Geringer Frauenanteil ist in Erstretterberufen besonders kostspielig: Interview

DIW Wochenbericht 18 / 2026, S. 268

Anna Bindler, Erich Wittenberg

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Frau Bindler, traditionell arbeiten in den sogenannten Erstretterberufen wie Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst weniger Frauen als Männer. Wie groß ist aktuell der Frauenanteil in diesen Berufen? Der Frauenanteil in diesen Berufen ist nicht besonders hoch. Zwar ist er grundsätzlich in den letzten Jahren gestiegen, allerdings immer noch nicht höher als ein Drittel, teilweise beträgt er sogar nur ein Fünfzigstel des Männeranteils.

In welchen dieser Berufe arbeiten besonders wenige Frauen? Bei den Berufen sehen wir deutliche Unterschiede. Wenn wir die letzten Zahlen nehmen, sehen wir beim Rettungsdienst einen Frauenanteil von 34 Prozent, bei der Bundespolizei beträgt er etwa 28 Prozent und bei der Landespolizei im Durchschnitt etwa 35 Prozent. Bei der Berufsfeuerwehr ist der Frauenanteil mit nur drei Prozent noch einmal deutlich geringer.

Warum arbeiten gerade bei der Feuerwehr so wenige Frauen? Dafür, dass der Anteil von Frauen in der Feuerwehr, aber auch in den anderen Ersthelferberufen so gering ist, gibt es vielfältige Gründe. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass institutionelle Hürden eine große Rolle spielen, genauso wie geschlechterstereotypische Zuschreibungen.

Welche institutionellen Hürden stehen Frauen in diesen Berufen im Wege? Bei den institutionellen Gründen können wir auf die Zulassungskriterien schauen. Da gibt es einerseits die körperlichen Eignungstests. Zum Beispiel werden die Sporttests bei der Feuerwehr meist noch nicht nach Geschlecht unterschieden. Dazu kommen Zulassungsvoraussetzungen im Sinne der beruflichen Qualifizierung. Gerade bei der Feuerwehr wird in vielen Fällen eine handwerkliche Ausbildung oder ein Abschluss im naturwissenschaftlichen Bereich vorausgesetzt. In diesen Bereichen haben wir jedoch sowieso schon einen geringeren Frauenanteil. Das könnte auch ein Grund sein, warum wir zum Beispiel einen höheren Frauen- oder Mädchenanteil in der Jugendfeuerwehr sehen. Da liegen wir bei knapp über 30 Prozent und bei der Freiwilligen Feuerwehr bei etwa elf Prozent, also deutlich höher als bei der Berufsfeuerwehr mit diesen Zugangsvoraussetzungen.

Welche gesellschaftliche Relevanz hat die Beteiligung von Frauen in Ersthelferberufen? Die Frage hat unserer Ansicht nach eine hohe Relevanz. Einerseits geht es um die Repräsentanz von Menschen, die wichtig ist für das Vertrauen in Institutionen. Andererseits geht es aber auch um einen dringenden Arbeitskräftemangel, gerade in diesen systemrelevanten Berufen. Und wenn wir jetzt auf diesen Mangel schauen, ist der geringe Frauenanteil, zum Beispiel in der Feuerwehr, natürlich besonders kostspielig. Das heißt, hier stellt sich die Frage, wie bekommen wir es hin, dass Frauen sich stärker für diesen Beruf interessieren und auch qualifizieren?

Was kann denn getan werden, um mehr Frauen als Ersthelferinnen zu gewinnen? Grundsätzlich ist das wie in anderen Berufen auch, das Berufsfeld muss für Frauen attraktiv sein. Zwei Dinge würden sich hier anbieten: Das eine ist der Abbau von Stereotypen, also den geschlechtsspezifischen Zuschreibungen zu diesen Berufen. Diese ließen sich durch Informationskampagnen und gezielte Initiativen, wie es sie auch schon gibt, abbauen. Zweitens, wie können wir eine Evaluierung dieser Maßnahmen mitdenken, um herauszufinden, was effektiv ist? Dazu kommen die institutionellen Hürden, über die wir gesprochen haben. Wie können wir diese überdenken? Vielleicht müssen wir über die Ausbildungsberufe nachdenken, die notwendig sind, um sich zu qualifizieren, immer natürlich auch im Hinblick auf das, was für diesen Beruf gebraucht wird.

Das Gespräch führte Erich Wittenberg.

O-Ton von Anna Bindler
Geringer Frauenanteil ist in Erstretterberufen besonders kostspielig - Interview mit Anna Bindler


DOI:
https://doi.org/10.18723/diw_wb:2026-18-2


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