Rohölpreise: Zwischen Konjunkturhoffnungen und Kriegsängsten. DIW Berlin: 20 bis 25 US-Dollar je Barrel bei Beruhigung im Nahen Osten

Pressemitteilung vom 10. April 2002

Anzeichen für einen einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwung in den USA und Europa, die zunehmende Quotendisziplin der OPEC-Länder und Spekulationen um eine militärische Intervention der USA im Irak, von der eine Verknappung der Ölversorgung befürchtet wird, lösten im ersten Quartal 2002 einen unerwartet starken Preisauftrieb beim Rohöl aus. Anfang April hat der Preis für Rohöl bereits 27 US-Dollar je Barrel überschritten. Das DIW Berlin geht in seinem aktuellen Wochenbericht 15/2002 davon aus, dass bei einer Beruhigung der Lage im Nahen Osten die Ölpreise zunächst wieder abbröckeln werden (auf 20 bis 25 US-Dollar je Barrel). Als Gründe hierfür nennt das Berliner Institut den im zweiten Quartal saisonal bedingt sinkenden Ölverbrauch und die vorhandenen Lagerbestände. Sollte sich die Krise im Nahen Osten hingegen ausweiten, sind weitere Preissteigerungen auf über 30 US-Dollar je Barrel wahrscheinlich.
Der Preis für Rohöl ist Ende vergangenen Jahres aufgrund der weltweit schwachen Konjunktur und der rückläufigen Ölnachfrage innerhalb von drei Monaten um etwa zehn US-Dollar auf 18 US-Dollar je Barrel gefallen. Verstärkt wurde dieser konjunkturelle Effekt durch den Einbruch des Treibstoffverbrauchs im Luftverkehr als Folge der Ereignisse vom 11. September. Der Preisverfall wurde erst Anfang 2002 gestoppt, nachdem die OPEC angekündigt hatte, zusammen mit Ölproduzenten außerhalb des Kartells die Ölgewinnung um knapp 3 % (2 Millionen Barrel pro Tag) zu senken und damit an den niedrigeren Verbrauch anzupassen.

Das DIW Berlin stellt in seinem Bericht dar, dass sowohl die Verbraucher- als auch die Ölexportländer ein Interesse haben, starke Preisausschläge beim Rohöl zu dämpfen. Der OPEC ist das in der Vergangenheit jedoch nur unzureichend über die Steuerung der Fördermengen gelungen. Die Idee, die Verbraucherländer könnten mit ihren Lagerbeständen durch gezielte Bestandsveränderungen die Preisentwicklung beeinflussen, beurteilt das DIW Berlin skeptisch. Voraussetzung hierfür wäre, dass die intervenierenden Stellen über bessere Informationen verfügen als die Märkte. Das wäre nur bei einer engen und zur Zeit nicht zu erwartenden Kooperation mit den Ölförderländern möglich.