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DIW Wochenbericht

25 / 2011 Wirksame Beratung der Verbraucherpolitik setzt unabhängige Daten über das Verhalten von Verbrauchern voraus Kornelia Hagen S. 18-24

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Abstract:

Verbraucherpolitik will Verbraucher vor Schäden bewahren und damit auch dazu beitragen, den gesamtwirtschaftlichen Wohlstand zu erhöhen. Dazu braucht sie systematische Informationen über das reale Verhalten von Verbrauchern auf Märkten. Lang- und kurzfristige Motive für die Produktwahl, die Bereitschaft, sich zu informieren, und die Nutzung der verschiedenen Informationskanäle sind nur einige von vielen Aspekten, die bei der Gestaltung von Verbraucherpolitik bekannt sein müssten. Dies gilt umso mehr, wenn Verbraucher mit komplexen und intransparenten Märkten, Produkten und Dienstleistungen konfrontiert sind, wie es beispielsweise im Bereich der sozialen Märkte (Gesundheit, private steuerlich geförderte Altersvorsorge) oder auch im Telekommunikationsmarkt der Fall ist. Die politikberatende Wissenschaft muss allerdings feststellen, dass aussagekräftige Informationen über das Verhalten von Verbrauchern weitgehend fehlen oder nicht zugänglich sind. So weiß man zum Beispiel auch zehn Jahre nach Einführung der Riesterprodukte noch nicht, warum Menschen diese Verträge nicht abschließen, warum sie die Zulage nicht beantragen oder warum sie nicht bis zur Rente durchsparen. Informationen über das Verhalten von Verbrauchern müssen von unabhängigen wissenschaftlichen Einrichtungen erhoben werden, repräsentativ sein und als Wiederholungsbefragung (Längsschnitt) angelegt sein. Der Aufbau und die Pflege einer solchen öffentlich finanzierten Forschungsinfrastruktur könnte auch international ein Leuchtturmprojekt der Verbraucherforschung in Deutschland werden.

JEL-Classification:

D1;D12;C80

Keywords:

Consumer policy, consumer research, applied economic research, economic policy consulting