er Jahre sei die D-Mark trotz vehementer Kritik an der deutschen "Standortpolitik" stark überbewertet gewesen. Weniger spektakulär, dafür empirisch besser fundiert ist die Hypothese, zur tendenziellen Abwertung der D-Mark seit Sommer 1995 habe der tendenzielle Abbau des Anleihezins- Gefälles zwischen den USA und Deutschland wesentlich beigetragen (Abbildung 17). Schließlich spiegeln - zum Teil sehr kurzfristig orientierte - Kursbewegungen kaum fundamentale Tendenzen wider.

Gegen die Fokussierung auf die Relation zwischen der D-Mark bzw. dem Euro einerseits und dem Dollar andererseits wird gelegentlich eingewendet, die D-Mark und der Euro hätten seit Anfang 1999 auch gegenüber anderen Währungen, namentlich dem japanischen Yen, an Wert verloren. Dieser Einwand wird allerdings entkräftet, nimmt man ins Bild, dass seit Anfang 1999 auch der Dollar gegenüber dem Yen an Wert eingebüßt hat. Niemand wird hierin ein Indiz für eine fundamentale Verschlechterung des Standortes USA sehen. Sollte dies nicht diejenigen nachdenklich stimmen, die zwar jederzeit eine Abwertung des Euro mit einer Abwertung des Standortes Europa gleichsetzen, aber die Analogie bei einer Aufwertung nicht gelten lassen?

Die Abwertung des Euro hat zweischneidige Wirkungen. Sie stimuliert den Export, wirkt aber auch preissteigernd. Die Wechselkursentwicklung wird deshalb von der EZB "sorgfältig beobachtet". Zur Erhöhung der Leitzinsen hätte sie allerdings noch nicht berechtigt. Die Relation der Einfuhren zum Bruttoinlandsprodukt der Euro-Zone beträgt rund 15 %. Selbst eine Abwertung des Euro um ein Zehntel erhöht per se das Preisniveau im Euro-Raum nur um 0,2 %. Dieser Effekt würde nur dann die Preisstabilität gefährden, wenn er eine Kosten-Preis-Spirale auslöste; dafür spricht derzeit aber wenig.

Finanzpolitik Nach der hier vorgelegten Prognose vollzieht sich der Rückgang der Staatsdefizite rascher als von der Bundesregierung zunächst erwartet. In ihrem Anfang 1999 der EU-Kommission vorgelegten "Stabilitätsprogramm" ging sie noch von einer Defizitquote von 2 % für das Jahr 2000 aus. Allerdings hat die Regierung kürzlich ihr Defizitziel revidiert. Sie rechnet nun damit, dass bereits im Jahre 2001 die Defizite der Gebietskörperschaften und Sozialversicherungen auf 1 % des Bruttoinlandsprodukts begrenzt werden können. Aus heutiger Sicht scheint dieses Ziel nicht sonderlich ehrgeizig. Doch stellt sich vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Frage, ob es in diesem Zeitraum tatsächlich erstrebenswert ist, dieses Ziel zu verfolgen.

Bisher hat die Bundesregierung ihren Sparkurs immer wieder mit dem Argument verteidigt, finanzpolitischen Handlungsspielraum zurückgewinnen zu wollen. Auch wenn es gute Gründe für die Staatsverschuldung gegeben hat: Die deutsche Einheit ebenso wie die lang anhaltende Wachstumsschwäche waren ohne Zweifel gute Gründe. Doch war der Anstieg viel zu rasant, und ein Abbau der Haushaltsdefizite ist notwendig. Allerdings, und auf diesen Punkt hat das DIW immer wieder hingewiesen, muss dabei das gesamtwirtschaftliche Umfeld berücksichtigt werden. Es kommt auf das richtige Timing an. Dies schien bisher nicht gewährleistet zu sein.

