In Führungspositionen verdienen Frauen knapp ein Viertel weniger als Männer

Pressemitteilung vom 20. März 2014

Der geschlechtsspezifische Verdienstunterschied Vollerwerbstätiger in Führungspositionen und hochqualifizierten Tätigkeiten in der Privatwirtschaft lag im Jahr 2012 bei fast einem Viertel (23 Prozent). Das zeigen Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Frauen verdienten im Mittel fast 4.000 Euro monatlich, Männer hingegen rund 5.200 Euro. Die entsprechende tatsächliche Wochenarbeitszeit lag im Schnitt bei Männern bei 47 Stunden pro Woche und bei Frauen 45 Stunden.

Stichwort SOEP

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP ist am DIW Berlin angesiedelt und wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) von Bund und Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung mehrere tausend Menschen befragt. Zurzeit sind es etwa 30.000 Befragte in etwa 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.

„Die durchschnittliche absolute Verdienstdifferenz zwischen den Geschlechtern verringerte sich nur wenig in den letzten zehn Jahren“, sagt Elke Holst, DIW-Forschungsdirektorin für Gender Studies. Sie lag 2012 bei gut 1.200 Euro. Bei den Frauen stieg der Verdienst im Vergleich zu 2002 nominal um rund 800 Euro, bei den Männern um knapp 750 Euro. Aufgrund des geringeren Ausgangsniveaus der Verdienste vor zehn Jahren (Frauen: rund 3.150 Euro, Männer rund 4.400 Euro) fällt der geschlechtsspezifische Verdienstunterschied heute geringer als damals aus (2002: knapp 29 Prozent). Die Differenzen haben insbesondere im oberen Verdienstquartil der SOEP-Stichprobe abgenommen. „Flexiblere Karrieremodelle, mehr Transparenz bei der Besetzung von Führungspositionen und bei Höhe wie Form der Entlohnung können helfen, mehr Frauen den Aufstieg in besser bezahlte Positionen zu ermöglichen “, so DIW-Gender-Ökonomin Elke Holst.

Definitionen: Der untersuchte Personenkreis umfasst in den Berechnungen auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) Personen zwischen 18 und 64 Jahren, die angaben, als Angestellte in der Privatwirtschaft in Funktionen mit umfassenden Führungsaufgaben (zum Beispiel Direktorinnen/Direktoren, Geschäftsführerinnen/Geschäftsführer oder auch Vorstände größerer Betriebe und Verbände), sonstigen Leitungsfunktionen oder hochqualifizierten Tätigkeiten (zum Beispiel Abteilungsleiterinnen/Abteilungsleiter, wissenschaftliche Angestellte, Ingenieurinnen/Ingenieure) tätig zu sein.

Tabelle

Zu den Einflussgrößen auf den Gender Pay Gap (auch im Vergleich zu Nicht-Führungskräften) vgl. Anne Busch und Elke Holst (2013): Geschlechtsspezifische Verdienstunterschiede bei Führungskräften und sonstigen Angestellten in Deutschland: Welche Relevanz hat der Frauenanteil im Beruf? In: Zeitschrift für Soziologie. Jg. 42. Heft 4. S. 315–336.