DIW Wochenbericht 35 / 2026, S. 528
Blanka Imre, Erich Wittenberg
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Frau Imre, die Schulschließungen während der Corona-Pandemie waren für viele berufstätige Eltern eine große Herausforderung. Wo lagen die größten Probleme? Ich denke, die Herausforderung, vor der berufstätige Eltern standen, war dreifach. Erstens mussten sie während des regulären Arbeitstages plötzlich viel mehr Kinderbetreuung leisten, als sie es normalerweise tun würden. Das ist eine Aufgabe, die normalerweise zu einem großen Teil die Schule übernimmt. Zum anderen mussten sie oft in die Rolle von Erzieher*innen schlüpfen, wofür viele Eltern natürlich nicht ausgebildet sind. Und drittens geschah das alles sehr plötzlich. Es gab keine Möglichkeit, im Voraus zu planen, weder für den Staat noch für die Eltern noch für die Lehrer. Plötzlich mussten die Schulen geschlossen und Anpassungen gefunden werden.
Inwieweit haben die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen der Bundesregierung die Belastungen für Eltern während Corona abgemildert? Ich denke, die beiden wichtigsten Faktoren waren der Ausbau der Kurzarbeiterregelungen in Deutschland und die Tatsache, dass die meisten deutschen Bundesländer versucht haben, die Schulen zumindest teilweise offen zu halten. Die Kurzarbeit war definitiv eine Maßnahme, die den Arbeitsmarkt gegen die negativen Auswirkungen der Covid-Pandemie abgepuffert hat. Der andere wichtige Faktor war, dass komplette Schulschließungen in Deutschland äußerst selten waren. Es gab sichtbare Bemühungen, die Schulen so weit wie möglich offen zu halten, um – wann immer möglich – weiterhin Unterricht anzubieten.
Wie wirkten sich die Schulschließungen auf die Arbeitszeit von Müttern und wie auf die von Vätern aus? In der Studie stellen wir fest, dass Mütter ihr Erwerbstätigkeit als Reaktion auf Schulschließungen in dem jeweiligen Zeitraum reduzierten, wenn die Schulschließungen auf regionaler Ebene zunahmen. Väter schienen dies durch mehr Arbeit auszugleichen. Unsere Ergebnisse stimmen also mit der Fachliteratur überein: In solchen Situationen übernehmen Mütter tendenziell mehr Betreuungsaufgaben und reagieren stärker in Bezug auf ihre Erwerbstätigkeit. Hingegen kommt bei verheirateten Paaren offenbar eine Art „Ehegattenversicherung“ oder Ausgleich zwischen den Ehepartnern zum Tragen, bei dem die Väter möglicherweise mehr arbeiten. Dies kann potenzielle Einkommensverluste des Haushalts ausgleichen.
Welche Mütter haben ihre Beschäftigung besonders stark angepasst? Wir haben festgestellt, dass der Effekt am stärksten bei Müttern von Kindern im Grundschulalter zu beobachten war. Kinder in diesem Alter sind die Jüngsten in ihrer Gruppe und benötigen die meiste Fürsorge sowie die größte Unterstützung bei der Bildung, wenn die Lehrer diese nicht vollständig gewährleisten können. Das ist also etwas, das ziemlich intuitiv ist und durchaus zu erwarten war.
Welche familienpolitische Bedeutung haben die Ergebnisse Ihrer Studie? Ich denke, als einer der wichtigsten Punkte ist hervorzuheben, wie anfällig berufstätige Mütter nach wie vor für mögliche Störungen des Schulsystems sind. Das deckt sich sehr gut mit den Forschungsergebnissen zur sogenannten „Child Penalty“, was bedeutet, dass Mütter höhere Einkommens- oder Beschäftigungseinbußen hinnehmen müssen als Väter. Um geschlechtsspezifische Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt zu verringern, könnte man die Kinderbetreuung für berufstätige Mütter ausweiten. Eine weitere politische Maßnahme wäre, die Arbeit im Homeoffice und flexible Arbeitszeiten auszuweiten, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter zu fördern.
Das Gespräch führte Erich Wittenberg.
Themen: Gesundheit, Gender, Familie, Bildung, Arbeit und Beschäftigung
JEL-Classification: I18
DOI:
https://doi.org/10.18723/diw_wb:2026-35-2
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