Bericht , Nachricht vom 04.04.2017

DIW Berlin und PIK veröffentlichen gemeinsamen Artikel zu den Anfahrkosten konventioneller Kraftwerke im Journal Nature Energy

Harald Richter (Copyright)  Kühlturm Kühltürme Baustelle
Copyright: Harald Richter

Forscher des DIW Berlin und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) haben einen gemeinsamen Artikel zu den sogenannten Anfahrkosten konventioneller Kraftwerke im Journal Nature Energy veröffentlicht. Bevor Kohle-, Gas- oder Ölkraftwerke Strom erzeugen können, müssen sie auf eine gewisse Mindestleistung hochgefahren werden; dies verursacht brennstoff- und abnutzungsbedingte Kosten. Im Artikel wurde untersucht, wie sich diese Kosten im Zuge des Ausbaus erneuerbarer Energien in Deutschland bis zum Jahr 2030 verändern könnten.

Es zeigt sich, dass die Anfahrkosten aufgrund der zunehmend volatilen Stromerzeugung aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen zwar steigen, sie aber insgesamt auf einem relativ niedrigen Niveau bleiben. Verschiedene Einflussfaktoren können unterschieden werden: die Anfahrkosten steigen nicht nur wegen des Ausbaus erneuerbarer Energien, sondern beispielsweise auch aufgrund steigender Brennstoff- und CO2-Preise. Andere Faktoren haben eine gegenteilige Wirkung: „Zusätzliche Stromspeicher und eine flexible Stromerzeugung aus Biomasse senken die Anfahrkosten“, so Dr. Wolf-Peter Schill, Erstautor des Artikels. Co-Autoren sind die PIK-Forscher Dr. Michael Pahle und Christian Gambardella.

Methodisch kam ein quellenoffenes Strommarktmodell zum Einsatz. Der Modellcode und alle Inputdaten stehen unter einer freien Lizenz in einem öffentlichen Repositorium bereit. „Der konsequente Open-Source-Ansatz sorgt für eine große Transparenz unserer Analyse“, so Schill. Hervorgegangen ist der Artikel aus einem gemeinsamen Forschungsprojekt von PIK und DIW Berlin, das von der Stiftung Mercator und Agora Energiewende unterstützt wurde.

Abstract des Artikels:

The emerging literature on power markets with high shares of variable renewable energy sources suggests that the costs of more frequent start-ups of thermal power plants may become an increasing concern. Here we investigate how this develops in Germany, where the share of variable renewables is expected to grow from 14% in 2013 to 34% in 2030. We show that the overall number of start-ups grows by 81%, while respective costs increase by 119% in this period. Related to variable renewables’ production, start-up costs increase by a mere €0.70 per additional megawatt hour. While the expansion of variable renewables alone would increase start-up costs, more flexible biomass power plants and additional power storage have counteracting effects. Yet changes in reserve provision and fuel prices increase start-up costs again. The relevance of start-up costs may grow further under continued renewable expansion, but could be mitigated by increasing system flexibility.

DOI: http://dx.doi.org/10.1038/nenergy.2017.50.

Der Artikel ist über folgenden Link kostenlos zur Ansicht erhältlich: http://rdcu.be/qA5e

Ansprechpartner am DIW Berlin: Dr. Wolf-Peter Schill