Das DIW hatte - im Einklang mit den anderen Forschungsinstituten - dafür plädiert, die für 2002 geplanten Steuerentlastungen vorzuziehen, um der Wirtschaft die notwendigen Impulse zu geben, damit das Wirtschaftswachstum auf einen Pfad einmündet, der die Zahl der Beschäftigten nachhaltig erhöht. Überraschend ist die Bundesregierung kurz vor Weihnachten 1999 den Forderungen insoweit gefolgt, als diese Entlastungen - neben der Reform der Unternehmensbesteuerung - bereits im Jahre 2001 wirksam werden sollen. Darüber hinaus hat sie weitere Entlastungen in Höhe von 34 Mrd. DM bis zum Jahre 2005 angekündigt: Der Eingangssteuersatz soll bis dahin auf 15 %, der Spitzensteuersatz auf 45 % sinken; der Grundfreibetrag soll auf 15 000 DM angehoben werden. Den Hintergrund für diese Entscheidung bildet die günstige Entwicklung der Defizite.

Diese Pläne sind uneingeschränkt zu begrüßen. Zwar werden die Steuersenkungen nicht die restriktiven Wirkungen des Sparprogramms in diesem Jahr aufheben. Doch mindern sie die Befürchtung, dass wegen fehlender expansiver Impulse durch die Wirtschaftspolitik die konjunkturelle Aufwärtsentwicklung bereits frühzeitig erlahmt. In jedem Falle werden die geplanten Steuersenkungen die Erwartungen der Investoren und Konsumenten positiv beeinflussen. Je mehr dadurch die konjunkturelle Expansion gefördert wird, um so eher sind auch längerfristig Mehreinnahmen zu erwarten; die Defizite werden im Aufschwung gleichsam automatisch zurückgeführt. Wird in dieser Phase strenge Ausgabendisziplin gewahrt, so dürften schon bald Überschüsse erzielt werden.

Wie immer bei Steuersenkungen stellt sich die Frage, welche Haushaltsebene die Entlastungen vorfinanziert. Es ist evident, dass Bund und Länder bei steuerpolitischen Entscheidungen kooperieren und jede Ebene einen "angemessenen" Beitrag leisten muss. Die Verpflichtung der Länder zur Unterstützung des Bundes leitet sich aus ihrer gesamtstaatlichen Verantwortung ab; dies drückt sich zum Beispiel darin aus, dass die Länder in ihrem Verhalten die Erfordernisse des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts zu berücksichtigen haben. Die Haushalte von Bund und Ländern dürften sich in den nächsten Jahren in einer Weise entwickeln, dass sie trotz der Steuerentlastungen nicht mit den verfassungsrechtlichen Grenzen der Verschuldung in Konflikt geraten.

Im Zusammenhang mit der Lastenverteilung sowie der geplanten Unternehmenssteuerreform [9] stellt sich aber auch die Frage, ob die Gemeinden auf Einnahmen verzichten müssen. Denn nunmehr ist geplant, daß diejenigen Personengesellschaften, die von der Reform nicht profitieren, weil ihre Gewinne (und damit Steuersätze) zu niedrig sind, ihre Gewerbesteuerschuld mit der Einkommensteuerschuld verrechnen können. In jedem Falle sollten die Kommunen nicht zusätzlich belastet werden. Zum einen erfüllen sie ausschließlich Aufgaben, die lokal eng begrenzt sind; Maßnahmen zur Stärkung des Wachstums sind in erster Linie Aufgabe des Zentralstaates, der in Deutschland allerdings auch die Länder umfasst, da Bund und Länder ihre Kompetenzen "gemeinschaftsgemäß" wahrnehmen. Zum anderen ist der Hinweis auf die relativ positive Finanzlage der Gemeinden wenig stichhaltig: Bei ihnen ist nicht der Finanzierungssaldo das Kriterium zur Beurteilung der Finanzlage, sondern die Entwicklung der Investitionen. Sie waren in den letzten Jahren stark rückläufig.

