Pressemitteilung/Press Release

Pressemitteilung vom 07.04.2010

Höhere Benzinpreise: Die Ökosteuer hat den Anstieg des Verkehrsaufkommens gebremst

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DIW-Studie: Lenkungswirkung gering, aber messbar

Die Ökosteuer hat den Anstieg des Verkehrsaufkommens etwas gedämpft und damit dazu beigetragen, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des DIW Berlin. Die Wirkung ist allerdings gering und kann den langfristigen Trend zur steigenden Nutzung von Kraftfahrzeugen nicht umkehren. Grund dafür ist, dass die Autofahrer zwar auf Benzinpreisänderungen reagieren, dieser positive Effekt durch Einkommenserhöhungen aber größtenteils wieder verlorengeht.
 

Bei steigendem Einkommen steigt auch die Fahrleistung

„Die privaten Haushalte reagieren tatsächlich auf höhere Benzinpreise und fahren weniger Auto“, sagte DIW-Experte Viktor Steiner. “Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass eine Erhöhung des Benzinpreises um zehn Prozent die Anzahl der gefahrenen Kilometer um etwa zwei Prozent reduziert.“ Dies entspricht einer Strecke von 200 Kilometern pro Haushalt und Jahr und würde im Falle der Ökosteuer eine durchschnittliche Verringerung des CO2 -Ausstoßes um 120 Kilogramm pro Haushalt und Jahr bedeuten.

Da sich jedoch die privaten Haushalte beim Fahrverhalten stärker an ihrem Einkommen orientieren – sprich bei steigendem Einkommen mehr Geld für das Tanken ausgeben – fällt die gewünschte Lenkungswirkung der Ökosteuer in der Praxis geringer aus. Steiner: „Wenn die Einkommen um zehn Prozent steigen, erhöhen die privaten Haushalte ihre durchschnittliche Fahrleistung gleich um vier Prozent.“

Ökosteuer nur ein Instrument im umweltpolitischen Mix

Hinzu kommt noch die Ausweichmöglichkeit über den Tanktourismus, die die umweltpolitische Wirkung der Ökosteuer weiter einschränkt. Das Fazit der Experten lautet: „Ohne die Ökosteuer wäre das Verkehrsaufkommen noch mehr gestiegen. Aber die Ökosteuer alleine kann die Verkehrsemissionen nicht signifikant verringern, es müssen zusätzlich andere umweltpolitische Maßnahmen her.“


Die Ökosteuer hat zu geringerer Umweltbelastung des Verkehrs beigetragen. Von Viktor Steiner und Johanna Cludius. In: Wochenbericht 13-14/2010

Stichwort SOEP

Die DIW-Forscher verwendeten für ihre Untersuchung die Haushaltsdaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist eine seit 1984 laufende Langzeitbefragung von mehr als 10.000 privaten Haushalten in Deutschland. Das am DIW Berlin angesiedelte SOEP gibt Auskunft über Faktoren wie Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung oder Gesundheit. Im Auftrag des DIW Berlin werden jedes Jahr in Deutschland über 20 000 Personen in rund 11 000 Haushalten von TNS Infratest Sozialforschung befragt. Weil jedes Jahr die gleichen Personen befragt werden, können langfristige soziale und gesellschaftliche Trends besonders gut verfolgt werden.

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Wochenbericht 13-14/2010 | PDF, 483.32 KB

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