Japan: Wege aus der Krise. DIW Berlin stellt Vierteljahresheft zu Japan vor

Pressemitteilung vom 3. April 2002

Japans überwältigende Erfolgsgeschichte kam zu einem plötzlichen Ende, als in den achtziger Jahren die sogenannte Bubble platzte. Seitdem befindet sich die japanische Wirtschaft in einer dauerhaften Krise. Deflation kennzeichnet die Lage. Trotz aller Politikversuche kam die heimische Nachfrage nicht wieder in Gang. Im neuen Band der Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung des DIW Berlin Japan: How to Overcome the Difficult Decade? werden erstmals umfassend die Möglichkeiten und Grenzen der japanischen Reformpolitik analysiert. Dabei wird nicht nur die japanische Makropolitik unter die Lupe genommen, sondern auch die jüngsten Strukturreformen im Unternehmens- und Bankensektor sowie der sozialen Sicherung.
Die Untersuchungen zeigen, dass die traditionelle Makropolitik mit der Lösung der vielschichtigen Probleme der japanischen Wirtschaft überfordert ist. Dennoch steht Nippon nicht für ein Beispiel abnehmender Bedeutung nationaler Wirtschaftspolitik in einer globalisierten Welt. Es ist vielmehr die Art der Wirtschaftspolitik, nämlich ein Stop-and-go-Kurs, der Japan in die Krise führte. Die Reformanstrengungen waren oft nur halbherzige ad hoc Bemühungen. Dennoch kann das vergangene Jahrzehnt nicht als ein verlorenes Jahrzehnt bezeichnet werden. Tatsächlich gab es wichtige Schritte in Richtung mehr Markt gerade im Unternehmens- und Bankensektor.

Die vorgestellten Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine dauerhafte Belebung der heimischen Wirtschaft nicht nur abgestimmte Reformschritte und eine konsistente Makropolitik, sondern auch eine forcierte Integration Japans in die Weltwirtschaft erfordert. Profitieren könnte Japan dabei nicht zuletzt von seiner vielfach kaum beachteten Vorreiterrolle bei der Verbreitung moderner Kommunikationstechnologien.

Inhalt
· Günter Weinert: Japanische Makropolitik
· Jörn Kleinert, Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW): Integration Japans in die Weltwirtschaft
· Gunther Schnabl, Universität Tübingen und University of Stanford: Bestimmungsgründe des Yen/US-Dollar Kurses
· Andreas Nabor, HWWA: Reformversuche im Finanzsektor.
· Mechthild Schrooten, DIW Berlin: Zusammenhang zwischen Finanzmarkt und Wachstum.
· Martin Schulz, Fujitsu Research Institute: Unternehmensreformen
· Hilda Joffe, BM Wirtschaft u. Technologie: E-Commerce in Japan
· Tetsuo Fukawa, IPSS, Tokyo: Vergleich zwischen den Reformen der sozialen Sicherungssysteme in Japan und Deutschland