Zur Lohnpolitik im Jahre 2000 Im vergangenen Jahr nahmen die Tarifeinkommen nach mehreren Jahren der Lohnzurückhaltung etwas stärker zu. Allerdings wurden in wichtigen Tarifbereichen auch Einmalzahlungen vereinbart, die an den wirtschaftlichen Erfolg einer Branche geknüpft waren. Diese Einmalzahlungen wurden mit der in einigen - insbesondere exportorientierten Bereichen - außerordentlich günstigen Gewinnentwicklung der Unternehmen begründet. In der Metallindustrie stiegen die Tariflöhne infolgedessen - bei Neuabschlüssen von gut 3 % - im Jahresdurchschnitt 1999 um insgesamt 4,2 %. Da jedoch nicht in allen Tarifbereichen Einmalzahlungen vereinbart wurden und die Neuabschlüsse außerhalb der Metallindustrie niedriger ausfielen, lagen die Tariflöhne im Durchschnitt der Gesamtwirtschaft im vergangenen Jahr um 2,8 % über dem Vorjahresniveau.

Das DIW hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach für eine eher mittelfristige Orientierung der Lohnpolitik an der Entwicklung der trendmäßigen Produktivität und der Zielinflationsrate der Zentralbank ausgesprochen. Eine derartige Strategie würde die Lohnentwicklung verstetigen, und es würden sowohl inflatorische als auch deflatorische Tendenzen vermieden. Die jährliche Zuwachsrate des längerfristigen Produktivitätstrends betrug rund 2,5 %. Bei einer von der EZB tolerierten Inflationsrate von etwa 1,5 % läge der stabilitätskonforme Pfad der Lohnentwicklung folglich bei rund 4 %. Bei Lohnzuwächsen je Stunde, die diesen Rahmen nicht überschreiten, geriete die Lohnpolitik nicht in einen Konflikt mit der Stabilitätspolitik der Zentralbank. Die Lohnstückkosten als ein Frühindikator für die Inflationsentwicklung würden dann mit einer Rate von 1,5 % steigen. Ein solcher Zuwachs ist im Hinblick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit unproblematisch, wenn die Lohnstückkosten in anderen Ländern nicht stärker steigen. Dieser gesamtwirtschaftliche Rahmen für die Lohnentwicklung schließt Differenzierungen in einzelnen Bereichen nicht aus.

Mit Neuabschlüssen von rund 3 % hat die Lohnpolitik sich im vergangenen Jahr wieder etwas mehr der trendmäßigen Entwicklung der Produktivität angenähert. Diesen Weg gilt es behutsam weiter zu verfolgen. Mit den zu erwartenden Tarifanhebungen um ebenfalls 3 % in diesem Jahr würde die Lohnpolitik diesen Anforderungen etwa entsprechen. Bei Abschlüssen in dieser Größenordnung würden die Stundenlöhne im Jahresdurchschnitt 2000 nur um gut 2 % zunehmen, da die Einmalzahlungen vom vergangenen Jahr das Tarifniveau nicht dauerhaft angehoben haben.

Dabei ist vor allem wichtig, sprunghafte Veränderungen der Lohnentwicklung zu vermeiden; die Lohnpolitik sollte wie die Geld- und Finanzpolitik eher einem potentialorientierten Pfad folgen. Eine derartige lohnpolitische Strategie wirkt durch die Nominallohnrigidität konjunkturstabilisierend. Im Aufschwung wird die Nachfragedynamik nicht noch verstärkt und der Druck auf die Preise durch stabile Lohnstückkosten begrenzt. Beides wirkt einer Beschleunigung der Inflation entgegen und verhindert eine durch die Zentralbank ausgelöste Stabilisierungsrezession. Im Abschwung dagegen wirkt die Orientierung an der Trendproduktivität über die Verstetigung des privaten Verbrauchs quasi wie ein automatischer Stabilisator; zudem werden deflatorische Tendenzen durch sinkende Lohnstückkosten verhindert. Sprunghafte Veränderungen der relativen Preise wie Ölpreisschocks oder Erhöhungen der Mehrwertsteuer, die bei rigiden Preisen tendenziell zu Preisniveauerhöhungen führen, gehen bei einer derartigen Strategie ebenfalls nicht in die Lohnentwicklung ein. Ein Preisniveausprung führt in diesem Fall nicht zu einer dauerhaften Beschleunigung der Inflationsrate.

