Bauwirtschaft: Nach starkem Einbruch leichte Erholung in Sicht. DIW Berlin fordert Stützungsmaßnahmen

Pressemitteilung vom 31. Oktober 2001

Das Bauvolumen für Deutschland wird in diesem Jahr um etwa 6 % schrumpfen. Die gesamte reale Bauleistung wird nur noch 505 Mrd. DM betragen, wie das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 44/2001 errechnet hat. Seit dem vergangenen Jahr addiert sich der Nachfrageverlust in der Bauwirtschaft auf rund 45 Mrd. DM real. Allein in diesem Jahr könnten 150 000 Arbeitsplätze verloren gehen. Im kommenden Jahr erwartet das Institut eine leichte Belebung der Baubranche, allerdings nur in Westdeutschland. In Ostdeutschland ist weiterhin mit einem Minus zu rechnen.
Besonders der außerordentliche Nachfragerückgang im Eigenheimbau hat das Baugeschehen negativ beeinflusst. Hinzu kam im laufenden Jahr vor allem bei den Gemeinden eine starke Verringerung der öffentlichen Investitionstätigkeit infolge des Einnahmeausfalls durch die Steuerreform. Auch die gewerbliche Baunachfrage im Hoch- und Tiefbau hat sich unerwartet abgeschwächt. Am stärksten betroffen ist das Bauhauptgewerbe, für das in diesem Jahr mit einem Produktionsrückgang um 10 % zu rechnen ist. Das Ausbaugewerbe dürfte eine weniger ungünstige Entwicklung haben (-4 %), weil es nicht so stark vom Neubaubereich abhängt.
Seit einigen Monaten zeichnet sich eine Nachfragebelebung in wichtigen Bereichen ab. So rechnet das DIW Berlin für das Jahr 2002 in Westdeutschland mit einer Belebung des Wirtschaftsbaus; für diesen Bereich veranschlagt das Institut für das kommende Jahr einen Zuwachs von 1,5 bis 2 %, nach einem Rückgang von 3,5% in diesem Jahr. Das Bauvolumen insgesamt wird 2002 aber den Wert von real 510 Mrd. DM kaum überschreiten (+1 %).
Spürbare Beschäftigungseffekte verspricht sich das DIW Berlin z.B. von verbesserten Förderprogrammen bei Energiesparmaßnahmen. Besitzer von Eigenheimen und Eigentumswohnungen würden derzeit benachteiligt, repräsentieren aber mehr als 80 % des Gebäudebestands. Auch die Gemeinden als größte Investoren in die Infrastruktur sollten in ihrer Finanzkraft gestärkt werden, etwa durch eine höhere Beteiligung an der Umsatzsteuer (5 % statt bisher 2,2 %). Der für die Beschäftigung wichtigste Bereich ist jedoch der Wohnungsbau - hier würden vor allem Zinssenkungen der EZB eine Nachfragebelebung bewirken.