Schulbesuch und Ausbildung junger Ausländer:
Kaum noch Fortschritte

DIW Berlin: Talente werden vergeudet

Pressemitteilung vom 7. März 2001

Die Bildungsbeteiligung der in Deutschland lebenden jungen Ausländer im Alter von 15 bis unter 20 Jahren lag 1999 bei 65%. Zum Vergleich: 92% der gleichaltrigen Deutschen besuchten eine Schule oder Hochschule bzw. nahmen an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme teil. Bei den Ausländern ist der Anteil der Frauen geringer als der der Männer, besonders bei der Berufsausbildung sind die ausländischen Frauen unterrepräsentiert.
Das DIW Berlin spricht in seinem aktuellen Wochenbericht von einem verlorenen Jahrzehnt für die Entwicklung der Bildungsbeteiligung in Deutschland. Die Zunahme hierbei war auch bei der deutschen Bevölkerung gering, während sie in anderen europäischen und außereuropäischen Ländern deutlich stieg. Das DIW Berlin nennt als einen Grund die Ersatzmaßnahmen der beruflichen Ausbildung, deren Qualität angezweifelt wird. Auch zeichnet sich Deutschland durch eine hohe Zahl von Schul- und Berufsschulabbrechern aus.

In der Altersgruppe von 20 bis unter 25 Jahren nehmen nur noch 14% der Ausländer am deutschen Bildungssystem teil, bei den Deutschen sind es 39%. Bei den 25- bis unter 30-jährigen Ausländern lag die Bildungsbeteiligung 1999 sogar nur bei 3% gegenüber 14% bei den gleichaltrigen Deutschen. Lediglich bei den Abendhaupt- sowie Abendrealschulen und den Abendgymnasien sowie Kollegs war die Beteiligung der Ausländer geringfügig höher als die der Deutschen.

Das DIW Berlin fordert, benachteiligte ausländische, aber auch deutsche Kinder und Jugendliche besser in die Bildungs- und Ausbildungsinstitutionen einzugliedern, wenn die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft erhalten bleiben und das Sozialsystem entlastet werden soll. So sinken trotz besserer Schulabschlüsse der Ausländer ihre Chancen, eine Lehrstelle zu erhalten. In den zukunftsträchtigen Informations- und Kommunikationsberufen liegt der Ausländeranteil bei der Berufsausbildung erheblich unter dem Durchschnitt.