Die Lohnpolitik der vergangenen Jahre war aber gerade nicht von einer stetigen und potentialorientierten Entwicklung geprägt. Nach mehreren Jahren deutlicher Lohnzurückhaltung am Ende der achtziger Jahre stiegen die Stundenlöhne im Gefolge des Vereinigungsbooms in den Jahren 1990 bis 1993 mit Raten von bis zu 8 %. Als Reaktion auf die Rezession gingen die Lohnsteigerungen im Jahre 1994 auf gut 2,5 % zurück. In der Lohnrunde 1995 lagen die Lohnsteigerungen je Stunde jedoch bereits wieder über 5 %. Die Jahre 1996 bis 1998 waren dagegen mit Raten von rund 2 % von ausgeprägter Lohnzurückhaltung gekennzeichnet. Dies ist wohl der entscheidende Unterschied zur Lohnentwicklung in den USA. Die Zuwächse der Lohnkosten insgesamt waren in beiden Ländern mit durchschnittlich 3 % in den neunziger Jahren nach Überwindung der Rezession etwa gleich. [10] Allerdings war die Varianz in Deutschland um ein Vielfaches größer. [11]

Die Lohnpolitik in Deutschland bedarf daher dringend einer Verstetigung. Das Bündnis für Arbeit wäre das geeignete Forum, um sich über einen mittelfristigen Pfad der Lohnentwicklung zu verständigen. Würden sich bereits die Forderungen der Gewerkschaften und die Angebote der Arbeitgeber an diesem Pfad orientieren, könnten extreme Abschlüsse wie in der Vergangenheit vermieden werden.

[5] Vgl.: Beschäftigungspolitische Strategien und Erfolge - Großbritannien und Frankreich im Vergleich. Bearb.: Joachim Volz. In: Wochenbericht des DIW, Nr. 51-52/99.

[6] Vgl. Die Entwicklung des privaten Verbrauchs in der EWU zur Jahresmitte. Bearb.: Jochen Schmidt. In Wochenbericht des DIW, Nr. 39/99.

[7] Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Jahresgutachten 1999/2000, Wirtschaftspolitik unter Reformdruck, Ziffer 340.

[8] Vgl. Die Lage der Weltwirtschaft und der deutschen Wirtschaft im Herbst 1999. In: Wochenbericht des DIW, Nr. 44-45/99.

[9] Das DIW hat sich verschiedentlich zur Unternehmenssteuerreform geäußert. Als problematisch wird die Spreizung der Steuersätze zwischen dem Satz für thesaurierte Gewinne von Kapitalgesellschaften und dem Spitzensatz bei der Einkommensteuer angesehen, da dies zu Fehlallokationen des Kapitals führen kann.

[10] USA: 1992 bis 1999; Deutschland: 1993 bis 1999.

[11] Die Standardabweichung der Zuwachsraten während dieses Zeitraums lag in den USA bei 0,4, in Deutschland dagegen bei 1,3.

                                                                             
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Die wichtigsten Daten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung                  
Schätzung und Prognose für die Jahre 1999 und 2000                              
Bundesrepublik Deutschland                                                      
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                      1998    1999     2000         1999              2000      
                                               1. Hj.  2. Hj.    1.Hj.    2.Hj. 
                                                                                
                                   1. Entstehung des Inlandsprodukts            
                                   Veränderung in % gegenüber Vorjahr           
                                                                                
Erwerbstätige im Inl. 0,4      0,3      0,2      0,7      0,0     -0,2      0,5 
Arbeitszeit          -0,4     -0,6      0,0     -0,9     -0,3     -0,2      0,1 
Arbeitstage           0,7      0,5     -0,1      0,6      0,4      0,8     -2,6 
                                                                                
Arbeitsvolumen (kalender-                                                       
monatlich) (1)        0,7      0,2     -0,8      0,4      0,1      0,4     -2,0 
Produktivität (2)     1,5      1,0      3,3      0,6      1,5      2,1      4,4 
                                                                                
Bruttoinlandsprodukt zu Preisen                                                 
von 1995              2,2      1,3      2,4      1,0      1,5      2,5      2,3 
                                                                                
