Kommentar , Nachricht vom 05.07.2017

Wer im Glashaus sitzt ... : Kommentar von Dorothea Schäfer

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Copyright: Hans Eder

Zwei von der EZB beaufsichtigte italienische Banken, die Veneto Banca und die Banca Popolare di Vicenza, werden zerschlagen. Die „guten“ Teile gehen für einen symbolischen Euro an die Großbank Intesa Sanpaolo. Die Verlustbringer kommen in eine Bad Bank. Der Rettungsfonds der italienischen Banken Atlante hat nach dem Stresstest 2014 mehrere Milliarden Euro Eigenkapital in die beiden Banken eingeschossen. Mit der Abwicklung verliert der Fonds, wie die anderen Aktionäre auch, seine Anteile. Zusätzlich werden die Besitzer von nachrangigen Bankanleihen herangezogen. Zum vollständigen Bail-In fehlen die vorrangigen Anleihebesitzer und die Einleger mit mehr als 100.000 Euro auf den Konten. Von letzteren dürfte es allerdings ohnehin nicht allzu viele geben. Die meisten Privatanleger haben wohl ihre Gelder  längst über mehrere Banken gestreut, wenn sie denn in der glücklichen Position sind, mehr als die Summe zu besitzen, die pro Bank durch die Einlagensicherung abgesichert ist.

Beide Krisenbanken wurden 2014 als „bedeutend“ eingestuft und stehen seither unter EZB-Aufsicht. Trotzdem wird der Europäische Abwicklungsfonds nicht tätig. Stattdessen werden die Banken unter Anwendung nationaler Insolvenzregeln und unter massiver staatlicher Verlustübernahme abgewickelt. Das ist ein klarer Verstoß gegen den Geist der europäischen Bail-In-Regeln.

Der vollständige Kommentar von Dorothea Schäfer im Wochenbericht 27/2017  | PDF, 106.01 KB