Rohölpreise beruhigt, aber Unsicherheit bleibt. DIW Berlin erwartet Preise im OPEC-Zielkorridor

Pressemitteilung vom 26. September 2001

Die Preise für Rohöl dürften bald wieder innerhalb des Zielkorridors der OPEC von 22 bis 28 Dollar je Barrel liegen, vermutlich eher am oberen Rand. In seinem aktuellen Wochenbericht 39/2001 weist das DIW Berlin darauf hin, dass ein solches Preisniveau allerdings bei der derzeit fragilen Lage der Weltwirtschaft bereits zu hoch sein könnte. Es sei deshalb auch im Interesse der OPEC, darauf hinzuwirken oder zuzulassen, dass die Rohölpreise am unteren Ende des Zielkorridors bleiben.
Seit Mitte vergangenen Jahres hat sich das Wachstum des Weltölverbrauchs deutlich verlangsamt. In den ersten beiden Quartalen dieses Jahres wurde mehr produziert als verbraucht. Die OPEC hat auf den sinkenden Verbrauch mit einer Reduktion ihrer Ölgewinnung in drei Schritten um insgesamt 3,5 Millionen Barrel pro Tag reagiert. Es ist ihr gelungen, den einsetzenden Preisverfall jeweils abzuwenden. Nach den Terroranschlägen in den USA sind die Rohölpreise auf über 30 Dollar je Barrel gestiegen. Die OPEC hat diese Anschläge sofort verurteilt und erklärt, dass sie für ein ausreichendes Ölangebot sorgen werde. Das hat zwar zu einer Beruhigung der Märkte beigetragen. Die politischen Folgen der Anschläge könnten aber die Sicherheit der Ölversorgung beeinträchtigen. Unternehmen, Haushalte und Regierungen werden möglicherweise ihre Bestände auch bei hohen Preisen aufstocken. Die saisonal ohnehin bald anziehende Nachfrage nach Rohöl würde dadurch im dritten und vierten Quartal 2001 zusätzliche Impulse erhalten.
Die OPEC verfügt derzeit - ohne Irak - über Reservekapazitäten von über 4 Millionen Barrel pro Tag. Der größte Teil entfällt auf Saudi-Arabien, das seine Produktionskapazitäten zu deutlich weniger als 80 % nutzt. In der aktuellen politischen Krisensituation sind solche Reservekapazitäten ein wertvolles Sicherheitspolster für den Fall, dass die Ölexporte einzelner Ölförderländer eingestellt werden. Hinzu kommen die staatlich kontrollierten Sicherheitsbestände in den OECD-Ländern von derzeit insgesamt 1,2 Mrd. Barrel. Die Reserven reichen aus, um alle denkbaren Lieferausfälle kurzfristig auszugleichen.