Unterricht und Ausbildung in Deutschland:
Situation weiterhin unbefriedigend
DIW Berlin fordert mehr Neueinstellungen junger Lehrkräfte

Pressemitteilung vom 4. Juli 2001

Die Unterrichts- und Ausbildungssituation an den allgemein bildenden und beruflichen Schulen in Deutschland ist seit mehreren Jahren angespannt, vor allem fehlen Lehrkräfte. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 27/2001. Besonders bei den Grund- und Berufsschulen, aber auch in den Eingangsklassen der Real- und Gesamtschulen sowie den Gymnasien, wurde die Personaldecke knapp. Bei den Grundschulen rangiert Deutschland im internationalen Vergleich im unteren Bereich, hier kommen 23 Schüler auf einen Lehrer; als optimal gilt eine Klassengröße von 15 Schülern. Bei den anderen allgemein bildenden Schulen bewegen sich die Relationen im OECD-Vergleich nur im Mittelfeld. An den Berufsschulen musste sich sogar jeder zehnte Schüler mit acht Stunden Unterricht pro Woche begnügen - statt der empfohlenen zwölf Stunden.
Die Schülerzahl wird in Deutschland von 12,7 Mill. im Jahr 2000 auf knapp 10,6 Mill. im Jahr 2015 sinken und dann bis 2020 wieder leicht auf 10,9 Mill. steigen. Dementsprechend wird auch der Lehrerbedarf im Jahr 2020 mit dann nur noch 616 000 Lehrern geringer ausfallen. Der Minderbedarf wird in Ost-deutschland (-28 %) wesentlich größer sein als in Westdeutschland (-11 %), das liegt an der derzeit besseren Schüler-Lehrer-Relation in den neuen Bundesländern. Das DIW Berlin hat darüber hinaus berechnet, wie viele Lehrer benötigt werden, wenn man die Ausstattung der Schulen mit Lehrern verbessert. Dann würde der Minderbedarf in Westdeutschland im Jahr 2020 an allgemein bildenden Schulen mit -5 % gegenüber -11 % erheblich geringer ausfallen. An den beruflichen Schulen steigt der Bedarf sogar um 10 %. Der Einstellungsbedarf an Lehrern lag im Schuljahr 1999/2000 in Westdeutschland bei rund 25 400 Vollzeitkräfte, in Ostdeutschland gab es einen Überhang von 4 900 Lehrern. Auch hier kommt das DIW Berlin bei der Variante der besseren Personalausstattung auf einen zusätzlichen Bedarf von insgesamt 52 800 Lehrern. Das Berliner Institut schlägt vor, diese Einstellungen auf sechs Jahre zu verteilen und jährlich 8 700 junge Lehrkräfte einzustellen. Dies ist umso wichtiger, da bereits heute infolge der angespann-ten Personallage viel Unterricht ausfällt und 9 % aller Schulabgänger keinen Hauptschulabschluss und 19 % keinen Berufsschulabschluss haben