Bericht , Nachricht vom 08.02.2017

Die Analyse spezieller Bevölkerungs- oder Berufsgruppen

Der DIW-Wochenbericht Nr. 43 | PDF, 227.51 KB “Berufsgruppe ‘Erzieherin’: Zufrieden mit der Arbeit, aber nicht mit der Entlohnung” von C. Katharina Spieß und Franz G. Westermaier zeigt ein weiteres Mal, dass die Stichprobengröße des SOEP inzwischen so groß ist, dass auch relativ kleine Gruppen in der Bevölkerung valide untersucht werden koennen. Wir ermuntern unsere NutzerInnen zu mehr solcher Analysen.

Erzieherinnen und Erzieher haben mit dem Ausbau der Kindertagesbetreuung in Deutschland in den vergangenen Jahren massiv an Bedeutung gewonnen. Wie zufrieden ist diese Berufsgruppe mit ihrer Arbeit? Wie stark fühlt sie sich belastet? Und wie unterscheidet sie sich diesbezüglich von vergleichbaren Berufsgruppen? Diesen Fragen geht die vorliegende Studie auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) nach. Es zeigt sich, dass Erzieherinnen mit ihrer Arbeit durchaus zufrieden sind – sie erreichen ähnlich hohe Zufriedenheitswerte wie Grundschullehrerinnen. Mit ihrem Einkommen sind sie allerdings unzufriedener als die meisten Vergleichsgruppen. Obwohl sie sich in ihrem Beruf in vielen Bereichen nicht überdurchschnittlich belastet fühlen, ist ihre Balance zwischen beruflicher Belohnung und Verausgabung schlechter als in den meisten anderen Berufsgruppen. Mehr Investitionen in den Bereich der frühen Bildung könnten sich lohnen, wenn dadurch Erzieherinnen beispielsweise ihre Entlohnung als angemessener und die Arbeitsintensität als weniger belastend empfinden und so die Qualität der frühen Bildung steigt. Letztlich würde es sich dabei um Investitionen in das heutige und künftige Humanpotential handeln.

Weitere Beispiele für kleine Berufsgruppen, die auf Basis des SOEP analysierbar sind, zitieren Spiess und Westermaier in ihrem Wochenbericht (z.B. KünstlerInnen und LehrerInnen).

Steiner, Lasse und Lucian Schneider. 2013. “The happy artist? An empirical application of the work-preference model” Journal of Cultural Economics 37,Nr. 2, 225-246. (doi: 10.1007/s10824-012-9179-1)

Schult, Johannes, Manuela Münzer-Schrobildgen und Jörn R. Sparfeldt. 2014. “Belastet, aber hochzufrieden? – Arbeitsbelastung von Lehrkräften im Quer- und Längsschnitt”, Zeitschrift für Gesundheitspsychologie 22, Nr. 2, 67-67. (doi: 10.1026/0943-8149/a000114)

Dohmen, Thomas, und Armin Falk. 2010. “You get what you pay for: Incentives and selection in the education system” The Economic Journal, 120, Nr. 546, F256-F271. (doi: 10.1111/j.1468-0297.2010.02376.x)