Industrieproduktion in Deutschland 2001/2002: Im Sog der schwachen Weltkonjunktur

Pressemitteilung vom 5. Dezember 2001

Die Abschwächung des Produktionswachstums in der Industrie in diesem Frühjahr ist in einen Abschwung übergegangen. Das DIW Berlin stellt in seinem aktuellen Wochenbericht 49/2001 fest, dass nur wegen eines statistischen Überhangs die Industrieproduktion in diesem Jahr den Vorjahreswert um 1 % übertreffen dürfte. Im kommenden Jahr wird die Industrie keinen Wachstumsbeitrag leisten können, selbst wenn, wie im Herbstgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute unterstellt, die Industrieproduktion bereits im zweiten Quartal 2002 wieder anzieht. Im Jahresdurchschnitt 2002 rechnet das Berliner Institut allerdings mit einer Produktionsabnahme um 0,3 %.
Der Abschwung ist Folge der starken Konjunkturabschwächung in den drei großen Wirtschaftsräumen USA, Japan und Westeuropa und hat durch die Terroranschläge vom 11. September noch einen zusätzlichen negativen Schub erhalten. Die deutsche Industrie hängt zu 40 % von der Auslandsnachfrage ab. Auch die dämpfende Wirkung der restriktiven Geldpolitik vom vergangenen Jahr führte dazu, dass auch die Nachfrage aus dem Inland im zweiten Quartal 2001 einbrach.
Die Produktion von Vorleistungsgütern übertraf in den ersten drei Quartalen dieses Jahres das Vorjahresniveau noch um 0,8 %. Dagegen waren die Auftragseingänge in diesem Zeitraum schon deutlich im Minus (Ausland
-4,3 %, Inland -2,9 %). Von einem kräftigen Nachfragerückgang besonders aus den USA ist die deutsche Investitionsgüterindustrie betroffen. Hingegen zeigte sich die Produktion von Kraftwagen relativ robust (+5 % im Jahresdurchschnitt 2001). Die Auslandsnachfrage ist zwar leicht rückläufig, die Inlandsnachfrage aber derzeit stabil. Aufgrund der Verunsicherung der Unternehmen und privaten Haushalte rechnet das DIW Berlin allerdings nicht damit, dass dieses Niveau gehalten werden kann. Die Gebrauchsgüterproduzenten profitierten im ersten Halbjahr 2001 von der infolge der Steuerreform günstigen Verbrauchskonjunktur im Inland. Derzeit sind die Auftragseingänge aber rückläufig, somit dürfte auch die Produktion zum Ende dieses Jahres sinken und erst im nächsten Jahr mit der Erholung der Konjunktur wieder anziehen. Die Verbrauchsgüterproduktion - in erster Linie das Ernährungsgewerbe - wird aufgrund der BSE- und MKS-Krise in diesem Jahr nur um 0,5 % zunehmen. Im kommenden Jahr ist mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 1,5 % zu rechnen.