Erfolgreiche Beschäftigungspolitik in Frankreich: Sinkende Arbeitslosigkeit, mehr Beschäftigung

Pressemitteilung vom 3. Oktober 2001

Seit Mitte der neunziger Jahre konnte die Arbeitslosigkeit in Frankreich von 12,5 % auf 8,5 % gesenkt werden. Gleichzeitig stieg die Beschäftigung um 7,5 %. Damit ist die französische Beschäftigungspolitik erfolgreicher als die deutsche. In seinem aktuellen Wochenbericht 40/2001 hebt das DIW Berlin die besondere Kombination verschiedener Wirtschaftspolitiken in Frankreich hervor: eine antizyklische Finanzpolitik, eine Lohnpolitik, die den Verteilungsspielraum stärker als in Deutschland ausschöpft, eine Vestärkung der Anreize zur Arbeitsaufnahme und Arbeitszeitverkürzungen ließen die Wirtschaft in Frankreich zwischen 1997 und 2000 jährlich um gut 3 % wachsen.
Seit 1997 hat sich die französische Wirtschaftspolitik grundlegend gewandelt. Ziel ist seitdem die Stärkung der binnenwirtschaftlichen Nachfrage. Im Bereich der öffentlichen Finanzen steht ein mehrjähriges Programm zur Steuersenkung im Mittelpunkt. Besonders die privaten Haushalte werden entlastet, in diesem Jahr sind es rund 50 Mrd. FF, im kommenden Jahr weitere 40 Mrd. FF. Das DIW Berlin weist in diesem Zusammenhang auf einen möglichen Konflikt mit der Konsolidierung der öffentlichen Haushalte im Rahmen der EU-Stabilitätsprogramme hin.
Die Lohnpolitik ist in Frankreich nicht auf eine Senkung der Lohnstückkosten ausgerichtet. So stiegen die nominalen Stundenlöhne dort seit 1997 um rund 4 % stärker als in Deutschland. Gleichzeitig wurde durch Einführung der 35-Stunden-Woche die Arbeitszeit reduziert. Bereits ein Viertel aller Beschäftigten arbeiteten Anfang diesen Jahres nur noch 35 Stunden pro Woche bei unverändertem Lohn. Die Kosten für die Unternehmen kompensiert der Staat durch eine Absenkung der Sozialausgaben.
Wichtigste aktuelle Maßnahme der Wirtschaftspolitik ist die Einführung einer Beschäftigungsprämie, die den Anreiz zur Arbeitsaufnahme erhöhen soll. Sie beträgt derzeit 2,2 % des steuerpflichtigen Lohnes (Erhöhung bis 2003 auf 6,6 %) und erhöht das verfügbare Einkommen der Geringverdiener. Insgesamt sollen noch in diesem Jahr Prämien in Höhe von 1,2 Mrd. Euro an etwa 15 Millionen Personen ausgezahlt werden.