Pressemitteilung/Press Release

Pressemitteilung vom 06.03.2013

Exportgeschäft ist für die deutsche Wirtschaft immer wichtiger

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Europäische Union verliert als Absatzmarkt an Bedeutung, während der Handel mit China stark wächst – Titel des Vize-Exportweltmeisters geht an die USA verloren

Nie zuvor war die deutsche Wirtschaft so stark vom Exportgeschäft abhängig wie derzeit: Im Jahr 2012 wurden Waren im Gesamtwert von knapp 1,1 Billionen Euro exportiert, was rund 44 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Gleichzeitig ist jedoch der deutsche Anteil am Welthandel gesunken. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor. „Insbesondere der Markt in China hat in den letzten Jahren erheblich zum Exportwachstum beigetragen“, sagt Studienautor Karl Brenke. „Aber die traditionellen Absatzmärkte in Europa machen uns Sorgen.“ So hat die schwache Entwicklung in der Eurozone dazu beigetragen, dass Deutschland hinter China und den USA nur noch das weltweit drittgrößte Exportland ist. Die Ursache liegt dabei nicht allein in der Krise; die Entwicklung im Euroraum ist vielmehr schon seit einer Dekade schwach. Die Länder der Europäischen Union (EU) sind zwar nach wie vor der wichtigste Absatzmarkt für deutsche Exporteure, verlieren aber zunehmend an Bedeutung. Demgegenüber nimmt der Handel mit Asien und europäischen Nicht-EU-Ländern wie Russland zu.

Während sich das Geschäft mit den USA schwach entwickelte, kam es in China zu einem regelrechten Boom: In den Jahren von 2000 bis 2012 sind die deutschen Ausfuhren in die Volksrepublik um jahresdurchschnittlich 17,7 Prozent gestiegen. Heute machen sie bereits 6,1 Prozent aller deutschen Exporte aus. Auch mit der Schweiz, der Türkei, Brasilien und Australien wird immer mehr gehandelt. „Insgesamt ist das deutsche Exportgeschäft, was die Abnehmerländer betrifft, breiter gestreut als zu Beginn des letzten Jahrzehnts“, erklärt DIW-Konjunkturexperte Simon Junker. Denn: Die klassischen Handelspartner verlieren an Bedeutung. Während der Anteil der EU an den deutschen Exporten mit heute 57 Prozent mehr als sieben Prozentpunkte geringer ist als noch im Jahr 2000, ist der Anteil der Eurozone sogar um acht Prozentpunkte auf 37,5 Prozent gefallen.

Deutsche Exporte sind mehr als Maschinen und Autos

Auch auf der Produktseite konnten die beiden Autoren eine zunehmende Diversifizierung der deutschen Warenexporte feststellen: Maschinen und Fahrzeuge sind zwar noch immer die dominierenden Warengruppen, auf die zusammen fast die Hälfte aller Ausfuhren entfallen. Überschüsse werden in wachsendem Maße aber auch mit medizinischen und pharmazeutischen Produkten und mit chemischen Erzeugnissen wie Kunststoffen oder Farben und Lacken erzielt. Zu großen und auch weiter wachsenden Defiziten kommt es hingegen im Handel mit Rohstoffen wie Erdöl sowie mit Gas. Der Wert der gesamten Importe lag im vergangenen Jahr bei 37 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Insgesamt war die deutsche Außenhandelsbilanz 2012 bei knapp zwei Dritteln aller Staaten weltweit im Plus. Der Wert der Exporte lag ein Fünftel höher als der Wert der Importe, das entspricht einem Überschuss von 189 Milliarden Euro oder neun Prozent des gesamten Außenhandelsvolumens. Den größten Teil zum Überschuss trägt Frankreich bei – nach wie vor der wichtigste deutsche Handelspartner: Die deutschen Exporte überwiegen die Einfuhren aus dem westlichen Nachbarland um 23,5 Prozent.

Außenhandel ist für die Zukunft gut gerüstet

Das hiesige Exportgeschäft macht zwar 44 Prozent der Wirtschaftsleistung aus – womit Deutschland weit vor Ländern wie Italien oder Frankreich liegt, die nur eine nahezu halb so große Exportquote haben. Aber das Wachstum bleibt hinter dem des Welthandels zurück. Sorgen müsse das allerdings nicht bereiten, so DIW-Ökonom Brenke: „Wir ragen schon noch aus dem Orchester der einzelnen Länder heraus.“ Zuversichtlich blickt auch Konjunkturexperte Junker in die Zukunft: „Wir sind nicht mehr Exportweltmeister, haben aber weiterhin hohe Außenhandelsüberschüsse und sind breiter aufgestellt als noch vor einigen Jahren. Ein Indiz für eine Wettbewerbsschwäche ist das sicherlich nicht.“

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Wochenbericht 10/2013 | PDF, 430.59 KB

Wochenbericht 10/2013 als E-Book | EPUB, 2.04 MB

Interview mit Karl Brenke | MP3, 2.69 MB

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