Pressemitteilung/Press Release

Pressemitteilung vom 21.12.2015

DIW Konjunkturbarometer Dezember 2015: Wachstum der deutschen Wirtschaft zwar überdurchschnittlich, aber nicht breit aufgestellt

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Dem Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zufolge steuert die deutsche Wirtschaft relativ robust auf den Jahreswechsel zu. „Die deutsche Wirtschaft wird im Schlussquartal ihr Tempo voraussichtlich halten“, sagt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Das Konjunkturbarometer weist auf einen Zuwachs der Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal von gut 0,3 Prozent hin: Mit einem Indexstand von 101 Punkten liegt es noch knapp über dem Schwellenwert von 100 Punkten, der ein durchschnittliches Wachstum anzeigt. Im Vergleich zum Vormonat ist das DIW-Konjunkturbarometer aber um einen Punkt gesunken.

„Die deutsche Wirtschaft setzt zwar ihre Aufwärtsbewegung fort, das Wachstum ist jedoch nicht breit aufgestellt“, sagt Simon Junker, Experte für die Konjunktur in Deutschland. Die konsumnahen Dienstleister profitieren vom kräftigen privaten Verbrauch, die Entwicklung in der Industrie dagegen läuft weiter schwach. So dürfte die Industrieproduktion zum Jahresausklang erneut rückläufig sein, wenngleich nur leicht. Die Auftragslage dagegen sowie die anhaltend gute Unternehmensstimmung deuten aber auf moderate Zuwächse im verarbeitenden Gewerbe ab dem Jahreswechsel hin. Vor allem die Exporterwartungen der Unternehmen haben sich zuletzt deutlich aufgehellt. Das weltwirtschaftliche Expansionstempo dürfte etwas an Tempo gewinnen: So kommen die Rezessionen in Brasilien und Russland allmählich zu einem Ende, die chinesische Wirtschaft stabilisiert sich voraussichtlich bei immer noch hohen Raten, und die Volkswirtschaften in den USA und dem Vereinigten Königreich entwickeln sich kräftig. Auch der Euroraum dürfte seine Erholung fortsetzen, obwohl die Entwicklung schleppend verlaufen dürfte – die Verschuldung ist vielerorts noch hoch, und die geringe Teuerung drückt die Erträge der Unternehmen.

Dagegen schiebt die niedrige Inflation die Realeinkommen an, wenn auch der kaufkraftsteigernde Effekt der gesunkenen Ölpreise wohl allmählich ausläuft. Und auch nominal steigt die Lohnsumme kräftig: Der Beschäftigungsaufbau hat wieder etwas Fahrt aufgenommen, und auch die Löhne steigen merklich, sind aber etwas weniger dynamisch als in den vergangenen Jahren. Der private Konsum dürfte daher weiter die konjunkturelle Entwicklung anschieben, zumal auch die Sozialleistungen, insbesondere die Rente, kräftig steigen dürften. Vor allem für das kommende Jahr sind zudem deutliche Impulse aufgrund der Flüchtlingsmigration zu erwarten.

Die Ausrüstungsinvestitionen dürften im weiteren Verlauf etwas Fahrt aufnehmen, auch weil dann vermehrt Impulse vom Außenhandel kommen. Unterm Strich bleibt deren Dynamik aber verhalten. Denn trotz der robusten weltwirtschaftlichen Erholung ist keine Rückkehr zu den Zuwächsen der Vergangenheit zu erwarten; dies betrifft vor allem die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft. Deren Einschätzung ist zudem derzeit mit vergleichsweise hohen Unwägbarkeiten verbunden. Hinzu kommen Sorgen um die Entwicklung des Euroraums, aber auch der Europäischen Union, und die geopolitischen Risiken. Nicht zuletzt belasten wohl auch heimische Faktoren die privaten Investitionspläne im Inland, etwa die zu geringe öffentliche Investitionstätigkeit in die Infrastruktur.

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