                     2. Verwendung des Inlandsprodukts zu jeweiligen  Preisen   
                                                a) Mrd. DM                      
                                                                                
Konsumausgaben der privaten                                                     
Haushalte (3)     2 174,7  2 234,5  2 309,0  1 088,6  1 145,9  1 124,1  1 185,0 
Konsumausgaben des                                                              
Staates             719,4    733,7    742,4    350,4    383,3    354,3    388,1 
Anlageinvestitionen 797,2    807,7    829,1    385,7    422,0    393,4    435,7 
   Ausrüstungen und                                                             
sonst. Anlagen      336,5    353,3    376,5    168,0    185,3    176,5    200,0 
   Bauten           460,7    454,5    452,5    217,7    236,7    216,9    235,6 
Vorratsveränderungen 29,6     35,7     31,5     30,3      5,4     28,4      3,1 
                                                                                
Letzte inländische                                                              
Verwendung        3 720,9  3 811,6  3 912,0  1 855,0  1 956,7  1 900,1  2 011,9 
Außenbeitrag         63,3     51,9     63,6     23,7     28,3     28,5     35,1 
   Exporte        1 092,1  1 122,4  1 242,9    538,2    584,2    602,5    640,4 
   Importe        1 028,9  1 070,4  1 179,3    514,5    555,9    574,0    605,3 
                                                                                
Bruttoinlandsprod.3 784,2  3 863,6  3 975,6  1 878,6  1 985,0  1 928,6  2 046,9 
                                                                                
                                    b) Veränderung in % gegenüber Vorjahr       
                                                                                
Konsumausgaben der privaten                                                     
Haushalte (3)         3,2      2,7      3,3      2,8      2,7      3,3      3,4 
Konsumausgaben des                                                              
Staates               0,7      2,0      1,2      2,2      1,8      1,1      1,3 
Anlageinvestitionen   1,6      1,3      2,6      1,6      1,1      2,0      3,2 
 Ausrüstungen und                                                               
 sonst. Anlagen      10,3      5,0      6,6      7,2      3,1      5,1      8,0 
   Bauten            -4,0     -1,3     -0,4     -2,3     -0,4     -0,4     -0,5 
                                                                                
Letzte inländische                                                              
Verwendung            3,0      2,4      2,6      2,7      2,2      2,4      2,8 
Exporte               7,0      2,8     10,7     -0,8      6,3     12,0      9,6 
Importe               6,4      4,0     10,2      0,7      7,3     11,6      8,9 
                                                                                
Bruttoinlandsprodukt  3,2      2,1      2,9      2,2      2,0      2,7      3,1 
                                                                                
                         3. Verwendung des Inlandsprodukts zu Preisen von 1995 
                                                   a) Mrd. DM                   
                                                                                
Konsumausgaben der priv.                                                        
Haushalte (3)     2 078,8  2 117,7  2 165,7  1 034,7  1 083,0  1 056,8  1 108,9 
Konsumausgaben des                                                              
Staates             708,0    711,3    712,2    352,0    359,3    353,1    359,1 
Anlageinv.          796,7    812,1    832,9    387,5    424,6    395,5    437,4 
 Ausrüstungen und sonstige                                                      
 Anlagen            331,0    349,6    371,9    166,1    183,6    174,5    197,4 
 Bauten             465,7    462,4    461,0    221,4    241,0    221,1    240,0 
Vorratsveränder.     34,7     36,1     31,9     30,7      5,4     28,8      3,1 
                                                                                
Letzte inländische                                                              
Verwendung        3 618,1  3 677,2  3 742,6  1 804,9  1 872,4  1 834,2  1 908,4 
Außenbeitrag         60,5     47,9     72,9     17,0     30,8     33,6     39,3 
   Exporte        1 075,6  1 112,0  1 212,5    534,8    577,3    591,2    621,3 
   Importe        1 015,0  1 064,2  1 139,6    517,8    546,4    557,6    582,0 
                                                                                
Bruttoinlandspr.  3 678,6  3 725,1  3 815,5  1 821,9  1 903,2  1 867,7  1 947,8 
                                                                                
b) Veränderung in % gegenüber Vorjahr                                           
                                                                                
Konsumausgaben der priv.                                                        
Haushalte (3)         2,3      1,9      2,3      2,1      1,6      2,1      2,4 
Konsumausgaben des                                                              
Staates               0,5      0,5      0,1      0,2      0,7      0,3     -0,1 
Anlageinvestitionen   1,4      1,9      2,6      2,3      1,6      2,1      3,0 
 Ausrüstungen und sonstige                                                      
 Anlagen              9,9      5,6      6,4      8,0      3,6      5,1      7,5 
 Bauten              -3,9     -0,7     -0,3     -1,7      0,2     -0,2     -0,4 
                                                                                
