Der „Masterplan Entbürokratisierung“, den die Bundesregierung begonnen hat umzusetzen, betrifft auch den Bereich der amtlichen Statistik. Dazu haben die statistischen Ämter inzwischen einen „Masterplan zur Reform der amtlichen Statistik“ beschlossen. Der aktuelle Wochenbericht 24/2003 des DIW Berlin betont aber, dass es nicht reicht, innerhalb der amtlichen Statistik einzelne Statistiken punktuell zu streichen, vielmehr muss das gesamte System der statistischen Infrastruktur besser aufeinander abgestimmt werden. Da weit über die Hälfte der amtlichen Statistiken in Deutschland mittlerweile – insbesondere im Bereich der Wirtschafts- und Arbeitsmarktstatistiken – auf verbindliche Vorgaben der Europäischen Union zurückgehen, müssen die Weichen in Richtung einer Verminderung der Belastung durch Erhebungen bereits auf europäischer Ebene gestellt werden. Deutschland sollte dabei eine aktive Rolle übernehmen.
Eine rationale Koordinierung und damit auch Flexibilisierung des gesamten statistischen Programms ist nur möglich, wenn der Bereich der amtlichen Statistik erheblich breiter als gegenwärtig gefasst wird. Die Koordinierung muss nicht nur die statistischen Ämter, sondern auch die anderen Behörden und Forschungseinrichtungen sowie die Ministerialverwaltungen gleichermaßen einschließen. Der Statistische Beirat sollte künftig nicht nur für die Bundesstatistik im engeren Sinne, sondern für diese breiter definierte amtliche Statistik zuständig sein. Dabei gilt es, vor allem Vorschläge für die mittel- und langfristige Programmplanung zu machen und die Bundesregierung und den Gesetzgeber zu beraten.
Die Durchführung von amtlichen Erhebungen sollte künftig nicht mehr vom Gesetzgeber im Detail geregelt werden. Das verbessert sowohl die Effektivität als auch die Effizienz der Erhebungen.
Für gesellschaftlich interessante Fragestellungen kommen aber auch nichtamtliche statistische Erhebungen in Frage. Sie liefern vielfach aufgrund ihrer in der Sache liegenden Flexibilität für punktuelle Fragestellungen wichtigere Ergebnisse als amtliche Daten und sollten ebenfalls in die Koordinierung einbezogen werden. Insbesondere für die – auf Dauer angelegten – wissenschaftlichen Langzeit- bzw. Panelerhebungen, z.B. die Allgemeine Bevölkerungsumfrage (ALLBUS) oder das Sozio-oekonomische Panel (SOEP), erscheint eine kontinuierliche Koordinierung erwünscht. Aufgrund der Wissenschaftsnähe, d.h. des innovativen und oft „experimentellen“ Charakters wissenschaftsgetragener statistischer Erhebungen, wäre ein eigenständiges Beratungsgremium, der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD), das voll in die Wissenschaft eingebunden ist und den Statistischen Beirat ergänzt, adäquat.