Argentinien: Freigabe des Pesos keine dauerhafte Lösung. DIW Berlin empfiehlt Wechselkurssystem mit Bandbreiten

Pressemitteilung vom 20. März 2002

Mit der Freigabe des Wechselkurses für den Peso Anfang dieses Jahres hat Argentinien seine Währungspolitik grundlegend geändert. Elf Jahre lang war die Währung zuvor durch ein Currency Board fest an den US-Dollar gebunden. In seinem aktuellen Wochenbericht 12/2002 erteilt das DIW Berlin dieser Währungsstrategie eine klare Absage. Aber auch die Freigabe des Pesos stellt nach Meinung des DIW Berlin keine tragfähige Lösung dar. Stattdessen empfiehlt das DIW Berlin einen Mittelweg: ein Wechselkurssystem mit vereinbarten Bandbreiten für Wechselkursschwankungen, ähnlich wie seinerzeit das Europäische Währungssystem (EWS). Damit würde auf der einen Seite ein stabilitätspolitischer Anker gesetzt. Auf der anderen Seite hätte die Zentralbank Spielraum, bei schwerwiegenden Krisen und erheblichen strukturellen Verwerfungen abzuwerten oder durch gemeinsame Interventionen den Druck auf die Währung zu mindern. Argentinien sollte sich dabei mit Brasilien und den übrigen Mercosur-Ländern zusammenschließen, also den Volkswirtschaften, mit denen es zum einen über intensive Handelsbeziehungen verbunden ist und sich zum zweiten glaubwürdig auf das Ziel Preisstabilität einigen kann.
Die feste Bindung der Währung an den US-Dollar hatte das Land in eine tiefe Krise geführt. Zwar war es gelungen, die Hyperinflation zu Beginn der neunziger Jahre erfolgreich zu bekämpfen. Die Wirtschaftspolitik hatte aber keinen Spielraum, die mit dem Festkurssystem verbundene deflationäre Entwicklung zu verhindern. Als der US-Dollar Mitte der neunziger Jahre deutlich aufwertete, führte dies dazu, dass sich die Deflationstendenz verfestigte, und Argentinien geriet - bei stetig steigender Auslandsverschuldung - in eine Depression. Die Freigabe des Wechselkurses des Pesos hatte jetzt die erwünschte drastische Abwertung zur Folge. Der Wert des Pesos sank innerhalb kurzer Zeit um 40 %. Auch wenn sich dies positiv auf Argentiniens Exporte auswirken dürfte, sind die Probleme keinesfalls gelöst. Dabei ist die Gefahr, dass Argentiniens Glaubwürdigkeit im Hinblick auf die Inflationsbekämpfung leidet, weil der ausländische Stabilitätsanker gelichtet wurde, eher als gering einzuschätzen, da erst einmal die Deflation überwunden werden muss. Eine maßvolle Beschleu-nigung der Inflationserwartungen könnte daher die wirtschaftliche Entwicklung sogar stabilisieren. Ein erheblich schwieriger zu bewältigendes Problem ist die Last der Verschuldung in Auslandswährung, die durch die Abwertung stark zugenommen hat. Es ist fraglich, ob die argentinische Wirtschaft die infolge der Abwertung gestiegenen Zinsverpflichtungen für Auslandskredite überhaupt erfüllen kann. Zu erwarten ist vielmehr, dass eine internationale Umschuldung notwendig sein wird.