Letzte inländische                                                              
Verwendung            2,5      1,6      1,8      2,0      1,2      1,6      1,9 
Exporte               7,0      3,4      9,0      0,2      6,5     10,5      7,6 
Importe               8,5      4,8      7,1      3,9      5,7      7,7      6,5 
                                                                                
Bruttoinlandsprodukt  2,2      1,3      2,4      1,0      1,5      2,5      2,3 
                                                                                
                                                                                
Die wichtigsten Daten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung                  
Schätzung und Prognose für die Jahre 1999 und 2000                              
Bundesrepublik Deutschland                                                      
                                                                                
                      1998    1999    2000           1999              2000     
                                               1. Hj.  2. Hj.     1.Hj.   2.Hj. 
                                                                                
             4. Preisniveau der Verwendungsseite des Inlandsprodukts (1995=100) 
                             Veränderung in % gegenüber Vorjahr                 
                                                                                
Konsumausgaben der priv.                                                        
Haushalte (3)         0,9      0,9      1,1      0,7      1,0      1,1      1,0 
Konsumausgaben des                                                              
Staates               0,3      1,5      1,1      1,9      1,1      0,8      1,3 
Anlageinvestitionen   0,1     -0,6      0,1     -0,6     -0,5     -0,1      0,2 
 Bauten              -0,1     -0,7     -0,1     -0,7     -0,6     -0,2      0,0 
Exporte               0,0     -0,6      1,6     -1,1     -0,2      1,3      1,8 
Importe              -2,0     -0,8      2,9     -3,1      1,5      3,6      2,2 
Bruttoinlandsprodukt  1,0      0,8      0,5      1,2      0,5      0,1      0,8 
                                                                                
                                     5. Einkommensentstehung und -verteilung    
                                                  a) Mrd. DM                    
                                                                                
Arbeitsentgelte   2 001,8  2 042,6  2 077,7    960,9  1 081,8    975,5  1 102,2 
 Bruttolohn- und                                                                
 -gehaltsumme     1 605,8  1 641,2  1 671,4    769,6    871,6    782,7    888,6 
 Nettolohn- und                                                                 
 -gehaltsumme     1 021,6  1 038,3  1 056,6    486,9    551,4    494,5    562,1 
Bruttoeinkommen aus Unternehmertätigkeit                                        
und Vermögen        821,4    817,7    875,7    418,9    398,8    440,5    435,2 
                                                                                
Volkseinkommen    2 823,2  2 860,4  2 953,4  1 379,8  1 480,6  1 416,0  1 537,4 
Abschreibungen      561,5    573,7    583,7    285,7    288,0    289,7    294,0 
Subventionen        369,3    393,6    409,6    197,8    195,7    206,9    202,7 
                                                                                
Bruttonationaleink.3754,1  3 827,6  3 946,7  1 863,4  1 964,3  1 912,6  2 034,1 
                                                                                
                                     b) Veränderung in % gegenüber Vorjahr      
                                                                                
Arbeitsentgelte       1,6      2,0      1,7      2,4      1,8      1,5      1,9 
 Bruttolohn- und                                                                
 -gehaltsumme         1,6      2,2      1,8      2,5      2,0      1,7      2,0 
 Nettolohn- und                                                                 
 -gehaltsumme         1,7      1,6      1,8      2,1      1,2      1,6      1,9 
  Bruttolohn- und -gehaltsumme je                                               
   Beschäftigten      1,5      1,9      1,7      1,8      2,1      2,0      1,4 
  Nettolohn- und -gehaltsumme je                                                
   Beschäftigten      1,5      1,3      1,6      1,4      1,3      1,8      1,4 
Bruttoeinkommen aus Unternehmertätigkeit                                        
und Vermögen          5,3     -0,4      7,1      0,4     -1,3      5,1      9,1 
                                                                                
