Sonntagsarbeit in Deutschland:
Ausweitung durch Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft

Pressemitteilung vom 4. Juli 2001

Im vergangenen Jahr arbeiteten 8,5 Mill. Beschäftigte in Deutschland sonntags, das sind knapp ein Viertel aller Erwerbstätigen und 5,3 % mehr als noch vor vier Jahren. Am stärksten nahm die Sonntagsarbeit bei den öffentlichen und privaten Dienstleistungen zu (+ 8,1 %). Doch nur die wenigsten sonntags Beschäftigten müssen regelmäßig an diesem Tag arbeiten, die meisten nur gelegentlich. Gefragt nach ihrer allgemeinen Lebenszufriedenheit sind diese Beschäftigten weniger oft unzufrieden als diejenigen, die nie am Sonntag arbeiten. Zu diesen Ergebnissen kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 27/2001. Da die sonntags Tätigen jedoch Einschränkungen bei ihren familiären Aktivitäten hinnehmen müssen, sollte die Sonntagsarbeit nicht überhand nehmen.
Krankenschwestern und -pfleger waren 1997 die größte Berufsgruppe der sonntags Arbeitenden, gefolgt von den Beschäftigten mit hoheitlichen Aufgaben (Polizei, Grenzschutz, Soldaten) und Landwirten. Hier müssen bis zu knapp 90 % der Beschäftigten zumindest gelegentlich sonntags arbeiten. Bei den Verkäuferinnen und Verkäufern sind es - trotz Anstiegs der verkaufs-offenenen Sonntage - nur 10 %. Im Branchenvergleich legte vor allem der Dienstleistungssektor zu. In diesem überproportional expandierenden Bereich, zu dem auch das Kredit- und Versicherungsgewerbe und unternehmensnahe Dienstleistungen (z.B. Call-Center) gehören, arbeitete jeder dritte Beschäftigte zumindest gelegentlich auch am Sonntag. Bei den Regionen verzeichneten Bremen und Mecklenburg-Vorpommern den höchsten Zuwachs von Sonntagsarbeit. Bremen hat die Ansiedlung von Call-Centern gefördert, Mecklenburg-Vorpommern hat beim Fremdenverkehr zugelegt. Im europäischen Vergleich hinkt Deutschland mit seiner Sonntagsarbeitsquote von 23 % jedoch noch hinterher. Der EU-Durchschnitt liegt bei 30 %.
Neue Arbeitsplätze entstehen da, wo auch sonntags zunehmend kulturelle und personenbezogene Dienstleistungen in Anspruch genommen werden. Die weitere Expansion der Sonntagsarbeit sollte laut DIW Berlin deshalb nicht verhindert werden. Vielmehr muss die Arbeitssituation der Betroffenen verbessert werden. Sonntagsarbeit muss angemessener entlohnt werden und darf nur freiwillig ausgeübt werden, so die Forderung des Berliner Instituts