Überstunden und Weiterbildung in Deutschland.
DIW Berlin: Beschäftigungspotential von Job-Rotations-Modellen derzeit gering

Pressemitteilung vom 1. August 2001

Das DIW Berlin stellt in seinem aktuellen Wochenbericht 31/2001 fest, dass Überstunden in Deutschland vor allem von höher qualifizierten Arbeitnehmern geleistet werden. Insgesamt werden immer mehr Überstunden auf Arbeitszeitkonten angesammelt und durch Freizeitausgleich abgegolten - eine wichtige Voraussetzung für die investive Arbeitszeitpolitik, also der Nutzung von Überstunden für Weiterbildungsmaßnahmen. Diese kann durch das Job-Rotations-Modell ergänzt werden: Die Arbeitsplätze sollen in der Zwischenzeit mit Arbeitslosen besetzt werden, die dadurch auf dem ersten Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen können. Das DIW Berlin hält dieses Beschäftigungspotential derzeit aber für gering, da sich vor allem qualifizierte Arbeitnehmer weiterbilden und die Länge der Weiterbildungsmaßnahmen in den allermeisten Fällen zu kurz ist.
Im Jahr 2000 wurden in Deutschland weit über 40 % aller Überstunden über mehr Freizeit ausgeglichen. Die Überstunden werden überwiegend von qualifizierten Arbeitnehmern geleistet. Im Jahr 2000 waren es mehr als 50 % der qualifizierten Arbeiter und etwa 70 % der qualifizierten Angestellten. Die qualifizierten Arbeitnehmer waren es auch, die zwischen 1997 und 2000 zu einem Drittel an Weiterbildungs-maßnahmen teilnahmen, während es bei den gering qualifizierten Arbeitnehmern nur jeder Zehnte war. Das DIW Berlin weist den engen Zusammenhang zwischen geleisteten Überstunden und nachfolgender Weiterbildungsteilnahme nach. 28 % der Arbeitnehmer mit Überstunden gehen damit in Vorleistung, um anschließend an einer Weiterbildung teilzunehmen. Der Teilnehmeranteil der Arbeitnehmer ohne Überstunden ist dagegen etwa nur nur halb so groß.
75 % der Weiterbildungsmaßnahmen sind derzeit kürzer als 7,5 Tage - zu wenig Spielraum für die Einstellung von Arbeitslosen. Eine erfolgversprechende Politik muss daher niedrig qualifizierten Arbeitnehmern verstärkt Zugang zu längerfristigen Weiterbildungsmaßnahmen ermöglichen. Dies könnte dem sinnvollen Arbeitsmarktinstrument der Job-Rotation zu nachhaltigem Erfolg verhelfen.