Geldpolitik der EZB: Expansionskurs beibehalten

Pressemitteilung vom 20. März 2002

Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) nur verhalten auf den weltweiten synchronen Abschwung reagiert hat, sind mit der sich bereits abzeichnenden Belebung der wirtschaftlichen Aktivität im Euroraum weitere Zinssenkungen unwahrscheinlich geworden. An den Finanzmärkten werden sogar bereits Zinserhöhungen erwartet. In seinem aktuellen Wochenbericht 12/2002 warnt das DIW Berlin vor der Wiederholung eines Musters aus der Vergangenheit: Mehrmals wurde ein gerade in Fahrt gekommener Aufschwung durch eine frühzeitige Straffung des geldpolitischen Kurses wieder abgebremst und so eine deutliche Besserung der Arbeitsmarktlage durch mehr Wachstum verhindert. Diese negativen Erfahrungen sollten die EZB veranlassen, ihren expansiven geldpolitischen Kurs beizubehalten. Zumal nichts auf steigende Inflationsraten im Euroraum hindeutet. Als Voraussetzung für eine Fortsetzung dieses Kurses müssen die Tarifparteien im Euroraum ihren Kurs moderater Lohnzuwächse ebenfalls fortsetzen.
Nach Zinssenkungen um insgesamt anderthalb Prozentpunkte im vergangenen Jahr hat die Europäische Zentralbank die Leitzinsen seit Oktober unverändert gelassen. Die kurzfristigen Zinsen liegen mit real 1 % um rund zwei Prozentpunkte unter ihrem langjährigen Durchschnitt und auch unter dem Trend des realen Wirtschaftswachstums im Euroraum. Sie dürften daher anregend auf die konjunkturelle Entwicklung im Euroraum wirken. Auch die langfristigen Zinsen im Euroraum sind, wenn auch unter Schwankungen, im vergangenen Jahr gesunken.

Das DIW Berlin betont, dass eine Geldpolitik, die auf ein hohes und stetiges Wachstum zielt, den Zuwachs des Produktionspotentials beeinflussen kann. Insbesondere wird so eine Erhöhung der Sockelarbeitslosigkeit verhindert, und es kann die existierende Arbeitslosigkeit, die nur teilweise strukturell ist, verringert werden. Eine durch gute Beschäftigungsmöglichkeiten steigende Erwerbsbeteiligungsquote verleiht dem Produktionspotential dann wiederum einen zusätzlichen Schub. Voraussetzung für diesen positiven und sich selbstverstärkenden Mechanismus ist eine moderate Lohnentwicklung. Die EZB sollte klarstellen, dass sie bereit ist, Lohnmoderation zu honorieren, indem sie geldpolitisch expansiv wirkt und so den Aufbau von Beschäftigung begünstigt.