Nur jede siebte Stelle wird vom Arbeitsamt vermittelt. DIW Berlin: Reform des Berichtssystems dringend erforderlich

Pressemitteilung vom 27. Februar 2002

Repräsentative Angaben von Arbeitssuchenden bestätigen, dass die Vermittlungsstatistik der Bundesanstalt für Arbeit kein zutreffendes Bild zeichnet. Nach den Ergebnissen des vom DIW Berlin erhobenen Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) gibt nur etwa ein Viertel ehemals Arbeitsloser an, über das Arbeitsamt von dem neuen Arbeitsplatz gehört zu haben. Selbst unter Berücksichtigung des Stichprobenfehlers liegt die Quote bestenfalls bei 30 % Siehe aktueller Wochenbericht 9/2002
Auf dem extrem angespannten Arbeitsmarkt in Ostdeutschland spielt die Vermittlung durch das Arbeitsamt eine größere Rolle als in Westdeutschland. Während in Westdeutschland nur 19 % der zuvor Arbeitslosen über das Arbeitsamt von der neuen Stelle erfahren haben, sind es in Ostdeutschland 37 %.
Betrachtet man alle neuen Jobs, dann wird nur etwa jeder siebte vom Arbeitsamt vermittelt. Die wichtigste Quelle für Informationen stellt offensichtlich das private Beziehungsnetzwerk an Freunden, Bekannten und Angehörigen dar; dies gilt gleichermaßen für Ost und West. Eine moderne Form der Vermittlung, das Internet, spielt bei Arbeitslosen noch keine Rolle, während besser qualifizierte Arbeitssuchende und Jobwechsler immerhin schon in etwa 2 % der Fälle ihren neuen Arbeitgeber über das Internet gefunden haben.
Das DIW Berlin begrüßt die mit den Grundsätzen Dienstleistung im Wettbewerb, Konzentration der Kernaufgaben sowie leistungsfähiges kundenorientiertes Management eingeleitete Reform der Bundesanstalt für Arbeit. Die Verbesserung der Vermittlungsstatistik ist auf den ersten Blick nur ein vergleichsweise unwichtiger Bestandteil der Reform. Gleichwohl ist diese Reform insoweit zentral, als sie mit einer Reform der statistisch-wissenschaftlichen Evaluation der Arbeitsmarktpolitik Hand in Hand gehen muss. Hier ist mehr Kooperation der Bundesanstalt mit Dritten - nämlich der Wissenschaft - notwendig.