Volkseinkommen        2,6      1,3      3,3      1,7      0,9      2,6      3,8 
Abschreibungen        2,8      2,2      1,7      2,3      2,0      1,4      2,1 
Produktionsabgaben abzügl.                                                      
Subventionen          5,1      6,6      4,1      7,5      5,6      4,6      3,6 
                                                                                
Bruttonationaleink.   2,9      2,0      3,1      2,4      1,5      2,6      3,6 
                                                                                
                 6. Einkommen und Einkommensverwendung der privaten Haushalte   
                                                     a) Mrd. DM                 
                                                                                
Nettolohn- und                                                                  
-gehaltsumme      1 021,6  1 038,3  1 056,6    486,9    551,4    494,5    562,1 
Übertragene                                                                     
Einkommen (4)       760,8    777,4    790,1    388,5    388,9    395,5    394,6 
  vom Staat         703,5    719,0    730,4    360,2    358,8    366,5    363,9 
  sonstige übertragene                                                          
  Einkommen          57,3     58,5     59,7     28,3     30,1     29,0     30,7 
Selbständigeneinkommen/Betriebsüberschuss und                                   
Vermögenseinkommen  813,8    838,6    890,2    438,9    399,7    464,3    425,8 
Saldo der sonstigen                                                             
Transfers           -62,7   - 75,4   - 77,8    -37,0    -38,3    -38,2    -39,6 
Abzüge:                                                                         
  Abgaben auf soziale Leistungen, verbrauchsnahe                                
  Steuern           140,6    139,5    139,8     70,1     69,4     70,3     69,6 
                                                                                
Verfügbares                                                                     
Einkommen (5)     2 392,8  2 439,5  2 519,2  1 207,3  1 232,2  1 245,8  1 273,4 
                                                                                
nachr.: Zunahme betrieblicher Versorgungs-                                      
  ansprüche          23,8     21,9     21,9      9,7     12,2      9,7     12,2 
Konsumausgaben der privaten                                                     
Haushalte (3)     2 174,7  2 234,5  2 309,0  1 088,6  1 145,9  1 124,1  1 185,0 
Sparen              241,9    226,8    232,0    128,4     98,4    131,4    100,6 
Sparquote in % (6)   10,0      9,2      9,1     10,6      7,9     10,5      7,8 
                                                                                
                                      b) Veränderung in % gegenüber Vorjahr     
                                                                                
Nettolohn- und                                                                  
-gehaltsumme          1,7      1,6      1,8      2,1      1,2      1,6      1,9 
Übertragene Eink. (4) 1,9      2,2      1,6      2,1      2,1      1,8      1,5 
Selbständigeneinkommen/Betriebsüberschuss und                                   
Vermögenseinkommen    6,5      3,1      6,1      2,5      3,7      5,8      6,5 
                                                                                
Verfügbares Eink. (5) 2,8      2,0      3,3      1,5      2,4      3,2      3,3 
                                                                                
Konsumausgaben der privaten                                                     
Haushalte (3)         3,2      2,7      3,3      2,8      2,7      3,3      3,4 
Sparen               -1,1     -6,2      2,3     -9,7     -1,2      2,4      2,2 
                                                                                
noch: Die wichtigsten Daten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung            
Schätzung und Prognose für die Jahre 1999 und 2000                              
Bundesrepublik Deutschland                                                      
                                                                                
                     1998      1999    2000         1999              2000      
                                              1. Hj.   2. Hj.     1.Hj.   2.Hj. 
                                                                                
                                  7. Einnahmen und Ausgaben des Staates (7)     
                                                  a) Mrd. DM                    
                                                                                
Einnahmen                                                                       
 Steuern            872,9    932,1    958,6    450,8    481,3    463,1    495,5 
 Sozialbeiträge     726,1    733,9    744,9    352,0    381,9    358,0    386,9 
 Vermögenseinkommen  35,7     30,9     29,0     21,3      9,6     19,0     10,0 
 Sonstige Einn. (8) 129,9    129,5    129,5     61,0     68,6     60,9     68,6 
                                                                                
