Die Lange Nacht der Wissenschaften im DIW Berlin

Zum vierten Mal nahm das DIW Berlin an der Langen Nacht der Wissenschaften teil. Auch diesmal lockten unsere Referenten mit spannenden Vorträgen zahlreiche Besucher an. Auf dieser Seite finden Sie Informationen zu unserem Programm und unseren Referenten.

Eine kluge Nacht für kluge Köpfe


Die Lange Nacht der Wissenschaften (LNDW) lockte tausende wissenschaftshungrige Nachtschwärmer am 10. Mai 2014 in die Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen Berlins und Brandenburgs. Und auch das DIW Berlin war dabei: Etwa 160 Besucher strömten in die Mohrenstraße in Berlin-Mitte und besuchten das größte deutsche Wirtschaftsforschungsinstitut.


Getreu des Mottos der LNDW-Veranstalter begann „Die klügste Nacht des Jahres" im DIW Berlin mit den wirtschaftlichen Chancen einer klugen Energiewende. Claudia Kemfert | PDF, 460.12 KB , Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin, verdeutlichte die Tragweite des Übergangs von fossilen Energieträgern zu erneuerbaren Energien („Die Energiewende ist weit mehr als der Atomausstieg."), erklärte das wirtschaftliche Wachstums- und Beschäftigungspotential der Energieeffizienzverbesserung und räumte mit Mythen auf: Die Energiewende kostet eine Billion Euro und ist damit so richtig teuer? Nein, ohne die Energiewende würde es richtig teuer werden, schätzungsweise sogar zwei Billionen Euro wären in den kommenden zehn Jahren fällig. Es drohen Blackouts? Nein, das sei eine „interessengeleitete Argumentation" und „Angstberichterstattung", so Kemfert. Die Förderung erneuerbarer Energien treibt die EEG-Umlage und damit den Strompreis in schwindelerregende Höhen? Nein, die Förderung des grünen Stroms mache weniger als die Hälfte der Umlage in Höhe von gut sechs Cent je Kilowattstunde aus. Einen maßgeblichen Anteil der Kosten verursachten die Rabatte energieintensive Industrieunternehmen.



 

Auch Markus M. Grabka | PDF, 0.6 MB , wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), sprach über ein Thema, das viele Menschen betrifft: Die Entwicklung der Einkommens- und Vermö-gensungleichheit in Deutschland. Er erklärte, warum die ungleiche Verteilung der Einkommen seit 2005 stagniert und die Vermögensungleichheit auf hohem Niveau verharrt. Im Anschluss ging Dorothea Schäfer, DIW-Forschungsdirektorin für Finanzmärkte, der Frage nach, ob in der Fußball-Bundesliga ein Heuschrecken-Alarm droht, nachdem eine Beteiligungsgesellschaft 60 Millionen Euro in die Mannschaft von Hertha BSC Berlin investiert hat. Allerdings konnte Schäfer auch sogleich Entwarnung geben: Es handele sich um eine Win-Win-Situation, Hertha bekomme Geld und der Investor einen Wertzuwachs und ein kleines Stück von der Popularität der Marke Bundesliga. Eine Komplettübernahme eines Profivereins durch eine Private-Equity-Gesellschaft erscheine hingegen unwahrscheinlich. Dem stünden Regeln zum Besitz von Fußballvereinen genauso entgegen wie die Gefahr von Fan-Protesten.


Nachdem DIW-Steuerexperte Stefan Bach | PDF, 484.69 KB erklärte, zu welchen Parteien Besserverdienende und Wohlhabende am ehesten neigen und wie sie von den steuerpolitischen Vorschlägen „ihrer" Parteien getroffen würden, waren zu bereits vorgerückter Stunde besonders jüngere Besucher im Schumpeter Saal des DIW Berlin zu sehen: Johanna Storck | PDF, 0.54 MB konnte den Abiturienten, Studenten und Auszubildenden sagen, welche Bildungsabschlüsse und welche Fachrichtungen später welches Gehalt bringen. Zum Abschluss klagte Dirk Ulbricht | PDF, 1.13 MB sein Leid als Konjunkturforscher und berichtete, warum der Blick in die Zukunft so schwer ist: Externe statistische Daten müssen oft nochmal korrigiert werden, Blasen - etwa am Immobilien- oder Aktienmarkt - sind oft erst dann zu erkennen, wenn sie schon geplatzt sind, Indikatoren geben falsche Signale und die Welt der Wirtschaft wird immer komplexer. Allerdings konnte Ulbricht auch von so mancher Freude und von viel Spaß an der Arbeit berichten. Konjunkturprognosen seien eine wichtige Sache für das wirtschaftspolitische Handeln von Regierungen und auch ein sehr verantwortungsvoller Job: Schließlich können Voraussagen für die Zukunft das heutige Handeln der Menschen - und damit wiederum die Zukunft - beeinflussen.



