Mehr Fordern fördern? Einschätzungen von Jobcenter-Beschäftigten zu Kernelementen des Bürgergeldes

Weitere referierte Aufsätze

Sarah Bernhard, Fabian Beckmann, Christopher Osiander, Philipp Ramos Lobato, Jürgen Schupp

In: Sozialer Fortschritt (2026), im Ersch. [online first: 2026-07-31]

Abstract

Während die öffentliche Diskussion über das Bürgergeld seit der Einführung kontrovers verlaufen ist, wurde die Perspektive der Jobcenter-Beschäftigten bislang vernachlässigt – obwohl sie als „street-level bureaucrats“ zentral für die Umsetzung der Reform sind. Vor diesem Hintergrund beleuchtet der Beitrag auf Basis von Daten einer bundesweiten standardisierten Online-Erhebung unter Jobcenter-Beschäftigten, für wie sinnvoll die einzelnen Elemente der Bürgergeldreform erachtet wurden, wie sich die Bewertungen im Vergleich zum Vorjahr verändert haben und welche individuellen und organisationalen Merkmale mit den Beurteilungen korrelieren. Die Befunde offenbaren, dass eine Abschwächung von fordernden Elementen grundsätzlich, im Zeitverlauf zunehmend und insbesondere seitens der Leistungssachbearbeitung und operativen Ebene skeptisch beurteilt wird. Gleichzeitig deutet die Befürwortung und hohe Nutzungsintensität vorläufiger Zahlungseinstellungen auf Praktiken hin, mittels derer bürokratieintensive Leistungsminderungen umgangen werden können. Vor diesem Hintergrund diskutiert der Beitrag die sozialpolitischen Spannungsverhältnisse zwischen politischer Steuerung und Verwaltungspraxis im SGB II.

While public debate about the Bürgergeld has been controversial since its introduction, the perspective of Jobcenter employees has so far been neglected – even though, as “street-level bureaucrats”, they play a central role in implementing the reform. Against this backdrop, the article draws on a nationwide standardized online survey among job center employees to examine how the individual elements of the Bürgergeld are evaluated, how these assessments have changed compared to the previous year, and which individual and organizational characteristics correlate with these evaluations. The findings reveal that a weakening of demanding elements is viewed with skepticism – be it with respect to the general evaluation both in general and over time. This especially applies to benefits caseworkers and operational staff. At the same time, the approval and intensive use of provisional payment suspensions point to practices through which bureaucratically burdensome benefit reductions can be circumvented. In light of this, the article discusses the tensions between political steering and administrative practices in the SGB II.



JEL-Classification: E24;H53;H55;H83
DOI:
https://doi.org/10.3790/sfo.2026.1485001

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