Insgesamt         1 764,5  1 826,4  1 862,0    885,1    941,3    901,1    961,0 
                                                                                
Ausgaben                                                                        
 Vorleistungen und Arbeitnehmer-                                                
 entgelte (9)       742,8    758,8    769,0    358,9    400,0    363,9    405,1 
 Vermögenseinkommen 135,2    140,5    142,8     69,0     71,5     69,5     73,3 
 Subventionen        69,4     72,1     73,5     31,4     40,7     31,5     42,0 
 Monetäre                                                                       
 Sozialleistungen   712,9    728,7    740,5    364,9    363,8    371,4    369,1 
  an private Haush. 703,5    719,0    730,4    360,2    358,8    366,5    363,9 
  an die übrige Welt  9,4      9,7     10,1      4,7      5,0      4,9      5,2 
 Sonstige laufende                                                              
 Transfers           51,8     59,5     60,3     25,0     34,5     25,4     34,9 
 Vermögenstransfers  53,9     55,2     56,1     23,2     32,0     23,5     32,6 
 Bruttoinvest. (10)  63,2     65,4     64,4     29,1     36,3     28,2     36,2 
                                                                                
Insgesamt         1 829,0   1 880,0  1 906,6   901,3    978,7    913,4    993,3 
                                                                                
Finanzierungssaldo  -64,5     -53,7    -44,6   -16,3    -37,4    -12,3    -32,3 
                                                                                
                                    b) Veränderung in % gegenüber Vorjahr       
                                                                                
Einnahmen                                                                       
 Steuern              5,5      6,8      2,8      8,5      5,2      2,7      2,9 
 Sozialbeiträge       0,9      1,1      1,5      1,0      1,1      1,7      1,3 
 Vermögenseinkommen  15,5    -13,3     -6,2    -14,9     -9,5    -11,0      4,4 
 Sonstige Einnn. (8) -0,6     -0,3      0,0     -0,5     -0,1     -0,1      0,1 
                                                                                
Insgesamt             3,3      3,5      2,0      4,1      3,0      1,8      2,1 
                                                                                
Ausgaben                                                                        
 Vorleistungen und Arbeitnehmer-                                                
 entgelte (9)         0,5      2,2      1,3      2,1      2,3      1,4      1,3 
 Vermögenseinkommen   0,7      4,0      1,6      4,4      3,5      0,7      2,6 
 Subventionen         3,4      3,9      2,0      7,5      1,3      0,4      3,2 
 Monetäre                                                                       
 Sozialleistungen     1,2      2,2      1,6      2,1      2,3      1,8      1,5 
  an private Haush.   1,1      2,2      1,6      2,1      2,3      1,8      1,4 
  an die übrige Welt  3,9      3,1      3,5      3,1      3,1      3,0      4,0 
 Sonstige laufende                                                              
 Transfers            9,5     14,8      1,4     -1,7     30,7      1,8      1,2 
 Vermögenstransfers  19,1      2,3      1,7      1,8      2,7      1,5      1,9 
 Bruttoinvest. (10)  -6,4      3,5     -1,4      9,7     -1,0     -3,0     -0,1 
                                                                                
Insgesamt             1,3      2,8      1,4      2,5      3,0      1,3      1,5 
                                                                                
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(1) Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und des    
DIW.                                                                            
(2) Bruttoinlandsprodukt zu Preisen von 1995 je Erwerbstätigenstunde.           
(3) Einschließlich privater Organisationen ohne Erwerbszweck.                   
(4) Monetäre Sozialleistungen.                                                  
(5) Ausgabenkonzept.                                                            
(6) Ersparnis in % des verfügbaren Einkommens.                                  
(7) Gebietskörperschaften und Sozialversicherung.                               
(8) Sonstige laufende Transfers, Vermögenstransfers, Verkäufe und sonstige      
Subventionen.                                                                   
(9) Einschließlich sonstiger Produktionsabgaben.                                
(10) Einschließlich Nettozugang an nichtproduzierten Vermögensgütern.           
Quellen:  Statistisches Bundesamt (Fachserie 18: Volkswirtschaftliche           
Gesamtrechnungen); DIW. 1999 und 2000 Schätzung und Prognose des DIW.           
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