 

Die Besucher, die nach einer kleinen Stärkung am Lange-Nacht-Imbiss Hunger auf noch mehr Wissenschaft hatten, konnten am Infostand des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) in der DIW-Lounge einen Fragebogen ausfüllen und die Antworten mit den repräsentativen SOEP-Datensätzen abgleichen, für die etwa 30.000 Haushalte Jahr für Jahr Angaben machen. Wie stark interessieren Sie sich für Politik? Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem persönlichen Einkommen? Machen Sie sich Sorgen um den Anstieg der Inflation? Achja: Was ist eigentlich ein „Greifkrafttest"? Diesen konnten die Besucher im DIW Berlin absolvieren, wobei sie nicht schlecht staunten, dass ein bloßes Ziehen an einem Metallgriff verlässlich Auskunft geben kann über Gesundheitszustand, sozioökonomischen Status und künftige Behinderungs- und Sterberisiken. So gab es für viele Besucher die ein oder andere kluge Erkenntnis bei der Langen Nacht der Wissenschaften - über die Welt der Ökonomie genauso wie über die eigene Zukunft.


Unser Programm am 10. Mai 2014


Forschen am sozialen Leben

INFOSTAND | 17.00 - 0.00 Uhr | Joan-Robinson-Lounge im 1. OG 

Volksvertreter sind risikofreudiger als das Volk. Heiraten macht glücklich - aber nur für ein Jahr. Im Laufe ihres Lebens werden die Deutschen zunehmend religiöser. Diese Ergebnisse basieren auf Daten des SOEP - der größten und am längsten laufenden sozial-wissenschaftlichen Erhebung in Deutschland. Erfahren Sie mehr über SOEP und dessen Erhebungsinstitut Infratest! Jahr für Jahr beantworten dafür etwa 30 000 Personen Fragen zu Arbeit, Einkommen, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. In dieser Nacht geben die Forscher die Antworten: Wie entsteht die Studie, wer denkt sich die Fragen aus und was wird mit den Antworten erforscht? Beantworten Sie den Fragebogen selbst oder nehmen Sie am Verhaltensexperiment teil- und erfahren so ein Stückchen mehr über sich.

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SOEP-Stand auf der Langen Nacht der Wissenschaften 2012.


Die wirtschaftlichen Chancen einer klugen Energiewende

VORTRAG | 17.00 Uhr | Schumpeter-Saal im 1. OG

Die Energiewende ist realisierbar. Aber ist sie auch ökonomisch sinnvoll? Oder isoliert sich Deutschland dabei völlig? Und: Wer trägt die Kosten? Müssen wir mit Blackouts und mit Strompreisexplosionen leben? Claudia Kemfert beantwortet diese Fragen und unterstreicht die wirtschaftlichen Chancen, die in einer klugen Energiewende liegen.

Hintergrund: Fossile Ressourcen wie Öl, Gas und Kohle sind endlich und verursachen klimaschädliche Treibhausgase. Die Katastrophe in Fukushima hat in Deutschland zu einem Umdenken in der Atompolitik geführt. Das Ziel der Bundesregierung, in den kommenden vier Jahrzehnten den Anteil der erneuerbaren Energien von heute 25 auf 80 Prozent zu erhöhen, ist jedoch grundsätzlich machbar.


Referentin: Prof. Dr. Claudia Kemfert


Prof. Dr. Claudia Kemfert leitet seit April 2004 die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin und ist seit April 2009 Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance (HSoG).

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Die Entwicklung der Einkommens- und Vermögensungleichheit in Deutschland

VORTRAG | 18.00 Uhr | Schumpeter-Saal im 1. OG

Seit dem letzten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung wird das Thema Verteilungsgerechtigkeit öffentlich kontroverser diskutiert denn je. Markus M. Grabka beschreibt sowohl die Entwicklung der Ungleichheit der Einkommen als auch der Vermögen und präsentiert Erklärungsansätze für die in der Vergangenheit gestiegene Ungleichheit.

