CO2-Emissionen: Trendwende nicht in Sicht

Pressemitteilung vom 7. November 2001

Die Entwicklung der weltweiten CO2-Emissionen steht in krassem Gegensatz zu den Erfordernissen des Klimaschutzes. Fast kein Land befindet sich auf dem in Kyoto vorgezeichneten Reduktionspfad. Im vergangenen Jahr dürften die CO2-Emissionen weltweit um 8 % höher gewesen sein als 1990. Als Gründe für diese Zunahme nennt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 45/2001 den Bevölkerungsanstieg und das global wachsende Bruttoinlandsprodukt je Einwohner, die für sich genommen zu einer Erhöhung der CO2-Emissionen seit 1990 um rund 15 % bzw. 11 % führten. Gebremst wurde die Entwicklung durch die gestiegene Energieproduktivität und die Zunahme emissionsfreier bzw. -ärmerer Energieträger; seit 1990 konnten die CO2-Emissionen hierdurch um 14 % bzw. 4 % gesenkt werden.
In den OECD-Ländern, die der Klimarahmenkonvention beitraten, haben sich die CO2-Emissionen seit 1990 um 11 % erhöht. In den Ländern, die nicht beitraten, stiegen sie um ein Drittel. In der EU-15 konnten die CO2-Emissionen in den vergangenen zehn Jahren leicht gesenkt werden. Ohne die Sondereinflüsse in Deutschland (einigungsbedingte strukturelle Veränderungen) und in Großbritannien (Niedergang der Kohleindustrie) fielen die CO2-Emissionen in der übrigen EU in diesem Zeitraum um etwa 11 % höher aus. Besonders starke Zielverfehlungen attestiert das DIW Berlin den Niederlanden, Italien, Belgien, Österreich und Dänemark. Das Land mit den höchsten Emissionen sind die USA. Ihr Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen betrug im Jahre 2000 reichlich ein Viertel; an der weltweiten Emissionszunahme seit 1990 von etwa 1,7 Mrd. Tonnen CO2 sind sie sogar zur Hälfte beteiligt.
Deutschland senkte seine CO2-Emissionen seit 1990 um fast 16 % und leistete damit innerhalb der EU den größten Beitrag zum Klimaschutz. Dieser Rückgang hat sich in den vergangenen Jahren allerdings spürbar abgeschwächt. Die CO2-Emissionen sind 2000 gegenüber 1999 temperaturbereinigt sogar leicht gestiegen. Den größten Rückgang gab es im Vergleich zu 1990 im Energiesektor (18 %), der nach wie vor der größte Emittent ist. Die privaten Haushalte emittierten 12 % weniger, und am stärktsten nahm der Verkehrssektor mit 13 % zu. Als nicht allzu hoch bezeichnet das DIW Berlin die Chancen der Bundesregierung, das für das Jahr 2005 angestrebte Ziel einer 25%-Reduktion der CO2-Emissionen gegenüber 1990 zu erreichen. Dazu müssten weitere 100 Mill. Tonnen CO2 eingespart werden.