Jedes fünfte deutsche Kind lebt in Armut
DIW Berlin fordert bessere staatliche Förderung der Kinderbetreuung

Pressemitteilung vom 30. Januar 2002

In Deutschland ist jedes fünfte Kind arm, in Großbritannien sogar jedes dritte. Das ist das Ergebnis einer Studie vom DIW Berlin und dem Institute for Social and Economic Research der Universität Essex über die Einkommensarmut von Kindern in den 90er Jahren in Deutschland und Großbritannien. Besonders Alleinerziehende und deren Kinder haben ein extrem hohes Armutsrisiko. In Großbritannien leben 15 % aller Kinder bei Alleinerziehenden, in Westdeutschland sind es etwa 9 %. Aber auch innerhalb dieser besonders gefährdeten Gruppe ist die Armutsquote in Großbritannien höher als hierzulande. Die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ist in beiden Ländern das beste Mittel, um der Armut zu entkommen. Staatliche Arbeitsmarktprogramme und eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung stützen die Integration der Mütter ins Erwerbsleben und sind somit die wichtigsten Elemente zur Bekämpfung der Armut von Kindern.
Siehe Wochenbericht 5/2002.
Im internationalen Vergleich gelten Personen als einkommensarm, deren bedarfsgewichtetes Einkommen unter 60 % des durchschnittlichen Netto-Einkommens der Bevölkerung liegt. Gemessen am westdeutschen Einkommensniveau war in Ostdeutschland nach der Wende die Einkommensarmut der Gesamtbevölkerung mit über 40 % enorm hoch. Kinder waren damals aber nicht überdurchschnittlich betroffen. Inzwischen haben sich die Armutquoten angeglichen. Nur noch etwa 14 % der Ost- und Westdeutschen gelten als arm, bei den Kindern sind es aber noch 19 %.
Als Gründe für Kinderarmut nennt das DIW Berlin zum einen die Tatsache, dass Kinder bei nur einem Elternteil aufwachsen, und zum anderen die Erwerbslosigkeit der Eltern. Eine Kombination beider Gründe ist für Kinder fatal: Das Armutsrisiko von Alleinerziehenden ohne Erwerbstätigkeit steigt in Deutschland auf 80 %, in Großbritannien sogar auf 90 %. Die Armut der Kinder dauert dort auch länger als hierzulande. Permanent arm sind über 20 % der britischen Vorschulkinder und 10 % der deutschen. Dabei gibt Großbritannien mehr Geld für familienpolitische Maßnahmen aus als Deutschland (2,3 % gegenüber 2,0 % des BIP). Allerdings sind die Ausgaben für die Kinderbetreuung in Deutschland höher (0,8 % gegenüber 0,5 % des BIP). Auch profitieren die Kinder gewissermaßen nebenbei von der guten finanziellen Unterstützung bei Arbeitslosigkeit. Hier gibt Deutschland mit 3,6 % des BIP fast dreimal so viel aus wie Großbritannien.