Die Studie entstand auf Basis aktueller Mikrodaten aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) und lässt Analysen zur Vermögenssituation der Privathaushalte nach der Finanzkrise zu: Es wird gezeigt, dass in Deutschland im internationalen Vergleich weiterhin ein hohes Maß an Ungleichheit vorherrscht.


Dr. Markus M. Grabka


Dr. Markus M. Grabka arbeitet im Bereich Data-Operation und Forschungsdatenzentrum am Sozio- oekonomisches Panel und forscht zu Einkommens- und Vermögensverteilungen.

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Imagepflege oder Sympathiebekundung? Private Equity in der Bundesliga

VORTRAG | 19.00 Uhr | Schumpeter-Saal im 1. OG

Hertha BSC erhält 60 Millionen Euro von einer Beteiligungsgesellschaft. Hat der Investor eine Schwäche für die Alte Dame oder hofft er auf Imagegewinn? Eines scheint klar: Eine große Rendite ist nicht zu erwarten. Finanzmarktexpertin Dorothea Schäfer über Kapitalgesellschaften in der deutschen Fußball-Bundesliga.


Referentin: Prof. Dr. Dorothea Schäfer


Prof. Dr. Dorothea Schäfer ist Forschungsdirektorin am DIW Berlin und Adjunct Professor im Bereich Finance an der Jönköping International Business School in Schweden.

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Parteianhänger: Unterschiede zwischen Arm und Reich?

VORTRAG | 20.00 Uhr | Schumpeter Saal im 1. OG

Besserverdiener und Wohlhabende neigen zu Union und FDP, aber auch zu den Grünen. Ein umgekehrtes Bild ergibt sich für die SPD und vor allem für Die Linke. Stefan Bach, Steuerexperte des DIW Berlin, und Markus M. Grabka haben mit den Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) den statistischen Zusammenhang zwischen der Parteiorientierung der Bürger sowie deren Einkommen und Vermögen untersucht.


Referent: Dr. Stefan Bach


Dr. Stefan Bach ist Steuerexperte und wissenschaftlicher Mitarbieter der Abteilung Staat am DIW Berlin.

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Wann sich Investitionen in Bildung lohnen

VORTRAG | 21.00 Uhr | Schumpeter Saal im 1. OG

Uni, FH, Ausbildung - welche Fächer lohnen sich? Mit einem Universitätsabschluss können im Durchschnitt höhere Löhne erzielt werden als mit einem niedrigeren Abschluss. Auch das Risiko, arbeitslos zu sein, ist unter Akademikern geringer als für die Gesamtbevölkerung. Doch wie weit liegen die Löhne innerhalb eines Bildungsabschlusses auseinander?

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung hat untersucht, wie sich die Bildungsrendite - also der Aufschlag auf den Lohn, den ein zusätzliches Bildungsjahr im Durchschnitt bringt - nach Studien- und Ausbildungsfächern unterscheidet. Miteinander verglichen wurden Löhne innerhalb eines Bildungsabschlusses, sowie die Löhne ähnlicher Fachrichtungen über die Qualifikationen hinweg.


Referentin: Dr. Johanna Storck


Dr. Johann Storck ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Bildung und Familie am DIW Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Bildungs- und die Arbeitsmarktökonomie.

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Freud und Leid eines Konjunkturforschers

VORTRAG | 22.00 Uhr | Schumpeter Saal im 1. OG

Konjunkturprognosen liegen immer falsch? Von wegen! Das sagen wir nicht nur, weil wir selbst seit Jahrzehnten eine ganze Menge davon produzieren. Ist eine Prognose nur gut, wenn sie ganz genau eintrifft, und wann ist das überhaupt der Fall? Selbst wenn ich erkannt habe, dass eine Rezession bevorsteht, wer wird mir glauben?

Dieser Vortrag gibt einen Überblick über das Freud und Leid der Wirtschaftsprognostiker und soll helfen, die Prognosen besser zu verstehen.


Referent: Dr. Dirk Ulbricht


Dr. Dirk Ulbricht ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Konjunkturpolitik am DIW Berlin und ist dort Experte für Modellentwicklung und Methoden im Bereich der Konjunkturprognosen.

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