Eindämmung der Schattenwirtschaft möglich. DIW Berlin zeigt am Beispiel Ukraine Handlungsmöglichkeiten der Wirtschaftspolitik

Pressemitteilung vom 19. Dezember 2001

Die Belastung der Unternehmen mit bürokratischen Hemmnissen und die Komplexität des Steuersystems sind die Hauptgründe für die Entstehung einer Schattenwirtschaft. Daneben spielt die Belastung der Wirtschaftssubjekte mit Steuern und Abgaben eine entscheidende Rolle. Zu diesen Ergebnissen kommt das DIW Berlin in einer Untersuchung der Schattenwirtschaft in der Ukraine, die im aktuellen Wochenbericht 51/2001 - 52/2001 vorgestellt wird. Das Institut betont, dass die Ergebnisse nicht nur von Transformationsländern, sondern auch von Industrienationen berücksichtigt werden sollten. Da alle für die Schattenwirtschaft verantwortlichen Faktoren weitgehend von der Wirtschaftspolitik bestimmt werden, hält diese den Schlüssel zur Verringerung derselben in der Hand.
Die Schattenwirtschaft spielt gerade in den Transformationsländern eine bedeutende Rolle: Schätzungen für die Ukraine reichen von 30 % bis über 100 % des offiziell ausgewiesenen Bruttoinlandsprodukts. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre versuchte die Ukraine dem Problem wirtschaftspolitisch zu begegnen. Unter anderem wurde eine sehr moderate Pauschalsteuer für kleine Unternehmen eingeführt, welche die Einkommenssteuer optional ersetzte. Das DIW Berlin argumentiert, dass diese Pauschalsteuer den gewünschten Erfolg hat und ihre dämpfende Wirkung auf die Schattenwirtschaft zunimmt. Teilweise kommen kleine Firmen damit erst aus der Schattenwirtschaft heraus in die Legalität.
Das DIW Berlin zeigt darüber hinaus, dass zwischen indirekten Steuern und Schattenwirtschaft kein Zusammenhang besteht. Die politisch oft geforderte Senkung des relativ hohen ukrainischen Umsatzsteuersatzes von 20 % erscheint deshalb nicht erforderlich, jedenfalls nicht, um die Schattenwirtschaft zu reduzieren. Im Gegenteil, mit dieser Umsatzsteuer könnte sogar ein Teil des in der Schattenwirtschaft erzielten Einkommens besteuert werden, weil dieses Einkommen vermutlich zum Teil auf offiziellen Märkten ausgegeben wird und dann Umsatzsteuer bezahlt wird.