Zur Bedeutung Deutschlands im Tourismus: DIW Berlin: Datenbasis muss verbessert werden

Pressemitteilung vom 15. August 2001

Das DIW Berlin stellt in seinem aktuellen Wochenbericht 33/2001 fest, dass die Einnahmen Deutschlands im internationalen Reiseverkehr in den vergangenen Jahren zwar kräftig gestiegen sind. Deutschland steht damit auf Platz 6 der zehn einnahmenstärksten Länder.
Allerdings spielen diese Einnahmen mit ihrem dadurch induzierten Anteil am BIP noch immer - wie in den USA - eine vergleichsweise geringe Rolle. Umgekehrt kommt Deutschland für viele Tourismusländer eine dominierende Rolle zu. Deutsche gaben für Reisen ins Ausland 1999 über 48 Mrd. US-Dollar aus und und lagen damit absolut gesehen auf Platz zwei der internationalen Rangliste - hinter den USA. Gemessen am nominalen BIP ist Deutschland indes kein ausgeprägt auslandsreisefreudiges Land.
Zwei Drittel aller Reiseausgaben von Deutschen im Ausland gingen in Länder mit den absolut höchsten Tourismuseinnahmen. Beispielsweise stammt in Österreich knapp die Hälfte der Einnahmen aus dem internationalen Reiseverkehr von Gästen aus Deutschland, in Spanien und Italien waren es jeweils ein Viertel und in Griechenland immer noch ein Fünftel. Diese Länder sind in erheblichem Maße vom touristischen Nachfrageverhalten der Deutschen abhängig. Verlagerungen in der Nachfrage können die wirtschaftliche Entwicklung in diesen Ländern empfindlich treffen.
Das DIW Berlin beklagt, dass für eine vergleichende internationale Analyse zur Bedeutung des Tourismus noch immer die geeigneten Daten fehlen, sowohl in sachlicher als auch in zeitlicher Hinsicht. Insbesondere in Deutschland hat sich die Datenbasis nach 1995 eher noch verschlechtert. Das DIW Berlin hält es daher für dringend erforderlich, dass die nationalen statistischen Ämter wenigstens die Reiseausgaben nach Reisetyp und Ausgabearten jährlich ausweisen. Für Analysen bedarf es eines einheitlichen Ansatzes, wie er mit dem vom DIW Berlin für Deutschland entwickelten integrierten Satellitenkonto (Tourism Satellite Account - TSA) vorliegt. Erst ein solches input-output-gestütztes Konto, das mit der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung abgestimmt ist, erlaubt die Erfassung aller mit der touristischen Nachfrage verbundenen Einkommen.